Argentinien

Nach Chile und dem argentinischen Teil Patagoniens flogen wir von der südlichsten Stadt der Welt nach Buenos Aires, der Welthauptstadt des Fußballs, des Tangos und der Hauptstadt dieses riesigen und facettenreichen Landes. Wer sich für El Calafate, El Chalten oder Ushuaia interessiert, der findet im Artikel Patagonien was sie oder er sucht. In diesem Artikel möchten wir uns allem, was nördlich von Patagonien liegt, widmen.

Vom kalten und windigen Ushuaia flogen wir an einem Freitag, den 13. hinauf in das hitzige Buenos Aires. Aufgrund unserer zu dieser Zeit tatsächlich noch sehr dürftigen Spanisch-Kenntnisse und der Verweigerung des Flugpersonals der Billig Airline, mit uns auf Englisch zu kommunizieren (obwohl sie es doch irgendwie gekonnt hätten), verpassten wir unseren ersten Flug an diesem denkwürdigen Tag. Der Computer am Check in war ausgefallen und uns Wartenden an der Gepäcksabgabe nichts weiter (zumindest nicht auf Englisch) gesagt worden. So waren wir umso überraschter als wir – noch immer wartend dass wir unser großes Gepäck aufgeben könnten – vom Lautsprecher aus aufgerufen wurden. Da dieser Flughafen nicht viel größer als der Hörschinger ist, fanden wir auch schon im Nu unseren Weg durch den Security Check (inkl Aufgabegepäck, Messer, Flüssigkeiten – everything!) weiter hin zum Gate. Ihr könnt euch unsere Stimmung/Gesichter vielleicht vorstellen; in einem Mix aus Verzweiflung und Verärgerung diskutierten wir hitzig – und auf wundersame Weise war Englisch nun möglich – mit dem Flugpersonal. Schließlich begleitete uns doch ein netter Mann vom Wachdienst wieder zurück zum Check-In Schalter, wo uns Hilfe versprochen wurde – der Flieger flog ohne uns. Die Hilfe bestand darin, dass wir eine 3/4 Stunde später eine Telefonnummer auf einen Zettel geschrieben bekamen, wo wir uns beschweren sollten. Egal, wir buchten eine andere Airline die an diesem Tag noch flog und kamen noch am selben Abend dieses Freitag, den 13. in Buenos Aires an.

Hat eh mehr als ein halbes Jahr des Reisens gedauert, dass wir folgendes lernten: Fliege niemals an einem Freitag, den 13. – oder meide, wenn möglich, Billig-Fluglinien….

Buenos Aires

Müsste ich für längere Zeit in einer Großstadt leben, Buenos Aires wäre diese Stadt. „B.A.“ (=Buenos Aires) empfing uns mit dem erwarteten südamerikanischem Charme, der uns in Patagonien noch irgendwie gefehlt hatte/verwehrt geblieben war. Zur Erklärung: Patagonien würde ich aufgrund der ähnlichen (atemberaubenden) Landschaft, der etwas höheren Kosten für das tägliche Leben und den ewig langen Sommertagen vielleicht als das „Norwegen Südamerikas“ beschreiben. Also doch nochmals anders als das, was man von Südamerika (Hola chicos, qué tal) im ersten Moment vielleicht im Kopf hat.

Kleine Bistros und Straßenverkäufer zieren hier die Gehsteige, Musik drängt bis spät nachts von den Dächern, Restaurants öffnen frühestens gegen 20 Uhr ihre Pforten für den Abendbetrieb (du erkennst die Touris, die bereits um 8 Uhr an den Türen warten – als echter Argentinier isst man um 22 Uhr) und auf den Straßen ist einfach immer etwas los. Und das ist gut so!

Und – es weihnachtete 🙂 Die Adventszeit fühlt sich definitiv anders als bei uns, der Grundgedanke aber bleibt. In T-Shirt und Shorts, auf der Suche nach Schatten – so hatten wir die Vorweihnachtszeit noch nie erlebt.

Buenos Aires ist nicht nur eine Metropole (in der Provinz Buenos Aires leben 15 Mio Einwohner – also ⅓ der Gesamtbevölkerung des Landes), sondern auch eine sehr lebens- und eben auch erkundenswerte Stadt. Deshalb machten wir auch gleich mal 2 Free Walking Touren – 1x in der Innenstadt und 1x im weltberühmten Recoleta Friedhof. Noch bevor wir zu unserer ersten Tour starteten, hatte ich an diesem Tag bereits 15 km zu Fuß zurück gelegt. Kurz, es gibt einfach wahrhaftig viel zu bestaunen in dieser City. ¡Miren!/Seht selbst!

Das wirklich lässige an so einer Weltstadt? Man kennt auch viele Leute und so wurden wir an einem der Abende zur Jahresabschlussveranstaltung (dem äquivalent zu unserer Waldweihnacht) einer lokalen Pfadfindergruppe von Dami und Geo eingeladen. Diese beiden hatte Maria vor mittlerweile 2 Jahren am Rovermoot, einem internationalen Pfadfinderlager, in Island kennen gelernt. Wir staunten nicht schlecht, als diese im Innenhof einer Pfarre, direkt neben der Kirche ein Lagerfeuer entzündeten und 1h lang Pfadfinder-typische Lieder, Sketche und Tänze performten. Wieder einmal der Beweis dafür, dass man trotz dessen, dass man aus so verschiedenen Winkeln dieses Planeten stammt, so viele Gemeinsamkeiten vorweist und einen schnell das Gefühl von angenehmer Vertrautheit überkommt – einfach schön mitzuerleben. Anschließend trafen wir uns noch bei einer Bowlingbahn, 23:55 perfekte Zeit in Argentinien um fort zu gehen bzw mit dem Abendessen zu starten – Papas Fritas gehen halt immer.. Ihr denkt in Argentinien geht es ums Bowlen beim Bowlen? – ja schon auch, aber natürlich wird auf der Bowlingbahn ebenso Salsa getanzt und ein Moderator oder besser gesagt ein Animateur bringt die Leute zum tanzen.

Auf einen Pfadfinderfreund von Georgs Patrulle vom Moot trafen wir am nächsten Tag, mit dem wir um die Bars in Palermo zogen. Richtig guter Abend, jedoch weniger Bilder 😉

Was geschah noch?

Wir besuchten das preisgekrönte angeblich schönste Buchgeschäft der Welt:
El Ateneo Grand Splendid, in einem alten Theater.

Wir schnappten uns Räder und cruisten von La Boca bis rauf zu den Rosengärten in Palermo.

Wir verspeisten unsere ersten Argentinischen Steaks:

Wir staunten nicht schlecht, als auf einem (noch eher) untouristischen Markt die Einheimischen ihre Tangokünste zum Besten gaben. Was vielleicht auch auf diesem Foto extrem auffällt: Argentinien hat (aufgrund der hohen Zuwanderung aus diversen europäischen Ländern, zu unterschiedlichen Zeiten) die Einwohner mit der hellsten Hautfarbe in ganz Südamerika.

Wir machten viele, viele Fotos von den imposanten Gräbern am Friedhof Recoleta, der nicht nur von mystischen Geschichten geprägt ist, sondern auch sehr viele berühmte argentinische Persönlichkeiten die letzte Ruhestätte bietet. Wie zum Beispiel Eva Peron – vielen bekannt als „Evita“ aus dem gleichnamigen Musical –, und einige ehem. Staatsoberhäupter des Landes.

Und so schnell war die Big-City-Life-Zeit auch schon wieder verflogen und wir machten uns auf den Weg zu einem kleinen ehemaligen Militärflughafen, von wo aus wir weiter nach Jujuy fliegen sollten. An eben diesem Flughafen, überkam mich dann ein erstes Mal seit fast einem Jahr auf Reisen ein wehmütiges Gefühl – Gänsehaut zog sich bei mir auf, als folgendes Erlebnis mich an die Heimat erinnerte:

Im Eingangsbereich des Flughafens trafen wir auf ein Orchestra junger Musiker, die entweder ebenso verreisten oder einfach dafür bezahlt wurden, auf dem Flughafen ein bisschen weihnachtliche Stimmung zu verbreiten… Nachdem sie ihre Aufstellung einnahmen und ihre Instrumente fertig gestimmt hatten, dürft ihr 3 Mal raten welches Lied sie anstimmten. Ein mittlerweile 201 Jahre altes Lied von Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber: Stille Nacht – wie eine angenehme Ohrfeige weckte diese Melodie mein Weihnachtsgemüt.

Aldea Luna – im Jungas nAtionalpark nahe Jujuy

Von unserer Freundin Daniela bekamen wir gleich zu Beginn unserer Zeit in Argentinien den Tipp: „Wenn ihr etwas komplett untouristisches machen möchtet, verbringt eine Zeit lang im Norden Argentiniens, im Aldea Luna.“ Und weil wir für Weihnachten und Silvester eh „etwas besonderes“ machen wollten (als ob es nicht genug wäre, die schönste Zeit im Jahr auf einem anderen Kontinent zu verbringen..;)) buchten wir zwei Wochen in den argentinischen Jungas – darauf vertrauend, dass wenn es Dani dort gefallen hat, es für uns auch sicher ganz gut werden würde. Und eines dürfen wir vorwegnehmen, es war einfach grandios! ❤

Raus aus der Stadt und rein in den Dschungel: Offline sein, endlich Spanisch lernen, vegetarisch essen – abseits jeglicher Zivilisation – so wollten wir Weihnachten und Silvester verbringen. Ich hatte von uns vielleicht die geringste Vorstellung davon, was uns erwarten würde.

Durch den Luxus des eigenen Campervans in Neuseeland waren aus unseren 7 Sachen deutlich mehr geworden und diese mussten wir erstmalig am Buckel 1 Stunde zu Fuß über Hügel, Felder und Bäche in das private Naturreservat Aldea Luna schleppen. Ein lächelnder Alejo machte jedoch jegliche Verzagtheit wett. Alejo ist ein unglaublich sympathischer, junger Argentinier aus B.A, der ein paar Wochen als Volontär im Reservat verbrachte, Er holte uns bei der Bushaltestelle ab, zu der wir 1 ½ Stunden von Jujuy hin getuckert waren und dabei eigentlich eh nur 15km zurücklegten – aber bei jeder Haltestelle wurde getratscht, gebusslt etc…– that’s South America!

Die wunderbare Idee, welche hinter dem Aldea Luna Reservat steckt, ist jene mit privaten Mitteln, einen Teil des Yungas Regenwalds vor der Abforstung zu schützen und hier interessierten Menschen Spanisch Kurse oder Dschungel Wanderungen anzubieten. Volonteers oder auch reine Übernachtungs-Gäste sind gleichauf willkommen. Die Betreiber und Initiatoren sind Elisabeth & Martin – diese werdet ihr später noch kennen lernen. Wir bezogen gleich mal unsere eigene kleine Hütte – ich glaube das war das erste Mal, dass wir so lange an einem Ort verweilten und nicht täglich unseren Rucksack packen mussten – einen Kleiderkasten lernt man auf so einer Reise richtig zu schätzen (egal ob aufgeräumt oder nicht). Die erste Woche buchten wir einen Intensivsprachkurs (d.h. Vor-und Nachmittagsunterricht zu je 2 Stunden) und die zweite Woche hatten wir Halbtagsunterricht. Neben Elisabeths Spanisch-Kurs, der für Reisen in Lateinamerika einfach unerlässlich ist, muss ich an dieser Stelle einfach auch ihre Küche erwähnen: wir haben jeden Tag, und seit laaaangem wieder mal 3x pro Tag und einfach so gut und abwechslungsreich VEGETARISCH gegessen – bäärig! Ich war während dieser Zeit sogar echt davon überzeugt ins neue Jahr als Vegetarier zu starten und das auch ernsthaft durchzuziehen. Diesen Plan durchkreuzte uns dann aber auch wieder relativ schnell das köstlich, saftig und preiswerte argentinische Rindfleisch – tja, c’est la vie (Maria und ich packten nicht selten unsere Französischkenntnisse aus, mischten diese mit spanischer Betonung und Körpersprache und hofften unser Gegenüber würde uns so etwas besser verstehen – und manchmal funktionierte das sogar!). Zurück zur Gaumen-Orgasmus-bereitenden vegetarischen Küche Elisabeths– hier findet ihr einen kleinen Auszug der Rezepte… und dann noch diese selbstgemachte Chili Sauce – und als Draufgabe waren die meisten Gemüsesorten aus eigenem Anbau. Uns ging’s wirklich gut und das Fleisch ging uns zu keiner Zeit ab.

Wer vermisst da schon Fleisch?!

Was kann man in einem Nationalpark im Nirgendwo ohne Internetempfang oder Strom tun? Naja, lange nach dem Essen sitzen bleiben, tratschen, mit oder ohne den Hunden (meistens aber mit) wandern/spazieren gehen, Risiko (natürlich auf Spanisch…) oder Schach spielen (Schach ist übrigens DAS Nationalspiel der Argentinier wie bei uns das Schnapsen oder Boccia im mediterranen Raum) – oder mal Abends die Sterne beobachten.

Oder auch: einem echten Gaucho zusehen, der seine Pferde-Herde durch den Fluss führt, einfach nix tun, eiskalt duschen oder Yoga machen mit der italienischen Volonteer,…

…oder am heilig Abend den Fluß aufstauen und darin baden und Sangria trinken – natürlich in der Gesellschaft von „unseren“ 5 Hunden die uns vor den herumstreuenden Kühen beschützten.

…oder einen gezogenen Apfelstrudel für Neujahr vorbereiten (wohl gemerkt, eine Hälfte mit und eine ohne Rosinen!).

Es war eine sehr schöne entspannte Zeit um die Seele baumeln zu lassen UND um unser Spanischlevel von „Hola, que tal…“ auf wichtige Grundkonverserationen zu heben. Und für Maria, um endlich mal richtig gut in einem Schulfach abzuschneiden und ein bisserl die Streberin in ihr zu erwecken. 😉 Aldea Luna war für uns im Nachhinein gesehen wirklich ein idealer Ort, um bei unserer Langzeitreise einmal zwei Wochen komplett abschalten zu können.

Bei unserer Abreise, begegnete uns noch eine Tarantula. Unter uns, ich kann euch nicht sagen wie froh ich bin, dass Maria die Spinne nicht gesehen hat, die bereits am zweiten Tag neben ihrem Bett war… ;p So stapften wir samt Sack und Pack wieder zurück zum Bus, der uns nach El Salvador de Jujuy brachte – wie die Stadt mit ganzem Namen heißt.

Die Tarantel fühlte sich von Martin und Georg bedroht, die ca einen halben Meter entfernt von ihr standen – deshalb sucht sie den Fluchtweg übers Wasser. Faszinierend, so ein Geschöpf in seinem ursprünglichen Lebensraum zu sehen und nicht in einem Glaskasten im Zoo.

El Salvador de Jujuy

Hier hieß es für uns erstmal wieder mit der Welt „connecten“ und unsere nächsten Schritte planen. Dabei herauskommen ist die Anmietung eines Autos um die nächsten 10 Tage mobil zu sein und das 1500 km weiter südliche Weinbaugebiet Mendoza zu erreichen.

Das wir in Jujuy wenig Schlaf abbekamen, lag erstmals nicht daran, dass wir selbst es so bunt getrieben hätten und auch nicht dass wir nun dem Fleischkonsum verfallen waren. Nein, es lag daran, dass bei unserem Hostel – oder noch genauer: direkt unter unserem Fenster bis in die frühen Morgenstunden fröhliche Trommler vorbeimarschierten – „die heiligen 3 König san do“ hallte auf Spanisch rund um die Uhr durch die Innenstadt Jujuys.

Mit dem Mietauto ging es dann erstmal noch ein Stück weiter in den Norden und so richtig hoch hinauf: bis auf Viertausendeinhundertsiebzig Meter, wo wir am Pass erstmals ein paar freilaufende Lamas aus unmittelbarer Nähe beobachten konnten. Spätestens ab dort glaubte auch Maria an die heilende Kraft der Coca-Zuckerl (der Konsum von Coca-Blättern ist ja in einigen Regionen Südamerikas legal, da diese nachweislich das Leiden der Höhenkrankheit mindern). Also machten wir einen Abstecher nach Purmamarca, eine – am besten beschreibt es wahrscheinlich – „schnuggelige“ Stadt, mit direktem Ausblick auf das Panorama der verschiedenfarbigen Felsen, im Talkessel des Städtchens. Nach einer längeren Fahrt zur Salzwüste, den Salinas Grandes, nisteten wir die von nun an etwas kränkelnde Maria für die nächsten Tage in einer sehr charmanten Pension ein. Nach knapp 10 Monaten wurde für sie zumindest ein Teil der vielen vielen Medikamente relevant, die wir von Anbeginn der Reise mitschleppten…

Hornocal & Tilcara

Sicherlich ist es dort oben eine karge Gegend – doch irgendwie auch hübsch. Wir Jungs hatten nun also die Chance über die Schotterstraßen zu bretterten und kamen so in Rekordzeit an unserem erklärten Ziel an: den Serranía de Hornocal – einer ganz markanten und farbenfrohen Farbformation in den Bergen. Das Herumhüpfen und Spazieren auf 4.700 Meter über dem Meeresspiegel machten uns dann vielleicht doch etwas zu schaffen, als wir uns später niedersetzten und entweder eine Fata Morgana sahen oder tatsächlich ein Kupfervorkommen entdeckten.

..ahja und zwischendurch machten wir (zu Fuß wohlgemerkt) noch ein kurzes Praktikum auf einem Weingut.

Unsere weitere Route führte uns dann der Ruta Nacional 40 entlang – die wir doch schon einmal gesehen hatten. Genauer gesagt waren wir der Ruta 40 in Ushuaia schon einmal entlang gefahren: diese Straße, mit insgesamt 5301 km!, ist nämlich die längste Argentiniens – da sie von ganz im Norden, quasi Bolivien, bis in den südlichsten Süden verläuft. Um sich die Dimension vorstellen zu können, das ist ungefähr so weit, wie wenn man von Lissabon bis rauf zum Nordkap fährt, oder sogar noch etwas weiter als wenn ich von Linz in die kasachische Hauptstadt Astana fahren würde. Die Landschaft der Routenführung hat tatsächlich einiges zu bieten, von kurvigen Dschungelstraßen, vorbei an einsamen Bachläufen bis hin zu den imposanten Gesteinsmassen ist echt alles dabei, was das Fotografenherz höher schlagen lässt, oder vielleicht auch das Radfahrerherz? vll müss‘ ma da nochmal hin…

Bei unserem Abstecher in den Norden, waren wir quasi nur noch einen Steinwurf von Bolivien entfernt und so mussten wir nun „wirklich Meter machen“ und es blieb uns beim nächsten Streckenabschnitt Richtung Süden hauptsächlich der Blick aus dem Fenster, mit dem wir die Landschaft gedanklich einfingen. In Salta war unser nächster Stopp – eine vibrierende Stadt, die auch touristisch einiges zu bieten hat.

Von dort ging es weiter nach Cafayate, Chilecito und San Juan. Ein lässiger Roadtrip, vorbei an ausgegrabenen Dinosaurierskeletten, kurvigen Passstraßen, imposanten Felsformationen, einer übermenschlichen CH-esus Statue und ewig weiten Weinfeldern.

Mendoza…

…oder der Ursprung des Weines in Südamerika. Warum es uns dort so gefallen hat? Weil man dort die 2 schönsten Beschäftigungen der Welt miteinander verbinden kann: das Fahrradfahren und das Weintrinken. Wir liehen uns ein paar Bikes, bekamen eine Karte in die Hand gedrückt und schon ging es los, das lustige Verkosten:

Wir genoßen das wohl schmackhafteste 800g Tomahawk Steak, das wir vielleicht je gegessen haben werden:

..und erlebten wieder einmal ein Erdbeben. Martin und ich beim durch die Stadt spazieren, da es irgendwie auf einmal einen kräftigen Ruck gab, den wir aber nicht einmal wirklich spürten, sondern nur mitbekamen, dass auf einmal viele Leute aus den Hochhäusern rundherum strömten. Georg lag bei dem Beben gerade in der Badewanne und war kurzzeitig überfordert, wie er darauf jetzt reagieren sollte.

Ein weiteres Highlight in Mendoza war unser Ritt durch die Prärie und zwar mit echten Gauchos! Eineinhalb Stunden ritten wir entlang der argentinischen Anden, um dann später bei einem typischen Assado (= Grillerei) mit Wein und Gitarrenklängen den Abend ausklingen zu lassen. Übrigens falls wir es noch nicht erwähnt haben – und falls schon auch egal: in Argentinien rechnet man für ein Assado mit einem HALBEN KILO Fleisch pro Person! und es wäre jetzt nicht so, als gäbe es kein Brot davor, oder Zuspeisen … da haben die Italiener schon einiges an Dolce Vita mitgebracht.

Einen Abstecher machten wir ausserdem noch zur Open Air Therme Termas Cacheutas. Zugegeben es ist tatsächlich etwas verrückt, wenn man sich mitten in der Wüste befindet und dann in 45 Grad heißes Wasser springt – wir fanden’s leider geil. Und was macht der Argentinier/die Argentinierin, wenn sie/er in die Therme geht? Sie nehmen sich natürlich eine Kühlbox mit, um dort auch dem Grillen nachgehen zu können – ½ Kilo Fleisch pro Kopf.

Unser Flug ging von Santiago de Chile und so fuhren wir mit einem komfortablen Bus über die Anden, vorbei am Aconcagua, dem höchsten Berg Amerikas bzw. der Südhalbkugel, ausserhalb Asiens, mit seiner stolzen Höhe von 6961 m über dem Meeresspiegel.

Das war unsere Zeit in Argentinien- hier aber noch ein paar, wie ich finde wissenswerte Punkte, die ich einfach noch loswerden wollte:

ARGENTINIES Geschichte

Ich versuche mich kurz zu halten, nur da ich zuvor noch nie davon gehört habe, beglücke ich euch nun auch mit dem Erfahrenen:

Argentinien erhielt seinen Namen, da sich die Kolonialmächte in diesem Land Silber erhofften. Sie fanden zwar relativ viele Bodenschätze, nur nicht das erhoffte Silber – oder auf Latein Argentum (AG). Anfang des 19. Jahrhunderts gelang es Argentinien seine Unabhängigkeit zu etablieren und mit Ende des Jahrhunderts erblühte die Wirtschaft, dank starker Vieh-, Landwirtschaft und des Rohstoffreichtums. Zu dieser Zeit wurden in dem weitläufigen Land auch viele Arbeitskräfte benötigt was eine Einwanderung – vor allem von Italienern – zur Folge hatte. Quellen besagen, dass heute ein Drittel der Argentinier von Italienern abstammen und diese haben natürlich auch vieles von daheim mitgenommen: Pizza, Gelati oder die Cafekultur, um nur 3 sehr offensichtliche Beispiele des alltäglichen Reiselebens zu nennen. Es gibt jedoch auch viele andere Bevölkerungen die hier eingewandert sind. Seien es Polen, Chinesen oder Deutsche nach dem zweiten Weltkrieg – in Bariloche kann man angeblich auch das Haus bewundern in dem Hitler sein Lebensende verbracht hat…

Evita

Evita: die berühmteste Präsidentenfrau Argentiniens, die eigentlich Maria Eva Duarte de Peron hieß, wird bis heute im ganzen Land verehrt. In Buenos Aires ziert ihr Gesicht beide Seiten eines Hochhauses und begraben liegt die zweite Frau des argentinischen Präsidenten Juan Peron auf dem Friedhof in Recoleta. Doch bevor Evitas Leichnam seine letzte Ruhestätte erreichte, wurde er 17 Jahre quer durch die Weltgeschichte transportiert – über Mailand und Madrid, bis er nach Perons Tod wieder nach Südamerika gebracht wurde. Evita wurde nur 33 Jahre alt und setzte sich sehr für die armen Menschen in ihrem Land ein, was ihre Beliebtheit in der argentinischen Unterschicht erklärt. Ihr Grab in Buenos Aires wird von zahlreichen Schildern von Bewunderern geziert.

Madres de Plaza de Mayo

Wer sich in Buenos Aires oder anderen großen Städten Argentiniens fortbewegt und die typisch touristischen Plätze aufsucht, wird unweigerlich über auf den Boden gemalte Kopftücher stoßen. Diese Kopftücher symbolisieren die „Madres de Plaza de Mayo“. Mütter, deren Kinder während der Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 grausam getötet oder gefoltert wurden oder einfach nicht mehr auftauchten, begannen auf öffentlichen Plätzen Paarweise (größere Ansammlungen waren nicht erlaubt) ihre Runden zu drehen, um auf dieses Verschwinden aufmerksam zu machen. Da diese Frauen alle weiße Kopftücher trugen, wurde dies das Zeichen dieser Bewegung. Wahrscheinlich „verschwanden“ über 30.000 junge Männer in diesen Jahren.

Geld in Argentinien

Eines der heute tatsächlich größten Probleme des Landes, ist die nicht enden wollende Inflation – welche auch wir hautnah zu spüren bekamen: Ewig lange Warteschlangen vor den Bankomaten, Barabhebungsgebühren von 10 Euro, bei 60 Euro die wir maximal beheben konnten.

Bereits in Ushuaia bekamen wir den Tipp, im Casino Geld abzuheben, das funktionierte zwar grundsätzlich kostenfrei, doch behielten sich die Groupiers am Black Jack Tisch einen Teil des abgehobenen Geldes.

Ärgerlich, jedoch viel schlimmer trifft es natürlich die Einheimischen. Deren Erspartes im Jahr 2019 um 53,9% entwertet wurde, sie verlieren einen entscheidenden Betrag bei der Umwechslung auf ausländische Währung und dürfen per Erlass nur einen beschränkten Dollarbetrag pro Tag beheben.

Ganz klar, es ist auch bei uns nur eine Momentaufnahme und wir geben das weiter was wir aufschnappten, bzw. die Leute uns aufschnappen ließen. Wir bereisten das Land für 8 Wochen und das Bild das dabei herausgekommen ist geben wir an euch weiter.

Der Guide unserer Free Walking Tour in Buenos Aires endete seine Tour mit den Worten: „Argentinien ist ein schönes Land – vielleicht das schönste Land der Welt und ich liebe es. Wir müssen lachen, weil sonst müssten wir weinen.“

Der amtierende PAPST kommt aus ARGENTINIEN

Dass der amtierende Papst aus Argentinien stammt, wurde uns spätestens wieder bewusst bzw. in Erinnerung gerufen, als wir die riesigen Ankündigungsplakate für den von Netflix produzierten Film „Die 2 Päpste“ überall in BA verteilt sahen. – Den mussten wir uns natürlich auch gleich ansehen und halten ihn für extrem sehenswert, da auch seine Geschichte in Argentinien sowie die Zeit der Militärdiktatur behandelt wird.

MAGEMA Reisetipps Argentinien

  • bestellt nur eine Portion für 2 Leute – die Portionen sind riesig
  • iss ein Steak oder noch besser viele Steaks
  • iss Empanadas – wir lieben Empanadas
  • Geh tanzen oder besuche einen Tanzkurs
  • Kauf & trinke argentinische Rotweine – so günstig und gut hast du noch nie Rotwein getrunken!
  • geh Radfahren (wobei man das aus Martins Sicht sowieso in jedem Land machen sollte…)
  • Nimm dir bei einer Reise nach Argentinien am besten US-Dollar in Bar mit – so steigst du auf jeden Fall besser aus. In allen Städten des Landes stehen Menschen, die liebend gerne argentinische Pesos gegen US-Dollar wechseln – bzw kann man in den meisten Restaurants auch in US-Dollar bezahlen.
  • Auch hier gilt wiedermal – plant genug Zeit ein, das Land ist riesig und facettenreich.
  • Wir finden, dass Argentinien als Europäer sehr einfach zu bereisen ist, da es sehr viele Überschneidungen gibt – die Art des Reisens jedoch einen Lateinamerikanischen Touch mitbringt.

NEUSEELAND, die Nordinsel

Nach kurzer Schuhputzaktion (in Neuseeland wird penibelst darauf geachtet, dass keine Fremdstoffe in das einzigartige Ökosystem eindringen), reisten wir voller Enthusiasmus in jenes Land ein, auf das wir uns im Vorfeld vielleicht am allermeisten gefreut hatten. Unkompliziert und etwas von den kühlen Temperaturen überrascht, fuhren wir per Uber in unser Jucy Hostel in der Innenstadt Aucklands. Und schon bald lernten wir die Wechselhaftigkeit des neuseeländischen Wetters so richtig kennen: der Sonnenschein wurde immer wieder von kürzeren und längeren Regenintervallen unterbrochen – und genauso umgekehrt. Wir verstanden es aber auch schnell, uns darauf einzustellen und wappneten uns bei jedem, auch wenn nur zehnminütigem, Ausgang mit Regenjacke und Haube, sowie mit Sonnenbrille und der dazugehörigen -creme.

Auckland

Gut eingepackt und auf alle Wetterlagen vorbereitet stapften wir nun durch das hippe Auckland und konnten der Verlockung einfach nicht widerstehen: wir durchkämmten jeden Outdoor-Artikel Händler den wir so fanden und steigerten deren Quartalszahlen. Es waren tatsächlich zahlreiche Kathmandus, MacPacs, Patagonia-Stores etc. die wir durchforsteten und uns mit Fließjacken, Daypacks, Wanderhose etc eindeckten. Dass wir seit langem wieder einmal Camping Accessoires nutzen konnten, übte einen gewaltigen Reiz auf uns auf. – Vor allem hatten wir bald auch richtig viel Platz, da wir ganze Ausrüstung nicht selbst tragen, sondern mit dem Campervan herum-chauffieren konnten.

Am Nachmittag entschieden wir uns für eine 30-minütige Fährenfahrt nach Devonport, einem charmanten Vorort von Auckland, wo wir später auf Maria treffen sollten, einer der bedeutendsten Frauen von Martins Auslandssemester in Schweden. Nach einem Spaziergang auf den Aussichtshügel und durch die Einkaufsgassen fanden wir eine Hotelbar, in der wir bei Kaminfeuer & Livemusik mit IPAs auf Maria warteten. Das Wiedersehen war so schön und herzlich, dass wir uns für den Folgetag gleich nochmals verabredeten.

Zunächst befolgten wir am nächsten Tag noch den Ratschlag der Einheimischen und fuhren wieder mit der Fähre, dieses Mal auf Waiheke Island: quasi die die Wochenend‘ und Weinbauinsel der Stadt. An schönen Tagen hätte man mit dem Bike oder E-Bike die Insel erkunden können, diese Entscheidung nahm uns jedoch das Wetter ab und so fuhren wir mit dem Shuttlebus von Winzer zu Winzer. – Wie die Südsteirische Weinstraße, nur auf einer Insel und vielleicht nochmal etwas g’spitzer – wir genossen es sehr.

Dem Jucy Hostel gönnen wir auch eigenen Absatz weil es einfach erwähnenswert und für jeden Neuseelandurlauber relevant ist: Jucy Vans sind die wahrscheinlich – nicht nur gefühlt sondern echt – größte Campervermietungs Firma in Neuseeland. Es vergeht kaum eine Stunde Autofahrt, in der man die grellgrün-violetten Campervans nicht sieht. Marketingtechnisch ganz ordentlich, wobei sie es andererseits auch geschafft haben auf der Rückseite ihrer Vans 3 verschiedene Typos/Schriftarten zu platzieren (Ja, sowas fällt einem eben auf, wenn man in dem Bereich arbeitet). Wenn wir wieder einmal nach Neuseeland kommen, würden wir wahrscheinlich zu einem Campervan von Jucy greifen, da diese (auch wenn die teuersten und knalligsten) von der Innenausstattung und der Durchdachtheit den besten Eindruck machen. Für die ersten Nächte schliefen wir also in einem grellgrün-lila dekorierten Hostel – preislich hat es auf jeden Fall gepasst.

Northland

Und so folgte schon der Tag an dem wir unser mobiles Zuhause für die nächsten fünfeinhalb Wochen abholen konnten. Das ist er: unser Campervan (leider haben wir es irgendwie bis zum Schluss nicht geschafft, uns auf einen Namen zu einigen…):

Zugegeben, der erste Tag selbst am Steuer mit Linksverkehr kostete uns schon sehr viele Nerven – einfach auch weil sich die/der Beifahrer/in nochmals weiter an den Straßenrand versetzt fühlte und der/die Fahrer/in vielleicht tatsächlich auch oft zu weit links gefahren ist, aber das legte sich zum Glück nach ein paar Tagen. Wir beluden im Supermarkt unseren Einkaufswagen, als ob Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Allerheiligen und Allerseelen zusammen gelegt worden wären – einen richtigen Supermarkt mit richtig vielen, frischen Lebensmittel hatten wir schon lange nicht mehr gesehen. Danach fuhren gen Norden, ins sogenannte „Northland“ Neuseelands hinauf.

Wir hatten die erste Nächtigung in unserem „Self Contained“ Campervan vor uns: in Neuseeland gibt es die Zertifizierung „Self Contained“ bei Fahrzeugen und das heißt so viel wie, mit Wasser- und Abwasserbehälter sowie Camping-WC (auch wenn wir es nie benutzten) ausgestattet – denn auf manchen Gratis-Campingplätzen, darf man nur mit solch zertifizierten Fahrzeugen stehen. Wir planten also nahe der Waipu Caves zu nächtigen, die wunderschön im Nirgendwo des Northlands liegen, nach einigen letzten Kilometern Zufahrt über eine Schotterstraße. Die Höhlen sind bekannt dafür, Glühwürmchen zu beherbergen und auch wenn es schon dunkel wurde wagte sich Martin spät abends noch in die Höhle (in der es ja sowieso dunkel ist). Schon beeindruckend wenn sie in der Gesamtheit so von der Decke leuchten, aber wenn man näher rangeht, schauen die schon auch recht grausig aus.

Schon in dieser ersten Nacht bemerkten wir, dass – auch wenn wir uns offiziell noch in der Vorsaison befanden – der Tourismus in Neuseeland schon voll im Gange ist. Etliche Wohnmobile und Campervans parkten an diesem Abend bei den Waipu Caves und es würde im Laufe der Zeit und je weiter wir nach Süden fuhren immer mehr werden.

Den nächsten Tag starteten wir mit einer kleinen Wanderung und bei dieser ersten von vielen Weiteren in Neuseeland machten wir gleichmal eine wichtige Erfahrung: NEVER leave the campervan without a rain jacket, oder; nie ohne Regenjacke außer Haus! Anm. Maria: Was mir meine Eltern zwar eh schon immer, auch bei Wanderungen in Österreich eingeschärft hatten, aber es war an diesem Tag einfach so schön und vorerst weit und breit kein Wölkchen zu sehen.

Wir genossen die Roadtrip Stimmung, Radio/Musik rein, ab auf die Landstraße und dem Horizont entgegen – es gibt einfach so vieles zu sehen bei so einer Autofahrt durch Neuseeland. Anfangs am markantesten waren für uns die grünen Mischwälder – und zwar richtige Mischwälder mit Nadelbäumen, Laubbäumen, Palmen und unzähligen Farnen – herrlich! Und dann natürlich auch die unzähligen Flüsse, Strände, Schafe, Kühe, Hirsche, …… Wenn man ein Stück gefahren ist, bleibt man in einem Dörfchen (es ist fast jede Stadt bis auf Auckland, Wellington & Christchurch ein Dörfchen) stehen und wir bestellen 2 Cappuccino und 1 Americano – bitte ohne Zucker! Was die Architektur und Gastronomie anbelangt sind die Neuseeländer eine Mischung aus Engländern und Amerikanern. Auf zwei Händen ist es nicht abzählbar, wie oft wir „die besten Fish & Chips des Landes“, der Insel oder sogar of the Universe angeboten bekommen haben.

Wir fuhren weiter Richtung Norden, nach Pahia in die Bay of Islands; der Geburtsstätte Neuseelands. Auf den Cooks hatten wir Jan kennen gelernt, die dort einen kleinen Campervan Park besitzt und uns dankenswerter Weise eingeladen hatte. Ohne zu übertreiben, solltet ihr mal nach Pahia kommen und einen Campervan Park brauchen: steigt bei Jan ab, zentral gelegen, mit modernen Anlagen, sehr gut ausgestattet – und richtet ihr bitte einen lieben Gruß von uns aus. 😉

Wie es der Zufall so will, war agrat am folgenden Tag das Dorffest in Pahia – ein Wine & Foodfestival – mit landesweit bekannten Bands, Kinderprogramm und Pie- und Austern-Wettessen (wie gesagt, sehr amerikanisch..). Mitten am Nachmittag stellte eine der Bands die Frage, ob sich auch deutschsprachige Besucher im Publikum befanden und dann stimmten sie einfach 99 Luftballons an! Kurzerhand wurden wir in die erste Reihe gedrängt, vielleicht weil wir am meisten dazu abtanzten und lautstark und textsicher den ganzen Song mitsangen.

Es war eine Mischung aus einer amerikanischen Gartenparty und einem Dorffest bei uns z’Haus. Was besonders auffiel: egal ob jung, ganz jung oder alt – alle tanzen ausgelassen vor der Bühne zu den Klängen der Live Band. Vielleicht waren es auch einfach die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings, die mit Weinglas in der Hand gefeiert werden wollten.

Wenn man schon so weit im Norden ist, bietet es sich auch an bis zum neuseeländischen Nordkap – dem Cape Reinga raufzufahren. Da dies trotzdem nochmals 1000 km Fahrtstrecke bedeutete – und wir es von allen Seiten eingeredet/empfohlen bekamen – buchten wir eine Bustour. Eine adrett gekleidete Buslenkerin, die auch gleichzeitig den Tourguide und die Entertainerin verkörperte, holte uns früh Morgens vom Campervanpark ab. Um sich die Busfahrerin noch etwas besser vorstellen zu können: sie war eine englische Lady, die diesen riesigen Bus durch die kurvigen Straßen des Nordens lenkte und gleichzeitig ihre Reisegruppe auf Pünktlichkeit bei den Tourstopps drillte, da sie ankündigte (es blieb bei dieser Ankündigung), dass Zuspätkommende ihr beim Busputzen helfen müssten. Ich muss zugeben ich bin echt kein Fan von Bustouren, weil die meist nicht dort stehen bleiben, wo ich es gerade schön fände (um ein Foto zu machen) und man mit Massen durchgeschleust wird, aber diese Fahrt war aufgrund der zurückzulegenden Kilometer und der Zusatzinfos die man bekommt, echt empfehlenswert.

Auch der sandige Untergrund des 90 Mile Beach, den wir bei Ebbe befuhren, konnte dem riesigem Bus nichts anhaben. Auf dem meilenlangen Beach (der übrigens nur 55 Meilen/88 km lang ist, weil der Vermesser die im Sand unterschiedliche Schrittlänge der Pferde nicht mit einbezogen hat) stießen wir auf zahlreiche Wildvögel, Seerobben, Autos und eine Vielzahl, gutbepackter Wanderer. Diese Wanderer waren alle guter Stimmung und hatten noch einen weiten Weg vor sich – ihnen stand eine Nord-Süd-Durchquerung des Landes bevor. An dieser Stelle fragten wir uns, wie es denn unseren Freunden Pam und Jenny im Endspurt der Durchquerung der USA, des Pacific Crest Trails ergehen würde.

Nach der Attraktion Sandsurfen von der Düne, fuhren wir dorthin, wo es danach auch nicht mehr weiter ging: zum Cape Reinga. Hier trifft das Tasmanische Meer auf den Pazifischen Ozean, was man auf den Drohnenbildern im Farbunterschied auch recht schön sieht. Auf unserer Rückreise macht wir nochmals halt und schmausten nicht etwa die besten Fish&Chips des Bezirks, nein die angeblich besten Fish&Chips of the Universe.

we proudly present: best Fish and Chips of the Universe – haben nicht anders geschmeckt als wie alle anderen Fish & Chips auf unserer Reise

Einen weiteren Stopp widmeten wir den Kauri-Bäumen (ausgesprochen: Codey-Bäume). Diese einzigartigen Bäume, welche mehrere Tausend Jahre alt werden können, haben für die Maori (Ureinwohner Neuseelands) eine höhere, spirituelle Bedeutung. Als Kapitän James Cook im 18. Jahrhundert Neuseeland als erster Europäer bereiste, entdeckte er das starke, gerade gewachsene Holz der Kauri-Bäume und verwendete es zur Reparatur seines Schiffes. Ihm folgten viele weitere Schiffsbauer, doch auch das Harz des Baumes wurde gebraucht und so schnell konnte man garnicht schauen, wurden innerhalb weniger Jahre massenweise tausende Jahre alte Kauri-Bäume abgeholzt. – Soviel zu dem Respekt den man so vielen Ureinwohnern auf der ganzen Welt bei allen möglichen „Entdeckungstouren“ nicht zollte. Heute stehen diese Bäume unter Schutz, da sie bereits vom aussterben bedroht sind, nurmehr das Holz von bereits toten Bäumen wird verwendet.

Ein besonderes Erlebnis war es auch, in Neuseeland ins Kino zu gehen. In dem Saal, nicht viel größer als ein Klassenzimmer, wurde nämlich schon 5 Tage früher als in Europa, der von der Presse hochgelobte Film „Der Joker“ gespielt. Bevor der eigentliche Film startete, waren es nicht so wie gewohnt aufwendig produzierte Werbespots diverser Auto-, Uhren- oder Deohersteller, die über die Leinwand flackerten: es war eine Powerpoint-Präsentation der lokalen Zahnärzte, Tischler & Installateure. Herrlich!

Da mir Jan bereits auf Rarotonga den neuersten und schönsten Bikepark des Northlands angepriesen hatte, nutzte ich die Chance sofort um Maria in den Genuss von kilometerlangen flowigen Trails in schönster Naturlandschaft kommen zu lassen. Ich hatte diesmal sogar das Gefühl, dass ihr das Downhill fahren fast genauso gut gefiel wie Uphill zu strampeln – was mir in Österreich zuvor noch nie gelungen wäre.

Nach Panoramarouten über Küstenstraßen und kurzen Stopps in Auckland und Hamilton, zog es uns weiter auf die Halbinsel Coromandel. Bei all den Schwärmereien über diese Reise und unsere Reisegemeinschaft, möchte ich euch auch die ungeschönte Wahrheit nicht vorenthalten: Nach 7 Monaten des gemeinsamen Reisens und (vor allem in Neuseeland) des auf engstem Raum zusammengepfercht seins lagen die Nerven blank. Vielleicht war es die erhöhte Anspannung, des verkehrten Straßenverkehrs geschuldet oder weil man sich in einem Campervan einfach niemals richtig zurückziehen konnte oder weil manch einer mehr plante, ein anderer mit den Gedanken noch auf einer anderen Insel war, oder die Gesamtsituation einen zum explodieren brachte – jedenfalls kam es hier, in Thames, auch zu unserem ersten Disput.

Da hilft nur eine vernünftige Aussprache und vielleicht auch etwas schmollen und granteln, denn danach war eigentlich auch wieder alles gut.

Coromandel

Auf Coromandel folgen charmante Fischerdörfchen auf verschlafene Goldgräberdörfchen und dann ist da natürlich auch noch der berühmte Hot Water Beach, den wir gleich mal ausprobierten: 2 Stunden vor und nach der Ebbe kann man, mit Schaufeln ausgerüstet, sich am Strand seinen privaten Pool graben, der im idealen Verhältnis mit lavagewärmten Quellwasser und abkühlenden Meerwasser gefüllt werden sollte.

Da wir relativ spät ankamen, hatten wir das Glück uns in ein gemachtes Nest setzen zu können. So genossen wir ein heißes Strandbad im sonst noch eher kühlen neuseeländischen Frühling.

Auch wenn wir immer wieder hoffen oder glaubten, fernab vom Massentourismus Plätze zu entdecken, kommt es finde ich Neuseeland finde ich besonders oft vor, dass man sich bei den typischen Sehenswürdigkeiten wieder findet, die zwar in jedem Blog und Reiseführer als „Geheimtipp“ beschrieben werden – aber längst keine mehr sind. Aber egal – schließlich gibt es schon einen Grund dafür, dass diese Plätze immer wieder empfohlen werden. Das spannende beim Sightseeing in Neuseeland ist ja: es handelt sich nicht – wie oftmals in Europa – um alte Gebäude, Kirchen und Burgruinen in welche hunderte Menschen strömen. Weil Neuseeland so jung ist und sein ältestes Gebäude aus den 1830er Jahren stammt, sind die meisten Sehenswürdigkeiten auf natürliche Weise entstanden und hatten vor allem für die Maori eine tiefergehende Bedeutung. Das gute daran: es erfordert oftmals einen längeren Spaziergang/eine kleinere Wanderung um dorthin zu gelangen, was die Massen an Touristen automatisch etwas beschränkt.

So ist auch die Cathedral Cove kein von Menschenhand gestalteter Tourismus Magnet, sondern einfach eine Küste mit steilen Klippen, die durch das Einwirken der Gezeiten des Meeres über Jahrtausende hin spannende Formen angenommen haben. Die „Cathedral Cove“ waren einst zwei Höhlen, die zu einem Tunnel wurden und nun zwei Strandabschnitte verbinden. Hoch und spitz zugelaufen, wie eine Kathedrale und durch die verschiedensten Steinschichten entsteht eine wahnsinnig coole Optik.

Unsere erste Ganztageswanderung in Neuseeland zog uns auf die Pinnacles, den höchsten Punkt der Halbinsel (es sollten übrigens noch 6 weitere Wandertage folgen, wir mussten uns ja schließlich auf auf die bevorstehende 10-Tageswanderung in Patagonien vorbereiten). Wandern in Neuseeland, ist doch etwas anders als in der Alpenregion. Erstens startest du direkt vom Trail los, da beim Einstieg meist eine tolle Infrastruktur wie WC und ein Gratis-Stellplatz für Self-Contained Campervans geboten wird. Die Wanderwege gehen oft direkt durch den Urwald, man ist also durch die Bäume vom Regen geschützt, was aber auch heißt, dass die Aussicht bis zum Gipfel auf sich warten lässt. Man wird gebeten beim Einstieg die Schuhe zu putzen, um die heimische, einzigartige Flora und Fauna vor allem aber besonders die imposanten uralten Kauri-Bäume zu schützen.

Auch die Ausrüstung mit der die Leute auf den Berg gehen, sowie auch das Wandertempo sind hier viel unterschiedlicher als in Österreich. Das allgemeine Verständnis vom Wandern in den Alpen sehe ich so: ich gehe zeitig in der Früh los, nimm in meinem Rucksack genügend Jause und Trinken für den Tag mit, wandere mit solidem Schuhwerk und angepasster Ausrüstung meines Weges. Das ist Wandern. Trailrunner gibt es zwar schon immer wieder, sind aber eher die Ausnahme.

Was wir in Neuseeland erlebt und gesehen haben, hätte unterschiedlicher nicht sein können: von Pärchen mit kurzen Shorts und Flip-Flops über Mädls in Jogapants, die perfekt gestylt und geschminkt, mit Bluetoothbox und lauter Musik ausgerüstet, dafür aber ohne Rucksack für Jause oder Erstehilfe-Tascherl die 7 Stundenwanderung gelaufen sind, bis hin zu jenen die die selbige Wanderung um 3 Nachmittags in Turnschuhen und Jogginghose gestartet hätten. Ein ganz großer Trend ist auch – wie wir es auch schon am Mount Batur in Bali erlebt haben – in der Finsteren, mitten in der Nacht hoch zu wandern um den Sonnenaufgang vom Gipfel aus zu sehen – was anderes auf Instagram zu posten ist doch auch fast schon peinlich oder?

Die Pinnacles Wanderung war auf jeden Fall richtig schön und abwechslungsreich. Will sich jemand mehr Zeit lassen, würde ich diese auf 2 Tage machen und auf der Hütte oben am Hochplateau schlafen – diese macht einen richtig heimeligen Eindruck.

Hobbiton

Neuseeland diente bekanntlich als Drehort für die Verfilmung von JRR Tolkins „Herr der Ringe“. Auf halber Strecke zwischen Hamilton und Rotorua befindet sich das touristisch perfekt inszenierte Hobbiton – der Drehort für das Auenland. Zugegeben, der Preis, sowie dass man mit Selfie-geilen Menschenmassen im 15 Minutentakt durch die Filmkulisse geführt wird, mag vielleicht abschrecken – doch ist diese Attraktion wie wir finden definitiv einen Besuch wert. Das Auenland wurde mit einer Liebe, ja einer Vergötterung bis hin zum kleinsten Detail aufgebaut. Seien es die Gemüsegärten und Blumenbeete, die ausgetretenen Wege zu den Wäscheleinen oder der andauernde Rauch aus den Kaminen der Hobbithöhlen – man bekommt richtig das Gefühl, jeden Moment könnte sich eine der runden Haustüren öffnen und ein Hobbit käme hervor. Außerdem erfährt man allerlei Funfacts, Hintergrunddetails und irrsinnigen Hürden die bei den Dreharbeiten berücksichtigt werden mussten. Das inkludierte Craft-Bier im Green Dragon, der Dorftaverne, sorgte noch für das Tüpfelchen auf dem i.

Nachdem wir zwei Jahre zuvor ein regelrechtes „Heiße Quellen-Hopping“ in Island veranstaltet hatten, freut ich mich auch schon sehr auf die Whakarewarewa Region um Rotorua. Mitten in der Stadt qualmte es aus den Kanaldeckeln und Tümpel und Schwefelwolken brachten uns warme Luft entgegen. Jedoch wollte das Wetter per tu nicht mitspielen und da es hier nur regnete und das nicht unbedingt zu Erkundungstouren einlud, setzten wir unseren Weg weiter fort nach Taupo.

Zu unserem Frohlocken, stießen wir dort gleich auf eine heiße Quelle am Fluss, in der wir den gesamten Nachmittag ein Open Air Spa veranstalteten.

Schuhputz mit Aussicht auf den Lake Taupo- hier war auch unser kostenfreier Campingplatz

Tongariro Nationalpark

Eine längere Autofahrt durch die malerische Landschaft, vorbei an unzähligen Dörflein, die das Frollenfischen anpreisen, brachte uns zum Skiort Whakapapa.

Dort befindet sich das Visitor Center des vielleicht berühmtesten Great-Walkes der Nordinsel, dem „Tangariro-Crossing“ im gleichnamigen Nationalpark. Für diese Wanderung hatten wir zuvor in Taupo nochmal extra unser Outdoorequipment um warme Merino-Alpaca-Possum Socken, Possum Handschuhe, Camelbag, Wanderstöcke aufgestockt. (Mit Possum meinen die Neuseeländer natürlich Opossum, das Nagetier gilt im ganzen Land als Plage und wird mit gestellten Fallen gejagt. Das Fell ist aber, ähnlich wie Alpaka, sehr beliebt für warme Wandersocken, Handschuhe und Hauben.)

Wir bereiteten uns also schon seelisch und ausrüstungstechnisch auf eine 19 km Wanderung mit starken Winden, Schnee-Felder und unbeständigem Wetter vor. Um so größer war die Enttäuschung in Martins Gesicht geschrieben, als uns die höfliche Dame im Nationalpark-Infocenter diese Wanderung mit Nachdruck ausreden wollte: zu viel Schnee und zu starker Wind würde auf uns warten. Dafür bekamen wir die nicht minder schöne Alternativwanderung zu den Tama Lakes empfohlen, die sich direkt zwischen den beiden Vulkanen des Parks befindet und somit besser von Wind und Witterungseinflüssen geschützt sind.

Auch wenn Martin am meisten enttäuscht war, dass es mit dem berühmte Tongariro-Crossing nichts geworden ist (was bei vielen Bekannten auch ein Hauptgrund war, nach Neuseeland zu reisen), die Nachricht, die wir eine Woche später erhielten überzeugte auch ihn, dass es keine schlechte Entscheidung war, nicht zu gehen: Eine vierköpfige Wandergruppe startete gemeinsam das Crossing, drei von ihnen kehrten wegen des schlechten Wetters auf halben Weg um. Eine Frau wollte alleine weitergehen und wurde tragischerweise am nächsten Tag tot aufgefunden. Unterschätzen sollte man die harschen Bedingung am Berg nie. Für das Tongariro-Crossing gibt es außerdem eine eigene Facebook Seite, die Wanderern täglich ein Wetter-Update gibt und einem sagt, ob es klug ist die Wanderung zu starten oder es lieber zu lassen.

mit einem Monster bis nach Christchurch

Georg Paminger alias Dr Karl Fröhlich

Auch nach der fünfstündigen Wanderung wollten wir „noch Meter machen“ und so setzten wir alle unsere Karten auf Georgs Geheimelixier, den Energydrink Monster. Mit zwei Stück davon ausgestattet, fuhr uns dieser in die 4 Stunden entfernte Hauptstadt Neuseelands, Wellington. Dieser Tag gab den Startschuss für dieses wohl berühmteste Zitat von Dr. Karl Fröhlich und zeigte uns was alles möglich ist.

Wellington

Die Hauptstadt Neuseelands, in der – wider unserer Erwartungen – an nur wenigen Orten „Beef Wellington“ angeboten wird, ist besonders für seine Craftbierszene sowie die hohen Windgeschwindigkeiten bekannt.

Mit unserem Campervan parkten wir eine Nacht kostenfrei am Hafen und eine Nacht in einer Seitengasse der Cuba Street, eine der bekanntesten Cafe- und Kneipenstraßen der Stadt.

Das Wetter hielt jenes Versprechen, was uns im Vorfeld angekündigt wurde: es war kalt, windig und regnerisch. Das Museum Te Papa nur als Schlechtwetterprogramm abzustempeln, würde der Qualität dieses facettenreichen Museums nicht gerecht werden. Dieses kostenfreie Nationalmuseum bietet zahlreiche, ständig wechselnde Ausstellungen. Wir besuchten eine über den ersten Weltkrieg, bei der mir erstmals bewusst wurde, dass Neuseeland und Australien, aufgrund der Verbindung durch den Commonwealth auch in den Krieg ziehen mussten. Die zweite, dauerhafte Ausstellung beschäftigte sich mit der Natur und Geologie Neuseelands, und erklärte die Häufigkeit von Erdbeben in dieser Region und deren Prävention. Also zwei richtig empfehlenswerte Ausstellungen, die uns geboten wurden.

Des weiteren bekamen wir von der engagierten Mitarbeiterin im Tourismusbüro eine Stempelkarte aller Craftbierbars Wellingtons, die wir Abends voller Ambition in Angriff nahmen.

MAGEMA TIPPS Neuseeland

  • Die beste Art um Neusseeland zu bereisen ist mit dem Fahrrad (laut Martin), die zweitbeste mit dem Self Contained Campervan. Du kannst an den schönsten Plätzen stehen bleiben und dort kostenlos übernachten (ausser ein Verbotsschild verhindert das Vergnügen). Ab und zu verbringt man eine Nacht in einem Campervanpark, um zu Duschen sowie Strom und Internet zu genießen. Frischwasser und Abwasser kann an vielen Tankstellen gemanaged werden.
  • Plane genügend Zeit ein! Das Wetter ist wechselhaft, also um nicht aufgrund des Zeitdrucks etwas im Regen durchziehen zu müssen sind Puffertage, an denen Wäsche gewaschen, gelesen, Ukulele gespielt oder das Dorfpub besucht werden kann unerlässlich.
  • Die Drohne kann daheim bleiben. Grundsätzlich wäre es zwar erlaubt, jedoch muss vom Grundeigentümer dessen Zustimmung eingeholt werden und bei so gut wie jeder Attraktion, jedem Wanderweg und allen Nationalparks begrüßt einen ein Drohnenverbotsschild.
  • Vergiss den Gucker/das Fernglas nicht. Neuseeland hat uns wieder einmal den Beweis geliefert, welche Tier- und Artenvielfalt unser Planet zu bieten hat. Oftmals hätten wir uns jedoch einen Gucker (es gibt da einen ganz guten Tiroler Hersteller, der auch hier durchaus bekannt ist) um noch ein bisserl näher an die Tiere heranzukommen.
  • Mehrtageswanderungen. Um den Touristenmassen wirklich zu entfliehen erkundigt euch über die Great Walks/die Mehrtageswanderungen. Jene, die wir gemacht haben waren alle wahrhaftige Great Walks und ein weiterer Vorzug ist, dass deren Besucheranzahl durch die Nächtigungsplätze in den Hütten und am Campingplatz begrenzt ist.

Indonesien / Bali

Unser eigentlicher Plan war ja, dass wir Südostasien mit so wenigen Flügen wie möglich durchreisen. Als wir dann im Frühjahr die frohe Botschaft erhielten, dass sowohl meine (Maria’s) Eltern, also auch unsere Freunde, Peter, Phips und Marlies, im Juli nach Bali fliegen werden, musste früher als geplant ein Flug her.

Was mir vor unserer Reise nach Indonesien nicht bewusst war, bzw ich eigentlich erst verstand als ich mir später das Buch INDONESIA etc von Elizabeth Pisani gekauft habe: Indonesien ist mit 240 Mio Einwohnern, das viertgrößte Land der Welt im Bezug auf die Einwohnerzahl. Indonesien ist somit auch das größte Land der Welt mit der Hauptreligion Islam. Indonesien besteht aus 13.466 Inseln, welche über 360 verschiedene ethnische Völker und Kulturen, mit 719 verschieden gesprochenen Sprachen, beheimaten.

So divers die verschiedenen Inseln von Sumatra über Java bis Flores sein mögen, Bali ist nochmals eine komplett andere Welt:

Aufgrund des späten Fluges und der andauernden Einreisebürokratie checkten wir erst um 3 in der Früh in unser Hostel in Ubud ein und verbrachten den darauffolgenden Tag demnach sehr gemütlich und voller Vorfreude auf den anstehenden Besuch. Ein kleiner Rundgang durch die Stadt, die in allen Reiseführern und auf allen Blogs so hoch angepriesen wurde, ließ unsere Freude dann kurz mal ernüchtern: Autos, Mopeds, viele, viele Touristen und an jeder Ecke will dir jemand seine Taxidienste verkaufen oder dir Touren anbieten. Selbst auf unsere bewährte „maybe later“, vielleicht-später Antwort, waren die Ubuder gewappnet, und drehten kurzerhand ihr handgezeichnete Schild um, auf dem dann zu lesen war „or tomorrow?“ oder „honestly, I am the cheapest“. Das Ubud, welches viele Bekannte die Bali bereits vor 20-30 Jahren bereisten, kennengelernt haben, hat sich zu einer veganen Yoga-Touri Hochburg gewandelt. Das Städtchen hatte sicher einmal richtig viel Charme, mit seinen kleinen Gässchen, vielen Cafes, Restaurants und Tempel,… Wir trafen auf massenweise Touristen und Verkaufsstände. Der ewige Stau von Autos und Mopeds in den viel zu engen Gassen erinnerte leider mehr an eine Autobahn, als an ein charmantes Dörflein.

Unterwegs mit Freunden

Am nächsten Tag trudelten auch schon Peter, Phips und Marlies ein. Die Freude war riesengroß, als wir nach 3,5 Monaten Dreisamkeit, endlich wieder einmal (andere als unsere) bekannte Gesichter um uns hatten. An unserem ersten gemeinsamen Abend gab’s also genug zum Austauschen, Geschichten zu erzählen und sich einfach zu freuen, dass wir die folgenden drei Tage miteinander verbringen würden. Und um das Erlebnis zu intensivieren hatten wir gleich mal ein 6-Bett Zimmer für uns alle gemeinsam gebucht.

Da Marlies bereits im Vorjahr schon einmal auf Bali war, schnappten wir uns am kommenden Tag drei Mopeds und klapperten die naheliegenden Sehenswürdigkeiten, nach Marlies’ Plan ab. Die Straßen waren vom Verkehr wieder komplett überlastet, was unsere drei Fahrer nur weiter ansporn, sich gekonnt zwischen Autos, Randstein und LKW’s durchzuschlängeln. Wir durchkämmten die Bali-typischen Reisfelder, erkundeten den Tempel Pura Tirta Empul, wo wir zum ersten Mal mit einem Sarong eingekleidet wurden, und endeten dann bei einer Kaffee-Farm. Dort gab es erstmal eine kostenfreie Führung, wo wir auch die spezielle „Luwak-Kaffeekatze“ zu Gesicht bekamen, die dafür bekannt ist, Kaffeebohnen zu essen und ohne der bitteren Schale wieder auszuscheiden, so wird in Asien der berühmte (und teure) Luwak-Kaffee hergestellt. Natürlich wurde nach der Führung auch noch kräftig Kaffee und Tee verkostet, von besagtem Luwak-Kaffee über welchen mit Kokosnuss- und Vanille-Extrakten bis hin zu Tee mit Kurkuma-Geschmack konnte es exotischer nicht mehr werden.

Vor dem Abendessen starteten wir noch Richtung Monkey-Forest, eine Art Zoo, in dem es aber nur Affen gibt, die in diesem Park frei herum laufen können und natürlich ein Muss für einen jeden Touristen sind. Leider (oder zum Glück?!) sperrte der Monkey-Forest kurz vor unserer Ankunft dort zu und es halfen nicht einmal Peters eindringliche und „nein-resistenten“ Überredungskünste, dass uns der Typ am Ticketschalter noch hineinließ. So spazierten wir unverrichteter Dinge in die Innenstadt, auf der Suche nach einem passenden Restaurant. Das Gute daran, wenn man gerade daran gehindert wurde einen Haufen wilder Affen zu besichtigen – man sieht auf einmal überall welche! Von Dach zu Dach hüpfend, auf Stromkabeln kletternd und in der Regenrinne sitzend, große und kleine, scheue und zutrauliche: Nachdem wir uns extra noch eine Banane aufgehoben hatten, kam ein besonders zutraulicher gleich mal die Laterne herunter geflitzt und so schnell konnten wir garnicht schauen, war die Banane auch schon geschält, in den kleinen Mund mit sehr spitzen Zähnen gestopft und der Affe wieder am Dach oben. Näher wäre er uns im Monkey-Forest wahrscheinlich auch nicht gekommen.

Am nächsten Tag wurden wir um 8 Uhr morgens aus den Betten gerüttelt. Ich hätte es wahrscheinlich überhaupt nicht mitbekommen, wäre Marlies nicht auf einmal aus ihrem Bett gesprungen und hätte „Erdbeben!! Erdbeben!“ gerufen. Dann spürte ich es auch: das komplette Bett vibrierte und der Boden erzitterte. Wir zwei Mädels stürmten sofort raus aus dem Zimmer – ich noch komplett verschlafen – und sahen rüber zu den Hostel-Eigentümern, die komplett ruhig im Garten standen. „It’s okay, it will be over soon. You can go back inside.“ Na gut, Indonesier erleben so ein Erdbeben auch ständig und sind daran gewöhnt – für uns war das dann doch etwas ganz Neues und es dauerte noch ein paar weitere Sekunden an, bis sich die Erde wieder beruhigte. Im Laufe des Tages erfuhren wir dann auch, dass das Erdbeben eine Stärke von 5,7 hatte und das Epizentrum ca. 100 km vor der Küste Balis lag. Den restlichen Tag hatten wir noch im Hinterkopf, ob das Beben auch eine Tsunami-Warnung für Bali mit sich bringen sollte – tat es zum Glück aber nicht.

Wir wurden für den Tag sogar um nochmals 2 Personen mehr. Auf Wochenendlagern und Pfadfinder-Seminaren kennengelernt, seit 8 Jahren nicht mehr gesehen, aber auf Social Media weiterhin vernetzt, meldete sich Magdalena bei Martin: sie und ihr Freund, Christoph, seien auch gerade auf Bali und vielleicht geht sich da mal ein gemeinsames (Outdoor-)Programm aus. Somit waren wir nun zu acht unterwegs und düsten im Moped Konvoi zur „Hidden Canyon“-Tour, wo uns eine zweistündige Kraxelei über rutschige Steine und durch den reißenden Fluss führte. Mit einem aufgeschlagenen Knie und blutigen Zehen meinerseits (wir spazierten Barfuß durch den Canyon) endete die Tour noch bei Bier und Kokosnuss von einem grinsenden Einheimischen.

Den Nachmittag verbrachten wir dann in einem Strandcafe, wo wir u.a. für die kommende Nacht eine geführte Sonnenaufgangs-Wanderung auf den Mount Batur planten, die ein ganz besonders aussergewöhnliches Bali Erlebnis bieten sollte. Für diese Wanderung mussten wir um 2 Uhr morgens aufstehen, wurden um halb 3 abgeholt und starteten um kurz vor 4 mit einer Wanderung im stockdunkeln, um dann den Sonnenaufgang vom Berg aus betrachten zu können.

Für die Wanderung zu motivieren waren Magdalena und Christoph, Marlies, Martin und ich. Um ein paar Stunden Schlaf im Vorhinein zu bekommen, kam das Sandmännchen für Marlies und mich bereits um halb 10, Martin wollte mit den anderen Männern noch auf ein Getränk mit schauen. Heimgekommen ist er dann um kurz vor zwei – komplett aus der Puste, weil er um 10 Minuten vor 2 von der Bar los gestartet ist, seine Flip-Flops in die Hand nahm um zur Unterkunft laufen zu können und uns Mädls pünktlichst aufzuwecken. Es folgte eine einstündige Autofahrt zum Fuße des Berges und eine eineinhalbstündiger Aufstieg mit „hunderttausend anderen Individualisten“ (wie meine Mama sagen würde..;-)). Ungelogen waren es wirklich unzählige Menschen, die diese hochgelobte Sonnenaufgangstour auf den Mount Batur buchten und sich mit einem Tourguide und einer Mini-Taschenlampe erst durch Wälder und danach über Lavagestein und Vulkan-Schotter-Wanderwege in der Dunkelheit zur Spitze des Vulkankraters aufmachten.

Ohne Frühstück und in einer (meiner Meinung nach) viel zu hohen Wandergeschwindigkeit – vor allem für diese Uhrzeit – ging es steil und rutschig bergauf. Martin hat sich da meinen größten Respekt verdient, da er ohne Schlaf, dafür mit den unzähligen Getränken der letzten Nacht gestärkt, ohne zu sudern und mit bemerkenswerter Ausdauer vor mir her stapfte (Anm. Martin: was wäre von einem ehemaligen Soldaten der 1. Gardekompanie anderes zu erwarten?!?). Während des Aufstiegs bekamen wir (sehr unerwartet) noch ein weiteres Naturschauspiel geliefert:  die Mondfinsternis, die unsere Freunde in Europa verfolgten, sahen wir auch von der Südhalbkugel aus.

Nach eineinhalb Stunden kamen wir am Krater an, es war also noch immer Stockfinster und wir hätten den Weg sicherlich auch etwas langsamer zurücklegen können (ja, mich hat das wirklich beschäftigt…) dafür hatten wir Plätze in vorderster Reihe, da wir alle anderen überholt hatten. So saßen wir auf vorgefertigten Bänken, ließen uns für etwas Geld noch warme Decken andrehen und bekamen von unserem Tourguide heißen Tee und in Schwefel-Dampf gekochte Eier serviert. Es fühlte sich irgendwie an, wie die Osternacht zu Hause: 5 Uhr morgens, es war eiskalt, es gab gekochte Eier. Und dann kam das, worauf wir eigentlich gewartet hatten: der Sonnenaufgang. Langsam dämmerte es im Osten, zuerst wurde der Berg auf der Nebeninsel Lombok beleuchtet, dann reichten die Sonnenstrahlen langsam durch den leichten Nebel zu uns herüber – es war wirklich unglaublich schön! Manch anderer Tourist konnte sich leider nicht zusammenreißen und musste unbedingt lautstark Musik aufdrehen, obwohl die einzige Nummer, die man in so einem Moment hören möchte nur „Here comes the sun“ von den Beatles ist (oder eben die österreichische Version von STS).

Nach dem Abstieg gab’s noch herrliches Frühstück, mit Blick auf den Vulkankrater und dann hieß es auch schon Abschied nehmen von unseren Freunden. Für Martin, Georg und mich ging es an dem Tag weiter in den Nord-Osten Balis, ins Tauchparadies Amed.

Amed

Die Entscheidung, die nächsten drei Tage in Amed zu verbringen, hing hauptsächlich davon ab, dass Martin und Georg dort den „Open Water“ Scuba Tauchschein machten. Zweieinhalb Tage lang waren sie also komplett dem Tauchkurs verpflichtet – was mir sehr viel Zeit für mich brachte. In der Früh ging es zum Guten-Morgen Yoga mit traumhafter Sicht auf einen Vulkankrater, den schwarzen Strand und überhaupt über ganz Amed. Nach herrlichem Frühstück und dem gleichen Ausblick auf das kleine Dorf spazierte ich wieder zurück zu unserer Unterkunft, wo der Pool und die Hängematten mein Hauptaugenmerk für den Tag waren. Es wurde ein sehr gemütlicher Aufenthalt, mit gutem Essen und den sehr ruhigen und müden Reisekumpanen, die durch das Tauchen unter Tags und das Lernen für die Prüfung am Abend eher weniger von sich gaben.

Vorweg, dass es solch eine Schönheit Unterwasser überhaupt noch gibt – es war tatsächlich so wie man es aus Universum auf ORF2 kennt – hätte ich mir echt nicht gedacht. Aber beginnen wir von vorne: In der französisch geführten Tauchschule, was vor allem wegen der Lockerheit und dem Schmäh des Chefs positiv auf fiel, tat am Vormittag unser indonesischer Tauchlehrer „Yogi“ sein bestes, um uns in die Kunst des Tauchens einzuweihen. Schnell kam uns die Erkenntnis, dass die Tauch-, genauso wie die Surflehrer, wohl die Skilehrer des Meeres sein müssen. „Hey Bro, take it easy“ – sie verkörperten die Leichtigkeit die sie unter Wasser gewannen und das steckte sofort an. Ohne ins Detail zu gehen, am ersten Tauchtag aber bereits Nemos, Muränen und Schildkröten zu sehen sowie in einem versunkenen Wrack zu tauchen, hätte ich mir nichtmal im Traum erhofft. Trotzdem gingen wir mit dem nötigen Respekt an die Sache ran. Dass wir obgleich der an den Tag gelegten Lockerheit, abends – obwohl wir echt saumüde waren – noch die 5 Kapitel durch ackerten um für die Prüfung am nächsten Tag gewappnet zu sein. Wer Taucherfahrung hat, kennt das schwer beschreibbare Gefühl, in der Stille Unterwasser zu schweben, wer dieser Welt noch fremd ist und wenn sich die Möglichkeit bietet, dem würde ich es wärmstens empfehlen! 

Nach der bestandenen Tauchprüfung (Gratulation!) hatten wir noch einen ganzen Tag Zeit und schnappten uns wiedermal ein Moped und erkundeten die Gegend. Auf kurvigen Küstenstraßen, vorbei am dunkelblauen Meer und steilen Klippen ging es am Vormittag hauptsächlich bergauf bis wir bei dem Tempel mit dem berühmtesten Instagram-Fotospot überhaupt ankamen. Und wie sollte es anders sein: die Realität erschreckte uns! Beim sogenannten „Gates of Heaven“ standen hunderte Menschen Schlange, um „dieses eine besondere Foto“ machen zu lassen. Wer das Motiv nicht kennt, kann es gleich mal googeln und findet folgendes: jemand steht zwischen zwei Säulen und davor liegt ein See, in dem sich dieser jemand und die Säulen perfekt spiegeln, die meisten Personen machen dann noch eine aufregende (Yoga-)Pose – ein wundervolles Motiv. Das, was viele gar nicht wissen: diesen „See“ vor den Säulen gibt es gar nicht. Es sitzt einfach ein Mensch vor diesen Säulen, mit einem Spiegel in der Hand, der dir dein Foto genau so schießt, dass sich das Motiv perfekt spiegelt. Und das eigentlich perverse: Menschen stellen sich dafür bis zu 3 Stunden an um an dieses – eigentlich schon gefälschte – Bild zu kommen. Ich bemühe mich auch oft, ein richtig schönes Bild zu schießen – um zu posten oder auszudrucken – aber wenn es einmal so weit kommt, dass man sich für ein Motiv Stunden (!!) anstellt, dann frage ich mich, was mit dieser Welt verkehrt ist. Aber ja. Sei’s wie’s sei.

Wir besichtigten an diesem Tag auch noch einen Wassertempel, wo wir dann selber zu Posern wurden, und sahen wunderschöne Reisfelder, die so grün leuchteten, dass es fast kitschig war. Anfangs wunderten wir uns noch, dass wir neben den Straßen immer wieder kleine Käfige, teils befüllt mit Hähnen teils leer vorfanden. Später erfuhren wir, das auf Bali und besonders im Norden, Hahenkämpfe zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten der Einheimischen zählen. Leider raubte uns die Aufgewecktheit der Hähne auch einige Stunden Schlaf.

Jimbaran

Wie bereits erwähnt wurde Bali eines unserer Reiseziele, weil uns meine Eltern dort besuchen kamen und weil wir nach fast 4 Monaten des Reisens und ständigem Ein- und Auschecken auch mal ein paar gemütliche Tage am Stück, am Strand verbringen wollten. (Jaaa zwischen Urlaub und Reisen liegt ein Unterschied, auch wenn wir dafür jetzt schief angesehen werden. 😉 Das Bereisen und Erkunden unbekannter Orte und Kulturen kann und darf auch richtig anstrengend sein.) So buchten wir eine schöne Unterkunft am Jimbaran Beach, nicht weit von der Unterkunft meiner Eltern entfernt. Und ich muss sagen: für 22€ pro Nacht in einem Dreibettzimmer, inkl. grandiosem Frühstück und nur 2 Minuten zum Strand lässt’s sich schon aushalten! Wir checkten ein und Martin und ich nahmen uns dann auch gleich noch einen Roller, um nach Ewigkeiten wieder einmal ins Kino zu gehen (ein echter König der Löwen-Fan setzt sich auch mal in Indonesien ins Kino!!) um danach meine Eltern vom Flughafen abzuholen. Wir haben zwar gut 2 Stunden gewartet (das Einreisen und das aufs-Gepäck-warten ist in der Touristenhochburg Bali nicht immer einfach) aber was soll ich sagen? Mama und Papa nach so langer Zeit wiedermal zu umarmen und sie selber abzuholen war mir einfach wichtig. Danke, Martin, dass du so lange mit mir gewartet hast! :-*

Wiedersehen nach 3,5 Monaten! ❤

Die kommende Woche war dann die chilligste, die wir bis dahin auf unserer Reise verbracht hatten: wir lagen täglich bei den Eltern im luxuriösen Intercontinental Resort am Strand (wenn die 2 schon mal quer um die Welt fliegen und die Südhalbkugel besichtigen, dann gönnen sie sich auch richtig!;-)) Wir schlürften Cocktails, genossen jeden Tag wunderbare Sonnenuntergänge und Abendessen am Strand und wurden mit gewünschten Produkten aus der Heimat ( a g’scheite Sonnencreme, Mannerwafferl, Linzer Torte (danke Oma!), Monatslinsen….) ausgestattet.

Weil Bali auch für seine Surfer-Strände bekannt ist und der Jimbaran Beach für Anfänger sehr gut geeignet ist, buchten Papa und ich nach ein paar Tagen extrem-chillens einen Surflehrer und 2 Boards und ließen uns die richtige Aufsteh-Technik erklären. Danach wurden wir 1 Stunde lange zum richtigen Zeitpunkt in die aufkommende Welle geschubst und wenn wir dann auch noch zum richtigen Zeitpunkt aufstanden, sahen wir schon fast wir Profis aus! 😉 Das schwierige ist nur, die Welle selber zum richtigen Zeitpunkt zu erwischen – und das machte zum Glück noch unser Surflehrer für uns.

Uluwatu Erkundungstour

Wir wollten natürlich auch die Gegend etwas kennenlernen, drum schnappten wir uns wieder einmal einen Roller – die Eltern auf dem einen, Martin und ich auf dem anderen (Georg genoss einen Tag für sich) – und düsten Richtung Uluwatu. Bali hat eine ähnliche Form (und sogar glaube ich Fläche) wie Oberösterreich, wenn man alles überhalb der Donau wegschneidet, als ohne dem schönen Mühlviertel sozusagen. Wenn man sich Bali also so vorstellt, dann ist Uluwatu das Salzkammergut – der Zipf, der schon ins Salzburgerland reinragt. Nur so zum Verständnis. Dieser Teil der Insel hat unglaublich viele schöne und auch noch teilweise versteckte, „unüberlaufene“ Strände, wie z.B. der Nyang Nyang Beach, wo man zuerst ca. 15 Minuten eine steile Schotterstraße hinunter spazieren muss, um die Schönheit des Strandes und das Meer selber erleben zu können. Die Wellen werden hier so wahnsinnig hoch, das hätte ich mir zuvor nicht vorstellen können. 

Noch höher – und ideal für richtige Profi-Surfer, die verstehen, wie sie das Brett verwenden müssen – sind die Wellen am Uluwatu Beach. Findet man den engen Durchgang durch Stein und Sand, so kommt man auf einen größeren Teil des Strandes, wo man sich wunderbar in der Sonne baden kann und einen romantisch-kitschigen Sonnenuntergang erleben kann.

Ein Ausflug auf Bali wäre nicht komplett, wenn man nicht mindestens über einen Tempel stolpert. Wir stolperten gleich über zwei: den Pura Segara Tegalwangi, ein kleinerer Tempel, mit einem weiteren sehr schönen Strand nebenbei, bei dem man aufpassen muss, dass einen die tosenden Wellen nicht selber ins Meer spülen. Folglich sind auch sehr wenige Menschen an diesem Strand und er ist nicht zum Baden geeignet.

Den zweiten besichtigten wir dann mit vielen vielen anderen Touristen: den Uluwatu-Tempel. Spaziert man an den Mauern des Tempels entlang, hat man einen wunderschönen Ausblick über das Meer, die Wellen und auf die imposanten Klippen. Ein weiterer Grund, warum es sich auszahlt, diesen sehr touristischen Tempel zu besuchen sind die vielen Affen, die sich auf den Wegen, im Wald, auf der Statue und im Brunnen(wasser) tummeln und sich auch mal in Pose werfen.

Martin wurde die Standliegerei dann doch etwas zu viel und so erkundete er den Mount Batur nochmal per MTB und feierte mit Georg im Uluwatu Cliffhouse zu den Beats des DJ’s ab.

Nusa Lembongan

Am letzten Tag unseres Jimbaran Aufenthalts verließ uns Georg frühmorgens, um sich Richtung Sumatra aufzumachen, wo er unsere letzten zwei Wochen auf Indonesien verbringen wollte. Martin und ich machten uns an diesem Tag mit den Eltern auf den Weg nach Nusa Lembongan, einer von drei kleineren Inseln, die noch zu Bali gehören und süd-östlich der Hauptinsel liegen. Jetzt stand uns erst das richtige Abenteuer bevor. Eine halbstündige Überfuhr mit einem der vielen Speedboat-Anbieter brachte uns auf die gewünschte kleine Insel und ein Mini-Lastwagen, dessen Ablagefläche mit Sitzbänken ausgestattet war, zu unserer Unterkunft – zwei einfachen, aber schönen Bungalows. Vier Nächte, würden wir auf dieser Insel verbringen, die per Brücke auch mit der zweiten kleinen Insel Nusa Ceningan verbunden ist.

Den ersten Tag wollte Martin gleich für einen weiteren Tauchgang nutzen – schließlich gehört der Open Water-Schein ja ausgenutzt! Bei der Buchung waren wir alle mit dabei und so schnell konnten wir garnicht schauen, hat die Tauchlehrerin Silvie meinen Papa um den Finger gewickelt gehabt und er meldete sich für einen Schnuppertauchgang an.

Die beste Vorbereitung, die man tätigen kann, wenn man vorhat Bali (oder irgendein anderes Südost asiatisches Land) zu besuchen: sich zu Hause noch einen internationalen Führerschein beim ÖAMTC ausstellen zu lassen. Weil dann steht einem nix mehr im Weg, ein Moped auszuborgen/zu fahren. Und das ist einfach auch das beste, um die Inseln zu erkunden und kennenzulernen (danke an meine Schulfreundin Kathi für diesen Tipp!) – anders (mit Bus oder Taxi) kommst du entweder nicht recht weit, oder nur sehr langsam voran.

Auch Nusa Lembongan und Ceningan haben bei einer Rundfahrt einiges zu bieten: Strände, Klippen, die „Devil’s Tear“, wo die Wassermassen brutalst gegen die Klippen schlagen, sowie die Blue Lagoon, in welcher das Wasser einen unnatürlichen, aber wunderschöne türkise Farbe annimmt. Außerdem die Mangroven-Bäume, die direkt im Meer wachsen und einen schaurig-faszinierendes Wasser-Labyrinth bilden.

Ein Nebenprotagonist, der auf Bali (bzw in ganz Asien) immer wieder eine Rolle spielt, der aber von Besuchern (seien es Instagramer, Blogger oder normale Touristen) immer in den Hintergrund gerückt wird, ist der Müll. Bei unserer Erkundungstour auf Lembongan blieben uns die Müllberge wieder einmal nicht erspart – abseits von Touristenströmen und Hauptstraßen türmen sich die Müllberge nur so.

wenn was nicht passt, wird´s passend gemacht

Lombok

Nach 3 Nächten Lembongan ging es wieder auf die Fähre – 2 Stunden Überfahrt nach Lombok standen an, die wir dann auch nach zweistündiger Verspätung aufnehmen konnten – aber wir hatten ja Zeit. In Lombok angekommen brachte uns dann auch noch ein Private Driver direkt zum Hotel. Das muss man den Asiaten schon hoch anrechnen: hat man mal eine Strecke zu einer neuen Unterkunft gebucht, wird man meistens vom Startpunkt bis zum Endpunkt chauffiert und irgendjemand wusste auch immer, wo wir als nächstes hin mussten oder bei wem wir uns zu melden hatten.

Am ersten Tag ging es in den Süden der Insel, wo wir uns einen idyllischen Strand und surfbare Wellen erhofften. Wir fanden beides – aber bereits die zweistündige Hinfahrt zum Strand ließ sich sehen: die Landschaft änderte sich vom satten Grün und den intensiven Reisfeldern, die wir aus Bali so gewohnt waren, in eine trockenere und farblich braunere Vegetation. Was wir immer wieder vergaßen: Australien war nicht mehr weit entfernt und die Landschaft war hier definitiv schon eher australisch, als asiatisch.  Am Strand angekommen stürmten gleich ein paar Surf-Lehrer auf uns zu, die uns nicht nur ihre Lehr-Künste sonder auch ihre Liegen verkaufen wollten und so bekamen wir Liegen direkt am Wasser und Mama und Martin auch noch in den Genuss einer Surf-Stunde. Die Wellen waren im Süden Lomboks zwar etwas kleiner, aber trotzdem ideal für uns Anfänger.

Am Abend gab’s Cordon Bleu und Bratwurst mit Sauerkraut zu Essen.  Warum? Weil es auf Lombok ein Restaurant gibt, das von einem Österreicher betrieben wird. Und weil Martin und ich schon etwas Sehnsucht nach heimischen Essen hatten, schleppten wir meine Eltern kurzer Hand dort hin.

Tags darauf stand endlich ein Schnorchel-Ausflug am Plan. Wir fuhren wieder in den Süden, wo es auch „Gilis“ (kleine Inseln) gab, die aber weniger berühmt und noch naturbelassener sind, als die Gilis im Norden. In einem der typischen indonesischen Fischerboote (sehr lang und schmal, mit links und rechts je einem Balance-Teil) ging es dann raus zur äußersten der drei Gili-Inseln. Mit einer Plastikflasche voller Brotstückchen und einem Loch im Schraubverschluss sprangen wir rein ins erfrischende Nass – und schon waren wir von Fischen aller Art umgeben. Große, kleine, blaue, gelbe, gestreifte, welche mit langen Nasen, welche mit grimmigen Blick. Die „trainierten“ Fische wussten: wenn da ein paar mehr Leute mit Plastikflaschen die Unterwasserwelt erkunden gibt’s auch was zu knabbern. Das Wasser, das durch das Loch im Deckel in die Flasche floss, machte das Brot schön patzig und man brauchte die Flasche nur etwas zu zerquetschen und schon schoss Brot aus der Öffnung und man war von Fischen nur so umzingelt.

Mit Papas Schnorchel-Erfahrung trauten wir uns gleich mal um einiges weiter hinaus als die anderen Schnorchel-Touris, was uns in tieferes Gewässer und zu noch bunteren Korallen und Fischen führte – und dann sahen wir auch zum allerersten Mal einen blauen Seestern. Wahnsinn! Zu toppen war dies nurmehr mit meinem persönlichen Highlight des Schnorchelns: Clownfische, die aus ihrer Anemone raus und wieder rein schwammen. Diese „Nemos“ einmal in ihrem ursprünglichem Lebensraum zu sehen war wiedermal ein Punkt auf meiner Bucket-Liste, der erst während des Erlebnisses selbst entstand und dann gleich darauf abgehackt werden konnte. (Wie so vieles auf dieser Reise.) Nach einem Mittagsstopp auf der mittleren Gili-Insel endete die Tour auf der kleinsten der drei Inseln mit der letzten Möglichkeit noch einmal die Schnorchel-Ausrüstung anzulegen und ab zu tauchen.

Nachdem ich bereits am ersten Tag bei der Heimfahrt von der Klimaanlage im Auto attackiert wurde, hütete ich am Abend und am nächsten Tag das Bett, pumpte mich mit Mamas Wundermittel voll und ruhte mich einmal so richtig aus. Martin, Mama und Papa schnappten sich am nächsten Tag zwei Mopeds und erforschten Lomboks Wasserfälle, Dschungel und Reisfelder.

Am letzten Abend unseres Lombok Aufenthalts speisten wir noch bei einem Italiener. Pizza und Pasta – so wie es sich das Herz und der Magen erwartet. Gute Speisen tun auch dem Gemüt gut und das brauchten wir auch für den kommenden Tag, der einer der anstrengendsten unserer bisherigen Reise sein sollte….

Es wurde halb eins mittags am Abfahrtstag und (pünktliche Österreicher wie wir sind) saßen wir fix und fertig bei der Rezeption. Aber wir warteten vergeblich. Es wurde 1 und kein Fahrer kam. Unser häufiges Nachfragen brachte auch wenig, da der Rezeptionist wenig Englisch sprach – irgendwann (und nach häufigem bereits energischem Auffordern, er solle doch beim Fahrer anrufen, wass denn da los sei) rückte er damit heraus, dass auch das Speedboat sich verspäten würde und deshalb noch  kein Fahrer da war. Na, wenigstens etwas… Irgendwann kam dann doch jemand, der uns abholte und zum neuen Hafen brachte. Nach kurzem Check-in und nachdem wir wiedermal Sticker mit unserer Zieldestination auf unsere T-Shirts geklebt bekamen, erfuhren wir, dass es jetzt wieder retour zu Autos und Taxis ging, die uns zu dem Hafen brachten, wo unser Speedboat ablegte. Dazu kurz eine Erklärung: Lombok hat vor kurzem einen neuen, wunderschönen Hafen gebaut, wo sich nun zwar die Büros der Speedboat-Anbieter befinden, die Anlegekosten aber so teuer sind, dass kein Boot anlegen will und man erst recht wieder den alten Hafen anfährt.

Gut, wir luden unser Gepäck wieder in genau dasselbe Auto ein, mit dem wir bereits her chauffiert wurden und weiter ging es noch eine gute dreiviertel Stunde zum „echten“ Hafen und gleich darauf ging die Fahrt los.

…kurz vor der Überfahrt von Lombok zurück nach Bali war die Welt noch in Ordnung 😉

Zwei Stunden lang schipperten wir über das raue, wellige Meer – und diese zwei Stunden waren welche der schlimmsten, die ich je durchgemacht habe. Ich stehe ja eigentlich gar nicht auf Achterbahnen, Simulatoren und wildes herumgerüttle. Aber dies alles wollte uns das Meer zu diesem Zeitpunkt anscheinend bieten. Die Wellen waren drei bis vier Meter hoch, immer wieder knallte das Boot mit einem Karacho auf die Wellen, dass man glaubte zwei Bretter stoßen aneinander. In der ersten Reihe kotzte sich eine Frau die Seele aus dem Leib. Die Mannschaft ging mit Kotztüten durch. Neben mir saß ein Mann, der bei jedem Aufschlag sein Gesicht verkrampfte und sich irgendwie komisch auf seinem Sitz positionierte, oder gar ganz am Boden hockte – er wurde von Kreuzweh geplagt. Ob dir Speiübel ist, oder ob du Kreuzweh hast – diese Bootsfahrt war nicht einmal für uns, die von diesen Problemen verschont wurden, lustig. Und sie hörte nicht auf. Irgendwann packte mich ein wütender Heulkrampf, weil ich einfach wollte, dass es aufhörte. Dass es ruhiger wurde. Dass sich der Horizont nicht in steilstem Winkel auf und ab bewegte und dass es nicht ständig einen lauten Knall gab. Zwei Stunden dauerte diese Horrorfahrt an. Vor Nusa Lembongans Hafen kamen wir dann zum stehen, Gäste wurden mit einem Beiboot an Land gebracht und neue Gäste stiegen ins Boot ein. Kotztüten wurden ausgetauscht und alle Passagiere atmeten einmal auf. Bis auf einmal ein weiterer Knall ertönte – ich saß gerade auf dem Schiffsklo (ganz normal, mir war nicht schlecht oder so..) aber mich konnte auch nichts mehr erschrecken zu diesem Zeitpunkt. Ich ging zurück zum Platz, Martin und meine Eltern schauten mich etwas gebannt an. „Was ist los?“ fragte ich. „Das Beiboot ist uns gerade seitlich rein gekracht, deshalb hat es diesen Knall gegeben.“, war die Antwort. Noch immer sahen sie mich unsicher an. „Ja was und jetzt sinken wir oder wie?!“ Wie gesagt, mich konnte zu diesem Zeitpunkt nix mehr aus der Ruhe bringen. Nein. das Boot sank natürlich nicht. Aber die Mannschaft konnten wir dann auch nicht mehr ernst nehmen. Das letzte Stück von Lembongan nach Bali war ein bisserl ruhiger und ging auch schneller vorüber.

Angekommen am Hafen in Sanur, Bali – wohlgemerkt drei Stunden später als ursprünglich geplant – wurden wir wieder von einem Fahrer abgeholt. Die Fahrt begann erstmal mit einem massiven Stau und unser Wunsch, doch über die Stadtautobahn zu fahren (die zwar etwas kostet, aber das würden wir sogar übernehmen) wurde mit einer Handbewegung des Fahrer abgetan. 

Da meine Eltern während der Tage auf Lembongan und Lombok einen Teil ihres Gepäcks im Intercontinental Resort gelassen hatten, wir die letzte gemeinsame Nacht aber in einem anderen Hotel am Jimbaran Beach verbrachten, stand auf unserem Ticket erstmal nur „Jimbaran Central“ – den Rest sollten wir uns mit dem Fahrer ausmachen, hieß es noch in Lombok. Tja da hatten wir die Rechnung leider ohne den Fahrer gemacht. Drei Stopps hatte er auf seinem Zettel geschrieben. Zwei Hotels (für zwei Pärchen, die auch in unserem Mini-Bus saßen) und einmal „Jimbaran Central“. Ich erklärte ihm, was ausgemacht war und dass drei von uns bitte zum Fox Hotel und einer zum Intercontinental musste und dass diese Hotels ja eh auf dem Weg Richtung Uluwatu (wo die dritte Adresse lag) lagen. Englisch sprach er sehr wenig und zurück kam immer nur der Deut auf das Zettelchen, diese drei Adresse fuhr er ab, nicht mehr und nicht weniger. Bei der ersten Adresse angekommen probierte ich es nochmal (und da wir uns in der Gegend schon auskannten, wusste ich genau, dass die Weg über unsere Hotels wirklich kein Umweg war): er solle bitte hier nicht umdrehen sondern einfach die Straße entlang fahren. Er ignorierte mich und setzte seinen Umdreh-Vorgang fort. Da riss mir der Geduldsfaden: er solle jetzt bitte sofort aufhören umzudrehen, wir haben einen ewig langen Tag hinter uns, eine Scheiß-Bootsfahrt und es war mit der Boots-Gesellschaft ausgemacht, dass wir einen direkten Taxidienst zu unserer Unterkunft hatten und nicht einfach irgendwo hinein nach Jimbaran. Wer mich kennt, kann sich diesen Wutausbruch ganz gut vorstellen. Martin spielte einen auf „Good-Cop“, probierte mich zu beruhigen und die Sache diplomatischer zu lösen und meine Eltern hielten sich aus der Sache eher raus. Der einzige Kommentar meines Papas war nur (zu den anderen Mitfahrern gerichtet): „Yes, that’s my daughter!“ Und es klang fast ein bisserl stolz. 😉 Diese Tochter schaffte es nämlich, dass der werte Herr Taxler wirklich über unsere zwei gewünschten Hotels fuhr und wir komplett fertig um halb 8 Uhr abends (statt wie geplant um 4 Uhr Nachmittags) in unserem Hotel einchecken konnten.

Canggu

Ich hatte mir bereits, bevor wir nach Bali reisten, eine Unterkunft in Canggu gesichert. In dieser wurden auch täglich verschiedenste Yoga-Stunden angeboten. Martin war sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher, ob er in unserer letzten Woche eventuell noch Balis Westen oder sogar Java noch besichtigen wollte. Schließlich ist Bali nicht Indonesien und auf Java bekommt man sicher noch einiges mehr vom „eigentlichen“ indonesischen Lifestyle mit. Im Endeffekt buchte er für die ersten drei Nächte auch ein Hostel in Canggu, und wollte dann weiter überlegen.

Canggu ist bekannt für Yoga, Surfen (von Kite- und Windsurfen bis hin zum Wellenreiten), Partys und in der weiteren Umgebung für ein paar Reisfelder und einem Tempel, der auf einem Stein im Wasser gebaut wurde. Hier traf mich dieser „Yoga-Vegan-Raw“ Lifestyle ziemlich hart: meine Unterkunft beinhaltete ein paar Schlafsäle, Yoga-Räume, einen Pool und auch ein Veganes-Restaurant. Nur Vegan. Keine einzigen tierischen Produkte auf der Speisekarte. Was für die meisten Besucher(innen) wahrscheinlich ein Traum war, ich konnte mir jedenfalls in dieser Zeit, in der mich auch etwas Heimweh plagte und Martin auch nicht in direkter Nähe war, besseres vorstellen, als mich von veganen, meistens auch noch rohen Speisen, zu ernähren. (Anm.: Jeder soll sich bitte so ernähren wie er/sie möchte – mir persönlich ist vegan auf Dauer einfach zu „wenig“, is so.)

Veganes Frühstück

Der erste Abend in Canggu endete dann letztendlich in der Old Man’s Bar, wo sich ziemlich viel abspielt. Die Tage darauf verbrachten wir viel mit Schreiben für den Blog und gute Cafés suchen, wo es zumindest nicht nur vegane Speisen gab, sondern der Cappuccino auch mal mit echter Kuhmilch getoppt war und im Salat ein Ei drinnen sein durfte. Mmhh – guad! Ich probierte allerlei lustige Yoga-Stunden aus, wobei ich während dieser Woche draufkam, dass mir diese Sportart einfach zu einseitig ist. Schnell fand ich ein Tanzstudio und tanzte mir bei einer Stunde Hip-Hop und zwei Tage später bei Beyoncé alles Heimweh aus dem Leib – Tanzen ist einfach Balsam für meine Seele, und es tat extrem gut nach so langer Zeit wieder einmal eine Choreographie einzustudieren. 

Martin wechselte nach den ersten drei Tagen in seinem Hostel auch in meins, wo wir uns dann gemeinsam in der Früh das vegane Frühstück (an das wir uns dann doch irgendwann gewöhnten) zu Gemüte führten.

Highlights des Aufenthalts in Canggu waren auf jeden Fall:

…die Bier-Pong Meisterschaften im Old Man’s. Bei der Martin mit zwei deutschen Jung-Fußballern antrat und von den Aussies (die glaub ich nix anderes machen als Trink-Spiele zu spielen) ziemlich rasch rausgespielt wurden.

…wir trafen einige Österreicher (es war ja schließlich Haupturlaubszeit). Unter anderem eine Freundin von Andrea aus dem Mühlviertel, die wir in der Mongolei und China kennenlernten, was soll ich sagen, die Welt ist ein Dorf!

…Martin borgte sich noch einmal ein Surfbrett aus und beschloss dann, dass Radfahren trotzdem weiterhin sein Lieblingssport bleiben wird.

…Martin und ich probierten „Aerial Yoga“ aus, bei dem man mit speziellen Yoga-Hängematten Yoga macht. Man hängt hier sehr oft Kopfüber und nach der Stunde war mir etwas übel. Witzig ist diese Art des Yogas aber auf jeden Fall!

…am vorletzten Tag borgten wir uns noch einmal ein Moped aus, mit dem wir durch wunderschöne Reisfelder fuhren, beschlossen, den Wassertempel nicht mehr zu besichtigen, nach Kuta-Beach fuhren um diesen berühmten Strand auch noch gesehen zu haben und am Schluss bei einem Art Dorf-Fest inkl Streed Food Market endeten, wo wir seit Ewigkeiten wieder einmal köstlichstes vietnamesisches Ban Mih aßen.

Bali hat einiges zu bieten- gut Essen gehen zu können, gehört auf jeden Fall dazu!

MAGEMA Tips für Bali:

  • Gleich vorweg: wer auf der Suche nach dem Bali von vor 25 bis 30 Jahren ist, nach dem unberührten Fleckchen, ist hier auf der falschen Insel gelandet. Vor allem in der Hauptreisezeit (in der auch wir unterwegs waren) ist diese Insel komplett überlaufen.
  • Am Jimbaran Beach unbedingt in einem der vielen Strandrestaurants Abendessen – hier ist es günstig und es gehen auch immer wieder Live-Musiker durch, die dir einen Song aus der Heimat spielen (oder einen von den deutschen Nachbarn, wenn sie keinen österreichischen Song kennen). Außerdem ist das Essen günstig, die Portionen groß und die Variationen von Meeresfrüchten und Fischen gibt’s hald z’Haus sicher nicht.
  • Eine Surfstunde nehmen (Jimbaran Beach hat ideale Wellen dafür) – eine Stunde inkl. Neoprenshirt, Surfbrett und Lehrer kostete uns umgerechnet 14€ pro Person und wir standen gleich beim ersten Versuch in der Welle – das Gefühl ist einfach ein Wahnsinn!
  • Schöne Plätze, wie (fast) verlassene Strände oder untouristische Reisfelder muss man meistens etwas länger suchen – es lohnt sich aber auf jeden Fall.
  • Um diese „geheimen“ Plätze zu finden eignet es sich am Besten einfach ein Moped auszuborgen und die Insel zu erkunden.
  • Die Plätze, Strände, Tempel etc. die von Bloggern und Instagramern so sehr beworben wurden, und die Bali eigentlich zu diesem Must-Sees vieler Menschen gemacht haben, sind weniger erstrebenswert an zu peilen, da eben alle anderen auch dort hin pilgern.
  • Fans von Yoga und veganem Essen, die sich mit anderen Fans von Yoga und veganem Essen austauschen möchten sind hier Goldrichtig! Meistens sprechen die anderen auch noch die gleiche Sprache!
PS: Nasi Goreng zum Frühstück schmeckt gar nicht schlecht

Thailand

Die Grenze von Kambodscha nach Thailand passierten wir nun zum ersten Mal zu Fuß – was auch eine witzige Erfahrung ist: per Bus ging’s bis zur Grenze, wo alle Passagiere ein Pickerl in einer bestimmten Farbe bekamen, je nachdem wo es dann nach der Grenze hingehen sollte. Dann kommt die Check-Out Kontrolle in Kambodscha und man spaziert mit allen seinen sieben Sachen an Casinos und LKWs vorbei, über eine Brücke drüber, fragt ein paar mal ob man eh richtig ist, und steht dann bei den Einreise-Beamten in Thailand an. Und dort standen wir und warteten – nach gut einer Stunde waren wir endlich an der Reihe; und auch Thailand war gnädig und so reisten wir in unser sechstes Land ein.

Danach hieß es noch einmal warten, wir hatten Zeit uns undefinierbare Sandwiches zu holen (vielleicht war es auch besser, dass wir nicht wussten welcher Teil, welches Tieres darin verwurstet wurde, ich tippe auf das Ohr eines Schweines), bis wir von einem privaten Fahrer eine Stunde weiter südlich gebracht wurden, wo eine Fähre auf uns wartete. Bei der Autofahrt wurden wir auch das erste Mal so richtig erschreckt, als wir Kinder und Hunde am vermeintlichen Fahrersitz sahen – Thailand war schließlich das erste Land mit Linksverkehr, das wir bereisten. Was für uns wiedermal sehr spannend war: die gesamte Strecke – von Siem Reap in Kambodscha, über die Grenze bis zur Insel haben wir über unsere Hotel-Mama in Siem Reap gebucht. Und dieses Mal hatten wir zwar ein Ticket, aber die konkreten Reisemittel standen da auch nicht drauf. Aber es lief alles bestens: per Bus zur Grenze, zu Fuß darüber spazieren, mit einem privaten Fahrer weiter zum Ticket-Büro der Fähre, mit einem Pick-up zur Fähre und mit der Fähre auf die Insel. Es läuft ja eh alles! 😉

Die Insel Koh Chang

Die Fähre brachte uns in unter einer Stunde auf die Insel Koh Chang, die sehr schöne Strände und generell eine wunderschöne Landschaft sowie ein paar Elefanten beheimaten sollte. Mit uns auf der Fähre befanden sich ein paar Südkoreaner, die bereits auf der Fähre lautstark ihre Lieblingslieder sangen – und zwar gar nicht schlecht. Nachdem uns ein massiver Regenguss noch auf der Fähre überraschte – der nicht nur von oben, sondern, bedingt durch den Sturm, auch von links und rechts auf uns niederprasselte – waren wir sehr froh, dass uns am Hafen auch gleich ein Taxidienst erwartete. Dieser packte dann nicht nur uns sondern auch die koreanischen Gesangstalente ein, woraufhin eine wunderbar österreich-koreanische Gesangseinlage von Despacito, Let it Go (Frozen) und natürlich Gangnamstyle folgte. Das gute war ja: auf Koh Chang gab es keine „normalen“ Taxis, sondern hauptsächlich Pick-Ups, mit selbst eingebauten Bänken und einer Überdachung über der Ablagefläche – somit wurde der Fahrer von unseren Gesängen nicht belästigt und wir cruisten die wilden Inselstraßen, steil bergauf und bergab bis zu unserer Unterkunft im westlichen Teil der Insel.

Das Insel-Leben

Auf der Insel haben wir anstelle von Booking.com, was wir meistens zur Unterkunft-Suche zu Rate ziehen, auf Airbnb zurückgegriffen. Heraus kam ein zweistöckiges Eco-Erdhaus in der Blauen Lagune mit Badezimmer und Küche im Halbfreien, zwei große Schlafzimmer und ein weiteres Doppelbett überdacht, aber ansonsten im Freien. Der erste Tag begann mit Regen und endete auch damit – dazwischen regnete es auch durch – uns blieb viel Zeit zu lesen, in Regenpausen von unserer Unterkunft in Richtung eines Cafés zu huschen und in einer weiteren Pause wieder retour zu spazieren. Wir hatten es mit monsunartigen Regengüssen zu tun die an diesem Tag nicht und nicht aufhören wollten. Selbst die Inselbewohner meinten, dass es zu dieser Jahreszeit noch sehr ungewöhnlich viel Regen ist – die eigentliche Regenzeit in Thailand sollte doch erst im August beginnen….

Auf Regen da folgt Sonnenschein

Die Tage darauf wurden zum Glück besser um ein vieles besser und so taten wir was uns beliebte, Georg zeichnete, Maria las und Martin erkundete auf eigene Faust und per Moped die Insel.

Am nächsten Tag begleitete mich Maria und wir umrundeten die Insel, fanden einen Steg für Foto-/Drohnenshootings, aßen bestes Pad Thai in einem Fischerdörfchen und fuhren bis zum paradiesischen Sandstrand an der untouristischen und abgelegenen Ostseite der Insel.

Elefantenreiten in Thailand

Natürlich war es uns auch ein Anliegen, diese Dickhäuter nah zu erleben. Jedoch erfuhren wir nach kurzer Recherche, dass es eine unvorstellbar brutale Prozedur benötigt, um Elefanten so zu bändigen, dass man auf diesen reiten kann und man dem Ganzen eigentlich nur ein Ende setzen kann, wenn man auf die Touristenattraktion des Elefantenreitens verzichtet (verringert sich die Nachfrage so tut es auch das Angebot). Somit blieb es dabei, dass wir die Elefanten mit ein paar Bananen fütterten. Etwas gruselig war sie trotzdem, die Leere in den Augen dieser riesigen Tiere.

Bangkok

Bereits bei anderen Städten, begleitet uns bevor wir diese betreten hatten bereits ein  Ohrwurm – doch in keiner Stadt, war dieser in solch einer Intensität und Dauerschleife in unseren Köpfen gefangen wie in – „One night in Bangkok and the world’s your oyster…“ (viel Spaß mit dem Ohrwurm, ihr Lieben!)

Hier waren wir nun – mitten in dieser sagenumwobenen Großstadt, mit einer Population, die der Österreichischen ziemlich gleich zusetzten ist. Und obwohl Bangkok echt allerhand Charme versprüht, war die Dame in unserer Runde schon etwas gesättigt von asiatischen Großstädten.

Über Bangkok ruhte für uns ein mystischen Schleier, sicherlich auch den Hollywood Blockbustern wie Hangover geschuldet. Schon unser Hostel war außergewöhnlich: im Parterre ein charmant eingerichtetes Cafe im altenglisch-viktorianischen Stil – die Schlafsäle waren eine Ansammlung von Wagons aus dem Orient Express, die den Vorzug boten, komplett durch ihre Vorhänge geschlossen werden zu können. Dass wir alle 3 das Buch von Agatha Christi 2 Monate zuvor in China gelesen hatten, machte das Erlebnis schon fast kitschig.

Die thailändische Großstadt, erwies sich doch als sehr unterschiedlich zu den zuvor besuchten Großstädten Südostasiens:

A) Bangkok ist riesig, zum Museum der zeitgenössischen Kunst fuhren wir 1 Stunde durch die Stadt und sogar 1,5 Stunden zurück – sicher auch dem Verkehr geschuldet.

B) Die Wolkenkratzerdichte ist enorm, besonders im Finanzzentrum denkt man, das Hervorsprießen der Türme nimmt kein Ende mehr.

C) Vor allem in unserer unmittelbarer Umgebung waren die Tempelanlangen von Prunk und Goldverzierung kaum zu übertreffen.

Was sah also unser Reiseplan für Bangkok alles vor?

Der Mittagshitze entfliehend verbrachten wir Stunden im Museum für Zeitgenössische Kunst.

Maria und Martin feierten ihren vorgezogenen Jahrestag im Künstlerviertel Chang Chui, wo wir in einem gestrandeten Flugzeug, neben ausgestopften Tieren und Holzengerl zu Abend aßen.

Wir spazierten durch den bekannten Stadtpark und ließen uns von den meterlangen Riesenechsen im Stadtpark erschrecken. (Martin ließ sich erschrecken – Georg und ich waren einfach nur fasziniert). Diese Riesenechsen waren bestimmt einen Meter lang und krabbelten lustig vom Teich aufs Land und kamen unerschrocken näher an uns Besucher ran.

Wir marschierten durch die anrüchigsten Verkaufsstraßen wo es von unzähligen Elefantenhosen und Pingpong Bälle (und –Shows) über knackige Skorpione und Krokodile am Griller bis hin zu gefälschten Ausweisen, allerhand zu erstehen und sehen gab.

Dank der App Eatigo (die uns für unser frühzeitiges Erscheinen mit einem -50% auf alle Speisen Rabatt belohnte) dinierten wir fein im 41. Stock auf einer Rooftopbar, mit bestem Blick auf die Bangkoker Skyline und wundervollen Sonnenuntergang.

Wir nutzen die letzten Stunden vor unserem Abflug, um die Kuriosität eines kunterbunten Einhorncafés, aus unmittelbarer Nähe, zu inspizieren. Sowas trauen sich wirklich nur die Asiaten zu (trau ich mir jetzt einfach mal so zu behaupten): in der gesamten Stadt wimmelte es nur so von Hello Kitty Cafés, Mermaid Cafés und Unicorn Cafés. Natürlich war Martin derjenige, der diese Tatsache herausfand, aber Maria diejenige, die sich so eine Kuriosität auch einmal ansehen möchte. Da das Café (mehr oder weniger) am Weg Richtung Flughafen lag, musste meiner Meinung nach dieser Stopp einfach sein und schon saßen wir – zwischen pink-violetten Einhornstofftieren, glitzernder Tapete und rosa Sitzbänken im Einhorncafe.

Und weil die Asiaten keine halben Sachen machen ist auch die Speisekarte wunderbar schrecklich ausgestattet: Regenbogen Burger mit in allen regenbogenfarben eingefärbtem Schmelzkäse, genauso der French-Toast, mit richtig viel Ahornsirup und bunten Eiskugeln. Als Draufgabe bestellte ich mir noch eine heiße Schokolade, die an Süße und Schlagobers nicht zu übertreffen war. Das war dann auch mir schon fast zu viel.. – Aber wann hat man mal wieder die Möglichkeit in so ein Café zu gehen? Und wann wenn nicht jetzt – wo ich nur für mich selber Verantwortlich bin und kein Vormund meint, dass das übertrieben ist – kann ich mir so einen Spaß gönnen? 😉 Was wir dann doch ausließen war, uns für 100 Bat (was eigentlich eh nur 2 Euro gewesen wären – und ich frag mich grad: WIESO haben wir es nicht gemacht??) einen Einhorn-Ganzkörper-Anzug auszuborgen um damit Bilder zu machen….

MAGEMA Reisetipps Thailand

  • Sucht euch einen der zahlreichen Wolkenkratzer mit Rooftop-Restaurant/-Bar und gönnt euch dort oben zumindest einen Sonnenuntergangs-Drink. Die Stimmung so hoch über der Stadt ist echt atem(be)raubend.
  • Spart euch das Elefantenreiten… Elefanten sind wilde Tiere und so sollte man sie auch behandeln.
  • Man liest es eh immer und überall, und trotzdem hat es uns mal einen Haufen Geld gekostet: hört auf niemanden, der euch „ganz günstig und exklusiv“ irgendwas anbietet, meistens sind das typische Betrüger..
  • Unterschätzt die Fahrtzeiten in Bangkok nicht – die Stadt wirkt vielleicht nicht groß, man sitzt aber immer wieder für längere Zeit im Taxi/Tuktuk oder spaziert zu Fuß gleich mal einige Kilometer am Stück
  • Tuktuk fahren! Es ist wirklich lustig, wenn man in so einem kleinen Fahrzeug sitzt und sich von A nach B bringen lässt. Wichtig: vorher Preis abklären und vielleicht mit Taxi-/Grabanbieter vergleichen, damit man nicht abgezogen wird.

Chinas Süden

Prolog

Vielleicht ist es den eifrigsten Bloglesern unter euch auch aufgefallen: Chinas Norden hat uns gleich mal ziemlich erdrückt, um nicht zu sagen, wir waren schlichtweg überfordert, mit den nochmals komplett unterschiedlichen Gepflogenheiten dieser doch sehr anderen Kultur. Es waren neben den angeführten Schwierigkeiten im letzten Artikel, auch viele kleine Dinge die uns irritierten: die Konversation mit den meisten Chinesen entpuppte sich als eine schwierigere Angelegenheit, als den BREXIT zu verhandeln, die Menschenmassen traf man schier überall zu jeder Tages- & Nachtzeit an, es war eine Hektik an der Tagesordnung und zwar keine romantische Hektik wie man es sich am Timessquare vorstellt, sondern eine ungemütlich-chaotische „Hektizität“. Dazu kam die Zensur, die wir so einfach nicht gewohnt waren und wir uns in dieser Art auch zuvor nicht vorstellen konnten; „schnell mal was googeln“ ging genauso wenig (habt ihr die letzten 10 Jahre schon mal Bing benutzt? Das ist eine Zeitreise in die Vergangenheit) wie WhatsApp, Facebook oder Instagram zu checken, was die weitere Planung erschwerte und wir diese erstmalig nicht mehr in der eigenen Hand hatten, sondern wir von unseren Hostelmamas, Ticketschalter-Beamten (die uns nicht verstanden und taten was sie wollten) und hilfsbereiten Passanten abhängig waren.

Das alles oder zumindest vieles änderte sich, als wir weiter ins Landesinnere, gen Süden reisen. Vielleicht gewohnten wir uns auch mehr daran, jedenfalls begannen wir ab hier die richtig schönen Juwelen Chinas zu entdecken, die wir nun ausführlicher mit euch teilen wollen:

Chengdu

Chengdu, das bedeutete für uns: Endlich! Raus aus den Riesenmetropolen – hier leben zwar immer noch 14 Mio, Einwohner, aber es fühlte sich zumindest gleich mal etwas „ländlicher“ an, als Xi An oder Peking. Ein weiterer Grund für dieses ländliche Gefühl rührte sicher auch daher, dass wir immer näher an die tibetische Grenze rückten, wir also in höhere Lagen kamen und es hier mehr Nationalparks und Wege in die Natur gab.

Von hier aus wollten wir eigentlich eine Tour in den Jiuzhaigou Nationalpark buchen, ein überall hochangepriesenes, farbenreiches Naturareal mit vielen Seen und Wandermöglichkeiten. Jedoch war das Gebiet vor wenigen Jahren von einem Erdbeben beeinträchtigt worden und obwohl unser Hostel Touren dorthin anbot und die Hostelmamas auch wussten, dass er eigentlich bald wieder aufgesperrt werden sollte, wusste niemand wann. Ein Klassisches Chinesisches Paradoxon: es werden einerseits Touren angeboten, aber dann irgendwie doch nicht, weil der Park gesperrt ist.

Für den ersten Nachmittag in Chengdu buchten wir eine originale Sichuan Cooking Class und diese war großartig! Sichuan kennt man z’Haus von den Saucen beim Mongolen oder im China Restaurant. In der Speisekarte werden Gerichte „nach Sichuan Art“, meist mit der maximal möglichen Anzahl an Chili Schoten auf der internationalen Chili Skala begleitet. Wir befanden uns jetzt also in der Hochburg und Metropole dieser Sichuan Region und tatsächlich, die Gewürze hier sind alle einzigartig, grandios im Geschmack und haben eines gemeinsam: die Schärfe.

Ein überaus lustiger und charmanter Einheimischer (wir nannten ihn unseren chinesischen Harry Potter – schaut auf die Brille und den Haarschnitt!) ging mit unserer Gruppe, der auch ein Pole und eine Koreanerin angehörte, durch einen typisch asiatischen Food-Market. Wir mussten verschiedene Aufgaben lösen wie Tofu, Frühlingsrollen oder Reisschnaps auf chinesisch bestellen, sowie einen chinesischen Mini-Dumpling selber formen. Wir kosteten die frischesten und bislang besten Frühlingsrollen überhaupt und probierten die verschiedenen, teils Zunge-lähmenden Gewürze der Sichuan Region. Danach ging es, an vielen Mahjong spielenden Männern vorbei in die Küche.

Wir kochten auf, ein Traum – Schöber Fritz (Anm.: Küchenkoryphäe und Kochlehrer der Tourismusschule in Bad Leonfelden) wär‘ stolz auf uns: Wok, Dumpling-Dämpfer, riesige chinesische Fleischer Messer, Stäbchen, MSG,.. alles was du in China zum Kochen brauchst, war in Stäbchenweite. Doch wenn wir statt einem EL Chili oder Ingwer einen zweiten EL hinzufügen wollten, klopfte uns die chinesische Oberköchin schon auf die Finger – dafür waren Georg und ich um so stolzer, wenn wir unbemerkt mehr nach unseren Vorstellungen würzten. Es wurde ein Festmahl. Und als kleines Extra lernen wir auch wie man in China Tee richtig trinkt – mit nur einer HAND!

Da Bier und Reiswein bei der Tour inkludiert waren, wurde feuchtfröhlich über die Region, die Regierung und Überwachung, Zhima Credit, Zugehörigkeit Hongkong und Taiwan debattiert, wobei man schon merkte, dass die Propaganda einen großen Einfluss hatte und manch ein Thema nur mit vorgehaltener Hand angesprochen wurde. Der polnische Teilnehmer der Cooking Class studierte und arbeitete schon seit ein paar Jahren in China und es war spannend zu beobachten, dass ihm Kritik an der Regierung etwas lockerer über die Lippen gelangte, als unserem chinesischen Tourguide, wobei auch der Pole sich nicht über alles sprechen traute und bei prekären Themen das Mikrofon seines Smartphones abdeckte.

Pandas of Chengdu

Chengdu ist neben der Schärfe, auch bekannt für seine Pandas, die wir am nächsten Tag besuchten. An dieser Stelle gehört erwähnt: Chinesen lieben Pandas! Neben Pandaschulranzen, Pandaschmuck oder Erklärungsvideos am Flughafen bei dem Pandas anstatt Menschen abgebildet werden, laufen auch eine beachtliche Anzahl an Leuten mit Pandaohrhaarreifen herum – schon eher schräg. In Chengdu befindet sich eine der größten und vor allem die berühmteste Pandaforschungs- und Aufzuchtseinrichtungen der Welt und wir mussten auch feststellen: Pandas sind schon besonders lieb-lustige, vielleicht einen etwas tollpatschigen Eindruck vermittelnde, Tiere.

Und auch die Einwohner Chengdus identifizieren sich stark mit den Pandas und werden angeblich auch von den anderen Chinesen scherzhaft als Pandas bezeichnet. Das nehmen sie jedoch als Kompliment auf und gestehen ein, dass sie gerne weniger hektisch, mehr gemütlich und träge sind – eben wie Pandas, vielleicht auch deshalb waren sie uns besonders sympathisch und konnten wir sie liebgewinnen.

Chengdus Altstadt hat einiges Erkundenswertes zu bieten und lädt definitiv zum herumschlendern und spicy Hot-Pot (auch veggie) genießen ein (in Chengdu gibt es glaube ich kein nicht-spicy, sehr zum Leiden Marias).

Wofür wir in Schwechat noch das Flughafenpersonal beauftragt hatten, erledigten wir in Chengdu schon ganz gekonnt selbst: das Einfolieren unserer Rucksäcke. (Immer mit ein paar Asiaten im Hintergrund, die uns neugierig beobachteten.)

Lijiang, das chinesische Innsbruck

Hei Long Tan Park

Den zweiten Flug unserer Reise nahmen wir also von Chengdu in das chinesische Dorf Lijiang (mit nur etwas mehr als 1 Mio Einwohnern). Wir waren in den Bergen angelangt – auf 2.600 m – an den südöstlichen Ausläufern des Himalaja Gebirges.

Nun waren wir erstmals komplett weg von Wolkenkratzern und hohen Häusern, was die Aussicht auf die Berge rundherum gleich um ein vielfaches verbesserte. Hier fühlten wir uns in China das erste Mal am ehesten wieder wie zu Hause und wir hatten irgendwie das Gefühl, dass man auch als Chinese gerne hierher auf Sommerfrische kommt: Lijiang ist ein wunderbares alt-chinesisch gehaltenes Dörfchen mit verschiedensten Manufakturen und charmanten Verkaufsständen, die sich in engen Gassen zwischen Flüsschen und Restaurants aneinander reihen. Wobei wir bald bemerkten, dass die angepriesenen Souvenirs Teil einer großen Inszenierung waren. Es schien zwar alles sehr handwerklich und „do it yourself“ zu sein, nach 500m tauchte aber ein identer Betrieb auf, mit den Exakt gleichen selbstgeschöpften Papierprodukten, Stoffen, Steinen oder Schmuck, nichtsdestotrotz waren wunderschöne Erzeugnisse dabei.

Unser ungeschlagener Favorit waren die Shops der FrüchteverkäuferInnen. Sie präsentierten ihre gekühlten und im ganzen gehaltene Früchte, man sammelte seine Lieblingsfrüchte (oder an experimentierfreudigen Tagen auch unbekannte Früchte – für Martin ist jeder Tag ein experimentierfreudiger Tag) in einem Schüsserl ein, danach wurden sie gewogen und man bekommt diese wie von der Kindergartentante (Anm.: PÄDAGOGIN!) in mundgerechte Stückchen hergeschnippelt – köstlich, da verdrückten wir schonmal 3,5 kg Früchte zum Abendessen.

Schritt 1: Früchte ungeschnippelt einsammeln
Schritt 2: Geschnippelt genießen!

Nachdem sich Martin bereits in Chengdu einen feschen neuen und vor allem günstigen (4 Euro) Haarschnitt gegönnt hat, war ich motiviert in Lijiang einen Friseur aufzusuchen. Nachdem mich meine erste Wahl ablehnte (oder sie einfach nicht verstanden, was ich eigentlich möchte), fiel ich zwei jungen Friseuren in die Hand, die sichtlich Freude daran hatten, einer Blondine die Haare zu schneiden. Und nachdem ich sowieso immer schon besser zeigen konnte, welche Frisur ich mir vorstellte, welche Haarlänge und welche Art von Stirnfransen, brauchte es nicht mal vieler Worte (ja, ich weiß, sehr ungewöhnlich für mich…). – Umgerechnet starke 3,90 € kostete mich das Vergnügen, somit war auch mein Ziel erreicht, einmal weniger Geld beim Friseur auszugeben als die Männer.

Nach dem Haarschnitt gab’s natürlich noch ein gemeinsames Selfie!

In Lijiang genossen wir die Zeit um von den City Trips mal runter zu kommen, um in Parks zu verweilen, wandern zu gehen (siehe weiter unten) und wir machten unsere erste Moutainbike Tour. Unser Ziel wäre ein schöner See gewesen, deswegen packten wir unser Badezeugs, Sonnencreme und Handtuch ein und liehen uns (unter Martins Kenner-Blick) drei ganz gute Mountainbikes aus. Und dann ging es bergauf. Was auf der Karte nach einer zwar steilen, aber durchaus schaffbaren Mountainbiketour aussah, entpuppte sich als ziemlich „zache Partie“ – zumindest für Georg und mich. Einen See sahen wir alle 3 an diesem Tag nicht, geschweige denn sprangen wir in ein kühles Nass. Dafür waren wir am Ende des Tages sehr stolz auf unsere sportliche Leistung und das Bier war durchaus verdient!

Unser Erstkontakt mit der Stinkefrucht Durian erfolgte ebenfalls hier. Es ist schon sonderbar, die einen lieben Sie, die anderen ekeln sich vor ihr – wir gehören der 2ten Gruppe an. Seither geben wir diese Frucht auch an, wenn wir im Restaurant oder CookingClasses nach Unverträglichkeiten gefragt werden. Wenn es einen Frucht-Hype derzeit in Asien gibt, dann ist es die Durian, wobei es für uns komplett unverständlich ist, da sie stinkt und der Geschmack für unsere Gaumen grauenhaft ist. Immer wieder sahen wir in den Gassen Lijiangs diese große gelbe Frucht beworben. Nichtsahnend haben wir uns in einem der zahlreichen Bistros dann eine Durian Torte bestellt, aber konnten und wollten diese nicht einmal zu Dritt aufessen. So sehr wir Lebensmittelverschwendung verabscheuen – die Durian verabscheuen wir noch mehr. Seit diesem Erlebnis verfolgt uns diese Frucht auf Schritt und Tritt…(und wir werden sie voraussichtlich erst wieder auf den Cook Islands oder in Neuseeland los werden..)

Ihr sagt „Durian“ wir sagen „Wääääh“.

Tiger Leaping Gorge

Der Jangtsekiang ist der längste Fluss Chinas (teils mit sehr negativem Image) und der drittlängste der Welt, in meinem Kopf verbinde ich diesen Fluss immer noch mit einem Geografie-Referat in der Unterstufe, wo durch die Aufstauung des Flusses Millionen von Menschen umgesiedelt werden mussten. (DANKE, Prof. Greiner, Magda & Hanna ;-)) Auch da wurde bereits diese Tiger-Sprung-Schlucht erwähnt und auf die Empfehlung eines China-affinen Arbeitskollegen von Martin (DANKE Thomas!) zog es uns auf eine zweitägige Wanderung dorthin. Verschiedenste Reiseblogs sei Dank konnten wir uns sehr gut darauf vorbereiten – Wanderkarten hatten wir bzw gibt es, bis auf ein paar handgezeichnete Karten der Guesthouses entlang der Route, keine.

Hier bahnt sich der Jangtse mit wildem Getose durch die Schlucht

Mit Hilfe unserer Hostelmamas (bzw war es diesmal der Sohn der Hostelmama, der Maria gleich nach unserer Ankunft eine Zigarette anbot, um sie zu beeindrucken, sie diese aber selbstredend ablehnte) buchten wir eine der neueren Unterkünfte, die eine atemberaubend schöne Aussicht auf den Jade-Dragon-Snow-Mountain (Ausläufer des Himalaja, mit 5596 m Höhe) und die darunter befindliche Tigersprungschlucht versprach. Der Hostelpapa in den Bergen empfahl uns sogleich die ersten Höhenmeter bis zum Naxi-Guesthouse mit einem Taxi zurück zu legen, da der Weg nur über die Straße verläuft und man sich so Energie für den restlichen Wanderweg sparen kann.

Voller Wander-Vorfreude ging es um 6 Uhr in der Früh in Lijiang mit dem Taxi zur Bushaltestelle. Von dort aus erwartete uns, auf der Suche nach dem springenden Tiger, eine 3 Stunden Busfahrt nach Qiaotou. Womit wir nicht gerechnet hatten war, dass der Chinese neben uns lautstark chinesisches Musikantenstadl hörte, jedoch das Kopfhörer-Kabel nicht richtig eingesteckt war und er immer lauter drehte um auf die gewünschte Lautstärke zu kommen. Weder wir, noch die anderen Fahrgäste wollten ihn darauf anreden. Dafür stellte er sich als sehr hilfsbereit heraus, als es darum ging, wo wir aussteigen mussten.

Angekommen in der eher verdreckten Stadt Qiaotou am Rande des Nationalparks, nahmen wir eben auf Empfehlung unserer Unterkunft ein Taxi für die ersten vielen und unschönen Höhenmeter. Auch wenn wir gerne wandern – wir waren echt froh über diese Entscheidung, da die Steigung selbst im Auto sitzend an einigen Stellen eher grenzwertig ist und man nur von Baustellen umgeben war. Nach der kurzen Auffahrt stiegen wir beim Naxi Guesthouse aus und verloren Georg gleich mal, als er für ein paar Minuten aufs Klo verschwand und dann einen anderen Weg hochging. Bereits die ersten Meter waren fordernd und nach einer zügigen Stunde Gehzeit, standen uns noch immer die „28 Bends“ (28 Serpentinen) bevor, von denen wir in allen Blogs und auf allen Karten gelesen hatten. Wir probierten zwar, die 28 Serpentinen zu zählen, aber nachdem Martin bereits bei der Hälfte des Weges bei 28 angekommen war, stellte sich das Mitzählen als demotivierend heraus, weil wir immer schon glaubten: „hey jetzt haben wir es gleich geschafft“ und dann kamen noch weitere Kehren. Nach 3 Stunden Aufstieg kamen wir aber in den vollen Genuss der geschafften Höhenmeter und blickten auf den Jangtse hinunter.

Kehre Nummer….39? Oder doch erst 15??

Nach einer kurzen Mittags-Rast im „Tee-Horse-Guesthouse“, wo ich ein köstliches Naxi-Sandwiche aß (die Naxi sind eine chinesische Minderheit, die im Süden Chinas zu Hause sind) und wir Kraft für das nächste Stück tankten. Der weitere Weg entpuppte sich als weniger beschwerlich und vor allem wunderschön-kitschig! Stets konnte man auf die weißen Schneeberge gegenüber sehen, sowie runter in die Schlucht blicken. Außerdem bietet der Trail eine Vielzahl an lauschigen Rastplätzen.

Nach insgesamt 5 Stunden wandern erreichten wir unsere Unterkunft für die Nacht. Das Come Inn Guesthouse, auf halben Wege zur Tigersprungschlucht erfrischte uns mit einem köstlichen Abendessen und regionalem Bier. (Wobei wir, geblendet von dem Schild „Happy Hour“, erst nach dem 2. oder 3. Bier erfuhren, dass „Happy Hour“ nur für ein bestimmtes Bier galt, wieder Mal typisch chinesisch)

Das Come Inn Guesthouse – unsere Unterkunft aus der Drohnen-Perspektive.
Unser Ausblick auf den Jade-Dragon-Snow Mountain beim Aufwachen.

Der zweite Wandertag war hauptsächlich ein Abstieg Richtung Schlucht, mit einer wunderschönen Kulisse, ein paar Ziegen und Wasserfällen. Bis wir dann ganz unten beim reißenden Fluss waren, dem Jangtse, dauerte es 2,5 Stunden (wir überholten alle anderen, die einzigen die uns überholten waren unsere Nachbarn aus der Schweiz) und wir hatten noch etwas Zeit bis unser Bus zurück nach Lijiang fuhr und so erkundeten wir alle Ecken und Enden der sagenumwobenen Tigersprungschlucht.

Ein weiteres Mal (u.a. nach ewig langen Liften, Sandstürmen und auslaufenden Visas) lotete Maria ihre Grenzen aus, denn am Weg zur Schlucht gab es die berüchtigte Sky Ladder, eine Leiter die, wie es der Name erahnen lässt, sich ewig dem Felsen empor streckt. Zum Glück oder auch nicht gab es auch eine Alternativroute und so stieg das Mädl, auch wenn sie eigentlich fast 2/3 geschafft hatte und es somit kürzer zum oberen Ende gewesen wäre (aber das glaubte sie mir nicht), wieder zurück. Ja, auch solchen Beziehungsproben stellt man sich auf einer Weltreise.

Shanghai

Shanghais Skyline – der Bund

Das Prozedere am Shanghaier Flughafen ging erstaunlich unkompliziert – innerhalb von 45 min hatten wir unser Gepäck, waren in der U-Bahn und schon im French District bei meinem ehemaligen Studienkollegen, Lieblings-Wiener und Expat in Shanghai (Expat = jemand, der vorübergehend an eine ausländische Zweigstelle entsandt wird), Fabian angelangt. Shanghai war echt die erste Stadt Chinas die einen hippen, fast westlichen, Eindruck machte. Es war richtig schön, wieder mal ein bekanntes Gesicht zu sehen und dann noch dazu so ein vertrautes, das man eh schon viel zu lange nicht mehr gesehen hat. Bereits seit über einem Jahr war Fabian nun beruflich in China und strahlte bei der Begrüßung eine angenehme Vertraut- und Gelassenheit aus, die vielleicht auch durch sein Auftreten in Leinenhemd und -hose verstärkt wurde.

In Russland, der Mongolei und China hatten wir einen erhöhten Dumpling-Konsum. Hier probierten wir wieder einmal „die besten Dumplings“ der Stadt – und sie waren wirklich köstlich!

Jedenfalls hatten wir uns für unseren Shanghai Aufenthalt in Fabians Wohnung einquartiert, die wir gleich mal bezogen – er zog sogar für uns über die Tage zu einem Shanghaier Freund und überließ uns diese komplett für die Tage (DANKE). In der Wohnung lernten wir gleich mal seine AI kennen – ausgesprochen „A“ „I“ bedeutet das so viel wie „Tante“ und so werden alle Frauen genannt, die älter sind als man selber. Diese AI’s kümmern sich außerdem um den Haushalt – praktisch.

Ein bisschen verstört hat es den Fabian aber doch immer wieder, wenn wir das Wort „Römpön“ verwendeten. Für uns war das völlig normal da wir bereits seit Wochen die Währung – den Chinesischen Yuan/Renminbi – als „Röm-pön – bezeichneten. Klar, kam es uns anfangs auch komisch vor, warum es auf Österreichisch „Römpön“ heißt, akzeptierten und verwendeten den Begriff von nun an selbstsicher. Wir mussten also bis nach Shanghai reisen, um aufgeklärt zu werden, das dieser Begriff nicht österreichweit, sondern nur von einem kleinen Mitarbeiterstamm der Industrieofenbaufirma Ebner verwendet wird ; ) oder kennt ihr das Wort Römpön?

da, dam, dam-dam; da, dam, damdam….

Wer hats erkannt? In Shanghai scheint sich vieles um das Thema heiraten zu drehen:

So rannten wir im Einkaufszentrum gleich mal in eine Braut-Duftpromotion, wobei die Promotoren wahrscheinlich die größte Freude damit hatten, dass sich zwei Weiße in deren aufgebautes Set-up gesetzt hatten und so bekam Maria kurzerhand einen Ring geschenkt. (Anm.: Vom Promo-Team, nicht vom Martin, auch wenn er ihn ausgesucht hat – nicht das da gleich falsche Gerüchte entstehen!) Zahlreiche Fotos sind dabei auf alle Fälle entstanden.

Weiters trafen wir immer wieder auf aufgetackelte Pärchen, die sich in Szene setzten und fotografieren ließen – vor allem vor der Shanghaier Skyline, dem Bund. Und nein, das ist nicht EIN Pärchen, das wir zusammen-gefotoshopt haben, das sind ganz wirklich 4 Brautpaare und da waren sogar noch mehr!


Dass dieses Thema alle Generationen Shanghais betraf, merkten wir, als wir vom „Heiratsmarkt“ erfuhren, der JEDES WOCHENENDE von früh morgens bis spät abends am People’s Square abgehalten wird. Falls ihr euch genau so wie wir jetzt fragt, warum es hier einen Heiratsmarkt gibt und was das genau ist; wir haben es uns erklären lassen und wie folgt verstanden: In China schickt es sich mit spätestens 28 Jahren verheiratet zu sein (je früher desto besser!) um zu zeigen, dass man sein Leben im Griff hat. Sollten die Kinder, wegen langer Arbeitszeiten oder aus anderen Gründen, dies nicht selbst auf die Reihe bringen, ist es quasi die Pflicht der Eltern sich darum zu kümmern, sonst besudelt dies wiederum deren Familienehre. Daher treffen sich Eltern mit Steckbriefen ihrer unverheirateten Kinder im Gepäck, am Wochenende im Park, um andere Eltern zu treffen denen es ebenso geht. Zu Beginn, dachten wir, wir würden es nicht finden und es würde sich wohl nur um eine kleine Gruppe handeln, bis wir bemerkten, dass dies – wie alles in China – ein riesen Ding ist.

Geburtsdatum, Alter, Gewicht… alles was man über den/die Zukünftige/n so wissen muss!

So ein Steckbrief beinhaltet übrigens, Alter, Gewicht, die genaue Größe, den Beruf und sicher noch einige intime Details, die uns aufgrund der fehlenden chinesisch-Sprachkenntnisse, verborgen blieben.

Fabian wohnte im French District, einem der schönsten und westlichsten Vierteln Shanghais. Man könnte fast vergessen, dass man in Asien ist: lang gezogene Alleen, alles sehr ruhig und verkehrsberuhigt, tolle internationale Restaurants… kurz: hier lässt’s sich gut aushalten und so genossen wir unsere Zeit dort so richtig. Wir schlenderten herum, saßen in gemütlichen Cafès oder beim Italiener auf ein Glas Chianti und aßen zum Abendessen auch einmal Schnitzerl im bayrischen Biergarten, gemeinsam mit anderen Expats und deren Besuch aus Europa/Deutschland. Wir gingen an zwei von vier Abenden bis in die Morgenstunden fort, fanden heraus, dass der McDonalds in Linz ein besseres Hangover-Angebot hat, als der in Shanghai und irgendwann, entweder spät in der Nacht oder ganz früh am Morgen ereilte uns dann eine Botschaft aus der Heimat…

Late Night News aus der Bananenrepublik Österreich

IBIZA Gate. Auch wenn wir vor dem Schlafen gehen noch kurz 2 Zeilen zugespielt bekommen haben, so richtig mitbekommen haben wir es erst am nächsten Tag. Videofetzen wurden in allen möglichen Nachrichten und Social Media Kanälen publiziert, in welchen unser damaliger Vizekanzler Staatsaufträge an eine russischen Oligarchin vergeben würde, wenn diese ihm u.a. durch den Kauf der Reichweiten stärksten Österreichischen Tageszeitung, im Wahlkampf unterstützen würde – und das alles bei Vodka-Bull im Tanktop auf Ibiza. Na bumsti.

Ich weiß nicht genau, wie es unseren Freunden zu Hause in Österreich damit gegangen ist, aber wir waren gespannt, wie auf die letzte Staffel Game of Thrones oder den letzten Harry Potter Band. Unsere weitere Tagesplanung gestaltete sich also nach den angesetzten Pressekonferenzen und Stellungnahmen, denn je weiter man von Zuhause weg ist, desto spannender ist es, wenn im kleinen Staat Österreich mal was passiert. Irgendwann lösten wir uns also vom treuen WIFI in der Wohnung und fuhren in die Wasserstadt Shanghais, nur um dort 3 Stunden im Cafè zu sitzen und die Rücktrittsrede des Ex-Vize Kanzlers am Smartphone zu streamen. (Die Wasserstadt, war wieder eine weitere traditionell gehaltene inszenierte chinesische Altstadt, die wir auch schon in Peking und Lijiang ausreichend bewundern konnten, also hatten wir wenig verpasst).

Österreichische Innenpolitik – mitten in Shanghai. Herzlichen Dank an dieser Stelle an das Cafè mit gutem WIFI und köstlichen Shakes.

Weiter ging’s dann am Abend mit weiterem in Shanghai lebenden Europäern zum Japaner essen, wo wir auch auf Severin (Cousin von Marias Cousins/Cousine oder, Zitat Maria: „der Neffe meiner angeheirateten Tante, also halt der Neffe meines Onkels nachdem der Onkel geheiratet hat“*) und dessen Besuch Laura trafen. Und schon waren wir sechs Österreicher mitten in Shanghai, die irgendwie nur ein Thema vor Augen hatten (und glücklicherweise politisch auch sehr ähnlich gesinnt). Der Abend nahm also seinen weiteren Lauf, bis wir uns um halb 2 Uhr nachts vor einer Cocktailbar befanden um das Statement unseres Ex-Bundeskanzlers zu dieser Affäre zu verfolgen. Da musste sogar Alessandro (Expat aus Italien) verwundert seinen Kopf schütteln, warum sechs Österreicher und ein paar interessierte Deutsche um diese Uhrzeit, wenn man eigentlich feiern sollte, gespannt in ein Smartphone blickten.

*Für weitere Auskünfte kontaktieren Sie bitte Michael und Wilbirg Binder. Nähere Angaben zur Binder-Dynastie (inkl. Stammbaum) gibts bei Irmgard und Gerhard Binder. ❤

Den letzten Abend im Reich der Mitte genossen wir in der Bar Rouge Rooftop Bar. Die Bar in die man sonntags geht, wenn man in Shanghai lebt. Hier der Ausblick:

Und somit verließen wir, nach 3,5 Wochen wieder das Land, dass wir anfangs sehr befremdlich fanden, immer wieder positiv wie negativ überrascht wurden und uns nirgendwo anders so als Ausländer gefühlt hatten. Eine Erfahrung die wir nicht missen wollen. Auch wenn es viele Chinesen anders sehen – Hongkong unterscheidet sich in einigen Maßstäben zu Mainland China, aber dazu später…

MAGEMA TIPPS CHINA

  • für die Tigersprungschlucht unbedingt eine Mehrtageswanderung einplanen. Blogs schreiben, es geht auch in einem Tag, aber es ist so angenehm ruhig und schön dort.
  • Cooking Class in Chengdu – unsere (Chili Cool China) können wir besonders empfehlen da es sich um ein ein Start-up von jungen Burschen handelt, die sich ein Lokal gekauft haben und da jetzt verschiedene Aktivitäten anbieten – und die sind wirklich mit Herzblut dabei!
  • Finger weg von Durian und sagt nicht, wir haben euch nicht gewarnt!
  • Beste Aussicht auf den Bund hatten wir von der Bar Rouge (Bilder oben)
  • Folgende Themen sind interessant anzusprechen, jedoch darf man sich nicht zu detaillierte oder wahrheitsgetreue Antworten erwarten. Einfach mal googlen: Vertreibung der Uguren, Zhima Credit, Zugehörigkeit Taiwans oder Hongkongs zu China

Chinas Norden

Dieser Blogeintrag wurde von der Volksrepublik China bis auf weiteres zensuriert. Bitte versuchen sie es später wieder…. So oder so ähnlich fühlten auch wir uns, wenn wir in China versuchten, gewohnte Programme oder Applikationen wie GMAIL, Facebook, Google Maps, WordPress oder ähnliches aufzurufen.

Peking

Wir kamen am Pekinger Hauptbahnhof an und plötzlich war alles lauter und wärmer und wir waren mitten im Gedränge. Wir verabschiedeten uns von unserer Reisecrew und machten uns auf in unser Hostel, das für Maria 25 Stockwerke Überwindung im Lift kostete. Wobei es ja nichtmal 25 echte Stockwerke waren, da das Erdgeschoss bereits Nummer 1 ist und die Unglückszahlen 4, 13 und 14 in China meistens ausgelassen werden – man kann ja nie wissen. Also nur 21 Stockwerke – alles easy!

Hallo Kulturschock!

Ab hier war offensichtlich vieles „anders“ und es änderte sich einiges maßgeblich für uns im Vergleich zu den zuvor bereisten Ländern: Der Verkehr wurde nochmals hektischer bzw chaotischer, die Häuser höher, die Leute sprachen noch weniger Englisch und natürlich: sie ziehen den Rotz hoch und „schlatzen“ überall hin egal ob Draussen oder IM Bahnhofsgebäude oder in der U-Bahn. Das kann man sich echt so vorstellen – wenn du 15 min einer Straße entlang gehst, triffst du sicher 10 Leute die das Schlatzen praktizieren (egal ob Frau, Mann oder Kind) und das hörte nicht auf bis wir in Hongkong waren. Das „Schmatzen“ hingegen störte uns weniger, bzw mussten wir uns eingestehen, dass bei den Gerichten (zumeist sehr köstlichen Gerichten) ein Schlürfen oder Schmatzen ohnehin unvermeidbar war. Nach der langen Zugfahrt gönnten wir uns also gleich mal eine Peking Ente, die von einem Chef aus der Küche vor unseren Augen zu Tisch tranchiert wurde. Warum? Na, um diese auch mit den Stäbchen essen zu können, mit denen wir uns zu diesem Zeitpunkt noch etwas tollpatschig anstellten. Dazu wurden verschieden Saucen, Gemüse und Wraps gereicht und obwohl keiner der Kellner ein Wort Englisch sprach, wurde unser Essenstil einem der Kellner bald zu bunt und er zeigt uns, dass wir nicht das Fleisch und Gemüse mit den Stäbchen in die Saucen eintunken, sondern das ganze in die Wraps/Teigpalatschinken einrollen und wie frische Frühlingsrollen essen sollten. Köstlich & empfehlenswert!

Beijing Duck

Der nächste Tag begann mit einem ewigen Fußmarsch zum Sommerpalast, dem Tiananmen Platz und zur Verbotenen Stadt. Im Nachhinein gesehen ist Peking vielleicht wirklich keine Stadt die man zu Fuß erkunden sollte: es sind ganz schöne Distanzen, das Dazwischen ist nicht unbedingt schön und man spürt vermehrt den Smog. Immer wieder hatte ich per App den Luftindex gecheckt, über 150/ungesund war die Luft nur ganz selten aber gefühlt gute Luft gab es in Peking nur in den großen Parks.

Der Smog ist sicher im Winter am intensivsten, da vielerorts noch mit Kohle geheizt wird, abschreckend finde ich es jedoch trotzdem, wenn gut zwei Drittel der Passanten mit Atemschutzmasken unterwegs sind. Thema war der Smog aber nur in Peking – in allen weiteren Städten Chinas die wir bereisten, trugen zwar auch manche Chinesen die Masken, aber die Luft an sich fühlte sich bedenkenlos an. Auf meine Frage warum manch einer diese Masken tragen würden, kam von unserer Hostelmama, (wie wir seit Peking jede unserer Rezeptionistinnen nennen, wobei die Hostelmama in Peking die echte Hostelmama bleibt), dass sich diese Leute nur vor dem Pollenflug schützen wollen und die Luft sonst gut wäre 🙂 Ob das ihre Standardantwort für Touristen war, Propaganda der Regierung oder ob sie das wirklich glaubt, werden wir wohl nie erfahren.

An diesem Tag hatten wir übrigens auch unser erstes richtiges, authentisches chinesisches Mittagessen in einem komplett untouristischen Restaurant (Ja – Essen war für uns ein großes Thema in China), was soviel hießt wie, du bekommst in Plastik verschweißtes Geschirr = kleine Schüssel, ein Teller in der Größe eines Kuchentellers und einen Becher; dazu Stäbchen und Tee. Viel später wurden wir erst aufgeklärt, dass der Tee nicht nur zum Trinken gedacht ist, sondern dass damit das Geschirr nochmal abgewaschen werden sollte. Egal wir haben‘ s überstanden. Die Karte war für uns nicht entzifferbar, aber es gab schöne Bilder – somit bestellten wir mehr oder weniger blind, aber waren begeistert und die Angestellten hocherfreut, dass wir bei ihnen speisten. Außerdem sind wir seit dem Tag ein wenig dem chinesischen Gurkensalat mit Chili und Knoblauch verfallen. 😉

Die Verbotene Stadt erkundeten wir dann erst spät Nachmittags, da wir zuvor von einem starken Regen überrascht wurden und dessen Ende bei einer Tasse Matcha Latte abwarteten. Der große Vorteil, im Gegensatz zum Vormittag: es waren nur noch 1/4 der Touristen in der Anlage und wir konnten angenehm durch schlendern. Also halt gemeinsam mit hundert anderen Touris, anstelle von Tausenden (– das wissen wir von Andreas Instagram Posts). Imposant war dieser riesige Komplex definitiv, seht selbst.

Fertig mit der Verbotenen Stadt wollte ich mir eine Rikscha Tour durch die Hutongs einreden lassen (traditionelle chinesische Gassen), jedoch machte unsere Anbieterin den Fehler, uns mit einem 15 minütigen Fußmarsch in dunkle Hintergässchen zu führen, bis wir kein gutes Gefühl mehr bei der Sache hatten. Daher kehrten wir ihr den Rücken zu worauf sie uns energisch-enttäuscht nachschrie – aber selbst schuld. Also spazierten wir noch in den Jingshan Park von dem man einen grandiosen Ausblick auf die Verbotene Stadt bzw die gesamte Stadt Peking genießen und auch ganz viele verschieden Koifisch-Arten bewundern kann.

Den Folgetag verbrachten wir entspannt mit Shopping in den unzähligen Shopping Center Pekings, die alles haben, was das Herz begehrt: einen Lego-Store, wo Martin sein Lego-Spirit-Animal, den Panda fand, Georg sein Idol Iron Man, traf und Maria beinahe ein Lego-Hogwarts und eine Harry Potter Enzyklopädie auf chinesisch kaufte. Am Abend trafen wir uns mit unseren Traintravel-People zum Hotpot-Essen nahe der bekannten Einkaufsstraße Dongcheng, wo sich Maria vor dem Essen noch als Verhandlungsprofi entpuppte, als sie eine Straßenverkäuferin dazu brachte, den Preis für ein Schachspiel um 75% zu reduzieren, gekauft wurde es trotzdem nicht.

….sichtlich überfordert in Peking.
Die Reisecrew: 3 Niederländer und 4 Österreicher beim Hotpot Essen

Unser persönliches Peking Highlight durften wir am nächsten Tag erleben. Wir fuhren in den „Art Distrikt 798“, ein sehr hippes Künstlerviertel mit Ausstellungen, Graffiti, DJI Store (Fachgeschäft für Drohnen) und liebevollen Kaffees mit Happy Hour – also alles was wir gerne haben auf einem Platz. Das beste Ad On: der Ort ist für chinesische Touristen eher uninteressant, was die Anzahl an Personen pro Quadratmeter dort drastisch gesenkt hat.

Exkurs: Die Story mit den chinesischen Bankomaten

Das Bezahlen in China ist schon eine kleine Herausforderung: Visa und Mastercard – pf – no Chance! Ali-Pay und WeChat, so bezahlt man hier! Wem diese zwei Begriffe nichts sagen: WeChat ist in China DIE APP, mit der man hier alles macht (sie ersetzt Whatsapp, Facebook, Tinder, Instagram…) auch das Bezahlen funktioniert damit und die Online-Payment App Ali-Pay ersetzt hier einfach Google-Pay. Bezahlen kann man mit diesen Apps aber nur wenn man eine chinesische Telefonnummer oder Bankomatkarte hat. Was für uns nur folgende Option übrig lies: old school mit Bargeld zu bezahlen – kein Problem für uns! Zum Glück hat unsere Hostelmama uns auch gleich gesagt zu welcher Bank wir müssen, weil in China bekommt man mit einer ausländischen Bankomatkarte nicht bei jeder Bank zu seinem Geld. Und dann gibt’s bei der Anwendung auch noch etwas sehr wichtiges zu beachten: zuerst kommt das Geld, dann muss man auf einen Knopf drücken, um die Karte wieder zu bekommen. Tut man das nicht, bleibt sie drinnen. Das wollte Martin unbedingt ausprobieren und da die Bankfiliale wegen der kommenden Feiertage geschlossen hatte, blieb diese auch dort. Soviel dazu – also aufpassen beim Geld abheben in China!

Auf der Mauer auf der Lauer… in Jingshanling

Was wäre ein Besuch in Peking, ohne zur Mauer zu fahren? Um den Touristenmassen etwas (ganz geht es in China sowieso nirgends) aus dem Weg zu gehen, wählten wir eine Tour nach Jinshanling. Unsere Hostelmama hatte uns diese Tour empfohlen und wir wurden nicht enttäuscht und sogar mit inkludiertem Frühstück überrascht. (Was vor allem Marias Herz gleich höher schlagen ließ.) Wir hatten also eine geführte Tour gebucht mit englisch-sprachigem Guide, die bei ihrer Vorstellung meinte, das wichtigste wäre ihre Telefonnummer, die sie ungelogen, 8 Mal wiederholen musste, aber nichtmal jene, deren Muttersprache Englisch ist, konnten diese entziffern. Soviel zu den englischsprachigen chinesischen Guides. Dschingis Khan war ihr ebenso kein Begriff und dass wir aus Austria und nicht aus Australia kamen, gaben wir irgendwann auf, zu erklären. Dafür freute sie sich um so mehr über die Aussage, China wäre der USA überlegen und sie war immer sehr bemüht und freundlich.

Nach kurzem Stopp in einem kitschig inszenierten chinesischen Spa-Dörfchen waren wir also kurz davor eines der Weltwunder der Moderne zu erklimmen. Wir wählten die zu-Fuß-Variante und hatten 3,5 h Zeit die Stufen – wenn man die Ansammlung zahlreicher, ungleicher Erhöhungen überhaupt so nennen kann – bis zu unserem Treffpunkt zu meistern. Über 20.000 km soll sie lang oder lang gewesen sein und es ist bewundernswert, wie sie sich dahin schlängelt. Sie ist über hohe Bergkämme und Hügel gebaut, über die ich auch ohne Mauer nicht drüber wollen würde.

Bevor wir auf eigene Faust die Mauer erkunden durften gab’s noch eine ausführliche (verwirrende) Erklärung, welche Strecke wir gehen sollen und wo wir uns in 3 Stunden wieder treffen werden.

Bei unserem Abstieg trafen wir wiedermal einen Österreicher, genauer gesagt einen Vorarlberger, der die letzten Monate ein Praktikum beim Aussenministerium in China absolviert hatte und mitunter den Besuch von der Landeshauptfrau Mikl Leitner und unserem Ex-Bundeskanzler Sebastian Kurz in China mitorganisiert hatte (diese waren zur selben Zeit in Peking wie wir).

Die Aussicht von unserer Dachterrasse im 25. Stock, in Peking.

Mit dem Speedtrain nach Xi An

Nach fünf Tagen in Peking (mehr als ausreichend) reisten wir weiter nach Xi An – der Tag entpuppte sich als sehr starker Reisetag – hier warum: Im bekanntlich kommunistischen China ist der Tag der Arbeit, der 1. Mai ein besonderer Feiertag, vielleicht sogar der zweitwichtigste nach Chinese New Year. Zirca 3 Wochen vor dem 1. Mai 2019 hat die chinesische Regierung kurzerhand beschlossen, dass nicht nur der 1. Mai ein arbeitsfreier Feiertag sein soll, sondern auch der Donnerstag 2.5 und Freitag 3.5 freigenommen werden soll/muss, im Gegenzug dazu, aber an den beiden Sonntagen davor und danach gearbeitet werden muss. Also hatten ALLE Chinesen in dieser Woche eine unverhoffte verlängerte Urlaubswoche.

Die Fahrt mit dem Speedtrain verlief jedoch problemlos, die Chinesen wissen schon, wie man die Menschenmassen ordnet, um sie weniger wirken zu lassen, und nach wenigen Minuten im Zug hatten wir schon auf über 300 km/h beschleunigt und 5,5 h später hatten wir auf angenehmste Weise die 1100 km nach Xi An bewältigt.

Xi An ist bekannt für seine 14 km lange, rechteckige Stadtmauer, die Maria und ich mit dem Tandem erkundeten. Auch hier stießen wir wieder, sicherlich auch den Feiertagen geschuldet, auf massenhaft Leute. Egal ob in Paris, Los Angeles oder Moskau, noch nie haben wir zuvor irgendwo solche Menschenmassen gesichtet.

Abends verabredeten wir uns mit Giel und Anouk um den Food Market zu erkunden. Es gab allerhand Köstlichkeiten, von gerolltem Eis über getrockneten Mangos bis hin zu jedem nur vorstellbaren Tier in frittierter oder panierter Ausführung. Doch die eigentliche Attraktion waren wir:

Fotos von den Weißen

Immer wieder wurden wir entweder heimlich oder offensichtlich, gefragt oder ungefragt von den Einheimischen fotografiert. Höhepunkt war vielleicht wirklich als wir, 2 blonde Österreicher und 2 Niederländer bei denen Anouk sicher mit ihren roten Locken punktete, und allesamt mit super heller Haut, in Xi An herumspazierten. Genau erklären warum es so erstrebenswert ist, mit Weißen ein Bild zu erhaschen, konnte uns zwar bislang noch keiner, mittlerweile haben wir es aber akzeptiert und sehen es als Schmeichelei an. Es ist unfassbar lustig, die Asiaten dabei zu beobachten, wie sie teils verdeckt so tun wollen, als würden sie ein Handyspiel spielen – die Handykamera aber offensichtlich auf dich ausgerichtet – oder lauthals ihre Freunde über unsere Anwesenheit informieren, bis diese auch das Handy zücken. Ja es ging echt so weit, dass ich beim Wandern von einem Local gefragt wurde, ob Maria und ich nicht ein Foto MIT SEINER Freundin machen wollen und sie dabei eng, trotz unserer Verschwitztheit, zu umarmen.

Vater mit 3 Kindern an der Leine

Eine weitere Eigenart der Chinesen, die anfangs verstörend wirkt, aber eigentlich sogar etwas praktisch erscheint, sind die Kinderleinen. Ja richtig gelesen, es kommt schon ab und zu vor, dass wir auf Eltern gestoßen sind die 2-5 Kinder an der Leine hatten. Optisch verstörend, aber angesichts der Menschenmassen verständlich.

An dieser Stelle sei auch erwähnt: Umweltbewusst gehen die chinesischen Eltern mit dem Windelmanagement um: es gibt nämlich selten welche. Die Kinder tragen meist einen Body-Anzug der unten rum komplett geöffnet werden kann und schiffen dann dorthin wo’s geht – sei es ein Busch oder ein Mistkübel.

Mount Huashan – einer der heiligen Berge

Ein Wandertag muss her. Martin hat Bilder vom „gefährlichsten Berg der Welt“ gesehen und mag dort natürlich hin. Also los! Leider müssen wir Georg wegen Krankheit im Hostel lassen, Martin und ich machen uns bald in der früh auf den Weg. Dem erhöhten Verkehrsaufkommen geschuldet kamen wir – obwohl wir um 6.30 Uhr aufgestanden wären – erst um kurz vor 12 mit dem Zug in das 100 km entfernte Huashan an, um dort Wandern zu gehen.

Den Mount Huashan kennt man von wildesten Bildern oder Videos auf denen Touristen auf einem schmalen Holzsteg dem Abgrund entlang klettern (– einfach mal googlen). Ich unterstelle mal all jenen die diese Hike Variante wählen, dass sie mit der Gondel das erste große Stück hinauffahren – nicht so wir:

Es gibt nämlich auch die Variante vom Dorf unten hinauf zum North Peak zu wandern. Es gäbe sogar die Möglichkeit gegen Mitternacht die Wanderung zu starten, um bei Sonnenaufgang oben am Gipfel anzukommen, da der Großteil des Wegs auch mit Laternen ausgestattet ist (haben wir leider erst vor Ort erfahren). Der Aufstieg ist schon fordernd, über 1200 Höhenmeter – viele davon Stufen und oftmals sehr enge Stellen wie der „1000 Feet Canyon“ oder der „100 Feet Gorge“. Der wiederum komplette Gegensatz zu Österreich: alle 300 Meter befindet sich ein Standl bei dem man Früchte, Snacks und Wasser zu fairen Preisen erwerben kann. Schon praktisch.

North Peak Mt Huashan

Nach drei Stunden des andauernden Anstieges waren wir auf der Nordspitze angekommen, genossen die spektakuläre Aussicht und entschlossen uns gegen den einfachen Abstieg mit der Gondel (made by Doppelmayr, what else) und huschten wir über 3999 Stufen, oder 45 Minuten (90 waren angeschrieben) auf der anderen Seite des Berges bis zum Bus-Shuttle hinunter, wir hatten einen Zug zu erwischen und etwas Zeitdruck. Was für ein Tag – Stufen konnten wir danach keine mehr sehen geschweige denn benutzen. Zum Glück gab’s in unserem Hostel einen Lift rauf in den 12. Stock…;-)