Costa Rica

Nach den zahlreichen abenteuerreichen Stationen dieser Reise um die Welt folgt nun noch eine.
Eine sehr entspannte, jedoch zeitlich limitierte. Ich (Martin) kann behaupten, vom Reisen gesättigt gewesen zu sein – ich habe es weder überstrapaziert, noch war es zu wenig, dass ich mich gleich wieder Hals über Kopf ins nächste Abenteuer stürzen hätte müssen. Mein Kopf war – und ist ehrlich gesagt, fast ein Jahr später noch immer – voll mit den verschiedensten Eindrücken und Erfahrungen.
Mit dieser Ausgangslage konnte ich guten Gewissens meinen Heimflug buchen.

Fast 1 Jahr sollte es bereits her sein, dass ich das letzte Mal meine besten Freunde Vicky & Bene in Person gesehen habe. Natürlich haben wir ein paar Mal geskyped und uns textlich ausgetauscht – aber uns eben nicht in Person getroffen (diese Randnotiz kann ich mir leider nicht sparen- nach dem Jahr 2020 kann das ein jeder wahrscheinlich besser nachfühlen als mir lieb ist). Daher machten wir uns einen Ort aus an dem wir uns treffen würden, nur lag dieser diesmal halt nicht im oberösterreichischen, sondern in Monteverde/ in Costa Rica.

Costa Rica verspricht, was man sich vor seinem geistigen Auge vorstellt: viele Wälder, viele Tiere und weite Küsten solang, soweit das Auge reicht – an der Pazifik sowie der Karibikseite. Andauernd hatte ich ja das Gefühl, wir würden uns eher auf einer Insel befinden als am Festland. Woher das kam? Ich denke die Leichtigkeit die die Costa RicanerInnen an den Tag legen, die Autofahrten mit einer maximal Geschwindigkeit von 30 Kilometern in der Stunde, Früchte, Meeresfrüchte und klar – die angenehmen Temperaturen auf der Insel.

Monteverde

Gleich zu Beginn, ging es für uns schon rauf in die Nebelwälder nach Monteverde. Bekannt für seine Regenwälder und die artenreiche Tierwelt, die es dort in den Nationalparks zu bestaunen gibt. Kolibris, Affal, dicke sowie dünne Vögel, Nagetiere, Nasenbären – allerhand Geschöpfe gab es bei angenehmen Temperaturen zu bestaunen.

Doch wollten wir mehr vom Meer sehen und so zog es uns nach wenigen Tagen wieder an die Küste (diesmal des Pazifiks) nach Tamarindo. Auf dem Bild rechterhand versteht ihr vielleicht ganz gut warum wir für die 150km über 3h im Auto gesessen sind. Diese Stunden boten uns viel Zeit um in die Landschaft hineinzuschauen.

Tamarindo

Sehr international gestaltete sich dieses scheinbar abgelegene Surferdörfchen und „ein Geheimtipp“, in dem der Tourismus offensichtlich bereits Einzug gefunden hatte. Wir verbrachten die Tage damit den Strand zu erkunden und den beheimateten Krokodilen auszuweichen. An den Abenden haben wir viel selbst gekocht und ließen die Erlebnisse und Geschichten der letzten Monate aufleben.

Den Schnorcheltrip zu den nahe gelegenen Catalina Inseln ließen wir uns natürlich nicht entgehen. Für Georg und mich als alte Tauchprofis war das Schnorcheln ja quasi schon ein Kinderspiel.

Die Gegend rund um Tamarindo gefiel uns dann letztendlich so gut, dass wir in einem nahegelegenen Dörfchen nochmals verlängerten; Meer, Strand & die Leichtigkeit des Lebens genossen. Was ich eigentlich damit meine: Ukulele spielen, Sandburgen bauen, Drohne fliegen, Früchte essen und lange Sonnenuntergangs Spaziergänge am Beach – wenn ich zurückdenke – schon lebenswert.

Nach einer lustigen Autofahrt, mit Zwischenstop im Animal Sanctuary, in dem wir endlich die vom Costa Rica Tourismus hochangepriesenen Tucans, Faultiere und alle Wildkatzenarten zu Gesicht bekamen, befanden wir uns auch schon wieder auf unseren Weg in die Hauptstadt San Jose.

Gemeinsam mit Vickys Tandem Bekanntschaften – hat leider nichts mit Fahrradfahren zu tun, sondern „nur“ eine eine App zum Sprachen lernen – verbrachten wir noch einen fröhlichen Abend in der City.

Und dann…

… war´s das nun auch für mich.

Mit einem weinenden und eineM lachenden auge…

Es war ein wahrlich herzergreifender Abschied von Georg am Flughafen von San Jose. Denn nun stieg ich tatsächlich gemeinsam mit Vicky und Bene in den Flieger und ehe wir uns versahen, waren wir schon in München gelandet und wurden von Benes Dad mit Bayrischen Brezen empfangen.

Wieder zuhause sein – des öfteren hatte ich mir während der Reise die Frage gestellt, wie das wohl sein wird. Dabei ging mir nicht nur einmal der Song vom letzten Großlager in St Georgen durch den Kopf:

Zuhause ist dort wo deine Freunde sind – und diese boten mir das beste Überraschungskomitee das man sich als Heimkommender vorstellen kann. Das war ein sehr bewegender Moment für mich und die Anwesenden merkten es vielleicht – ich war zugegebener Maßen etwas perplex und mit der Situation überfordert – im positiven Sinne.

Nachdem ich nun tatsächlich behaupten kann, die Welt 1x umrundet zuhaben gebe ich nun Ruh.
Doch egal ob es um den Konflikt um Hongkong, den Einfluss des Kremls, Chinas Investments in anderen Ländern, die Aufstände und Kriminalität in Südamerika geht – ich sehe die Welt nun mit anderen Augen.


Ich danke euch … Danke 2020, dass du mir Zeit gegeben hast das Erlebte zu verarbeiten.

Danke das wars.

PS: außer Georg überrascht mich und er will noch ein paar Zeilen über seine Zeit in Mexiko schreiben 😉

Argentinien

Nach Chile und dem argentinischen Teil Patagoniens flogen wir von der südlichsten Stadt der Welt nach Buenos Aires, der Welthauptstadt des Fußballs, des Tangos und der Hauptstadt dieses riesigen und facettenreichen Landes. Wer sich für El Calafate, El Chalten oder Ushuaia interessiert, der findet im Artikel Patagonien was sie oder er sucht. In diesem Artikel möchten wir uns allem, was nördlich von Patagonien liegt, widmen.

Vom kalten und windigen Ushuaia flogen wir an einem Freitag, den 13. hinauf in das hitzige Buenos Aires. Aufgrund unserer zu dieser Zeit tatsächlich noch sehr dürftigen Spanisch-Kenntnisse und der Verweigerung des Flugpersonals der Billig Airline, mit uns auf Englisch zu kommunizieren (obwohl sie es doch irgendwie gekonnt hätten), verpassten wir unseren ersten Flug an diesem denkwürdigen Tag. Der Computer am Check in war ausgefallen und uns Wartenden an der Gepäcksabgabe nichts weiter (zumindest nicht auf Englisch) gesagt worden. So waren wir umso überraschter als wir – noch immer wartend dass wir unser großes Gepäck aufgeben könnten – vom Lautsprecher aus aufgerufen wurden. Da dieser Flughafen nicht viel größer als der Hörschinger ist, fanden wir auch schon im Nu unseren Weg durch den Security Check (inkl Aufgabegepäck, Messer, Flüssigkeiten – everything!) weiter hin zum Gate. Ihr könnt euch unsere Stimmung/Gesichter vielleicht vorstellen; in einem Mix aus Verzweiflung und Verärgerung diskutierten wir hitzig – und auf wundersame Weise war Englisch nun möglich – mit dem Flugpersonal. Schließlich begleitete uns doch ein netter Mann vom Wachdienst wieder zurück zum Check-In Schalter, wo uns Hilfe versprochen wurde – der Flieger flog ohne uns. Die Hilfe bestand darin, dass wir eine 3/4 Stunde später eine Telefonnummer auf einen Zettel geschrieben bekamen, wo wir uns beschweren sollten. Egal, wir buchten eine andere Airline die an diesem Tag noch flog und kamen noch am selben Abend dieses Freitag, den 13. in Buenos Aires an.

Hat eh mehr als ein halbes Jahr des Reisens gedauert, dass wir folgendes lernten: Fliege niemals an einem Freitag, den 13. – oder meide, wenn möglich, Billig-Fluglinien….

Buenos Aires

Müsste ich für längere Zeit in einer Großstadt leben, Buenos Aires wäre diese Stadt. „B.A.“ (=Buenos Aires) empfing uns mit dem erwarteten südamerikanischem Charme, der uns in Patagonien noch irgendwie gefehlt hatte/verwehrt geblieben war. Zur Erklärung: Patagonien würde ich aufgrund der ähnlichen (atemberaubenden) Landschaft, der etwas höheren Kosten für das tägliche Leben und den ewig langen Sommertagen vielleicht als das „Norwegen Südamerikas“ beschreiben. Also doch nochmals anders als das, was man von Südamerika (Hola chicos, qué tal) im ersten Moment vielleicht im Kopf hat.

Kleine Bistros und Straßenverkäufer zieren hier die Gehsteige, Musik drängt bis spät nachts von den Dächern, Restaurants öffnen frühestens gegen 20 Uhr ihre Pforten für den Abendbetrieb (du erkennst die Touris, die bereits um 8 Uhr an den Türen warten – als echter Argentinier isst man um 22 Uhr) und auf den Straßen ist einfach immer etwas los. Und das ist gut so!

Und – es weihnachtete 🙂 Die Adventszeit fühlt sich definitiv anders als bei uns, der Grundgedanke aber bleibt. In T-Shirt und Shorts, auf der Suche nach Schatten – so hatten wir die Vorweihnachtszeit noch nie erlebt.

Buenos Aires ist nicht nur eine Metropole (in der Provinz Buenos Aires leben 15 Mio Einwohner – also ⅓ der Gesamtbevölkerung des Landes), sondern auch eine sehr lebens- und eben auch erkundenswerte Stadt. Deshalb machten wir auch gleich mal 2 Free Walking Touren – 1x in der Innenstadt und 1x im weltberühmten Recoleta Friedhof. Noch bevor wir zu unserer ersten Tour starteten, hatte ich an diesem Tag bereits 15 km zu Fuß zurück gelegt. Kurz, es gibt einfach wahrhaftig viel zu bestaunen in dieser City. ¡Miren!/Seht selbst!

Das wirklich lässige an so einer Weltstadt? Man kennt auch viele Leute und so wurden wir an einem der Abende zur Jahresabschlussveranstaltung (dem äquivalent zu unserer Waldweihnacht) einer lokalen Pfadfindergruppe von Dami und Geo eingeladen. Diese beiden hatte Maria vor mittlerweile 2 Jahren am Rovermoot, einem internationalen Pfadfinderlager, in Island kennen gelernt. Wir staunten nicht schlecht, als diese im Innenhof einer Pfarre, direkt neben der Kirche ein Lagerfeuer entzündeten und 1h lang Pfadfinder-typische Lieder, Sketche und Tänze performten. Wieder einmal der Beweis dafür, dass man trotz dessen, dass man aus so verschiedenen Winkeln dieses Planeten stammt, so viele Gemeinsamkeiten vorweist und einen schnell das Gefühl von angenehmer Vertrautheit überkommt – einfach schön mitzuerleben. Anschließend trafen wir uns noch bei einer Bowlingbahn, 23:55 perfekte Zeit in Argentinien um fort zu gehen bzw mit dem Abendessen zu starten – Papas Fritas gehen halt immer.. Ihr denkt in Argentinien geht es ums Bowlen beim Bowlen? – ja schon auch, aber natürlich wird auf der Bowlingbahn ebenso Salsa getanzt und ein Moderator oder besser gesagt ein Animateur bringt die Leute zum tanzen.

Auf einen Pfadfinderfreund von Georgs Patrulle vom Moot trafen wir am nächsten Tag, mit dem wir um die Bars in Palermo zogen. Richtig guter Abend, jedoch weniger Bilder 😉

Was geschah noch?

Wir besuchten das preisgekrönte angeblich schönste Buchgeschäft der Welt:
El Ateneo Grand Splendid, in einem alten Theater.

Wir schnappten uns Räder und cruisten von La Boca bis rauf zu den Rosengärten in Palermo.

Wir verspeisten unsere ersten Argentinischen Steaks:

Wir staunten nicht schlecht, als auf einem (noch eher) untouristischen Markt die Einheimischen ihre Tangokünste zum Besten gaben. Was vielleicht auch auf diesem Foto extrem auffällt: Argentinien hat (aufgrund der hohen Zuwanderung aus diversen europäischen Ländern, zu unterschiedlichen Zeiten) die Einwohner mit der hellsten Hautfarbe in ganz Südamerika.

Wir machten viele, viele Fotos von den imposanten Gräbern am Friedhof Recoleta, der nicht nur von mystischen Geschichten geprägt ist, sondern auch sehr viele berühmte argentinische Persönlichkeiten die letzte Ruhestätte bietet. Wie zum Beispiel Eva Peron – vielen bekannt als „Evita“ aus dem gleichnamigen Musical –, und einige ehem. Staatsoberhäupter des Landes.

Und so schnell war die Big-City-Life-Zeit auch schon wieder verflogen und wir machten uns auf den Weg zu einem kleinen ehemaligen Militärflughafen, von wo aus wir weiter nach Jujuy fliegen sollten. An eben diesem Flughafen, überkam mich dann ein erstes Mal seit fast einem Jahr auf Reisen ein wehmütiges Gefühl – Gänsehaut zog sich bei mir auf, als folgendes Erlebnis mich an die Heimat erinnerte:

Im Eingangsbereich des Flughafens trafen wir auf ein Orchestra junger Musiker, die entweder ebenso verreisten oder einfach dafür bezahlt wurden, auf dem Flughafen ein bisschen weihnachtliche Stimmung zu verbreiten… Nachdem sie ihre Aufstellung einnahmen und ihre Instrumente fertig gestimmt hatten, dürft ihr 3 Mal raten welches Lied sie anstimmten. Ein mittlerweile 201 Jahre altes Lied von Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber: Stille Nacht – wie eine angenehme Ohrfeige weckte diese Melodie mein Weihnachtsgemüt.

Aldea Luna – im Jungas nAtionalpark nahe Jujuy

Von unserer Freundin Daniela bekamen wir gleich zu Beginn unserer Zeit in Argentinien den Tipp: „Wenn ihr etwas komplett untouristisches machen möchtet, verbringt eine Zeit lang im Norden Argentiniens, im Aldea Luna.“ Und weil wir für Weihnachten und Silvester eh „etwas besonderes“ machen wollten (als ob es nicht genug wäre, die schönste Zeit im Jahr auf einem anderen Kontinent zu verbringen..;)) buchten wir zwei Wochen in den argentinischen Jungas – darauf vertrauend, dass wenn es Dani dort gefallen hat, es für uns auch sicher ganz gut werden würde. Und eines dürfen wir vorwegnehmen, es war einfach grandios! ❤

Raus aus der Stadt und rein in den Dschungel: Offline sein, endlich Spanisch lernen, vegetarisch essen – abseits jeglicher Zivilisation – so wollten wir Weihnachten und Silvester verbringen. Ich hatte von uns vielleicht die geringste Vorstellung davon, was uns erwarten würde.

Durch den Luxus des eigenen Campervans in Neuseeland waren aus unseren 7 Sachen deutlich mehr geworden und diese mussten wir erstmalig am Buckel 1 Stunde zu Fuß über Hügel, Felder und Bäche in das private Naturreservat Aldea Luna schleppen. Ein lächelnder Alejo machte jedoch jegliche Verzagtheit wett. Alejo ist ein unglaublich sympathischer, junger Argentinier aus B.A, der ein paar Wochen als Volontär im Reservat verbrachte, Er holte uns bei der Bushaltestelle ab, zu der wir 1 ½ Stunden von Jujuy hin getuckert waren und dabei eigentlich eh nur 15km zurücklegten – aber bei jeder Haltestelle wurde getratscht, gebusslt etc…– that’s South America!

Die wunderbare Idee, welche hinter dem Aldea Luna Reservat steckt, ist jene mit privaten Mitteln, einen Teil des Yungas Regenwalds vor der Abforstung zu schützen und hier interessierten Menschen Spanisch Kurse oder Dschungel Wanderungen anzubieten. Volonteers oder auch reine Übernachtungs-Gäste sind gleichauf willkommen. Die Betreiber und Initiatoren sind Elisabeth & Martin – diese werdet ihr später noch kennen lernen. Wir bezogen gleich mal unsere eigene kleine Hütte – ich glaube das war das erste Mal, dass wir so lange an einem Ort verweilten und nicht täglich unseren Rucksack packen mussten – einen Kleiderkasten lernt man auf so einer Reise richtig zu schätzen (egal ob aufgeräumt oder nicht). Die erste Woche buchten wir einen Intensivsprachkurs (d.h. Vor-und Nachmittagsunterricht zu je 2 Stunden) und die zweite Woche hatten wir Halbtagsunterricht. Neben Elisabeths Spanisch-Kurs, der für Reisen in Lateinamerika einfach unerlässlich ist, muss ich an dieser Stelle einfach auch ihre Küche erwähnen: wir haben jeden Tag, und seit laaaangem wieder mal 3x pro Tag und einfach so gut und abwechslungsreich VEGETARISCH gegessen – bäärig! Ich war während dieser Zeit sogar echt davon überzeugt ins neue Jahr als Vegetarier zu starten und das auch ernsthaft durchzuziehen. Diesen Plan durchkreuzte uns dann aber auch wieder relativ schnell das köstlich, saftig und preiswerte argentinische Rindfleisch – tja, c’est la vie (Maria und ich packten nicht selten unsere Französischkenntnisse aus, mischten diese mit spanischer Betonung und Körpersprache und hofften unser Gegenüber würde uns so etwas besser verstehen – und manchmal funktionierte das sogar!). Zurück zur Gaumen-Orgasmus-bereitenden vegetarischen Küche Elisabeths– hier findet ihr einen kleinen Auszug der Rezepte… und dann noch diese selbstgemachte Chili Sauce – und als Draufgabe waren die meisten Gemüsesorten aus eigenem Anbau. Uns ging’s wirklich gut und das Fleisch ging uns zu keiner Zeit ab.

Wer vermisst da schon Fleisch?!

Was kann man in einem Nationalpark im Nirgendwo ohne Internetempfang oder Strom tun? Naja, lange nach dem Essen sitzen bleiben, tratschen, mit oder ohne den Hunden (meistens aber mit) wandern/spazieren gehen, Risiko (natürlich auf Spanisch…) oder Schach spielen (Schach ist übrigens DAS Nationalspiel der Argentinier wie bei uns das Schnapsen oder Boccia im mediterranen Raum) – oder mal Abends die Sterne beobachten.

Oder auch: einem echten Gaucho zusehen, der seine Pferde-Herde durch den Fluss führt, einfach nix tun, eiskalt duschen oder Yoga machen mit der italienischen Volonteer,…

…oder am heilig Abend den Fluß aufstauen und darin baden und Sangria trinken – natürlich in der Gesellschaft von „unseren“ 5 Hunden die uns vor den herumstreuenden Kühen beschützten.

…oder einen gezogenen Apfelstrudel für Neujahr vorbereiten (wohl gemerkt, eine Hälfte mit und eine ohne Rosinen!).

Es war eine sehr schöne entspannte Zeit um die Seele baumeln zu lassen UND um unser Spanischlevel von „Hola, que tal…“ auf wichtige Grundkonverserationen zu heben. Und für Maria, um endlich mal richtig gut in einem Schulfach abzuschneiden und ein bisserl die Streberin in ihr zu erwecken. 😉 Aldea Luna war für uns im Nachhinein gesehen wirklich ein idealer Ort, um bei unserer Langzeitreise einmal zwei Wochen komplett abschalten zu können.

Bei unserer Abreise, begegnete uns noch eine Tarantula. Unter uns, ich kann euch nicht sagen wie froh ich bin, dass Maria die Spinne nicht gesehen hat, die bereits am zweiten Tag neben ihrem Bett war… ;p So stapften wir samt Sack und Pack wieder zurück zum Bus, der uns nach El Salvador de Jujuy brachte – wie die Stadt mit ganzem Namen heißt.

Die Tarantel fühlte sich von Martin und Georg bedroht, die ca einen halben Meter entfernt von ihr standen – deshalb sucht sie den Fluchtweg übers Wasser. Faszinierend, so ein Geschöpf in seinem ursprünglichen Lebensraum zu sehen und nicht in einem Glaskasten im Zoo.

El Salvador de Jujuy

Hier hieß es für uns erstmal wieder mit der Welt „connecten“ und unsere nächsten Schritte planen. Dabei herauskommen ist die Anmietung eines Autos um die nächsten 10 Tage mobil zu sein und das 1500 km weiter südliche Weinbaugebiet Mendoza zu erreichen.

Das wir in Jujuy wenig Schlaf abbekamen, lag erstmals nicht daran, dass wir selbst es so bunt getrieben hätten und auch nicht dass wir nun dem Fleischkonsum verfallen waren. Nein, es lag daran, dass bei unserem Hostel – oder noch genauer: direkt unter unserem Fenster bis in die frühen Morgenstunden fröhliche Trommler vorbeimarschierten – „die heiligen 3 König san do“ hallte auf Spanisch rund um die Uhr durch die Innenstadt Jujuys.

Mit dem Mietauto ging es dann erstmal noch ein Stück weiter in den Norden und so richtig hoch hinauf: bis auf Viertausendeinhundertsiebzig Meter, wo wir am Pass erstmals ein paar freilaufende Lamas aus unmittelbarer Nähe beobachten konnten. Spätestens ab dort glaubte auch Maria an die heilende Kraft der Coca-Zuckerl (der Konsum von Coca-Blättern ist ja in einigen Regionen Südamerikas legal, da diese nachweislich das Leiden der Höhenkrankheit mindern). Also machten wir einen Abstecher nach Purmamarca, eine – am besten beschreibt es wahrscheinlich – „schnuggelige“ Stadt, mit direktem Ausblick auf das Panorama der verschiedenfarbigen Felsen, im Talkessel des Städtchens. Nach einer längeren Fahrt zur Salzwüste, den Salinas Grandes, nisteten wir die von nun an etwas kränkelnde Maria für die nächsten Tage in einer sehr charmanten Pension ein. Nach knapp 10 Monaten wurde für sie zumindest ein Teil der vielen vielen Medikamente relevant, die wir von Anbeginn der Reise mitschleppten…

Hornocal & Tilcara

Sicherlich ist es dort oben eine karge Gegend – doch irgendwie auch hübsch. Wir Jungs hatten nun also die Chance über die Schotterstraßen zu bretterten und kamen so in Rekordzeit an unserem erklärten Ziel an: den Serranía de Hornocal – einer ganz markanten und farbenfrohen Farbformation in den Bergen. Das Herumhüpfen und Spazieren auf 4.700 Meter über dem Meeresspiegel machten uns dann vielleicht doch etwas zu schaffen, als wir uns später niedersetzten und entweder eine Fata Morgana sahen oder tatsächlich ein Kupfervorkommen entdeckten.

..ahja und zwischendurch machten wir (zu Fuß wohlgemerkt) noch ein kurzes Praktikum auf einem Weingut.

Unsere weitere Route führte uns dann der Ruta Nacional 40 entlang – die wir doch schon einmal gesehen hatten. Genauer gesagt waren wir der Ruta 40 in Ushuaia schon einmal entlang gefahren: diese Straße, mit insgesamt 5301 km!, ist nämlich die längste Argentiniens – da sie von ganz im Norden, quasi Bolivien, bis in den südlichsten Süden verläuft. Um sich die Dimension vorstellen zu können, das ist ungefähr so weit, wie wenn man von Lissabon bis rauf zum Nordkap fährt, oder sogar noch etwas weiter als wenn ich von Linz in die kasachische Hauptstadt Astana fahren würde. Die Landschaft der Routenführung hat tatsächlich einiges zu bieten, von kurvigen Dschungelstraßen, vorbei an einsamen Bachläufen bis hin zu den imposanten Gesteinsmassen ist echt alles dabei, was das Fotografenherz höher schlagen lässt, oder vielleicht auch das Radfahrerherz? vll müss‘ ma da nochmal hin…

Bei unserem Abstecher in den Norden, waren wir quasi nur noch einen Steinwurf von Bolivien entfernt und so mussten wir nun „wirklich Meter machen“ und es blieb uns beim nächsten Streckenabschnitt Richtung Süden hauptsächlich der Blick aus dem Fenster, mit dem wir die Landschaft gedanklich einfingen. In Salta war unser nächster Stopp – eine vibrierende Stadt, die auch touristisch einiges zu bieten hat.

Von dort ging es weiter nach Cafayate, Chilecito und San Juan. Ein lässiger Roadtrip, vorbei an ausgegrabenen Dinosaurierskeletten, kurvigen Passstraßen, imposanten Felsformationen, einer übermenschlichen CH-esus Statue und ewig weiten Weinfeldern.

Mendoza…

…oder der Ursprung des Weines in Südamerika. Warum es uns dort so gefallen hat? Weil man dort die 2 schönsten Beschäftigungen der Welt miteinander verbinden kann: das Fahrradfahren und das Weintrinken. Wir liehen uns ein paar Bikes, bekamen eine Karte in die Hand gedrückt und schon ging es los, das lustige Verkosten:

Wir genoßen das wohl schmackhafteste 800g Tomahawk Steak, das wir vielleicht je gegessen haben werden:

..und erlebten wieder einmal ein Erdbeben. Martin und ich beim durch die Stadt spazieren, da es irgendwie auf einmal einen kräftigen Ruck gab, den wir aber nicht einmal wirklich spürten, sondern nur mitbekamen, dass auf einmal viele Leute aus den Hochhäusern rundherum strömten. Georg lag bei dem Beben gerade in der Badewanne und war kurzzeitig überfordert, wie er darauf jetzt reagieren sollte.

Ein weiteres Highlight in Mendoza war unser Ritt durch die Prärie und zwar mit echten Gauchos! Eineinhalb Stunden ritten wir entlang der argentinischen Anden, um dann später bei einem typischen Assado (= Grillerei) mit Wein und Gitarrenklängen den Abend ausklingen zu lassen. Übrigens falls wir es noch nicht erwähnt haben – und falls schon auch egal: in Argentinien rechnet man für ein Assado mit einem HALBEN KILO Fleisch pro Person! und es wäre jetzt nicht so, als gäbe es kein Brot davor, oder Zuspeisen … da haben die Italiener schon einiges an Dolce Vita mitgebracht.

Einen Abstecher machten wir ausserdem noch zur Open Air Therme Termas Cacheutas. Zugegeben es ist tatsächlich etwas verrückt, wenn man sich mitten in der Wüste befindet und dann in 45 Grad heißes Wasser springt – wir fanden’s leider geil. Und was macht der Argentinier/die Argentinierin, wenn sie/er in die Therme geht? Sie nehmen sich natürlich eine Kühlbox mit, um dort auch dem Grillen nachgehen zu können – ½ Kilo Fleisch pro Kopf.

Unser Flug ging von Santiago de Chile und so fuhren wir mit einem komfortablen Bus über die Anden, vorbei am Aconcagua, dem höchsten Berg Amerikas bzw. der Südhalbkugel, ausserhalb Asiens, mit seiner stolzen Höhe von 6961 m über dem Meeresspiegel.

Das war unsere Zeit in Argentinien- hier aber noch ein paar, wie ich finde wissenswerte Punkte, die ich einfach noch loswerden wollte:

ARGENTINIES Geschichte

Ich versuche mich kurz zu halten, nur da ich zuvor noch nie davon gehört habe, beglücke ich euch nun auch mit dem Erfahrenen:

Argentinien erhielt seinen Namen, da sich die Kolonialmächte in diesem Land Silber erhofften. Sie fanden zwar relativ viele Bodenschätze, nur nicht das erhoffte Silber – oder auf Latein Argentum (AG). Anfang des 19. Jahrhunderts gelang es Argentinien seine Unabhängigkeit zu etablieren und mit Ende des Jahrhunderts erblühte die Wirtschaft, dank starker Vieh-, Landwirtschaft und des Rohstoffreichtums. Zu dieser Zeit wurden in dem weitläufigen Land auch viele Arbeitskräfte benötigt was eine Einwanderung – vor allem von Italienern – zur Folge hatte. Quellen besagen, dass heute ein Drittel der Argentinier von Italienern abstammen und diese haben natürlich auch vieles von daheim mitgenommen: Pizza, Gelati oder die Cafekultur, um nur 3 sehr offensichtliche Beispiele des alltäglichen Reiselebens zu nennen. Es gibt jedoch auch viele andere Bevölkerungen die hier eingewandert sind. Seien es Polen, Chinesen oder Deutsche nach dem zweiten Weltkrieg – in Bariloche kann man angeblich auch das Haus bewundern in dem Hitler sein Lebensende verbracht hat…

Evita

Evita: die berühmteste Präsidentenfrau Argentiniens, die eigentlich Maria Eva Duarte de Peron hieß, wird bis heute im ganzen Land verehrt. In Buenos Aires ziert ihr Gesicht beide Seiten eines Hochhauses und begraben liegt die zweite Frau des argentinischen Präsidenten Juan Peron auf dem Friedhof in Recoleta. Doch bevor Evitas Leichnam seine letzte Ruhestätte erreichte, wurde er 17 Jahre quer durch die Weltgeschichte transportiert – über Mailand und Madrid, bis er nach Perons Tod wieder nach Südamerika gebracht wurde. Evita wurde nur 33 Jahre alt und setzte sich sehr für die armen Menschen in ihrem Land ein, was ihre Beliebtheit in der argentinischen Unterschicht erklärt. Ihr Grab in Buenos Aires wird von zahlreichen Schildern von Bewunderern geziert.

Madres de Plaza de Mayo

Wer sich in Buenos Aires oder anderen großen Städten Argentiniens fortbewegt und die typisch touristischen Plätze aufsucht, wird unweigerlich über auf den Boden gemalte Kopftücher stoßen. Diese Kopftücher symbolisieren die „Madres de Plaza de Mayo“. Mütter, deren Kinder während der Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 grausam getötet oder gefoltert wurden oder einfach nicht mehr auftauchten, begannen auf öffentlichen Plätzen Paarweise (größere Ansammlungen waren nicht erlaubt) ihre Runden zu drehen, um auf dieses Verschwinden aufmerksam zu machen. Da diese Frauen alle weiße Kopftücher trugen, wurde dies das Zeichen dieser Bewegung. Wahrscheinlich „verschwanden“ über 30.000 junge Männer in diesen Jahren.

Geld in Argentinien

Eines der heute tatsächlich größten Probleme des Landes, ist die nicht enden wollende Inflation – welche auch wir hautnah zu spüren bekamen: Ewig lange Warteschlangen vor den Bankomaten, Barabhebungsgebühren von 10 Euro, bei 60 Euro die wir maximal beheben konnten.

Bereits in Ushuaia bekamen wir den Tipp, im Casino Geld abzuheben, das funktionierte zwar grundsätzlich kostenfrei, doch behielten sich die Groupiers am Black Jack Tisch einen Teil des abgehobenen Geldes.

Ärgerlich, jedoch viel schlimmer trifft es natürlich die Einheimischen. Deren Erspartes im Jahr 2019 um 53,9% entwertet wurde, sie verlieren einen entscheidenden Betrag bei der Umwechslung auf ausländische Währung und dürfen per Erlass nur einen beschränkten Dollarbetrag pro Tag beheben.

Ganz klar, es ist auch bei uns nur eine Momentaufnahme und wir geben das weiter was wir aufschnappten, bzw. die Leute uns aufschnappen ließen. Wir bereisten das Land für 8 Wochen und das Bild das dabei herausgekommen ist geben wir an euch weiter.

Der Guide unserer Free Walking Tour in Buenos Aires endete seine Tour mit den Worten: „Argentinien ist ein schönes Land – vielleicht das schönste Land der Welt und ich liebe es. Wir müssen lachen, weil sonst müssten wir weinen.“

Der amtierende PAPST kommt aus ARGENTINIEN

Dass der amtierende Papst aus Argentinien stammt, wurde uns spätestens wieder bewusst bzw. in Erinnerung gerufen, als wir die riesigen Ankündigungsplakate für den von Netflix produzierten Film „Die 2 Päpste“ überall in BA verteilt sahen. – Den mussten wir uns natürlich auch gleich ansehen und halten ihn für extrem sehenswert, da auch seine Geschichte in Argentinien sowie die Zeit der Militärdiktatur behandelt wird.

MAGEMA Reisetipps Argentinien

  • bestellt nur eine Portion für 2 Leute – die Portionen sind riesig
  • iss ein Steak oder noch besser viele Steaks
  • iss Empanadas – wir lieben Empanadas
  • Geh tanzen oder besuche einen Tanzkurs
  • Kauf & trinke argentinische Rotweine – so günstig und gut hast du noch nie Rotwein getrunken!
  • geh Radfahren (wobei man das aus Martins Sicht sowieso in jedem Land machen sollte…)
  • Nimm dir bei einer Reise nach Argentinien am besten US-Dollar in Bar mit – so steigst du auf jeden Fall besser aus. In allen Städten des Landes stehen Menschen, die liebend gerne argentinische Pesos gegen US-Dollar wechseln – bzw kann man in den meisten Restaurants auch in US-Dollar bezahlen.
  • Auch hier gilt wiedermal – plant genug Zeit ein, das Land ist riesig und facettenreich.
  • Wir finden, dass Argentinien als Europäer sehr einfach zu bereisen ist, da es sehr viele Überschneidungen gibt – die Art des Reisens jedoch einen Lateinamerikanischen Touch mitbringt.

NEUSEELAND, die Nordinsel

Nach kurzer Schuhputzaktion (in Neuseeland wird penibelst darauf geachtet, dass keine Fremdstoffe in das einzigartige Ökosystem eindringen), reisten wir voller Enthusiasmus in jenes Land ein, auf das wir uns im Vorfeld vielleicht am allermeisten gefreut hatten. Unkompliziert und etwas von den kühlen Temperaturen überrascht, fuhren wir per Uber in unser Jucy Hostel in der Innenstadt Aucklands. Und schon bald lernten wir die Wechselhaftigkeit des neuseeländischen Wetters so richtig kennen: der Sonnenschein wurde immer wieder von kürzeren und längeren Regenintervallen unterbrochen – und genauso umgekehrt. Wir verstanden es aber auch schnell, uns darauf einzustellen und wappneten uns bei jedem, auch wenn nur zehnminütigem, Ausgang mit Regenjacke und Haube, sowie mit Sonnenbrille und der dazugehörigen -creme.

Auckland

Gut eingepackt und auf alle Wetterlagen vorbereitet stapften wir nun durch das hippe Auckland und konnten der Verlockung einfach nicht widerstehen: wir durchkämmten jeden Outdoor-Artikel Händler den wir so fanden und steigerten deren Quartalszahlen. Es waren tatsächlich zahlreiche Kathmandus, MacPacs, Patagonia-Stores etc. die wir durchforsteten und uns mit Fließjacken, Daypacks, Wanderhose etc eindeckten. Dass wir seit langem wieder einmal Camping Accessoires nutzen konnten, übte einen gewaltigen Reiz auf uns auf. – Vor allem hatten wir bald auch richtig viel Platz, da wir ganze Ausrüstung nicht selbst tragen, sondern mit dem Campervan herum-chauffieren konnten.

Am Nachmittag entschieden wir uns für eine 30-minütige Fährenfahrt nach Devonport, einem charmanten Vorort von Auckland, wo wir später auf Maria treffen sollten, einer der bedeutendsten Frauen von Martins Auslandssemester in Schweden. Nach einem Spaziergang auf den Aussichtshügel und durch die Einkaufsgassen fanden wir eine Hotelbar, in der wir bei Kaminfeuer & Livemusik mit IPAs auf Maria warteten. Das Wiedersehen war so schön und herzlich, dass wir uns für den Folgetag gleich nochmals verabredeten.

Zunächst befolgten wir am nächsten Tag noch den Ratschlag der Einheimischen und fuhren wieder mit der Fähre, dieses Mal auf Waiheke Island: quasi die die Wochenend‘ und Weinbauinsel der Stadt. An schönen Tagen hätte man mit dem Bike oder E-Bike die Insel erkunden können, diese Entscheidung nahm uns jedoch das Wetter ab und so fuhren wir mit dem Shuttlebus von Winzer zu Winzer. – Wie die Südsteirische Weinstraße, nur auf einer Insel und vielleicht nochmal etwas g’spitzer – wir genossen es sehr.

Dem Jucy Hostel gönnen wir auch eigenen Absatz weil es einfach erwähnenswert und für jeden Neuseelandurlauber relevant ist: Jucy Vans sind die wahrscheinlich – nicht nur gefühlt sondern echt – größte Campervermietungs Firma in Neuseeland. Es vergeht kaum eine Stunde Autofahrt, in der man die grellgrün-violetten Campervans nicht sieht. Marketingtechnisch ganz ordentlich, wobei sie es andererseits auch geschafft haben auf der Rückseite ihrer Vans 3 verschiedene Typos/Schriftarten zu platzieren (Ja, sowas fällt einem eben auf, wenn man in dem Bereich arbeitet). Wenn wir wieder einmal nach Neuseeland kommen, würden wir wahrscheinlich zu einem Campervan von Jucy greifen, da diese (auch wenn die teuersten und knalligsten) von der Innenausstattung und der Durchdachtheit den besten Eindruck machen. Für die ersten Nächte schliefen wir also in einem grellgrün-lila dekorierten Hostel – preislich hat es auf jeden Fall gepasst.

Northland

Und so folgte schon der Tag an dem wir unser mobiles Zuhause für die nächsten fünfeinhalb Wochen abholen konnten. Das ist er: unser Campervan (leider haben wir es irgendwie bis zum Schluss nicht geschafft, uns auf einen Namen zu einigen…):

Zugegeben, der erste Tag selbst am Steuer mit Linksverkehr kostete uns schon sehr viele Nerven – einfach auch weil sich die/der Beifahrer/in nochmals weiter an den Straßenrand versetzt fühlte und der/die Fahrer/in vielleicht tatsächlich auch oft zu weit links gefahren ist, aber das legte sich zum Glück nach ein paar Tagen. Wir beluden im Supermarkt unseren Einkaufswagen, als ob Christi Himmelfahrt, Pfingsten, Allerheiligen und Allerseelen zusammen gelegt worden wären – einen richtigen Supermarkt mit richtig vielen, frischen Lebensmittel hatten wir schon lange nicht mehr gesehen. Danach fuhren gen Norden, ins sogenannte „Northland“ Neuseelands hinauf.

Wir hatten die erste Nächtigung in unserem „Self Contained“ Campervan vor uns: in Neuseeland gibt es die Zertifizierung „Self Contained“ bei Fahrzeugen und das heißt so viel wie, mit Wasser- und Abwasserbehälter sowie Camping-WC (auch wenn wir es nie benutzten) ausgestattet – denn auf manchen Gratis-Campingplätzen, darf man nur mit solch zertifizierten Fahrzeugen stehen. Wir planten also nahe der Waipu Caves zu nächtigen, die wunderschön im Nirgendwo des Northlands liegen, nach einigen letzten Kilometern Zufahrt über eine Schotterstraße. Die Höhlen sind bekannt dafür, Glühwürmchen zu beherbergen und auch wenn es schon dunkel wurde wagte sich Martin spät abends noch in die Höhle (in der es ja sowieso dunkel ist). Schon beeindruckend wenn sie in der Gesamtheit so von der Decke leuchten, aber wenn man näher rangeht, schauen die schon auch recht grausig aus.

Schon in dieser ersten Nacht bemerkten wir, dass – auch wenn wir uns offiziell noch in der Vorsaison befanden – der Tourismus in Neuseeland schon voll im Gange ist. Etliche Wohnmobile und Campervans parkten an diesem Abend bei den Waipu Caves und es würde im Laufe der Zeit und je weiter wir nach Süden fuhren immer mehr werden.

Den nächsten Tag starteten wir mit einer kleinen Wanderung und bei dieser ersten von vielen Weiteren in Neuseeland machten wir gleichmal eine wichtige Erfahrung: NEVER leave the campervan without a rain jacket, oder; nie ohne Regenjacke außer Haus! Anm. Maria: Was mir meine Eltern zwar eh schon immer, auch bei Wanderungen in Österreich eingeschärft hatten, aber es war an diesem Tag einfach so schön und vorerst weit und breit kein Wölkchen zu sehen.

Wir genossen die Roadtrip Stimmung, Radio/Musik rein, ab auf die Landstraße und dem Horizont entgegen – es gibt einfach so vieles zu sehen bei so einer Autofahrt durch Neuseeland. Anfangs am markantesten waren für uns die grünen Mischwälder – und zwar richtige Mischwälder mit Nadelbäumen, Laubbäumen, Palmen und unzähligen Farnen – herrlich! Und dann natürlich auch die unzähligen Flüsse, Strände, Schafe, Kühe, Hirsche, …… Wenn man ein Stück gefahren ist, bleibt man in einem Dörfchen (es ist fast jede Stadt bis auf Auckland, Wellington & Christchurch ein Dörfchen) stehen und wir bestellen 2 Cappuccino und 1 Americano – bitte ohne Zucker! Was die Architektur und Gastronomie anbelangt sind die Neuseeländer eine Mischung aus Engländern und Amerikanern. Auf zwei Händen ist es nicht abzählbar, wie oft wir „die besten Fish & Chips des Landes“, der Insel oder sogar of the Universe angeboten bekommen haben.

Wir fuhren weiter Richtung Norden, nach Pahia in die Bay of Islands; der Geburtsstätte Neuseelands. Auf den Cooks hatten wir Jan kennen gelernt, die dort einen kleinen Campervan Park besitzt und uns dankenswerter Weise eingeladen hatte. Ohne zu übertreiben, solltet ihr mal nach Pahia kommen und einen Campervan Park brauchen: steigt bei Jan ab, zentral gelegen, mit modernen Anlagen, sehr gut ausgestattet – und richtet ihr bitte einen lieben Gruß von uns aus. 😉

Wie es der Zufall so will, war agrat am folgenden Tag das Dorffest in Pahia – ein Wine & Foodfestival – mit landesweit bekannten Bands, Kinderprogramm und Pie- und Austern-Wettessen (wie gesagt, sehr amerikanisch..). Mitten am Nachmittag stellte eine der Bands die Frage, ob sich auch deutschsprachige Besucher im Publikum befanden und dann stimmten sie einfach 99 Luftballons an! Kurzerhand wurden wir in die erste Reihe gedrängt, vielleicht weil wir am meisten dazu abtanzten und lautstark und textsicher den ganzen Song mitsangen.

Es war eine Mischung aus einer amerikanischen Gartenparty und einem Dorffest bei uns z’Haus. Was besonders auffiel: egal ob jung, ganz jung oder alt – alle tanzen ausgelassen vor der Bühne zu den Klängen der Live Band. Vielleicht waren es auch einfach die ersten Sonnenstrahlen des Frühlings, die mit Weinglas in der Hand gefeiert werden wollten.

Wenn man schon so weit im Norden ist, bietet es sich auch an bis zum neuseeländischen Nordkap – dem Cape Reinga raufzufahren. Da dies trotzdem nochmals 1000 km Fahrtstrecke bedeutete – und wir es von allen Seiten eingeredet/empfohlen bekamen – buchten wir eine Bustour. Eine adrett gekleidete Buslenkerin, die auch gleichzeitig den Tourguide und die Entertainerin verkörperte, holte uns früh Morgens vom Campervanpark ab. Um sich die Busfahrerin noch etwas besser vorstellen zu können: sie war eine englische Lady, die diesen riesigen Bus durch die kurvigen Straßen des Nordens lenkte und gleichzeitig ihre Reisegruppe auf Pünktlichkeit bei den Tourstopps drillte, da sie ankündigte (es blieb bei dieser Ankündigung), dass Zuspätkommende ihr beim Busputzen helfen müssten. Ich muss zugeben ich bin echt kein Fan von Bustouren, weil die meist nicht dort stehen bleiben, wo ich es gerade schön fände (um ein Foto zu machen) und man mit Massen durchgeschleust wird, aber diese Fahrt war aufgrund der zurückzulegenden Kilometer und der Zusatzinfos die man bekommt, echt empfehlenswert.

Auch der sandige Untergrund des 90 Mile Beach, den wir bei Ebbe befuhren, konnte dem riesigem Bus nichts anhaben. Auf dem meilenlangen Beach (der übrigens nur 55 Meilen/88 km lang ist, weil der Vermesser die im Sand unterschiedliche Schrittlänge der Pferde nicht mit einbezogen hat) stießen wir auf zahlreiche Wildvögel, Seerobben, Autos und eine Vielzahl, gutbepackter Wanderer. Diese Wanderer waren alle guter Stimmung und hatten noch einen weiten Weg vor sich – ihnen stand eine Nord-Süd-Durchquerung des Landes bevor. An dieser Stelle fragten wir uns, wie es denn unseren Freunden Pam und Jenny im Endspurt der Durchquerung der USA, des Pacific Crest Trails ergehen würde.

Nach der Attraktion Sandsurfen von der Düne, fuhren wir dorthin, wo es danach auch nicht mehr weiter ging: zum Cape Reinga. Hier trifft das Tasmanische Meer auf den Pazifischen Ozean, was man auf den Drohnenbildern im Farbunterschied auch recht schön sieht. Auf unserer Rückreise macht wir nochmals halt und schmausten nicht etwa die besten Fish&Chips des Bezirks, nein die angeblich besten Fish&Chips of the Universe.

we proudly present: best Fish and Chips of the Universe – haben nicht anders geschmeckt als wie alle anderen Fish & Chips auf unserer Reise

Einen weiteren Stopp widmeten wir den Kauri-Bäumen (ausgesprochen: Codey-Bäume). Diese einzigartigen Bäume, welche mehrere Tausend Jahre alt werden können, haben für die Maori (Ureinwohner Neuseelands) eine höhere, spirituelle Bedeutung. Als Kapitän James Cook im 18. Jahrhundert Neuseeland als erster Europäer bereiste, entdeckte er das starke, gerade gewachsene Holz der Kauri-Bäume und verwendete es zur Reparatur seines Schiffes. Ihm folgten viele weitere Schiffsbauer, doch auch das Harz des Baumes wurde gebraucht und so schnell konnte man garnicht schauen, wurden innerhalb weniger Jahre massenweise tausende Jahre alte Kauri-Bäume abgeholzt. – Soviel zu dem Respekt den man so vielen Ureinwohnern auf der ganzen Welt bei allen möglichen „Entdeckungstouren“ nicht zollte. Heute stehen diese Bäume unter Schutz, da sie bereits vom aussterben bedroht sind, nurmehr das Holz von bereits toten Bäumen wird verwendet.

Ein besonderes Erlebnis war es auch, in Neuseeland ins Kino zu gehen. In dem Saal, nicht viel größer als ein Klassenzimmer, wurde nämlich schon 5 Tage früher als in Europa, der von der Presse hochgelobte Film „Der Joker“ gespielt. Bevor der eigentliche Film startete, waren es nicht so wie gewohnt aufwendig produzierte Werbespots diverser Auto-, Uhren- oder Deohersteller, die über die Leinwand flackerten: es war eine Powerpoint-Präsentation der lokalen Zahnärzte, Tischler & Installateure. Herrlich!

Da mir Jan bereits auf Rarotonga den neuersten und schönsten Bikepark des Northlands angepriesen hatte, nutzte ich die Chance sofort um Maria in den Genuss von kilometerlangen flowigen Trails in schönster Naturlandschaft kommen zu lassen. Ich hatte diesmal sogar das Gefühl, dass ihr das Downhill fahren fast genauso gut gefiel wie Uphill zu strampeln – was mir in Österreich zuvor noch nie gelungen wäre.

Nach Panoramarouten über Küstenstraßen und kurzen Stopps in Auckland und Hamilton, zog es uns weiter auf die Halbinsel Coromandel. Bei all den Schwärmereien über diese Reise und unsere Reisegemeinschaft, möchte ich euch auch die ungeschönte Wahrheit nicht vorenthalten: Nach 7 Monaten des gemeinsamen Reisens und (vor allem in Neuseeland) des auf engstem Raum zusammengepfercht seins lagen die Nerven blank. Vielleicht war es die erhöhte Anspannung, des verkehrten Straßenverkehrs geschuldet oder weil man sich in einem Campervan einfach niemals richtig zurückziehen konnte oder weil manch einer mehr plante, ein anderer mit den Gedanken noch auf einer anderen Insel war, oder die Gesamtsituation einen zum explodieren brachte – jedenfalls kam es hier, in Thames, auch zu unserem ersten Disput.

Da hilft nur eine vernünftige Aussprache und vielleicht auch etwas schmollen und granteln, denn danach war eigentlich auch wieder alles gut.

Coromandel

Auf Coromandel folgen charmante Fischerdörfchen auf verschlafene Goldgräberdörfchen und dann ist da natürlich auch noch der berühmte Hot Water Beach, den wir gleich mal ausprobierten: 2 Stunden vor und nach der Ebbe kann man, mit Schaufeln ausgerüstet, sich am Strand seinen privaten Pool graben, der im idealen Verhältnis mit lavagewärmten Quellwasser und abkühlenden Meerwasser gefüllt werden sollte.

Da wir relativ spät ankamen, hatten wir das Glück uns in ein gemachtes Nest setzen zu können. So genossen wir ein heißes Strandbad im sonst noch eher kühlen neuseeländischen Frühling.

Auch wenn wir immer wieder hoffen oder glaubten, fernab vom Massentourismus Plätze zu entdecken, kommt es finde ich Neuseeland finde ich besonders oft vor, dass man sich bei den typischen Sehenswürdigkeiten wieder findet, die zwar in jedem Blog und Reiseführer als „Geheimtipp“ beschrieben werden – aber längst keine mehr sind. Aber egal – schließlich gibt es schon einen Grund dafür, dass diese Plätze immer wieder empfohlen werden. Das spannende beim Sightseeing in Neuseeland ist ja: es handelt sich nicht – wie oftmals in Europa – um alte Gebäude, Kirchen und Burgruinen in welche hunderte Menschen strömen. Weil Neuseeland so jung ist und sein ältestes Gebäude aus den 1830er Jahren stammt, sind die meisten Sehenswürdigkeiten auf natürliche Weise entstanden und hatten vor allem für die Maori eine tiefergehende Bedeutung. Das gute daran: es erfordert oftmals einen längeren Spaziergang/eine kleinere Wanderung um dorthin zu gelangen, was die Massen an Touristen automatisch etwas beschränkt.

So ist auch die Cathedral Cove kein von Menschenhand gestalteter Tourismus Magnet, sondern einfach eine Küste mit steilen Klippen, die durch das Einwirken der Gezeiten des Meeres über Jahrtausende hin spannende Formen angenommen haben. Die „Cathedral Cove“ waren einst zwei Höhlen, die zu einem Tunnel wurden und nun zwei Strandabschnitte verbinden. Hoch und spitz zugelaufen, wie eine Kathedrale und durch die verschiedensten Steinschichten entsteht eine wahnsinnig coole Optik.

Unsere erste Ganztageswanderung in Neuseeland zog uns auf die Pinnacles, den höchsten Punkt der Halbinsel (es sollten übrigens noch 6 weitere Wandertage folgen, wir mussten uns ja schließlich auf auf die bevorstehende 10-Tageswanderung in Patagonien vorbereiten). Wandern in Neuseeland, ist doch etwas anders als in der Alpenregion. Erstens startest du direkt vom Trail los, da beim Einstieg meist eine tolle Infrastruktur wie WC und ein Gratis-Stellplatz für Self-Contained Campervans geboten wird. Die Wanderwege gehen oft direkt durch den Urwald, man ist also durch die Bäume vom Regen geschützt, was aber auch heißt, dass die Aussicht bis zum Gipfel auf sich warten lässt. Man wird gebeten beim Einstieg die Schuhe zu putzen, um die heimische, einzigartige Flora und Fauna vor allem aber besonders die imposanten uralten Kauri-Bäume zu schützen.

Auch die Ausrüstung mit der die Leute auf den Berg gehen, sowie auch das Wandertempo sind hier viel unterschiedlicher als in Österreich. Das allgemeine Verständnis vom Wandern in den Alpen sehe ich so: ich gehe zeitig in der Früh los, nimm in meinem Rucksack genügend Jause und Trinken für den Tag mit, wandere mit solidem Schuhwerk und angepasster Ausrüstung meines Weges. Das ist Wandern. Trailrunner gibt es zwar schon immer wieder, sind aber eher die Ausnahme.

Was wir in Neuseeland erlebt und gesehen haben, hätte unterschiedlicher nicht sein können: von Pärchen mit kurzen Shorts und Flip-Flops über Mädls in Jogapants, die perfekt gestylt und geschminkt, mit Bluetoothbox und lauter Musik ausgerüstet, dafür aber ohne Rucksack für Jause oder Erstehilfe-Tascherl die 7 Stundenwanderung gelaufen sind, bis hin zu jenen die die selbige Wanderung um 3 Nachmittags in Turnschuhen und Jogginghose gestartet hätten. Ein ganz großer Trend ist auch – wie wir es auch schon am Mount Batur in Bali erlebt haben – in der Finsteren, mitten in der Nacht hoch zu wandern um den Sonnenaufgang vom Gipfel aus zu sehen – was anderes auf Instagram zu posten ist doch auch fast schon peinlich oder?

Die Pinnacles Wanderung war auf jeden Fall richtig schön und abwechslungsreich. Will sich jemand mehr Zeit lassen, würde ich diese auf 2 Tage machen und auf der Hütte oben am Hochplateau schlafen – diese macht einen richtig heimeligen Eindruck.

Hobbiton

Neuseeland diente bekanntlich als Drehort für die Verfilmung von JRR Tolkins „Herr der Ringe“. Auf halber Strecke zwischen Hamilton und Rotorua befindet sich das touristisch perfekt inszenierte Hobbiton – der Drehort für das Auenland. Zugegeben, der Preis, sowie dass man mit Selfie-geilen Menschenmassen im 15 Minutentakt durch die Filmkulisse geführt wird, mag vielleicht abschrecken – doch ist diese Attraktion wie wir finden definitiv einen Besuch wert. Das Auenland wurde mit einer Liebe, ja einer Vergötterung bis hin zum kleinsten Detail aufgebaut. Seien es die Gemüsegärten und Blumenbeete, die ausgetretenen Wege zu den Wäscheleinen oder der andauernde Rauch aus den Kaminen der Hobbithöhlen – man bekommt richtig das Gefühl, jeden Moment könnte sich eine der runden Haustüren öffnen und ein Hobbit käme hervor. Außerdem erfährt man allerlei Funfacts, Hintergrunddetails und irrsinnigen Hürden die bei den Dreharbeiten berücksichtigt werden mussten. Das inkludierte Craft-Bier im Green Dragon, der Dorftaverne, sorgte noch für das Tüpfelchen auf dem i.

Nachdem wir zwei Jahre zuvor ein regelrechtes „Heiße Quellen-Hopping“ in Island veranstaltet hatten, freut ich mich auch schon sehr auf die Whakarewarewa Region um Rotorua. Mitten in der Stadt qualmte es aus den Kanaldeckeln und Tümpel und Schwefelwolken brachten uns warme Luft entgegen. Jedoch wollte das Wetter per tu nicht mitspielen und da es hier nur regnete und das nicht unbedingt zu Erkundungstouren einlud, setzten wir unseren Weg weiter fort nach Taupo.

Zu unserem Frohlocken, stießen wir dort gleich auf eine heiße Quelle am Fluss, in der wir den gesamten Nachmittag ein Open Air Spa veranstalteten.

Schuhputz mit Aussicht auf den Lake Taupo- hier war auch unser kostenfreier Campingplatz

Tongariro Nationalpark

Eine längere Autofahrt durch die malerische Landschaft, vorbei an unzähligen Dörflein, die das Frollenfischen anpreisen, brachte uns zum Skiort Whakapapa.

Dort befindet sich das Visitor Center des vielleicht berühmtesten Great-Walkes der Nordinsel, dem „Tangariro-Crossing“ im gleichnamigen Nationalpark. Für diese Wanderung hatten wir zuvor in Taupo nochmal extra unser Outdoorequipment um warme Merino-Alpaca-Possum Socken, Possum Handschuhe, Camelbag, Wanderstöcke aufgestockt. (Mit Possum meinen die Neuseeländer natürlich Opossum, das Nagetier gilt im ganzen Land als Plage und wird mit gestellten Fallen gejagt. Das Fell ist aber, ähnlich wie Alpaka, sehr beliebt für warme Wandersocken, Handschuhe und Hauben.)

Wir bereiteten uns also schon seelisch und ausrüstungstechnisch auf eine 19 km Wanderung mit starken Winden, Schnee-Felder und unbeständigem Wetter vor. Um so größer war die Enttäuschung in Martins Gesicht geschrieben, als uns die höfliche Dame im Nationalpark-Infocenter diese Wanderung mit Nachdruck ausreden wollte: zu viel Schnee und zu starker Wind würde auf uns warten. Dafür bekamen wir die nicht minder schöne Alternativwanderung zu den Tama Lakes empfohlen, die sich direkt zwischen den beiden Vulkanen des Parks befindet und somit besser von Wind und Witterungseinflüssen geschützt sind.

Auch wenn Martin am meisten enttäuscht war, dass es mit dem berühmte Tongariro-Crossing nichts geworden ist (was bei vielen Bekannten auch ein Hauptgrund war, nach Neuseeland zu reisen), die Nachricht, die wir eine Woche später erhielten überzeugte auch ihn, dass es keine schlechte Entscheidung war, nicht zu gehen: Eine vierköpfige Wandergruppe startete gemeinsam das Crossing, drei von ihnen kehrten wegen des schlechten Wetters auf halben Weg um. Eine Frau wollte alleine weitergehen und wurde tragischerweise am nächsten Tag tot aufgefunden. Unterschätzen sollte man die harschen Bedingung am Berg nie. Für das Tongariro-Crossing gibt es außerdem eine eigene Facebook Seite, die Wanderern täglich ein Wetter-Update gibt und einem sagt, ob es klug ist die Wanderung zu starten oder es lieber zu lassen.

mit einem Monster bis nach Christchurch

Georg Paminger alias Dr Karl Fröhlich

Auch nach der fünfstündigen Wanderung wollten wir „noch Meter machen“ und so setzten wir alle unsere Karten auf Georgs Geheimelixier, den Energydrink Monster. Mit zwei Stück davon ausgestattet, fuhr uns dieser in die 4 Stunden entfernte Hauptstadt Neuseelands, Wellington. Dieser Tag gab den Startschuss für dieses wohl berühmteste Zitat von Dr. Karl Fröhlich und zeigte uns was alles möglich ist.

Wellington

Die Hauptstadt Neuseelands, in der – wider unserer Erwartungen – an nur wenigen Orten „Beef Wellington“ angeboten wird, ist besonders für seine Craftbierszene sowie die hohen Windgeschwindigkeiten bekannt.

Mit unserem Campervan parkten wir eine Nacht kostenfrei am Hafen und eine Nacht in einer Seitengasse der Cuba Street, eine der bekanntesten Cafe- und Kneipenstraßen der Stadt.

Das Wetter hielt jenes Versprechen, was uns im Vorfeld angekündigt wurde: es war kalt, windig und regnerisch. Das Museum Te Papa nur als Schlechtwetterprogramm abzustempeln, würde der Qualität dieses facettenreichen Museums nicht gerecht werden. Dieses kostenfreie Nationalmuseum bietet zahlreiche, ständig wechselnde Ausstellungen. Wir besuchten eine über den ersten Weltkrieg, bei der mir erstmals bewusst wurde, dass Neuseeland und Australien, aufgrund der Verbindung durch den Commonwealth auch in den Krieg ziehen mussten. Die zweite, dauerhafte Ausstellung beschäftigte sich mit der Natur und Geologie Neuseelands, und erklärte die Häufigkeit von Erdbeben in dieser Region und deren Prävention. Also zwei richtig empfehlenswerte Ausstellungen, die uns geboten wurden.

Des weiteren bekamen wir von der engagierten Mitarbeiterin im Tourismusbüro eine Stempelkarte aller Craftbierbars Wellingtons, die wir Abends voller Ambition in Angriff nahmen.

MAGEMA TIPPS Neuseeland

  • Die beste Art um Neusseeland zu bereisen ist mit dem Fahrrad (laut Martin), die zweitbeste mit dem Self Contained Campervan. Du kannst an den schönsten Plätzen stehen bleiben und dort kostenlos übernachten (ausser ein Verbotsschild verhindert das Vergnügen). Ab und zu verbringt man eine Nacht in einem Campervanpark, um zu Duschen sowie Strom und Internet zu genießen. Frischwasser und Abwasser kann an vielen Tankstellen gemanaged werden.
  • Plane genügend Zeit ein! Das Wetter ist wechselhaft, also um nicht aufgrund des Zeitdrucks etwas im Regen durchziehen zu müssen sind Puffertage, an denen Wäsche gewaschen, gelesen, Ukulele gespielt oder das Dorfpub besucht werden kann unerlässlich.
  • Die Drohne kann daheim bleiben. Grundsätzlich wäre es zwar erlaubt, jedoch muss vom Grundeigentümer dessen Zustimmung eingeholt werden und bei so gut wie jeder Attraktion, jedem Wanderweg und allen Nationalparks begrüßt einen ein Drohnenverbotsschild.
  • Vergiss den Gucker/das Fernglas nicht. Neuseeland hat uns wieder einmal den Beweis geliefert, welche Tier- und Artenvielfalt unser Planet zu bieten hat. Oftmals hätten wir uns jedoch einen Gucker (es gibt da einen ganz guten Tiroler Hersteller, der auch hier durchaus bekannt ist) um noch ein bisserl näher an die Tiere heranzukommen.
  • Mehrtageswanderungen. Um den Touristenmassen wirklich zu entfliehen erkundigt euch über die Great Walks/die Mehrtageswanderungen. Jene, die wir gemacht haben waren alle wahrhaftige Great Walks und ein weiterer Vorzug ist, dass deren Besucheranzahl durch die Nächtigungsplätze in den Hütten und am Campingplatz begrenzt ist.

Melbourne / Australien

Spät abends landeten wir auf dem zweiten Kontinent unserer Reise: AUSTRALIEN. Auch wenn wir nur ungeplante 26 Stunden hier verbringen sollten, genossen wir zwei diese in vollen Zügen. Vielleicht fehlt euch hier noch eine weitere Erklärung: wir waren nur zu zweit, Maria und Martin, da Georg das Transitvisum aus unerklärlichen Gründen verwehrt wurde. Eigentlich sollte unser Stopp in Melbourne nur knackige 4 Stunden dauern, aufgrund der Stornierung des ursprünglichen Fluges, wurde uns dieser längere Aufenthalt als einzige Möglichkeit angeboten, bei dem wir nicht nochmal draufzahlen mussten. Somit wurden aus 4 Stunden ganze 26, die es zu nutzen galt. Eigentlich hatte wir anfangs Australien nicht als Ziel in unserer Reiseroute eingeplant. Erstens, weil man selbst bei einer einjährigen Weltreise Abstriche machen muss, um die einzelnen Länder und Kulturen auch wirklich genießen zu können und nicht jede Woche in ein nächstes Land zu hetzen. Und zweitens will man sich ja auch noch was „für später“ aufheben, oder nicht?!

Als wir den Melbourner Flughafen verließen spürten wir etwas, was wir schon sehr lange nicht mehr gespürt hatten und uns ein bisschen an Zuhause erinnerte: die frische, kalte Luft. Ach was war das für ein Genuss, als wir nach 4 Monaten der Hitze, des Einschlafens bei Klimaanlagen, des Dauerschwitzens wieder diese erfrischende Luft auf der Haut spürten und richtig durchatmen konnten! Unsere Mitwartenden auf den Airport-Citybus wählten komplett unterschiedliche Arten der Bekleidung, wie sie mit den 5-10 Grad Umgebungstemperatur umgehen wollten: die einen in Hotpants und kurzem Leiberl, die anderen in einen dicken Pulli und Parker gewickelt – wir befanden uns irgendwo dazwischen.

Die Stadt begrüßte uns mit englisch-amerikanischem Flair und Architektur und dank der kostenlosen Straßenbahn im Stadtzentrum gelangten wir rasch zu unserem Hostel in der Flanders Street. Der Unterschied zu Asien hätte krasser nicht sein können: weg von den Menschenmassen, hin zu einer fast menschenleeren Innenstadt, mit breiten Straßen (ohne den riesigen Schlaglöchern) und echten Supermärkten an jeder Ecke. Weg war auch das Streetfood, dafür poppten überall Cafés, Restaurants und Imbissstände auf, wo wir uns als Abendmahl ein Souvlaki Sandwich holten. (Melbourne ist die Stadt mit den meisten Griechen ausserhalb Griechenlands, bzw sogar die „drittgrößte griechische Stadt“ nach Athen und Thessaloniki). Wir schlenderten noch durch die Gassen und genossen ein angenehm ruhiges Großstadtgeflüster.

Der nächste Morgen sollte uns gefühlt nochmal etwas früher wecken, da wir wiedermal ein paar Breitengrade gewonnen, dafür ein paar Stunden verloren hatten – was aber das inkludierte, typische australische Breakfast rasch wett machte. Keinen Reis mehr zum Frühstück sondern Cornflakes und Pancakes – in der riesigen Gemeinschaftsküche zum selber-schupfen. Zugegeben hat dieses Hostelleben schon extrem viel Charme und auch dass hier jeder richtig gut Englisch sprach. Erstmals waren wir die, die ein geringeres Vokabular aufwiesen und um Wiederholung des Gesagten beten mussten.

Teig und Toppings wurden vom Hostel zur Verfügung gestellt – die Größe und der Bräunungsgrad unserer Pancakes wurde von uns bestimmt.

Wir genossen das Frühstück so sehr, dass wir dann schon (wieder) Stress bekamen und uns rasch durch die morgendliche Rush Hour, zu unserem Mini-Bus kämpfen mussten, der uns zu unserem Tagesprogramm bringen würde. Kurz vor 9 waren die Straßen, neben dem Bahnhof plötzlich nicht mehr so menschenleer wie am Vorabend und von Anzug-Trägern und Ladys in schicken Kleidchen gesät. Den Mini-Bus erwischten wir trotzdem locker und unserer Fahrer begrüßte uns herzlich, fragte nach unseren Namen und wollte dann nicht mal mehr die Tickets sehen. Los ging die einstündige Fahrt, vorbei an ewig weiten Wiesen, Schaf- und Rinderherden, in das etwas außerhalb von Melbourne gelegen Healsville Sanctuary: in den Wildpark.

Healsville Sanctuary

Ein paar Meter nach dem Eingang mit den redseligen Mitarbeitern vom Ticketschalter, gleich hinter den Emus, wussten wir warum wir die Hetz auf uns genommen hatten: Ganz unbeschwert chillte ein Koalabär in seinem Baum, der knuffiger nicht hätte sein können. Er erspähte uns, kratze sich kurz mit dem Fuß hinterm Ohr und schlief wieder weiter. Das lässige an diesem Wildpark ist, das er zwar wie ein Zoo aufgebaut ist, aber bei vielen Tieren, wie zum Beispiel den Kängurus, der Besucherweg nur von einem gespannten Seil zu dem Areal der Tiere getrennt wird. Kängurus kreuzen also immer wieder den Weg der Besucher oder machen es sich dort gemütlich, wo sie sich wohl fühlen – das verstärkt das hautnahe Erlebnis gleich nochmal. Ein weiteres Highlight war die Vogelshow, bei der trainierte Adler, Eulen und Papageie nur wenige Zentimeter über den Häuptern der Zuseher ihre Runden ziehen.

Wir sahen u.a…

…einen (für Martin zumindest) furchteinflößenden Emu..

..einen zuckersüßen Koala..

..ein Wombat, Martins Lieblingstier, das mit seinem Hintern Angreifer zerdrücken kann..

Achtung, Känguru von links!

..der Tasmanische Teufel..

..noch mehr Koalas..

..ganz viele bunte Vögel..

..und ein größerer Vogel, der Maria aus der Hand fraß…

…ein Känguru im Baum.

Nach vier entspannten Stunden mit sehr vielen „Wooah“- und „Süüüüß“-Momenten im Park ging es wieder zurück in die Stadt und wir hatten noch ca 5 Stunden bevor wir zum Flughafen mussten.

Diese nutzten wir, um uns mit einem Nachmittagskaffee zu stärken…

Jetzt ist tatsächlich erstmals der Fall aufgetreten, dass wir kein Foto von Kaffee und Mehlspeise gemacht haben, das nächste Mal wieder – versprochen.

…um durch die, für Streetart bekannte AC/DC Gasse zu flanieren….

….um den Sonnenuntergang mit einem Craft Bier Seiterl auf einer Rooftop Bar zu genießen…

….und um uns in der darunter gelegenen Brauerei eine typisch australische Brettljause zu gönnen! Wissts ihr eigentlich, wie lange wir scho ka ordentliche Brettljausn mehr gessn ham?! 😉

Unsere Feldstudie, ob die Australier auch so oft wie wir mit ihnen verwechselt werden, ergab das ernüchternde Ergebnis, dass dies ihnen nie passiert. Das Land ist halt doch größer. Ein Lächeln zauberten wir unseren Probanden aber alle mal ins Gesicht.

Im Nachhinein betrachtet, war dieser längere Stopover in Melbourne gar nicht so schlecht, Melboure wurde ja auch 2019 als zweit lebenswerteste Stadt der Welt gewählt (nach Wien) – wir bekamen einen kleinen Einblick warum.

Nach einem 30minütigen Check in – Maria unterhielt sich köstlich mit der Dame vom Check-in Schalter und wir kennen nun ihre halbe Lebensgeschichte, sowie wie sie ihren schwedischen Freund kennen gelernt hat– stiegen wir in das Flugzeug nach Auckland/ Neuseeland, wo wir uns wieder mit Georg vereinigten.

Bye bye Australien! Irgendwann bleiben wir ein bisserl länger und dann gibt’s auch Tipps von unserer Seite. 😉

Findet ihr die Australische 50 cent Münze auch so cool wie wir?
Was war sonst noch los? Maria schwor nur noch recyceltes Toilettenpapier zu benutzen.

Malaysia

Kuala Lumpur

Es war die erste, von später weiteren folgenden, Wiedervereinigungen mit Georg. Nach wenigen Tagen in der Hauptstadt Malaysiens, Kuala Lumpur (die alle nur „KL“ nennen) erfuhren wir, dass es Georg nach kurzem Aufenthalt wieder auf Sumatra zog – die Gründe dafür waren zu diesem Zeitpunkt auch für uns noch unbekannt. 

Nach dem monatelangen Reisen durch Asien fiel uns eines besonders auf: die Sauberkeit und die großzügig geräumige Bauweise der Innenstadt KL’s. Also genossen wir dies und bummelten gleich mal stundenlang durch die Innenstadt. 

Da z’Haus gerade Hauptreisezeit war, bereisten auch Marias Cousin, Fabian und seine bildhübsche Freundin Babsi zur gleichen Zeit KL, was zum gemeinsamen Stadtbummel, Abendessen und dem Anblick der Springbrunnen-Lichter-Show im Petrona-Towers Park führte.

In unserem Hostel, das uns von Marias Cousine (danke Helene!) empfohlen wurde, herrschte reges Treiben: kunterbunt, international und weltoffen, waren auch die anderen Hostelbewohner. Außerdem wurden regelmäßig Pub-Quizzes und Pub-Crawls angeboten, was das ganze noch näher an ein Studentenheim brachte – u.a. deshalb verlängerten wir gleich 2 Mal unseren Aufenthalt dort. Beim Frühstück lernten wir eines Morgens Renata kennen. Die Anwaltskanzleiassistentin aus Kanada wurde an diesem Morgen von ihrem Begleiter versetzt, deshalb erkundeten Maria und ich gemeinsam mit ihr den Urwald der Großtstadt, mit seinem Skywalk und machten einen abkühlenden Spaziergang durch eine der vielen, vielen Shopping-Malls (jede einzelne Mall in KL ist übrigens bei Weitem pompöser als unsere Plus-City, z’Haus in Linz-Land).

Am Abend stieß dann doch noch Renatas Begleiter, Cole dazu, ebenso Kanadier. Cole verbrachte schon einige Monate als Tourguide in KL und wusste deshalb am besten, in welchen Bars es Drinks zu günstigen Preisen mit überwältigenden Aussichten gab. So planschten wir an diesem Nachmittag gratis einen Rooftop-Pool mit Blick über alle möglichen superteuren Hotels und am Abend galt es die besten Rooftopbars der Stadt zu erkunden. Die erste, die unter Tags als Helikopterlandeplatz dient und somit ohne großer Absperrung beste Aussicht über die Skyline bietet und die zweite, direkt neben den Petronas-Towers. Die Towers sind mit ihrem markanten Aussehen nicht nur das Wahrzeichen von Kuala Lumpur, sondern mit ihren 88 Stockwerken und der 452 m Gesamthöhe auch die höchsten Zwillingstürme der Welt!!! Schon ein beeindruckendes Gefühl, direkt neben diesen Towers – die auch als Drehort für u.a. Mission Impossible genutzt wurden – im 57. Stock, einen Drink zu genießen!

Falls jemand eine Fotosammlung von den Petrona Towers benötigt, aus jedem Winkel, egal bei welcher Tages oder Nachtzeit, meldet euch bitte beim Martin 😉

iCity

In Malaysia wollte ich eigentlich für 1 bis 2 Wochen ein „Workaway“ machen. Nach 2 Tagen, vielen Bügelstunden und wenig Interaktion mit unseren Co-Arbeitern brachen wir dieses Projekt ab und beschlossen, dass wir nach dieser Reise um die Welt ja wohl noch genug arbeiten und bügeln werden müssen. Was Martin dazu noch unbedingt loswerden will: dieser fühlte sich zurückversetzt in die erste Klasse Bad Leonfelden, Wäschereiunterricht. Damals wie heute stundenlanges bügeln von Wäsche, mit dem einzigen Lichtblick, als Hahn im Korb mit lauter hübschen Mädels Zeit verbringen zu können.

Es entstand Plan B und Martin buchte uns für die kommenden Tage ein großzügiges Apartment in der „iCity“, einer Vorstadt KLs mit technologischer Vorreiterrolle. Im 27. Stock sollte unser Apartment sein mit einer Küche ausgestattet, um endlich wieder mal selbst kochen zu können (in Asien war das Essen gehen einfach so billig, bzw groß Lebensmittel ungekühlt herumzuschleppen, ist halt auch nicht das gelbe vom Ei). Wir nutzten diese Chance mit Euphorie und sehr enthusiastisch und tischten Kaiserschmarr’n mit karamellisierter Ananas und Drachenfrucht, Pasta mit frischem Gemüse und weitere Köstlichkeiten auf.

Was war sonst noch besonders an der iCity? So einiges: Wir wohnten in einem von insgesamt 7 Hochhäusern, die mit Pool und Parkgarage, Cafes und Wäschereien zu einem modernen Komplex verschmolzen. In diesem Komplex befanden sich ausserdem noch, wie es sich für KL gehört, eine eigene Mall und ein Minivergnügungspark mit Hochleitungsbahn, einem Riesenrad, ein Wachsfigurenkabinett, einer Winterwonderland-Halle – dem wohl einzige Ort in Malaysia, an dem man Schnee bestaunen kann – und viele dekorative Figuren und große Wand-Malerein. Wir wollten es unserem Grab-Fahrer bei der Anreise zur iCity zuerst ja gar nicht glauben, als er von beleuchteten Bäumen, riesigen Figuren von russischen Babuschkas, dem Schloss von Aladdin und ein paar Nimbus 2000 aus der Harry Potter Serie sprach – wurden aber nicht enttäuscht und so ließen wir unserem inneren Kind freien Lauf.

Neben Kochen und dem erkunden unseres Komplexes widmeten wir uns dem Kaffetrinken und Blogschreiben und genossen es, wiedermal eine richtige Wohnung für uns zu haben.

Georgetown

Nach der iCity ging es mit dem Bus hinauf in den Norden Malaysias, auf die Insel Penang in das Städtchen Georgetown, das uns gleich von mehreren Seiten empfohlen wurde. Georgetown ist vor allem für seine Streetart bekannt – ein paar dieser Malereien und Kunststücke kennt man auf der ganzen Welt.

So schlenderten wir viel durch die schönen Gassen und Straßen der Insel, spielten Karten und ließen uns von Bars mit Life-Musik verführen. Bei einem unserer gemütlichen Stadtbummel stießen wir auch auf ein Harry-Potter Pop-Up Cafe, wo es natürlich gleich mal ein wirklich richtig gutes Butterbier zu trinken gab. Martin kletterte in eine riesengroße, kunterbunte Kanone und kaufte sich, weil er Sehnsucht nach seiner Gitarre hatte kurzerhand eine Ukulele, die seither unsere Reise mit ihren wundervollen Klängen begleitet. Neben dem Ukulelen Klassiker „Over the Rainbow“, werden wir auch häufig mit „Hotel California“, „Über den Wolken“, aber auch „Weit, weit weg“ von Hubert von Goisern beglückt.

Auf Penang gibt es außerdem noch den Penang Hill, den man sowohl zu Fuß, als auch per Zahnradbahn erklimmen kann – wir entschieden uns für 5 km steil bergauf, auf einer asphaltierten Straße. Oben angelangt stießen wir gleich mal auf einen Erdbeben/Tsunami-Simulator (den wir dann aber nicht besuchten) und einen kitschigen Herzalpark. Eine romantische Wanderung ist was anderes, aber der Urwald rundherum, die Aussicht oben am Berg und die vielköpfige Affenfamilie beim Abstieg machten den Asphalt wieder wett.

Die Highlands

Nein, uns zog es dann nicht auf einmal in die schottischen Highlands. Auch Malaysia hat seine Cameron Highlands und diese waren ein kühler Balsam für unsere aufgeheizten Körper, die schon seit Monaten von der Dauer-Schwüle Asiens umgeben waren.

Die Highlands stellen die Korn-, Frucht- und Gemüsekammer Malaysias dar und bieten viele verschiedene Geh- und Wanderwege durch den malaysischen Dschungel, die wir auch gleich an 3 Tagen in Anspruch nahmen. Zwischen Dschungel mit Palmen und von Baum zu Baum springenden Affen ging es schöne Wurzelwege bergauf und bergab. Eine Liane versüßte uns bei einem weiteren Aufstieg den Tag und quer durch Gemüse- und Teeplantagen, wanderten wir wieder hinunter ins Tal. Ähnlich wie in China waren die Wanderwege sehr verlassen und wir trafen, wenn überhaupt, nur weiße Mitwanderer an. Malaiaen bzw Pakistani und Araber (welche die Haupttouristengruppe in Malaysien bilden) traf man nur bei den tiefer gelegenen und mit Reisebus erreichbaren Attraktionen an. Nachdem wir lange Zeit ganz alleine durch die Teefelder gingen und die endlose Weite, schöne Hügel und natürliche Stille genossen, endeten wir mitten in einem Tee-Haus mit angelegtem Tee-Garten, das von Touristen nur so überlaufen war. Das eigentlich verstörende war aber, dass sich die Menschen hier einen max. 15 Minuten Fußmarsch ersparten indem sie sich von großen Golfwägen herum chauffieren ließen…

Melakka

Seit unserer Aufteilung waren wir hier dem Georg so nahe wie lange nicht mehr – der Grund: anliegend an Malakka befindet sich auch die gleichnamige Meeresenge, die Straße von Malakka, über die mit einer kurzen Fährenüberfahrt die Insel Sumatra in wenigen Stunden erreichbar wäre.

Melakka wird als Hochburg für Foodies (Mischung aus Gourmets und Gorments die einen natürlichen Drang dazu verspüren ihr Essen mit dem Smartphone zu fotografieren) angepriesen. So fügten wir uns unserem Schicksal und ließen es uns auch richtig gut gehen.

Da wir weiter in den Süden, also immer näher ran an den Äquator kamen, wurde es immer heißer, schwüler und stickiger. Das hielt uns aber nicht davon ab, laufen zu gehen oder bis zur bildhübschen Moschee am Wasser zu spazieren, wo sich Maria dann auch noch ein Kopftuch überwerfen durfte, um die Mosche auch betreten zu dürfen – steht ihr oder?

Rückblickend ist Malakka eine wunderschöne Stadt um durch die Straßen zu schlendern, das Streetart zu begutachten und die Kirchen und Moschees zu bestaunen.

MAGEMA Reisetipps Malaysia

  • KL bietet viele kulinarische Verführungen, diese wollen genutzt werden!
  • Auf der Helibar in KL den Sonnenuntergang bestaunen und im 57. Stock neben den Petrona Towers auf einen Drink gehen
  • Klopapier eingesteckt haben – immer und überall und nicht davon ausgehen, dass Klos damit ausgestattet wären
  • in den Malaysischen Highlands wandern gehen und als Abschluss in eines der vielen Teehäuser auf eine Teejause gehen (the Smokehouse)
  • sich auf das offene, multikulturelle Miteinander des Landes einlassen – von Mini-Rock bis Burka, von Schawarma über Weißbier bis hin zu Burger und chinesische Hot-Pots, in Malaysia ist alles möglich

Indonesien / Bali

Unser eigentlicher Plan war ja, dass wir Südostasien mit so wenigen Flügen wie möglich durchreisen. Als wir dann im Frühjahr die frohe Botschaft erhielten, dass sowohl meine (Maria’s) Eltern, also auch unsere Freunde, Peter, Phips und Marlies, im Juli nach Bali fliegen werden, musste früher als geplant ein Flug her.

Was mir vor unserer Reise nach Indonesien nicht bewusst war, bzw ich eigentlich erst verstand als ich mir später das Buch INDONESIA etc von Elizabeth Pisani gekauft habe: Indonesien ist mit 240 Mio Einwohnern, das viertgrößte Land der Welt im Bezug auf die Einwohnerzahl. Indonesien ist somit auch das größte Land der Welt mit der Hauptreligion Islam. Indonesien besteht aus 13.466 Inseln, welche über 360 verschiedene ethnische Völker und Kulturen, mit 719 verschieden gesprochenen Sprachen, beheimaten.

So divers die verschiedenen Inseln von Sumatra über Java bis Flores sein mögen, Bali ist nochmals eine komplett andere Welt:

Aufgrund des späten Fluges und der andauernden Einreisebürokratie checkten wir erst um 3 in der Früh in unser Hostel in Ubud ein und verbrachten den darauffolgenden Tag demnach sehr gemütlich und voller Vorfreude auf den anstehenden Besuch. Ein kleiner Rundgang durch die Stadt, die in allen Reiseführern und auf allen Blogs so hoch angepriesen wurde, ließ unsere Freude dann kurz mal ernüchtern: Autos, Mopeds, viele, viele Touristen und an jeder Ecke will dir jemand seine Taxidienste verkaufen oder dir Touren anbieten. Selbst auf unsere bewährte „maybe later“, vielleicht-später Antwort, waren die Ubuder gewappnet, und drehten kurzerhand ihr handgezeichnete Schild um, auf dem dann zu lesen war „or tomorrow?“ oder „honestly, I am the cheapest“. Das Ubud, welches viele Bekannte die Bali bereits vor 20-30 Jahren bereisten, kennengelernt haben, hat sich zu einer veganen Yoga-Touri Hochburg gewandelt. Das Städtchen hatte sicher einmal richtig viel Charme, mit seinen kleinen Gässchen, vielen Cafes, Restaurants und Tempel,… Wir trafen auf massenweise Touristen und Verkaufsstände. Der ewige Stau von Autos und Mopeds in den viel zu engen Gassen erinnerte leider mehr an eine Autobahn, als an ein charmantes Dörflein.

Unterwegs mit Freunden

Am nächsten Tag trudelten auch schon Peter, Phips und Marlies ein. Die Freude war riesengroß, als wir nach 3,5 Monaten Dreisamkeit, endlich wieder einmal (andere als unsere) bekannte Gesichter um uns hatten. An unserem ersten gemeinsamen Abend gab’s also genug zum Austauschen, Geschichten zu erzählen und sich einfach zu freuen, dass wir die folgenden drei Tage miteinander verbringen würden. Und um das Erlebnis zu intensivieren hatten wir gleich mal ein 6-Bett Zimmer für uns alle gemeinsam gebucht.

Da Marlies bereits im Vorjahr schon einmal auf Bali war, schnappten wir uns am kommenden Tag drei Mopeds und klapperten die naheliegenden Sehenswürdigkeiten, nach Marlies’ Plan ab. Die Straßen waren vom Verkehr wieder komplett überlastet, was unsere drei Fahrer nur weiter ansporn, sich gekonnt zwischen Autos, Randstein und LKW’s durchzuschlängeln. Wir durchkämmten die Bali-typischen Reisfelder, erkundeten den Tempel Pura Tirta Empul, wo wir zum ersten Mal mit einem Sarong eingekleidet wurden, und endeten dann bei einer Kaffee-Farm. Dort gab es erstmal eine kostenfreie Führung, wo wir auch die spezielle „Luwak-Kaffeekatze“ zu Gesicht bekamen, die dafür bekannt ist, Kaffeebohnen zu essen und ohne der bitteren Schale wieder auszuscheiden, so wird in Asien der berühmte (und teure) Luwak-Kaffee hergestellt. Natürlich wurde nach der Führung auch noch kräftig Kaffee und Tee verkostet, von besagtem Luwak-Kaffee über welchen mit Kokosnuss- und Vanille-Extrakten bis hin zu Tee mit Kurkuma-Geschmack konnte es exotischer nicht mehr werden.

Vor dem Abendessen starteten wir noch Richtung Monkey-Forest, eine Art Zoo, in dem es aber nur Affen gibt, die in diesem Park frei herum laufen können und natürlich ein Muss für einen jeden Touristen sind. Leider (oder zum Glück?!) sperrte der Monkey-Forest kurz vor unserer Ankunft dort zu und es halfen nicht einmal Peters eindringliche und „nein-resistenten“ Überredungskünste, dass uns der Typ am Ticketschalter noch hineinließ. So spazierten wir unverrichteter Dinge in die Innenstadt, auf der Suche nach einem passenden Restaurant. Das Gute daran, wenn man gerade daran gehindert wurde einen Haufen wilder Affen zu besichtigen – man sieht auf einmal überall welche! Von Dach zu Dach hüpfend, auf Stromkabeln kletternd und in der Regenrinne sitzend, große und kleine, scheue und zutrauliche: Nachdem wir uns extra noch eine Banane aufgehoben hatten, kam ein besonders zutraulicher gleich mal die Laterne herunter geflitzt und so schnell konnten wir garnicht schauen, war die Banane auch schon geschält, in den kleinen Mund mit sehr spitzen Zähnen gestopft und der Affe wieder am Dach oben. Näher wäre er uns im Monkey-Forest wahrscheinlich auch nicht gekommen.

Am nächsten Tag wurden wir um 8 Uhr morgens aus den Betten gerüttelt. Ich hätte es wahrscheinlich überhaupt nicht mitbekommen, wäre Marlies nicht auf einmal aus ihrem Bett gesprungen und hätte „Erdbeben!! Erdbeben!“ gerufen. Dann spürte ich es auch: das komplette Bett vibrierte und der Boden erzitterte. Wir zwei Mädels stürmten sofort raus aus dem Zimmer – ich noch komplett verschlafen – und sahen rüber zu den Hostel-Eigentümern, die komplett ruhig im Garten standen. „It’s okay, it will be over soon. You can go back inside.“ Na gut, Indonesier erleben so ein Erdbeben auch ständig und sind daran gewöhnt – für uns war das dann doch etwas ganz Neues und es dauerte noch ein paar weitere Sekunden an, bis sich die Erde wieder beruhigte. Im Laufe des Tages erfuhren wir dann auch, dass das Erdbeben eine Stärke von 5,7 hatte und das Epizentrum ca. 100 km vor der Küste Balis lag. Den restlichen Tag hatten wir noch im Hinterkopf, ob das Beben auch eine Tsunami-Warnung für Bali mit sich bringen sollte – tat es zum Glück aber nicht.

Wir wurden für den Tag sogar um nochmals 2 Personen mehr. Auf Wochenendlagern und Pfadfinder-Seminaren kennengelernt, seit 8 Jahren nicht mehr gesehen, aber auf Social Media weiterhin vernetzt, meldete sich Magdalena bei Martin: sie und ihr Freund, Christoph, seien auch gerade auf Bali und vielleicht geht sich da mal ein gemeinsames (Outdoor-)Programm aus. Somit waren wir nun zu acht unterwegs und düsten im Moped Konvoi zur „Hidden Canyon“-Tour, wo uns eine zweistündige Kraxelei über rutschige Steine und durch den reißenden Fluss führte. Mit einem aufgeschlagenen Knie und blutigen Zehen meinerseits (wir spazierten Barfuß durch den Canyon) endete die Tour noch bei Bier und Kokosnuss von einem grinsenden Einheimischen.

Den Nachmittag verbrachten wir dann in einem Strandcafe, wo wir u.a. für die kommende Nacht eine geführte Sonnenaufgangs-Wanderung auf den Mount Batur planten, die ein ganz besonders aussergewöhnliches Bali Erlebnis bieten sollte. Für diese Wanderung mussten wir um 2 Uhr morgens aufstehen, wurden um halb 3 abgeholt und starteten um kurz vor 4 mit einer Wanderung im stockdunkeln, um dann den Sonnenaufgang vom Berg aus betrachten zu können.

Für die Wanderung zu motivieren waren Magdalena und Christoph, Marlies, Martin und ich. Um ein paar Stunden Schlaf im Vorhinein zu bekommen, kam das Sandmännchen für Marlies und mich bereits um halb 10, Martin wollte mit den anderen Männern noch auf ein Getränk mit schauen. Heimgekommen ist er dann um kurz vor zwei – komplett aus der Puste, weil er um 10 Minuten vor 2 von der Bar los gestartet ist, seine Flip-Flops in die Hand nahm um zur Unterkunft laufen zu können und uns Mädls pünktlichst aufzuwecken. Es folgte eine einstündige Autofahrt zum Fuße des Berges und eine eineinhalbstündiger Aufstieg mit „hunderttausend anderen Individualisten“ (wie meine Mama sagen würde..;-)). Ungelogen waren es wirklich unzählige Menschen, die diese hochgelobte Sonnenaufgangstour auf den Mount Batur buchten und sich mit einem Tourguide und einer Mini-Taschenlampe erst durch Wälder und danach über Lavagestein und Vulkan-Schotter-Wanderwege in der Dunkelheit zur Spitze des Vulkankraters aufmachten.

Ohne Frühstück und in einer (meiner Meinung nach) viel zu hohen Wandergeschwindigkeit – vor allem für diese Uhrzeit – ging es steil und rutschig bergauf. Martin hat sich da meinen größten Respekt verdient, da er ohne Schlaf, dafür mit den unzähligen Getränken der letzten Nacht gestärkt, ohne zu sudern und mit bemerkenswerter Ausdauer vor mir her stapfte (Anm. Martin: was wäre von einem ehemaligen Soldaten der 1. Gardekompanie anderes zu erwarten?!?). Während des Aufstiegs bekamen wir (sehr unerwartet) noch ein weiteres Naturschauspiel geliefert:  die Mondfinsternis, die unsere Freunde in Europa verfolgten, sahen wir auch von der Südhalbkugel aus.

Nach eineinhalb Stunden kamen wir am Krater an, es war also noch immer Stockfinster und wir hätten den Weg sicherlich auch etwas langsamer zurücklegen können (ja, mich hat das wirklich beschäftigt…) dafür hatten wir Plätze in vorderster Reihe, da wir alle anderen überholt hatten. So saßen wir auf vorgefertigten Bänken, ließen uns für etwas Geld noch warme Decken andrehen und bekamen von unserem Tourguide heißen Tee und in Schwefel-Dampf gekochte Eier serviert. Es fühlte sich irgendwie an, wie die Osternacht zu Hause: 5 Uhr morgens, es war eiskalt, es gab gekochte Eier. Und dann kam das, worauf wir eigentlich gewartet hatten: der Sonnenaufgang. Langsam dämmerte es im Osten, zuerst wurde der Berg auf der Nebeninsel Lombok beleuchtet, dann reichten die Sonnenstrahlen langsam durch den leichten Nebel zu uns herüber – es war wirklich unglaublich schön! Manch anderer Tourist konnte sich leider nicht zusammenreißen und musste unbedingt lautstark Musik aufdrehen, obwohl die einzige Nummer, die man in so einem Moment hören möchte nur „Here comes the sun“ von den Beatles ist (oder eben die österreichische Version von STS).

Nach dem Abstieg gab’s noch herrliches Frühstück, mit Blick auf den Vulkankrater und dann hieß es auch schon Abschied nehmen von unseren Freunden. Für Martin, Georg und mich ging es an dem Tag weiter in den Nord-Osten Balis, ins Tauchparadies Amed.

Amed

Die Entscheidung, die nächsten drei Tage in Amed zu verbringen, hing hauptsächlich davon ab, dass Martin und Georg dort den „Open Water“ Scuba Tauchschein machten. Zweieinhalb Tage lang waren sie also komplett dem Tauchkurs verpflichtet – was mir sehr viel Zeit für mich brachte. In der Früh ging es zum Guten-Morgen Yoga mit traumhafter Sicht auf einen Vulkankrater, den schwarzen Strand und überhaupt über ganz Amed. Nach herrlichem Frühstück und dem gleichen Ausblick auf das kleine Dorf spazierte ich wieder zurück zu unserer Unterkunft, wo der Pool und die Hängematten mein Hauptaugenmerk für den Tag waren. Es wurde ein sehr gemütlicher Aufenthalt, mit gutem Essen und den sehr ruhigen und müden Reisekumpanen, die durch das Tauchen unter Tags und das Lernen für die Prüfung am Abend eher weniger von sich gaben.

Vorweg, dass es solch eine Schönheit Unterwasser überhaupt noch gibt – es war tatsächlich so wie man es aus Universum auf ORF2 kennt – hätte ich mir echt nicht gedacht. Aber beginnen wir von vorne: In der französisch geführten Tauchschule, was vor allem wegen der Lockerheit und dem Schmäh des Chefs positiv auf fiel, tat am Vormittag unser indonesischer Tauchlehrer „Yogi“ sein bestes, um uns in die Kunst des Tauchens einzuweihen. Schnell kam uns die Erkenntnis, dass die Tauch-, genauso wie die Surflehrer, wohl die Skilehrer des Meeres sein müssen. „Hey Bro, take it easy“ – sie verkörperten die Leichtigkeit die sie unter Wasser gewannen und das steckte sofort an. Ohne ins Detail zu gehen, am ersten Tauchtag aber bereits Nemos, Muränen und Schildkröten zu sehen sowie in einem versunkenen Wrack zu tauchen, hätte ich mir nichtmal im Traum erhofft. Trotzdem gingen wir mit dem nötigen Respekt an die Sache ran. Dass wir obgleich der an den Tag gelegten Lockerheit, abends – obwohl wir echt saumüde waren – noch die 5 Kapitel durch ackerten um für die Prüfung am nächsten Tag gewappnet zu sein. Wer Taucherfahrung hat, kennt das schwer beschreibbare Gefühl, in der Stille Unterwasser zu schweben, wer dieser Welt noch fremd ist und wenn sich die Möglichkeit bietet, dem würde ich es wärmstens empfehlen! 

Nach der bestandenen Tauchprüfung (Gratulation!) hatten wir noch einen ganzen Tag Zeit und schnappten uns wiedermal ein Moped und erkundeten die Gegend. Auf kurvigen Küstenstraßen, vorbei am dunkelblauen Meer und steilen Klippen ging es am Vormittag hauptsächlich bergauf bis wir bei dem Tempel mit dem berühmtesten Instagram-Fotospot überhaupt ankamen. Und wie sollte es anders sein: die Realität erschreckte uns! Beim sogenannten „Gates of Heaven“ standen hunderte Menschen Schlange, um „dieses eine besondere Foto“ machen zu lassen. Wer das Motiv nicht kennt, kann es gleich mal googeln und findet folgendes: jemand steht zwischen zwei Säulen und davor liegt ein See, in dem sich dieser jemand und die Säulen perfekt spiegeln, die meisten Personen machen dann noch eine aufregende (Yoga-)Pose – ein wundervolles Motiv. Das, was viele gar nicht wissen: diesen „See“ vor den Säulen gibt es gar nicht. Es sitzt einfach ein Mensch vor diesen Säulen, mit einem Spiegel in der Hand, der dir dein Foto genau so schießt, dass sich das Motiv perfekt spiegelt. Und das eigentlich perverse: Menschen stellen sich dafür bis zu 3 Stunden an um an dieses – eigentlich schon gefälschte – Bild zu kommen. Ich bemühe mich auch oft, ein richtig schönes Bild zu schießen – um zu posten oder auszudrucken – aber wenn es einmal so weit kommt, dass man sich für ein Motiv Stunden (!!) anstellt, dann frage ich mich, was mit dieser Welt verkehrt ist. Aber ja. Sei’s wie’s sei.

Wir besichtigten an diesem Tag auch noch einen Wassertempel, wo wir dann selber zu Posern wurden, und sahen wunderschöne Reisfelder, die so grün leuchteten, dass es fast kitschig war. Anfangs wunderten wir uns noch, dass wir neben den Straßen immer wieder kleine Käfige, teils befüllt mit Hähnen teils leer vorfanden. Später erfuhren wir, das auf Bali und besonders im Norden, Hahenkämpfe zu den beliebtesten Freizeitaktivitäten der Einheimischen zählen. Leider raubte uns die Aufgewecktheit der Hähne auch einige Stunden Schlaf.

Jimbaran

Wie bereits erwähnt wurde Bali eines unserer Reiseziele, weil uns meine Eltern dort besuchen kamen und weil wir nach fast 4 Monaten des Reisens und ständigem Ein- und Auschecken auch mal ein paar gemütliche Tage am Stück, am Strand verbringen wollten. (Jaaa zwischen Urlaub und Reisen liegt ein Unterschied, auch wenn wir dafür jetzt schief angesehen werden. 😉 Das Bereisen und Erkunden unbekannter Orte und Kulturen kann und darf auch richtig anstrengend sein.) So buchten wir eine schöne Unterkunft am Jimbaran Beach, nicht weit von der Unterkunft meiner Eltern entfernt. Und ich muss sagen: für 22€ pro Nacht in einem Dreibettzimmer, inkl. grandiosem Frühstück und nur 2 Minuten zum Strand lässt’s sich schon aushalten! Wir checkten ein und Martin und ich nahmen uns dann auch gleich noch einen Roller, um nach Ewigkeiten wieder einmal ins Kino zu gehen (ein echter König der Löwen-Fan setzt sich auch mal in Indonesien ins Kino!!) um danach meine Eltern vom Flughafen abzuholen. Wir haben zwar gut 2 Stunden gewartet (das Einreisen und das aufs-Gepäck-warten ist in der Touristenhochburg Bali nicht immer einfach) aber was soll ich sagen? Mama und Papa nach so langer Zeit wiedermal zu umarmen und sie selber abzuholen war mir einfach wichtig. Danke, Martin, dass du so lange mit mir gewartet hast! :-*

Wiedersehen nach 3,5 Monaten! ❤

Die kommende Woche war dann die chilligste, die wir bis dahin auf unserer Reise verbracht hatten: wir lagen täglich bei den Eltern im luxuriösen Intercontinental Resort am Strand (wenn die 2 schon mal quer um die Welt fliegen und die Südhalbkugel besichtigen, dann gönnen sie sich auch richtig!;-)) Wir schlürften Cocktails, genossen jeden Tag wunderbare Sonnenuntergänge und Abendessen am Strand und wurden mit gewünschten Produkten aus der Heimat ( a g’scheite Sonnencreme, Mannerwafferl, Linzer Torte (danke Oma!), Monatslinsen….) ausgestattet.

Weil Bali auch für seine Surfer-Strände bekannt ist und der Jimbaran Beach für Anfänger sehr gut geeignet ist, buchten Papa und ich nach ein paar Tagen extrem-chillens einen Surflehrer und 2 Boards und ließen uns die richtige Aufsteh-Technik erklären. Danach wurden wir 1 Stunde lange zum richtigen Zeitpunkt in die aufkommende Welle geschubst und wenn wir dann auch noch zum richtigen Zeitpunkt aufstanden, sahen wir schon fast wir Profis aus! 😉 Das schwierige ist nur, die Welle selber zum richtigen Zeitpunkt zu erwischen – und das machte zum Glück noch unser Surflehrer für uns.

Uluwatu Erkundungstour

Wir wollten natürlich auch die Gegend etwas kennenlernen, drum schnappten wir uns wieder einmal einen Roller – die Eltern auf dem einen, Martin und ich auf dem anderen (Georg genoss einen Tag für sich) – und düsten Richtung Uluwatu. Bali hat eine ähnliche Form (und sogar glaube ich Fläche) wie Oberösterreich, wenn man alles überhalb der Donau wegschneidet, als ohne dem schönen Mühlviertel sozusagen. Wenn man sich Bali also so vorstellt, dann ist Uluwatu das Salzkammergut – der Zipf, der schon ins Salzburgerland reinragt. Nur so zum Verständnis. Dieser Teil der Insel hat unglaublich viele schöne und auch noch teilweise versteckte, „unüberlaufene“ Strände, wie z.B. der Nyang Nyang Beach, wo man zuerst ca. 15 Minuten eine steile Schotterstraße hinunter spazieren muss, um die Schönheit des Strandes und das Meer selber erleben zu können. Die Wellen werden hier so wahnsinnig hoch, das hätte ich mir zuvor nicht vorstellen können. 

Noch höher – und ideal für richtige Profi-Surfer, die verstehen, wie sie das Brett verwenden müssen – sind die Wellen am Uluwatu Beach. Findet man den engen Durchgang durch Stein und Sand, so kommt man auf einen größeren Teil des Strandes, wo man sich wunderbar in der Sonne baden kann und einen romantisch-kitschigen Sonnenuntergang erleben kann.

Ein Ausflug auf Bali wäre nicht komplett, wenn man nicht mindestens über einen Tempel stolpert. Wir stolperten gleich über zwei: den Pura Segara Tegalwangi, ein kleinerer Tempel, mit einem weiteren sehr schönen Strand nebenbei, bei dem man aufpassen muss, dass einen die tosenden Wellen nicht selber ins Meer spülen. Folglich sind auch sehr wenige Menschen an diesem Strand und er ist nicht zum Baden geeignet.

Den zweiten besichtigten wir dann mit vielen vielen anderen Touristen: den Uluwatu-Tempel. Spaziert man an den Mauern des Tempels entlang, hat man einen wunderschönen Ausblick über das Meer, die Wellen und auf die imposanten Klippen. Ein weiterer Grund, warum es sich auszahlt, diesen sehr touristischen Tempel zu besuchen sind die vielen Affen, die sich auf den Wegen, im Wald, auf der Statue und im Brunnen(wasser) tummeln und sich auch mal in Pose werfen.

Martin wurde die Standliegerei dann doch etwas zu viel und so erkundete er den Mount Batur nochmal per MTB und feierte mit Georg im Uluwatu Cliffhouse zu den Beats des DJ’s ab.

Nusa Lembongan

Am letzten Tag unseres Jimbaran Aufenthalts verließ uns Georg frühmorgens, um sich Richtung Sumatra aufzumachen, wo er unsere letzten zwei Wochen auf Indonesien verbringen wollte. Martin und ich machten uns an diesem Tag mit den Eltern auf den Weg nach Nusa Lembongan, einer von drei kleineren Inseln, die noch zu Bali gehören und süd-östlich der Hauptinsel liegen. Jetzt stand uns erst das richtige Abenteuer bevor. Eine halbstündige Überfuhr mit einem der vielen Speedboat-Anbieter brachte uns auf die gewünschte kleine Insel und ein Mini-Lastwagen, dessen Ablagefläche mit Sitzbänken ausgestattet war, zu unserer Unterkunft – zwei einfachen, aber schönen Bungalows. Vier Nächte, würden wir auf dieser Insel verbringen, die per Brücke auch mit der zweiten kleinen Insel Nusa Ceningan verbunden ist.

Den ersten Tag wollte Martin gleich für einen weiteren Tauchgang nutzen – schließlich gehört der Open Water-Schein ja ausgenutzt! Bei der Buchung waren wir alle mit dabei und so schnell konnten wir garnicht schauen, hat die Tauchlehrerin Silvie meinen Papa um den Finger gewickelt gehabt und er meldete sich für einen Schnuppertauchgang an.

Die beste Vorbereitung, die man tätigen kann, wenn man vorhat Bali (oder irgendein anderes Südost asiatisches Land) zu besuchen: sich zu Hause noch einen internationalen Führerschein beim ÖAMTC ausstellen zu lassen. Weil dann steht einem nix mehr im Weg, ein Moped auszuborgen/zu fahren. Und das ist einfach auch das beste, um die Inseln zu erkunden und kennenzulernen (danke an meine Schulfreundin Kathi für diesen Tipp!) – anders (mit Bus oder Taxi) kommst du entweder nicht recht weit, oder nur sehr langsam voran.

Auch Nusa Lembongan und Ceningan haben bei einer Rundfahrt einiges zu bieten: Strände, Klippen, die „Devil’s Tear“, wo die Wassermassen brutalst gegen die Klippen schlagen, sowie die Blue Lagoon, in welcher das Wasser einen unnatürlichen, aber wunderschöne türkise Farbe annimmt. Außerdem die Mangroven-Bäume, die direkt im Meer wachsen und einen schaurig-faszinierendes Wasser-Labyrinth bilden.

Ein Nebenprotagonist, der auf Bali (bzw in ganz Asien) immer wieder eine Rolle spielt, der aber von Besuchern (seien es Instagramer, Blogger oder normale Touristen) immer in den Hintergrund gerückt wird, ist der Müll. Bei unserer Erkundungstour auf Lembongan blieben uns die Müllberge wieder einmal nicht erspart – abseits von Touristenströmen und Hauptstraßen türmen sich die Müllberge nur so.

wenn was nicht passt, wird´s passend gemacht

Lombok

Nach 3 Nächten Lembongan ging es wieder auf die Fähre – 2 Stunden Überfahrt nach Lombok standen an, die wir dann auch nach zweistündiger Verspätung aufnehmen konnten – aber wir hatten ja Zeit. In Lombok angekommen brachte uns dann auch noch ein Private Driver direkt zum Hotel. Das muss man den Asiaten schon hoch anrechnen: hat man mal eine Strecke zu einer neuen Unterkunft gebucht, wird man meistens vom Startpunkt bis zum Endpunkt chauffiert und irgendjemand wusste auch immer, wo wir als nächstes hin mussten oder bei wem wir uns zu melden hatten.

Am ersten Tag ging es in den Süden der Insel, wo wir uns einen idyllischen Strand und surfbare Wellen erhofften. Wir fanden beides – aber bereits die zweistündige Hinfahrt zum Strand ließ sich sehen: die Landschaft änderte sich vom satten Grün und den intensiven Reisfeldern, die wir aus Bali so gewohnt waren, in eine trockenere und farblich braunere Vegetation. Was wir immer wieder vergaßen: Australien war nicht mehr weit entfernt und die Landschaft war hier definitiv schon eher australisch, als asiatisch.  Am Strand angekommen stürmten gleich ein paar Surf-Lehrer auf uns zu, die uns nicht nur ihre Lehr-Künste sonder auch ihre Liegen verkaufen wollten und so bekamen wir Liegen direkt am Wasser und Mama und Martin auch noch in den Genuss einer Surf-Stunde. Die Wellen waren im Süden Lomboks zwar etwas kleiner, aber trotzdem ideal für uns Anfänger.

Am Abend gab’s Cordon Bleu und Bratwurst mit Sauerkraut zu Essen.  Warum? Weil es auf Lombok ein Restaurant gibt, das von einem Österreicher betrieben wird. Und weil Martin und ich schon etwas Sehnsucht nach heimischen Essen hatten, schleppten wir meine Eltern kurzer Hand dort hin.

Tags darauf stand endlich ein Schnorchel-Ausflug am Plan. Wir fuhren wieder in den Süden, wo es auch „Gilis“ (kleine Inseln) gab, die aber weniger berühmt und noch naturbelassener sind, als die Gilis im Norden. In einem der typischen indonesischen Fischerboote (sehr lang und schmal, mit links und rechts je einem Balance-Teil) ging es dann raus zur äußersten der drei Gili-Inseln. Mit einer Plastikflasche voller Brotstückchen und einem Loch im Schraubverschluss sprangen wir rein ins erfrischende Nass – und schon waren wir von Fischen aller Art umgeben. Große, kleine, blaue, gelbe, gestreifte, welche mit langen Nasen, welche mit grimmigen Blick. Die „trainierten“ Fische wussten: wenn da ein paar mehr Leute mit Plastikflaschen die Unterwasserwelt erkunden gibt’s auch was zu knabbern. Das Wasser, das durch das Loch im Deckel in die Flasche floss, machte das Brot schön patzig und man brauchte die Flasche nur etwas zu zerquetschen und schon schoss Brot aus der Öffnung und man war von Fischen nur so umzingelt.

Mit Papas Schnorchel-Erfahrung trauten wir uns gleich mal um einiges weiter hinaus als die anderen Schnorchel-Touris, was uns in tieferes Gewässer und zu noch bunteren Korallen und Fischen führte – und dann sahen wir auch zum allerersten Mal einen blauen Seestern. Wahnsinn! Zu toppen war dies nurmehr mit meinem persönlichen Highlight des Schnorchelns: Clownfische, die aus ihrer Anemone raus und wieder rein schwammen. Diese „Nemos“ einmal in ihrem ursprünglichem Lebensraum zu sehen war wiedermal ein Punkt auf meiner Bucket-Liste, der erst während des Erlebnisses selbst entstand und dann gleich darauf abgehackt werden konnte. (Wie so vieles auf dieser Reise.) Nach einem Mittagsstopp auf der mittleren Gili-Insel endete die Tour auf der kleinsten der drei Inseln mit der letzten Möglichkeit noch einmal die Schnorchel-Ausrüstung anzulegen und ab zu tauchen.

Nachdem ich bereits am ersten Tag bei der Heimfahrt von der Klimaanlage im Auto attackiert wurde, hütete ich am Abend und am nächsten Tag das Bett, pumpte mich mit Mamas Wundermittel voll und ruhte mich einmal so richtig aus. Martin, Mama und Papa schnappten sich am nächsten Tag zwei Mopeds und erforschten Lomboks Wasserfälle, Dschungel und Reisfelder.

Am letzten Abend unseres Lombok Aufenthalts speisten wir noch bei einem Italiener. Pizza und Pasta – so wie es sich das Herz und der Magen erwartet. Gute Speisen tun auch dem Gemüt gut und das brauchten wir auch für den kommenden Tag, der einer der anstrengendsten unserer bisherigen Reise sein sollte….

Es wurde halb eins mittags am Abfahrtstag und (pünktliche Österreicher wie wir sind) saßen wir fix und fertig bei der Rezeption. Aber wir warteten vergeblich. Es wurde 1 und kein Fahrer kam. Unser häufiges Nachfragen brachte auch wenig, da der Rezeptionist wenig Englisch sprach – irgendwann (und nach häufigem bereits energischem Auffordern, er solle doch beim Fahrer anrufen, wass denn da los sei) rückte er damit heraus, dass auch das Speedboat sich verspäten würde und deshalb noch  kein Fahrer da war. Na, wenigstens etwas… Irgendwann kam dann doch jemand, der uns abholte und zum neuen Hafen brachte. Nach kurzem Check-in und nachdem wir wiedermal Sticker mit unserer Zieldestination auf unsere T-Shirts geklebt bekamen, erfuhren wir, dass es jetzt wieder retour zu Autos und Taxis ging, die uns zu dem Hafen brachten, wo unser Speedboat ablegte. Dazu kurz eine Erklärung: Lombok hat vor kurzem einen neuen, wunderschönen Hafen gebaut, wo sich nun zwar die Büros der Speedboat-Anbieter befinden, die Anlegekosten aber so teuer sind, dass kein Boot anlegen will und man erst recht wieder den alten Hafen anfährt.

Gut, wir luden unser Gepäck wieder in genau dasselbe Auto ein, mit dem wir bereits her chauffiert wurden und weiter ging es noch eine gute dreiviertel Stunde zum „echten“ Hafen und gleich darauf ging die Fahrt los.

…kurz vor der Überfahrt von Lombok zurück nach Bali war die Welt noch in Ordnung 😉

Zwei Stunden lang schipperten wir über das raue, wellige Meer – und diese zwei Stunden waren welche der schlimmsten, die ich je durchgemacht habe. Ich stehe ja eigentlich gar nicht auf Achterbahnen, Simulatoren und wildes herumgerüttle. Aber dies alles wollte uns das Meer zu diesem Zeitpunkt anscheinend bieten. Die Wellen waren drei bis vier Meter hoch, immer wieder knallte das Boot mit einem Karacho auf die Wellen, dass man glaubte zwei Bretter stoßen aneinander. In der ersten Reihe kotzte sich eine Frau die Seele aus dem Leib. Die Mannschaft ging mit Kotztüten durch. Neben mir saß ein Mann, der bei jedem Aufschlag sein Gesicht verkrampfte und sich irgendwie komisch auf seinem Sitz positionierte, oder gar ganz am Boden hockte – er wurde von Kreuzweh geplagt. Ob dir Speiübel ist, oder ob du Kreuzweh hast – diese Bootsfahrt war nicht einmal für uns, die von diesen Problemen verschont wurden, lustig. Und sie hörte nicht auf. Irgendwann packte mich ein wütender Heulkrampf, weil ich einfach wollte, dass es aufhörte. Dass es ruhiger wurde. Dass sich der Horizont nicht in steilstem Winkel auf und ab bewegte und dass es nicht ständig einen lauten Knall gab. Zwei Stunden dauerte diese Horrorfahrt an. Vor Nusa Lembongans Hafen kamen wir dann zum stehen, Gäste wurden mit einem Beiboot an Land gebracht und neue Gäste stiegen ins Boot ein. Kotztüten wurden ausgetauscht und alle Passagiere atmeten einmal auf. Bis auf einmal ein weiterer Knall ertönte – ich saß gerade auf dem Schiffsklo (ganz normal, mir war nicht schlecht oder so..) aber mich konnte auch nichts mehr erschrecken zu diesem Zeitpunkt. Ich ging zurück zum Platz, Martin und meine Eltern schauten mich etwas gebannt an. „Was ist los?“ fragte ich. „Das Beiboot ist uns gerade seitlich rein gekracht, deshalb hat es diesen Knall gegeben.“, war die Antwort. Noch immer sahen sie mich unsicher an. „Ja was und jetzt sinken wir oder wie?!“ Wie gesagt, mich konnte zu diesem Zeitpunkt nix mehr aus der Ruhe bringen. Nein. das Boot sank natürlich nicht. Aber die Mannschaft konnten wir dann auch nicht mehr ernst nehmen. Das letzte Stück von Lembongan nach Bali war ein bisserl ruhiger und ging auch schneller vorüber.

Angekommen am Hafen in Sanur, Bali – wohlgemerkt drei Stunden später als ursprünglich geplant – wurden wir wieder von einem Fahrer abgeholt. Die Fahrt begann erstmal mit einem massiven Stau und unser Wunsch, doch über die Stadtautobahn zu fahren (die zwar etwas kostet, aber das würden wir sogar übernehmen) wurde mit einer Handbewegung des Fahrer abgetan. 

Da meine Eltern während der Tage auf Lembongan und Lombok einen Teil ihres Gepäcks im Intercontinental Resort gelassen hatten, wir die letzte gemeinsame Nacht aber in einem anderen Hotel am Jimbaran Beach verbrachten, stand auf unserem Ticket erstmal nur „Jimbaran Central“ – den Rest sollten wir uns mit dem Fahrer ausmachen, hieß es noch in Lombok. Tja da hatten wir die Rechnung leider ohne den Fahrer gemacht. Drei Stopps hatte er auf seinem Zettel geschrieben. Zwei Hotels (für zwei Pärchen, die auch in unserem Mini-Bus saßen) und einmal „Jimbaran Central“. Ich erklärte ihm, was ausgemacht war und dass drei von uns bitte zum Fox Hotel und einer zum Intercontinental musste und dass diese Hotels ja eh auf dem Weg Richtung Uluwatu (wo die dritte Adresse lag) lagen. Englisch sprach er sehr wenig und zurück kam immer nur der Deut auf das Zettelchen, diese drei Adresse fuhr er ab, nicht mehr und nicht weniger. Bei der ersten Adresse angekommen probierte ich es nochmal (und da wir uns in der Gegend schon auskannten, wusste ich genau, dass die Weg über unsere Hotels wirklich kein Umweg war): er solle bitte hier nicht umdrehen sondern einfach die Straße entlang fahren. Er ignorierte mich und setzte seinen Umdreh-Vorgang fort. Da riss mir der Geduldsfaden: er solle jetzt bitte sofort aufhören umzudrehen, wir haben einen ewig langen Tag hinter uns, eine Scheiß-Bootsfahrt und es war mit der Boots-Gesellschaft ausgemacht, dass wir einen direkten Taxidienst zu unserer Unterkunft hatten und nicht einfach irgendwo hinein nach Jimbaran. Wer mich kennt, kann sich diesen Wutausbruch ganz gut vorstellen. Martin spielte einen auf „Good-Cop“, probierte mich zu beruhigen und die Sache diplomatischer zu lösen und meine Eltern hielten sich aus der Sache eher raus. Der einzige Kommentar meines Papas war nur (zu den anderen Mitfahrern gerichtet): „Yes, that’s my daughter!“ Und es klang fast ein bisserl stolz. 😉 Diese Tochter schaffte es nämlich, dass der werte Herr Taxler wirklich über unsere zwei gewünschten Hotels fuhr und wir komplett fertig um halb 8 Uhr abends (statt wie geplant um 4 Uhr Nachmittags) in unserem Hotel einchecken konnten.

Canggu

Ich hatte mir bereits, bevor wir nach Bali reisten, eine Unterkunft in Canggu gesichert. In dieser wurden auch täglich verschiedenste Yoga-Stunden angeboten. Martin war sich zu diesem Zeitpunkt noch nicht sicher, ob er in unserer letzten Woche eventuell noch Balis Westen oder sogar Java noch besichtigen wollte. Schließlich ist Bali nicht Indonesien und auf Java bekommt man sicher noch einiges mehr vom „eigentlichen“ indonesischen Lifestyle mit. Im Endeffekt buchte er für die ersten drei Nächte auch ein Hostel in Canggu, und wollte dann weiter überlegen.

Canggu ist bekannt für Yoga, Surfen (von Kite- und Windsurfen bis hin zum Wellenreiten), Partys und in der weiteren Umgebung für ein paar Reisfelder und einem Tempel, der auf einem Stein im Wasser gebaut wurde. Hier traf mich dieser „Yoga-Vegan-Raw“ Lifestyle ziemlich hart: meine Unterkunft beinhaltete ein paar Schlafsäle, Yoga-Räume, einen Pool und auch ein Veganes-Restaurant. Nur Vegan. Keine einzigen tierischen Produkte auf der Speisekarte. Was für die meisten Besucher(innen) wahrscheinlich ein Traum war, ich konnte mir jedenfalls in dieser Zeit, in der mich auch etwas Heimweh plagte und Martin auch nicht in direkter Nähe war, besseres vorstellen, als mich von veganen, meistens auch noch rohen Speisen, zu ernähren. (Anm.: Jeder soll sich bitte so ernähren wie er/sie möchte – mir persönlich ist vegan auf Dauer einfach zu „wenig“, is so.)

Veganes Frühstück

Der erste Abend in Canggu endete dann letztendlich in der Old Man’s Bar, wo sich ziemlich viel abspielt. Die Tage darauf verbrachten wir viel mit Schreiben für den Blog und gute Cafés suchen, wo es zumindest nicht nur vegane Speisen gab, sondern der Cappuccino auch mal mit echter Kuhmilch getoppt war und im Salat ein Ei drinnen sein durfte. Mmhh – guad! Ich probierte allerlei lustige Yoga-Stunden aus, wobei ich während dieser Woche draufkam, dass mir diese Sportart einfach zu einseitig ist. Schnell fand ich ein Tanzstudio und tanzte mir bei einer Stunde Hip-Hop und zwei Tage später bei Beyoncé alles Heimweh aus dem Leib – Tanzen ist einfach Balsam für meine Seele, und es tat extrem gut nach so langer Zeit wieder einmal eine Choreographie einzustudieren. 

Martin wechselte nach den ersten drei Tagen in seinem Hostel auch in meins, wo wir uns dann gemeinsam in der Früh das vegane Frühstück (an das wir uns dann doch irgendwann gewöhnten) zu Gemüte führten.

Highlights des Aufenthalts in Canggu waren auf jeden Fall:

…die Bier-Pong Meisterschaften im Old Man’s. Bei der Martin mit zwei deutschen Jung-Fußballern antrat und von den Aussies (die glaub ich nix anderes machen als Trink-Spiele zu spielen) ziemlich rasch rausgespielt wurden.

…wir trafen einige Österreicher (es war ja schließlich Haupturlaubszeit). Unter anderem eine Freundin von Andrea aus dem Mühlviertel, die wir in der Mongolei und China kennenlernten, was soll ich sagen, die Welt ist ein Dorf!

…Martin borgte sich noch einmal ein Surfbrett aus und beschloss dann, dass Radfahren trotzdem weiterhin sein Lieblingssport bleiben wird.

…Martin und ich probierten „Aerial Yoga“ aus, bei dem man mit speziellen Yoga-Hängematten Yoga macht. Man hängt hier sehr oft Kopfüber und nach der Stunde war mir etwas übel. Witzig ist diese Art des Yogas aber auf jeden Fall!

…am vorletzten Tag borgten wir uns noch einmal ein Moped aus, mit dem wir durch wunderschöne Reisfelder fuhren, beschlossen, den Wassertempel nicht mehr zu besichtigen, nach Kuta-Beach fuhren um diesen berühmten Strand auch noch gesehen zu haben und am Schluss bei einem Art Dorf-Fest inkl Streed Food Market endeten, wo wir seit Ewigkeiten wieder einmal köstlichstes vietnamesisches Ban Mih aßen.

Bali hat einiges zu bieten- gut Essen gehen zu können, gehört auf jeden Fall dazu!

MAGEMA Tips für Bali:

  • Gleich vorweg: wer auf der Suche nach dem Bali von vor 25 bis 30 Jahren ist, nach dem unberührten Fleckchen, ist hier auf der falschen Insel gelandet. Vor allem in der Hauptreisezeit (in der auch wir unterwegs waren) ist diese Insel komplett überlaufen.
  • Am Jimbaran Beach unbedingt in einem der vielen Strandrestaurants Abendessen – hier ist es günstig und es gehen auch immer wieder Live-Musiker durch, die dir einen Song aus der Heimat spielen (oder einen von den deutschen Nachbarn, wenn sie keinen österreichischen Song kennen). Außerdem ist das Essen günstig, die Portionen groß und die Variationen von Meeresfrüchten und Fischen gibt’s hald z’Haus sicher nicht.
  • Eine Surfstunde nehmen (Jimbaran Beach hat ideale Wellen dafür) – eine Stunde inkl. Neoprenshirt, Surfbrett und Lehrer kostete uns umgerechnet 14€ pro Person und wir standen gleich beim ersten Versuch in der Welle – das Gefühl ist einfach ein Wahnsinn!
  • Schöne Plätze, wie (fast) verlassene Strände oder untouristische Reisfelder muss man meistens etwas länger suchen – es lohnt sich aber auf jeden Fall.
  • Um diese „geheimen“ Plätze zu finden eignet es sich am Besten einfach ein Moped auszuborgen und die Insel zu erkunden.
  • Die Plätze, Strände, Tempel etc. die von Bloggern und Instagramern so sehr beworben wurden, und die Bali eigentlich zu diesem Must-Sees vieler Menschen gemacht haben, sind weniger erstrebenswert an zu peilen, da eben alle anderen auch dort hin pilgern.
  • Fans von Yoga und veganem Essen, die sich mit anderen Fans von Yoga und veganem Essen austauschen möchten sind hier Goldrichtig! Meistens sprechen die anderen auch noch die gleiche Sprache!
PS: Nasi Goreng zum Frühstück schmeckt gar nicht schlecht

Vietnam I

Vorwort

Nach den Wolkenkratzer-reichen Metropolen Chinas und Hong Kongs landeten wir nun endlich in im grünen und ab der ersten Minute viel ländlicher wirkenden Vietnam. Doch ehrlich gesagt wussten wir vor unserem Landeanflug, so wenig wie noch nie zuvor was uns erwarten würde. Das Land kannten wir ja bislang nur aus Hollywood Kriegsproduktionen und vielleicht noch von den wie-wasche-ich-dieses-Kleidungsstück-Markerl.

Nach 4 Wochen des Reisens, von den nördlichen Grenzbergen zu China bis hin in das südliche Mekongd Delta, haben wir so viel von diesem Land, der Kultur und den Menschen die hier leben gelernt und lieb gewonnen. Knackig zusammengefasst würde ich das Land heute wie folgt beschreiben: 

Unglaublich vielfältig: tiefster Dschungel und unberührte Natur in den Bergen, menschenleere, türkise Sandstrände, pulsierende Großstädte mit bestem Cafe, freundlich-neugierigen Leuten und nicht zu vergessen: saftige Früchte und eine hervorragende & gesunde Küche. 

drei Vietnam Fans

Warum wir dieses Land so liebten

Die Franzosen brachten in ihrer Kollonialzeit viel ihrer Architektur und Kulinarik mit nach Vietnam – das ist mitunter der Grund, warum es an jeder Straßenecke Baguettes/Sandwiches, die köstlichen „Banh Mihs“, gibt. Das mit Fleischpastete, Huhn oder Rind, Salatgurke, frischem Gemüse, manchmal mit einem Spiegelei und vor allem mit viel frischem Koreander gefüllte Baguette ist der ideal Happen für zwischendurch, geht aber genauso gut als Frühstück und Mitternachts-Snack vor dem nach Hause gehen.

Ban Mih. ❤

In meiner Lobhymne für dieses Land darf nicht fehlen mit welcher wunderschönen und abwechslungsreichen Natur und Landschaft dieses Land gesegnet ist. Die türkisblauen Strände mit ihren Palmen und Palmsonnenschirmen sind unter Tags bis die Vietnamesen selbst kommen menschenleer. Die Berge rund um die Ho Chi Minh Pfade geprägt von sattgrünem Urwald wie aus dem Dschungelbuch und einer prächtigen Höhlenwelt. Dazu später mehr.

Das Essen ist frisch, leicht und sehr Gemüse und Fisch/Meeresfrüchte lastig. Ganz egal ob wir eine Cooking Class oder eine geführte Tour machten oder ob wir einfach so mit Einheimischen gesprochen hatten, eines kam immer schnell zur Sprache: die Vietnamesen, sowohl Männer als auch Frauen, sind sehr stolz darauf, schlank zu sein und das betonen sie auch immer wieder. „Wir kochen mit wenig Öl, wir wollen ja nicht dick werden“. „Wir Vietnamesen kochen sehr gesund, deshalb sind wir auch so schlank – habt ihr schon mal einen dicken Vietnamesen gesehen?“ Ja so ging das dahin, wenn es ums Essen ging, aber es war auch wirklich gesund und äußerst köstlich!

Früchte, Fruchtshakes und Kokosnüsse an jeder Ecke, zu vernünftigen Preisen. – Und ja klar, diese gibt’s zB auf Bali auch, aber in Vietnam tranken wir unsere erste frische Kokosnuss, deren Fruchtfleisch man im Gegensatz zu Bali-Kokosnüssen auch aufessen kann. Die Märkte quellen über vor Früchten die wir zuvor noch nie gesehen hatten und doch schmecken alle etwas anders UND alle werden auch hier angebaut.

Wusstet ihr, dass Vietnam weltweit der zweitgrößte Kaffeeproduzent ist? Bei dem kräftigeren und auch in tieferen Höhenlagen wachsenden Robusta Kaffee schlagt keine andere Region der Welt dieses südostasiatische Land. Und wo so viel Kaffee herkommt, da gibt es auch die verschiedensten Sorten und Ausbaustufen zu verkosten. Das geht vom weihnachtlich schmeckenden Egg Coffee, über den klassischen (Eis)Kaffe mit süßer Kondensmilch, bis hin zum exquisiten Wieselkaffee, welcher zuerst die Reise durch den Darm einer heimischen Katzenart macht und dadurch veredelt wird. Wer uns kennt, weiß, wir haben alle drei Kaffee sehr gerne und kommen vielleicht gemeinsam schon auf ein paar Hektoliter, doch den besten Kaffee ever (bis jetzt), durften wir in Ho Chi Minh genießen.

Kaffeeanbau in Vietnam

Süd-Nord oder Nord-Süd?

Wenn du durch Vietnam reist und nicht nur für ein bis zwei Wochen Zeit hast sondern ein ganzes Monat, dann gehst du das Land entweder vom Süden nach Norden oder vom Norden nach Süden an. Logisch, wenn man die Form des Landes kennt – schon mal gesehen? West-Ost wie in Österreich oder Russland hat da wenig Sinn. Nachdem es nur diese zwei Möglichkeiten gibt, trifft man auf seiner Route auch schnell mal Reisende, die man schon im vorigen Ort getroffen hat, oder man holt sich Tipps von jenen, die gerade von dort kommen, wo du am nächsten Tag hinfahren wirst – praktisch oder?

Da wir von Hong Kong nach Hanoi folgen, verlief unsere Route von Norden nach Süden, um euch mit diesem Bericht nicht zu überrumpeln, haben wir ihn wieder in zwei Beiträge aufgeteilt: Beginnend in Vietnams Norden, von Hanoi bis nach Hue handelt dieser Beitrag. Der zweite beschäftigt sich weiter mit dem südlichen Teil, mit Hoi An, Da Lat und Ho Chi Minh (Saigon).

Hanoi

In Hanoi köderte uns ein Hostel mit Pool. Lage mitten in der Altstadt, was sich später als Epizentrum der Pubcrawls und Partys herausstellte.

Der Party-Backpacker Culture-Shock erwischte uns eiskalt: Gratis Bier von 18-20 Uhr danach Happy Hour bei Long Island und Gin Tonic für umgerechnet 2,50 Euro anstelle des regulären Preises von 3,50 Euro. In guter Gesellschaft von vor allem Australiern, Amerikanern und Briten ging’s für uns gleich am Ankunftstag zu einem der feucht-fröhlichen Pubcrawls. Mit diesem beließen wir es auch für Hanoi, auch wenn wir bald darauf erfuhren, dass es in unserem Hostel jeden Tag einen Pubcrawl gibt und wir diesem doch auch jeden Abend, natürlich kostenfrei, beiwohnen könnten. Einmal reichte uns aber, anscheinend sind wir nicht so Partyresistent wie Australier, die wirklich jeden Abend bis in die frühen Morgenstunden wild feierten – oder sind wir einfach schon alt? Nein, bestätigte uns eine 24-jährige Schweizerin, ihr wäre jeden Abend Pubcrawl und Party auch zu viel. 😉 Glück gehabt, doch nicht alt.

Von unserem Pubcrawl Guide erfuhren wir am nächsten Tag, dass er vor 4 Monaten doch auch „nur“ Gast in unserem Hostel abgestiegen war und bei der Halong Bay-Tour zu stark feierte und daraufhin einen Job angeboten bekam. Seit dem leitet er jeden Tag die Pubcrawls und verdient sich so neben freier Logie und Drinks auch genug für das alltägliche Leben in Vietnam dazu. Wir lernten noch einige Reisende – oder sollte ich schreiben Aussteiger, wenn oftmals auch nur temporär geplant – mit ähnlichen Geschichten kennen, diese also exemplarisch für diese Sparte.

Googlet man nach Bildern von Hanoi, stößt man häufig auf Bahngleise die direkt durch die engen Gassen verlaufen. Und tatsächlich gibt es diese Train-Street, wo sich Kaffees, so wie alle Gastronomien Streetfood-Style auf der Straße oder wo immer nur möglich ausbreiten, nur hier muss eben zur vollen Stunde zurückgeruckt werden wenn der Zug kommt:

Neben Essen stand ausserdem noch eine „Hanoi like a Local-Tour“ am Programm, gebucht über die App WithLocals. So können sich lokale Tourguides oder Studenten mit Touristen verbinden und austauschen. Wir erfuhren also mehr über das tägliche Leben in Hanoi, über die Wohnungssituation, den Verkehr, den Gang zum Tempel und vieles mehr. Somit wurden uns gleich eine Vielzahl von Fragen über das Land beantwortet…

Natürlich probierten wir in Vietnam, so wie einst Barak Obama das typische Gericht Bun Cha.

Bun Cha

An unserem letzten Abend in Hanoi gab sich ein Bild, sicherlich lustig anzusehen: wir tranken Bier in der Hostel Lobby, wäre ja angesichts der täglichen Pubcrawls jetzt nichts außergewöhnliches, jedoch starrten wir intensiv in den Laptop um uns den Livestream der Österreichischen Parlamentssitzung anzusehen (bei uns war es aufgrund der Zeitverschiebung ja auch schon Abend). Das war sozusagen unser „Staffelfinale“ des österreichischen Regierungskrimis.

Halong Bay und die Insel Quan Lan

In Hanoi waren wir nach zwei langen Wochen wieder mit unseren niederländischen Freunden, Giel und Anouk vereint. Die beiden Weltreisenden, die ja eine ähnliche Süd-Ost Asien Route hatten wie wir, haben sich länger in Chinas Süden aufgehalten und dann ganz zufällig dasselbe Hostel (Pool sei dank) in Hanoi gebucht, wie wir.

Im Bus mit Anouk und Giel

Weil es Anouk und Giel (genau so wie uns) auch schon an den Strand zog und sie dem Tipp eines Freundes auf die von Reiseführern sowie Touristen unentdeckte Insel „Quan Lan“ zu fahren nachgingen, reisten wir ihnen kurzentschlossen einen Tag später nach. Leider hatten wir uns auf die tatsächlichen Busfahrzeiten der vietnamesischen Busse zu diesem Zeitpunkt noch nicht akklimatisiert und somit verpassten wir die Fähre (die nur 1x pro Tag fährt) um 5 Minuten und wir blieben noch eine Nacht länger am Festland, genauer gesagt in Halong, der Hafenstadt zur berühmten Halong Bay, welche sich durch die Ernennung zu einem der Weltwunder der Natur weltruhm erlangt hat und heute dementsprechend von (Party)Schiffen belagert wird. Die Insellandschaft ist aber ohne Zweifel (auch bei diesigem Wetter) einfach traumhaft schön anzusehen.

Wir verbrachten den gewonnen (bzw für Pessimisten den verlorenen) Rest vom Tag damit wiedermal ein Packerl für zu Hause zusammen zu stellen: diverse Geburtstags- & Baby-Geschenke, Postkarten, warmes Gewand und überflüssige Gepäckstücke fanden den Weg zum Postamt – und hier gehört mal die vietnamesische Post gelobt: das Päckchen war nach ca einer Woche zu Hause in Österreich angekommen, während von dem Päckchen, welches wir 4 Wochen zuvor in China aufgegeben hatten, noch jede Spur fehlte…

Am nächsten Tag ging es dann mit einem Speedboat eine Stunde lang Richtung Insel, wo wir mit riesigen Golf-Wägen, die Platz für 10 Personen hatten, abgeholt wurden. Relativ schnell war für uns klar, warum die Insel wenig bis gar nicht touristisch war: es gab hier einfach nix. Natürlich, wir hatten einen Strand, der bis 3 Uhr am Nachmittag ziemlich leer blieb, bis Einheimische und vietnamesische Touristen dorthin pilgerten. Streundende Hunde und tausende Krebse waren dafür ganztägig anwesend. Das Restaurant bei unserem Hotel drehte uns um 10 Uhr abends das Licht ab und im Gegenzug dafür um 6 Uhr früh die vietnamesische Ballermann Musik richtig laut auf und die lief dann den ganzen Tag. Für Vietnamesen war diese Insel anscheinend ein beliebtes Urlaubsziel, für uns hatte die Insel aber weniger zu bieten.

Wir machten also erstmal die Erfahrung: nicht alles, was untouristisch und unentdeckt ist, ist dafür geeignet von uns entdeckt zu werden. Wer sich im Norden Vietnams eine Insel ansehen möchte, sollte einfach auf Cat Ba fahren, da fährt zwar sonst auch ein jeder hin, dafür sind die Hotels und Restaurants auch darauf eingestellt. 😉

Zwischen Krebserl und strendenden Hunden, der Strand auf Quan Lan

Demnach es nicht viel zu unternehmen gab, es öfter regnete und Martin mit der Gesamtsituation unzufrieden war, verbrachten wir zwei faule Tage gemeinsam mit unserem niederländischen Pärchen auf der Insel und machten uns danach mit der Fähre wieder zurück nach Halong und Hanoi um uns ein Transportmittel zu suchen, welches uns weiterbrachte nach:

Maria: Unverzagt und vollbepackt, trotz Regen und wenig Plan, wohin’s jetzt weitergeht.

Phong Nha

Um nach Phong Nha zu kommen stiegen wir zum ersten (aber ganz bestimmt nicht zum letzten) Mal in einen der vielen vietnamesischen Nachtbusse ein, die einfach toll sind! Diese Halb-Liegebusse, wie sie bezeichnet werden, kann man sich so vorstellen: in der Art wie Etagenbetten werden drei Reihen gebildet, jeweils eine am Fenster und eine in der Mitte, und ganz hinten gibts natürlich 3 Sitze nebeneinander – für die coolen Kids (also uns). Auf jedem Sitz, den man beliebig aufrecht und waagrecht verstellen kann, gibt’s einen kleinen Polster und eine Decke, wie hygienisch die sind weiß ich nicht, will ich aber auch gar nicht wissen. Dann hat man eine gemütliche 6 bis 10 Stunden Fahrt vor sich, in der man (als Asiat oder kleinerer Europäer) sogar die Füße ausstrecken kann. Für Georg waren die Fahrten weniger angenehm, weil er der größte von uns dreien ist. Für Martin und mich ging’s ganz gut, wenn man sich ein bisserl in Embryo-Stellung bringt.

Die letzte Reihe im Bus wird bekanntlich von den coolen Kids eingenommen!

Uns brachten diese Busfahrten hauptsächlich Vorteile: man „verliert“ durch die Fahrt keinen Tag, weil man oft über Nacht fährt und meistens ein paar Stunden Schlaf bekommt und wenn man Glück hat, wird man sogar aufgeweckt, wenn man kurz vorm Ziel ist. Die einzigen Herausforderungen bleiben: den Bus zu erwischen, das richtige Abfahrts-Büro zu finden und nach dem Ausstieg zu checken, wo das Hostel liegt, vor allem weil wir oft zu irgendeiner viel zu frühen morgendlichen Zeit am Zielort angekommen sind.

Phong Nha aus Sicht der Drohne

So fuhren wir um 5.30 Uhr in Phong Nha ein und hofften auch wirklich, wie besprochen, abgeholt zu werden. Alles easy, der Fahrer tauchte nach ein paar Minuten aus dem nebengelegenen Hotel auf, zwar noch sehr verschlafen, genau wie eine junge Frau, die uns – noch im Snoopy-Pyjama – zu verstehen gab, dass uns der Herr zu unserer Unterkunft bringen wird. Dort wurden wir auch von einer sehr verschlafenen Vietnamesin im pinken Herzerl-Pyjama begrüßt und bekamen glücklicherweise auch sofort unsere Zimmer zugewiesen, wo wir dann noch ein paar Stunden Schlaf bekamen. Den Rest des Tages verbrachten wir gemütlich, auch wenn wir von unseren Hostel Mamas ca 10 Mal gefragt wurden, ob wir heute schon eine der vielen Höhlen-Touren machen wollen oder für den nächsten Tag gleich eine buchen wollen. Außerdem verstanden sie überhaupt nicht, warum wir gleich 5 Nächte bei ihnen bleiben werden, normalerweise bleiben die Gäste hier ein bis zwei Nächte, um den nahegelegenen Dschungel und vor allem die Höhlen der Gegend zu Erkunden. Was wir fünf Tage lang in dieser Gegend unternehmen wollten, blieb ihnen ein Rätsel. Aber wer würde hier nicht länger bleiben wollen?!