Kolumbien

Lieber Blogleser, liebe Blogleserin, solltest du glauben, diesen Artikel gach – in der Arbeit, im Bus oder beim Frühstückskaffeetrinken – lesen zu können, muss ich dich leider enttäuschen: Über dieses südamerikanische Land an der Karibik- SOWIE Pazifikküste, haben wir so einiges zu berichten:

Noch ein Vorwort zu dem Offensichtlichen: ja, es hat uns fast ein Jahr gedauert diesen Blogartikel fertigzustellen. – Warum? Weil wir mittlerweile wieder im „normalen“ Leben angelangt sind, mit allen Höhen und Tiefen die dieses aussergewöhnliche Jahr 2020 mitgebracht hat. Weil unsere Weltreise und vor allem die Wochen durch dieses wunderbare Land beim Tippen dieser Zeilen allerhand Emotionen bei uns ausgelöst haben, welche ich nicht so einfach nebenbei niederschreiben konnte noch wollte.

In der Welthauptstadt des Salsas – auch Cali genannt – gelandet, zog es uns relativ schnell weiter. Von den verschiedensten Seiten bekamen wir die Empfehlung nicht zu lange in Cali zu verweilen. Um es mit den Worten meines früheren Chefs auszudrücken: „Kolumbien hört sich ja verwegen an“ – treffender könnte man es glaube ich auch nicht beschreiben. Kolumbien genießt ohne Frage einen schlechten Ruf, bei der Generation unserer Eltern und deren Eltern und Netflixseidank auch bei den jüngeren. Die Eindrücke, die Geschichten und Erlebnisse die wir auf unserer Reise bekamen, waren durchwegs viel freundlicher und durch die Bank positiv – die Wahrheit liegt wahrscheinlich irgendwo in der Mitte, zu naiv darf man dem Land bestimmt nicht begegnen. Zwischenzeitlich bereute ich es, keinen längeren Aufenthalt in der Gegend rund um Cali geplant zu haben, nach ein paar Geschichten auf die ich am Ende noch eingehe bin ich wiederum froh. Ich glaube, dieses Land kann man aus zwei völlig verschiedenen Blickwinkeln betrachten und es klaffen die Schönheit der Natur, Tierwelt, Freundlichkeit der Menschen auf dessen Gegenteil, vielleicht noch krasser als anderswo.

Nach unserer Landung in Cali schnappten wir uns also, etwas eingeschüchtert, gleich mal einen Bus und fuhren weiter in die Berge. Genauer gesagt in eine Region die bekannt ist für seinen köstlichen Kaffee und grüne Hügeln – auf denen sich die Palmen befinden, die gefühlt dem Himmel noch näher sind, als die Spitze des Stefansdoms: Filandia & Salento.

Busfahrt

Ich muss gestehen, dass wir stets sehr ausführlich über unsere Transportwege berichtet haben, vielleicht für manch einen Geschmack zu ausführlich. Jedoch nimmt – neben dem erleben der vielen Eindrücke – das eigentliche Vorankommen einen sehr großen Teil des Reisens ein und ist oftmals auch so sehr anders als daheim. Dass das Reisen mit dem Bus in Lateinamerika einfach ist, hatten wir ja schon in den letzten Blogs angemerkt – doch Kolumbien toppt es bei weitem. Kaum am Busbahnhof/Flughafen angekommen, treten einem (meist) Scharen von Männern entgegen, die dir noch die letzten Restplätze der schon bald abfahrenden Busse vermitteln wollen. Sprich, du wirst bereits beim Eingang abgefangen, zum richtigen Ticketoffice und Abfahrtsort des Busses gelotst – und oftmals sind diese Last Minute Restplätze sogar billiger, als wenn du sie im Internet zuvor buchen würdest. Anfangs überwog noch die Skepsis, doch da es jedes Mal astrein funktionierte, können wir dieses System nur weiterempfehlen.

Nicht unüblich ist es zudem, dass bei einer Station oder manchmal auch einfach bei einer roten Ampel, Musiker in den Bus hüpfen, zwei-drei Lieder performen, dann nochmal mit dem Hut durchgehen und wieder raushüpfen – verkürzt auf jeden Fall die Busfahrt und hinterlässt neben einem leichterm Geldbörserl auch einen Ohrwurm (natürlich en espanol).

Filandia

Nach einem intensiven Reisetag, (Flug von Santiago de Chile nach Cali, Bus von Cali in die Innenstadt, Bus von Cali nach Armenia, Bus von Armenia nach Filandia) waren wir nun endlich in Filandia angekommen – doch noch keineswegs bei unserer Unterkunft. Diese befand sich nämlich nochmal 30 Autominuten entfernt in dem kleinen Dorf La India, wo wir gleich mal keine andere Wahl hatten, als ein für die Gegend typisches Willy-Jeep-Taxi auszuprobieren. Man springt hinten auf den Jeep – oftmals auch zu zehnt und los geht die wilde Fahrt durch die Hügellandschaft.

Wir waren angelangt mitten im Nirgendwo und vielleicht war es genau deshalb dort so schön. Da störte es uns nichtmal, dass wir in dem (wie es in unseren Köpfen eingebrannt war – gefährlichsten Land unserer Reise) keinen Schlüssel für die Unterkunft bekamen. Der Hund des Hauses wachte vor unserer Tür. Die kommenden Tage genossen wir das etwas kühlere Klima in den Bergen, machten einen Walk durch den Dschungel, suchten (vergeblich) nach Affen, buchten eine Kaffeetour inkl. professioneller Verkostung und planten einen Tagesausflug zu den Waxpalmen nach Salento – ins nahgelegene Valle de Cocora.

Dieses Dörflein lädt dazu ein die Seele baumeln zu lassen, bei chhugos /jugos/ Säften aus frischen Früchten, Kaffee und reichhaltigem Essen. Nur Maria war zwischendurch etwas enttäuscht – da der Kaffee der vor Ort serviert wurde, gar nicht so in das Bild passte, wie sie sich den Kaffee in einem der wohl bekanntesten Kaffeeanbauländer vorgestellt hätte – aber seht selbst:

Salento und die Waxpalmen

tatsächlich Waxpalmen und nicht Wachspalmen, wie manch einer von uns gedacht hat – weil sie ja so hoch in den Himmel wachsen. Eine schöne Wanderung über viele Hängebrücken bei der wir Kolibris, eine Forellenzucht und natürlich die imposanten Waxpalmen bestaunen konnten.

techo

Volkssport in Kolumbien ist das sogenannte Techo. Es erinnert vielleicht etwas an Eisstockschießen, wohl auch, weil man das Techofeld gratis benützen darf solange man Bier bestellt. Was zu einer ähnlich ausgelassenen Stimmung beiträgt, wie ihr euch vielleicht vorstellen könnt. Was versteckt sich nun hinter diesem Begriff? Auf einem Lehmfeld wird ein Brieflein mit Schießpulver in die Mitte gesetzt und jeder Spieler bekommt eine Wurfscheibe aus Metall (ähnlich geformt wie der Puck beim Eishockey). Wer kann’s erahnen wie man gewinnt? Richtig, derjenige der mit seinem Wurf das Brieflein zum explodieren bringt, hat die Runde gewonnen. Als wir den Hinterhof der Spielunke betraten, spielten schon einige Männer – in einer Hand die Metallscheibe, in der anderen fest das Bier umschlossen. Bei ihnen hörte man es jede Runde mal knallen. Bei uns knallte und stieg – in den drei Stunden Spielzeit – insgesamt sechs Mal rauch auf. Lustig ist es dafür allemal.

Zu jenem Zeitpunkt hörten wir auch erstmalig von einem Virus der das Jahr 2020 definieren sollte. In der internationalen/österreichischen Presse war es damals noch ein Problem der Chinesen. Bei der Ankunft in Medellin/ Ende Jänner poppte auf den Infoscreens des Busbahnhofes bereits eine Warnung dazu auf, es wurde geraten Abstand zu halten und sich die Hände häufiger als sonst zu waschen.

Medellin

Die Heimatstadt von Lord Voldemord, wie unser Guide Puablo Escobar während unserer Tour nannte. Nicht zuletzt durch die Netflix Serie Narcos durfte Medellin einen regelrechten Besucherhype erfahren.

Maria wollte ihre weiße Gringohaut noch etwas in der Sonne baden bevor es für sie in einer Woche heimgehen würde, deshalb flog sie von Medellin gleich weiter in die Karibik nach Santa Marta.

Und so wurde aus MAGEMA erstmals ein männliches GEMA-Duo, in der vielversprechenden Stadt Medellin.

Unser Hostel befand sich – genau wie die meisten anderen Hostels – im Stadtteil Poblado, oder einfach nur „Gringoland“ genannt. Noch vor 10 Jahren war Medellin bzw die Communa 14 zur zweit gefährlichsten Stadt der Welt ernannt worden – heute pilgern Touristen geradezu dort hin. Wir machten ein free-walking-tour in die Communa 14 und erfuhren allerhand über die Veränderung, und sahen die farbenfrohen Schauplätze mit eigenen Augen, wo 10 Jahre zuvor noch die Militärhubschrauber täglich kreisten.

In Medellin einer Stadt 2,5 Mio Einwohner gibt es übrigens über 500 Fußballplätze.

Medellin hat sich weltweite Bekanntheit bei den digital Nomads gemacht – also all jenen, die ortsunabhängig mit ihren Macbooks arbeiten können und das auch tun. Die Bar-, Club- und Restaurantvielfalt in Medellin hat das natürlich beeinfluss – sie floriert. Ich würde sogar behaupten, dass das kulinarische Angebot leicht mit den Nightlife Bezirken in Europa, Rom, Wien, Barcelona, Amsterdam, etc. gut mithalten kann.

Und wir waren mitten drinnen! 😉

Von Medellin aus bietet es sich an, einen Tagesausflug in das hinter den Bergen gelegene bunte Dörfchen Guatape zu machen – mit seinem imposanten Hausberg in mitten der Seenlandschaft.

„MA“ alleine in Santa Marta

Während sich die Jungs in Medellin intensiver mit Pablo Escobar und der dunklen Geschichte Kolumbiens beschäftigten, flog ich – erstmals ganz alleine im Zuge dieser Weltreise – weiter in den Norden Kolumbiens: an die Karibik-Küste, in die kleine Stadt Santa Marta. Die ist zwar nicht wirklich hübsch, mein Plan war aber eh nicht, als blonde, weiße, junge Frau alleine dort herum zu spazieren. Ich quartierte mich in einem Hostel ein, wo ich in den kommenden Tagen zu Tagestouren direkt vom Eingang abgeholt wurde und am Abend wieder „abgegeben“ wurde. Einfach und unkompliziert. (Und für einen kleinen Feigling wie mich perfekt. ;-))

Gleich an meinem ersten Tag alleine ging es mit einem Sammeltaxi und zwei Mädels aus den Niederlanden in das Dschungeldörfchen Minca. Am Programm stand: Dschungel, Kaffee, Kakao, giftige Tiere, Bambus, Wasserfall, Essen. – Alles was man in Kolumbien einfach erlebt haben muss. Der Dschungel-Walk war ein Spaziergang, der uns relativ rasch zu einer Kaffeefarm führte, wo mir bereits zum dritten Mal auf unserer Reise die Kaffeebohne, der Prozess des Trocknens und Röstens erklärt wurde und ich die Verkostung vollziehen durfte.

„Mmh. Guada Kaffee.“

Maria – immer wenn sie einen extrem guten Kaffee trinkt.

Das eigentliche Highlight für mich auf dieser Kaffeefarm war aber eindeutig ein Vogel, den ich insgeheim seit Weihnachten sehen wollte. Genauer gesagt seit dem Tag, an dem ich erfuhr, dass die argentinischen Jungas (wo wir Weihnachten verbracht haben) der natürliche Lebensraum von Tukans ist. Tja und dann saß er auf einmal da: bunt, mit keckem Blick und wunderbar exotisch! Und er scheute nicht vor einem Selfie mit mir zurück – mein Lieblingspromi. ❤

Weiter ging es Richtung Fluss, und schon folgte mein zweites Highlight der Tour: eine Ananaspflanze, Ich muss zugeben, ich war stark begeistert – ich mag zwar die süße, gelbe Frucht, aber ich habe mir noch nie ernsthaft Gedanken gemacht, wie sie wächst. Wirklich, es hat mich einfach nie beschäftigt. Und dann sah ich sie auf einmal vor mir und war komplett baff. Meine Tour-Gruppe lachte mich beinahe aus: Jetzt reise ich seit 10 Monaten um die Welt und habe noch keine Ananaspflanze gesehen….

Nach diesen zwei Highlights gab’s eine Erfrischung im Fluss, mit einem natürlichen Spa im Wasserfall inkl. Peeling und einer Stein-Wasserrutsche. Nachdem wir in unserer Reisegruppe irgendwie nur zu viert waren, die dieses Spa richtig ausprobierten, hatten wir auch unglaublich viel Zeit unser Peeling zu genießen und uns vom Wasserfall massieren zu lassen.

Wir genossen noch gemeinsam die aufgetischten Köstlichkeiten und probierten Schokolade in seiner reinsten Form, der aber mit Zucker gemischt werden musste, damit er auch wirklich genießbar war.

Abgeschlossen wurde die Tour durch einen kurzen Info-Vortrag über Bambus als Baumaterial und über alle giftigen Tiere, die in den kolumbianischen Dschungel lebten. Etwas beunruhigend war die zweite Thematik – die von Schlangen über Spinnen bis hin zu Skorpionen reichte – schon, vor allem als es darum ging, wie schnell man an deren Gift sterben könnte. Ich muss schon sagen: zu diesem Zeitpunkt flammte wieder eine starke Vorfreude auf ungefährlicheren Wälder Österreichs auf.
Die Tour ging zu Ende und wir wurden wieder von unserem Taxifahrer die kurvigen Straßen nach Santa Marta gebracht. Nachdem wir zu viert (die 2 Niederländerinnen Anouska und Thuy, ein Mexikaner namens Fernando und ich) ein sehr lustiges kleines Grüppchen waren, und unser Tourguide uns vom Salsatanzen am Hauptplatz von Santa Marta vorgeschwärmt hatte, trafen wir uns auch am Abend wieder.
Den Weg vom Hostel zum Hauptplatz legte ich alleine zurück – zwar war es noch nicht komplett dunkel, aber es dämmerte schon und sobald ich die Straße des Hostels verließ, beschlich mich ein etwas nervöses Gefühl: ich, als blonde, weiße Frau alleine in der Dämmerung in Kolumbien – dem wahrscheinlich gefährlichsten Land, welches wir auf unserer Reise besuchten. Zum Glück musste ich nur 2 Straßen queren, bis ich vom Hostelviertel ins Touristen- und Barviertel kam und schon war ich umringt von Restaurants, Bars und vielen Menschen, sodass mein ungutes Gefühl rasch wieder verschwand.

Nach ein paar Cocktails (schließlich war Happy Hour und 1+1 Gratis…) und einer Portion Nachos con Queso überkam uns die südamerikanische Tanzlust und schon ging es auf den nächsten Rooftop um zu den Klängen von Shakira, Los del Rio und Don Omar zu tanzen, bis die Füße schmerzten. Neben dem Tanzen kam ich gleichzeitig auch nicht mehr aus dem Staunen heraus: die Südamerikaner*innen rings um uns bewegten sich mit einer Leichtigkeit, als würden sie nie etwas anderes tun: die Art, mit der sie ihre ausladenden großen Tanzbewegungen, die Hüftschwünge und rasant trippelnden Beine bewegten wirkte locker aber bewusst durchgeführt. Da fühlte ich mich wie ein Elefant im Porzellanladen – nur beim Makarena-Tanz brillierte ich mit gekonnten Schritten (Fasching sei Dank!!!). Da kam sogar eine Südafrikanerin auf mich zu um ihre Begeisterung auszusprechen. 😉
Meine Einzige Bedingung für ein längeres Fortgehen war: eine Begleitung zurück zum Hostel, weil mir ein Alleingang mitten in der Nacht durch eine kolumbianische Stadt doch zu unsicher war. Einen Mexikaner an meiner Seite zu haben war da durchaus von Vorteil.

Nach einer langen Nacht, aber wenig Schlaf war ich um sieben Uhr morgens wieder gestellt: auf zum nächsten Programmpunkt! Und zwar hieß es heute: wandern im paradiesischen Tayrona-Nationalpark, entlang der karibischen Küste, zwischen Palmen, Strand und Steinen und ein paar Afferln. Immer wieder überholten uns schwer bepackte Pferde, die Touristen an die Strände trugen, die nicht gerne 4 Stunden in der Hitze auf und ab wandern wollten. Ich muss schon sagen – kurz überlegten meine 3 Mit-Wanderer und ich auch, ob wir uns jeder so ein Pferd leisten sollten… Wir hielten aber Tapfer durch und ich konnte mich ausgiebig mit einem Amerikaner über Trump, American Politics und die Präsidentschaftswahlen im November unterhalten – da vergehen 4 Stunden wandern auch relativ rasch. Außerdem wurden wir immer wieder mit einer wunderbaren Aussicht belohnt, die man auch gehend gut genießen konnte:

Nach diesen zwei durchgeplanten Tagen genoss ich meinen letzten ganzen Tag in Santa Marta bei frischen Früchten und der wunderbaren Karibik-Sonne, bei einem Stadtbummel und am Pool. Am Tag darauf ging es nämlich mit dem Bus weiter nach Cartagena, einem touristischen Magneten weiter westlich von Santa Marta und dort sollten auch in zwei Tagen Martin und Georg wieder zu mir stoßen. Mit Shakira im Ohr und Vorfreude auf das Wiedersehen, aber auch schon auf die baldige Heimreise nach Österreich sog ich noch so viel Sonne & südamerikanischen Flair auf, wie es nur möglich war.

Cartagena

Mein Bus brachte mich wieder einmal fast direkt vor das Hostel. Nur die gut besuchte Touristenstraße mit Frucht-, Gewand- und Souvenier-Ständen musste ich alleine durchwandern. Aber kein Problem – ich war ja gerade voll aufs „Solo-Traveln“ eingestellt und fühlte mich selbstbewusst und sicher. 😉 Das Hostel lag zentral, zwischen den vielen bunten Hausfassaden, für welche Cartagena so bekannt ist – und es war riesig: der Schlafsaal bestand aus Einzel- und Doppelbettkojen und es waren immer 3 Kojen übereinander gestapelt – durch die Vorhänge hatte man trotzdem seinen eigenen Rückzugsort. Wie viele Personen in diesem Schlafraum platz hatten weiß ich nicht, aber es waren bestimmt über 30 Kojen….

Cartagena war perfekt zum Bummeln, Souveniers-Shoppen und um Kaffee und frische Fruchtsäfte zu genießen und das tat ich dann auch um mir die Zeit zu vertreiben, bis die zwei Jungs am nächsten Abend ankamen. Ich zählte gleichzeitig auch schon die Tage, an dem mein Flug nach Hause ging; und innerlich platzte ich fast vor Vorfreude, weil ich es (so gut es ging) für mich und eine engere Auswahl an Personen behalten wollte. – Irgendwie war es einfach mein Wunsch, die Faschingsgilde einen Abend vor unserem Faschingsumzug zu überraschen. Und da musste ich mich auf ein paar kleine Notlügen stützen, damit ich mir die Überraschung nicht selber zerstörte.

Als Ablenkung schloss ich mich am nächsten Morgen gleich mal einer Free-Walking Tour an und erfuhr in der Hitze der Stadt einige interessante Details über die Vergangenheit Cartagenas. Dass die Hafenstadt zuerst von den Spaniern kolonialisiert wurde und danach immer wieder gegen Engländer, Franzosen und Piraten verteidigt werden musste, auch für Sklavenschiffe war der Hafen ein wichtiger Anlaufpunkt. Die errichteten Stadtmauern zum Beispiel wurde alleine durch Sklavenarbeit erbaut – das gibt einem schon ein eher ungutes Gefühl, wenn man darauf herumspaziert. Neben den bunten Hausfassaden fallen einem beim Vorbeigehen auch immer wieder große, dekorative Türknäufe in verschiedensten Formen auf: Meerjungfrauen, Salamander und Löwenköpfe zeigen, dass diese Häuser früher von sehr einflussreichen, mächtigen Menschen bewohnt wurden (mehr dazu weiter unten von Martin). Außerdem sind die Kolumbianer sehr stolz auf ihre „Miss Colombia“, die jährlich neu in Cartagena gekrönt wird – eine bildliche Auflistung aller Senioritas Colombia seit 1947 prägt den Plaza de la Proclamation.

….und dann wurde wieder einmal getanzt – die Kolumbianer schaffen es einfach nicht, die Beine still zu halten. 😉

Dafür war es dann endlich Zeit für unsere Reunion – Martin und Georg checkten im Hostel ein. 😀 Und gleich wurde weiter spaziert, Cartagena erkundet und die karibische Kulinarik genossen:

Cartagena kurz zusammengefasst: eine Altstadt am Hafen und der Touristenmagnet Kolumbiens. Nach wie vor haben wir die Verkaufsanpreisungen der Standler im Ohr: „cerveca, gaziosas, weed, cocaina – best in town, trust me…“ / Bier, Kracherl, Marihuana, Kokain, das beste der Stadt, glaub mir. Für Martin und Georg war Cartagena die erste Stadt an der Karibik-Küste, da sie die Tage davor noch in Medellin verbrachten und sie waren sichtlich erfreut über das Meer, die köstlichen Früchte und das Karibik-Feeling.

Am letzten gemeinsamen Tag mit Maria erkundeten wir nochmals die Stadtmauern, bummelten durch die bunten Gassen und kauften Souvenirs. Am Abend machten wir noch einen Tanzkurs über den Dächern der Altstadt. Zu lateinamerikanischen Klängen lernten wir anfangs einfachere und danach schon anspruchsvollere Schritte und tanzten uns in den Sonnenuntergang. Wir lernten Salsa, Champeta, Cumbia und Merengue und probierten unsere Beine annähernd so locker zu bewegen, wie unser Tanzlehrer… 😉

Wir ließen den Abend bei ein paar Cocktails ausklingen – aber irgendwie wollte bei mir (Maria) nicht wirklich eine Partystimmung aufkommen. War es, weil ich am nächsten Tag meinen Flug nach Bogota antrat und somit dem Ende meiner Reise wieder ein Stück näher war? Oder waren es vielleicht doch die neuen, hohen Sandalen, die meinen Füße Qualen bereiteten? Ich weiß es nicht – jedenfalls machte uns zumindest noch unser Hostel-Eigener Whirlpool eine Freude, den kosteten wir dann noch bis zur Sperrstunde aus.

Ein wunderbares Frühstück mit herrlichem kolumbianischen Kaffee, intensives Rucksack einpacken sowie umpacken, damit auch einiges von Martins und Georgs Sachen auch schon den Weg nach Österreich fanden, so gestalteten sich die letzten Stunden in Cartagena. Nachdem sich für mich dann relativ spontan eine Taxi-Fahrgemeinschaft zum Flughafen aufgetan hat, war ich kurzzeitig überfordert mit der Verabschiedung von Martin und Georg, dem Stress in den engen Gassen die Autos und auch die netten Menschen, die mich noch zu sich ins enge Taxi ließen, nicht warten zu lassen. In diesem Moment war mir auch überhaupt nicht bewusst, dass ich Martin erst wieder in einem Monat sehen werde und auch Georg, der ja überhaupt noch nicht wusste, wann er wieder heimkehren wollte. Außerdem war es für mich noch kein „Ende“ der Weltreise, da noch zwei Tage Bogota bevor standen – nur die Jungs haben wirklich schon gecheckt: das ist vorerst das Ende von MAGEMA World – für sie bleib nurmehr MAGE World.

…und schwupp, dann war sie weg.

„MA“ in Bogota

Also aus meiner Sicht war ich „weg“ vorerst nur aus Cartagena und von meinen beiden männlichen Begleitern, in Kolumbien war ich ja noch für zwei weitere Nächte. Und so flog ich von Cartagena, was ca zwei Meter über dem Meeresspiegel liegt, nach Bogota, auf 2640 Meter über dem Meeresspiegel.

Ich Glückskind: 2 Tage in Bogota und dann auch noch Autofreier-Tag, also kein Smog und wunderbares Wetter!

Dass die Luft in Bogota dünner war, als in Cartagena, merkte ich bereits beim Stufensteigen im Hostel, ich war gleich einmal schneller außer Atem, als ich mein letztes Bett auf dieser Reise bezog.

Die Hauptstadt Kolumbiens ist mit seinen 7,4 Millionen Einwohnern (plus einer erheblichen Dunkelziffer an Einwohnern) doch um einiges größer, als die letzten Städtchen, die ich besichtigte. Somit stieg ich vom Bummeln aufs Busfahren um, wobei man sich schon alleine beim Einsteigen in den Bus und auf den Busstationen wie in einer U-Bahn vorkam:

Na zum Glück hab ich keine Klaustrophobie.. 😛

Um mich in der großen Stadt zurecht zu finden, schloss ich mich gleich einem Australier an, der sich im Großstadtdschungel und dem Busstations-Labyrinthen schon ein bisschen besser auskannte. Ziel war wieder einmal eine Free Walking Tour, die einerseits Lust darauf machte, noch ein bisserl länger in diesem spannenden Land zu bleiben, gleichzeitig aber die Vorteile von Europa und unserem Sicheren Österreich ins Gedächtnis rief. Eines der Highlights der Tour war die Verkostung von Chicha, einem Bier aus dem Andenraum, welches schon von den Inkas getrunken wurde. Übersetzt bedeutet Chicha so viel wie „Spuckebier“, weil es ursprünglich aus der Fermentation verschiedener Pflanzen durch Speichel entstand.

Am Nachmittag ging es für mich noch in das berühmte Goldmuseum, El Museo del Oro, mit der größten Sammlung an prähispanischer/präkolumbischer Goldschmiedekunst der Welt. Einerseits wurde das Museum an allen Ecken und Enden der Stadt in den höchsten Tönen gelobt, andererseits empfahl uns auch unser Free Walking-Tour-Guide, dass Museum zu besuchen und so schloss ich mich der Gratis-Führung an. Aus Geschichtlicher Sicht, war das Museum dann wirklich spannend. Die Artefakte alleine zu besichtigen hätte mir wahrscheinlich nicht so viel Spaß gemacht, aber mit ein paar Legenden über El Dorado aufgepeppt, machte die Führung auf jeden Fall etwas her. El Dorado ist ein sagenhaftes Land aus Gold, welches irgendwo in Südamerika liegen sollte, aber niemals gefunden wurde. Viele Europäer kamen aufgrund der Geschichten deshalb im 16. Jahrhundert nach Südamerika – um El Dorado zu finden. Dass immer wieder uralte Artefakte aus Gold gefunden wurden, ließen die Geschichten nicht weniger werden…. Und natürlich spielten auch Kokablätter in dem Museum eine Rolle, die im Andenraum ja quasi immer schon gekaut wurden und um den etwas berauschenden Effekt der Pflanze zu verstärken wurde zu den Blättern auch noch zerstampfte Korallen gekaut. Mahlzeit!

Um halb 12 in der Nacht erinnerte mich die Fluggesellschaft, dass ich mich für meinen Heimflug in 24 Stunden bereits einchecken konnte. Und dann wurde ich nervös. Der perfekte Sitzplatz musste her: bisher vermied ich es immer am Fenster zu sitzen, da es Martin oder Georg eh mehr Spaß machte, hinaus zu schauen, aber eigentlich wollte ich die heimische Landschaft schon von oben betrachten, nach so langer Zeit. Nah am Klo sollte der Platz auch sein und zurücklehnen wollte ich mich können, ohne, dass sich hinter mir jemand beschwert. Irgendwann konnte ich mich für einen Platz entscheiden und dann schlief ich garnicht mal so schlecht ein. 😉

Ich hatte an meinem letzten Tag noch bis zum Abend Zeit, weil der Flieger ja erst um kurz vor Mitternacht ging und somit schnappte ich mir wieder meinen Australian Boy (ich weiß leider wirklich seinen Namen nicht mehr…. shame on me..) und es ging zum Wahrzeichen Bogotas: Monserrate. Nachdem wir uns generell schon auf 2.600 Meter über dem Meerespiegel befanden und noch weitere 600 Höhenmeter hinauf mussten, stiegen wir bequemer Weise in die Standseilbahn – die aber sowas von steil war, dass mir das Gehen kurzzeitig fast lieber gewesen wäre. Der Spaziergang auf 3.200 Metern Höhe zeigte meinen Lungen aber, dass die Standseilbahn eindeutig die Richtige Entscheidung war. Dank des autofreien Tages, der zufällig an diesem Tag war, hatten wir eine wunderbare Aussicht über ganz Bogota! Man muss sich das mal vorstellen: auf einer Fläche von 1775 m2 wohnt fast die gesamte Einwohnerzahl von ganz Österreich! Ein Wahnsinn.

Am Nachmittag schloss ich mich noch einmal einer Tour an und kam aus dem Staunen über die beeindruckenden Graffitis der Stadt nicht mehr raus. Unter anderem hat sich der österreichische Graffitikünstler Nychos hier in Bogota verewigt, der mit seiner anatomischen Bildsprache seine traumatisierte Kindheit verarbeitete.

Ein sehr nahegehendes Graffiti war jenes, welches die Körperumrisse von Dilan Cruz auf einer Straßenecke Calle 19, sowie seinen Namen rings um an jeder Hauswand zeigten. Der 18-jährige Gymnasiast wurde 2019 bei einer Protestbewegung für bessere Bildung in Kolumbien von der staatlichen Polizei von hinten erschossen. Je genauer man hinsieht, desto mehr erzählen die verschiedenen Graffitis. In den meisten Fällen steckt ein gesellschaftspolitisches Statement dahinter, welches man als Reisender nur durch Gespräche mit Einheimischen oder Tourguides herausfindet.

Die Zeit verging an diesem Tag irgendwie anders als normal – ganz komisch. Nach der Grafitti-Tour machte ich mich wieder auf den Weg Richtung Hostel und suchte mir noch ein Restaurant zum Abendessen – Hunger hatte ich zwar keinen aber wie sonst, sollte die Zeit bis zur Fahrt zum Flughafen vergehen?

Der Australier musste zum Glück auch gegen acht Uhr abends zum Busbahnhof und da der Flughafen in der gleichen Richtung lag, gründeten wir eine Fahrgemeinschaft. Wisst ihr eigentlich, wie schwer es mir fiel, KEINE Fotos zu posten oder jemandem zu schreiben, dass ich gerade am Flughafen war? Dass ich in wenigen Stunden meinen letzten Flug antrat? Ich platzte innerlich fast vor lauter Vorfreude. Dazu kam auch noch, dass mir viele Freunde auch schon schrieben: wie schaut’s aus, schaffst du es noch zum Faschingsumzug?

Tja, zum Glück gab’s im Flugzeug kein WLAN und die Flugzeugfilme Coco, The Joker und A Star ist Born fragten nicht, sondern unterhielten mich einfach.

Zurück zu MAGE World – zurück nach Cartagena, nachdem Maria die beiden Männer alleine zurück gelassen hat:

Da Maria ihren Heimweg angetreten hatte, wandten wir uns gleich mal dem leiblichen Wohl zu. Wir buchten einen Kochkurs, bei dem frischer Fisch aus der Karibik und erstmalig frittierte Empanadas aufgetischt wurden. Es war ein Kochkurs in Cartagena also durften weder Musik noch Tanzeinlagen fehlen. .

Cooking class auf kolumbianisch

Mein persönliches Highlight in Cartagena war denke ich der Malkurs, den wir über die gleiche Agentur gebucht hatten wie bereits den Koch- und Tanzkurs. Cartagena ist berühmt für seine bunten Häuser der Altstadt und deren verschiedensten Türklopfern. Eine Meerjungfrau als Türklopfer bedeutet zum Beispiel, dass in diesem Haus ein Händler oder Seemann wohnt, der Salamander steht für eine direkte Verwandtschaft mit der Königsfamilie und der Löwe zeugt von Mut und Macht. Ich spielte bereits zuvor mit dem Gedanken eines dieser Gemälde zu kaufen, die an jeder Ecke verkauft werden. Dass Georg und ich, gemeinsam mit 3 Mädls aus Estland, selbst so ein Kunstwerk hinzauberten, gefiel mir daher um so mehr (man beachte das schöne aerodynamische Rad vor dem Tor).

Als krönenden Abschied, buchten wir noch eine Piratenrundfahrt in den Sonnenuntergang. Piraten – nicht aus dem Grund weil es ein Piratenschiff gewesen wäre, wie ich mir das vorgestellt hätte, eher noch weil wir so viel Rum wie die gesamte Mannschaft von Jack Sparrow an Board bekamen.

Was mich an diesem Land so faszinierte? Viel öfter als in jedem anderen Land der Welt wurden wir auf der Straße aus heiterem Himmel angequatscht. Klar, einige Male davon wollte man uns Drogen verkaufen, doch mindestens genauso oft ergaben sich interessante und erheiternde Gespräche. Die Kolumbianer scheint es heiß zu interessieren, warum Touristen heutzutage so gerne ihr Land bereisen.
Als Beispiel bei der Bushaltestelle in La India bei Filandia (in diesem winzigen Dorf!) sprach uns ein schon etwas älterer Herr an, der gerade einen Sack frische Kaffeebohnen vom Feld heim schleppte. Ob wir denn frische/rohe Kaffeebohnen kennen würden – er ließ uns welche kosten und hätte uns bestimmt noch Stunden die Welt des Kaffees erklärt, wäre doch nur unser Spanisch schon etwas besser gewesen.
Oder als nach einer Laufrunde an der Stadtmauer Cartagenas mich ein – wie ich erst zum Ende des Gesprächs erfuhr – Tourguide ansprach, mit dem ich bestimmt 30 Minuten über die Lokalpolitik sowie das Weltgeschehen plauderte. Ich völlig verschwitzt, er in Vorbereitung auf seine nächste Stadtführung – in der er sicherlich auch genügend zu erzählen gehabt hätte.
Berührungsängste Fremde anzuquatschen gibt es in Kolumbien anscheinend nicht. Irgendwie eine sehr herzliche und weltoffene Eigenschaft – die ich mir gerne mit nach Österreich nehmen würde.

Tyrona

Nach dem Touri-Programm wollten bzw mussten wir dann aber auch wieder raus aus der Stadt – weshalb wir mit dem Bus in das Dörfchen Tyrona fuhren, das direkt neben dem gleichnamigen Nationalpark liegt. Wir hatten zwar gehört, dass der Nationalpark im Februar geschlossen sein sollte um sich von den Menschenmassen erholen zu können. Doch waren wir der festen Überzeugung, es würde Wege geben den Nationalpark zu erkunden – schließlich waren wir ja in Kolumbien. So einfach war es dann doch wieder nicht. Wiedergefunden haben wir uns dann am Costeño Beach. Hier begriffen wir dann glaube ich auch erstmalig, was es heißt in der Karibik angelangt zu sein:


ewig weite Strände, Palmen, Kokosnüsse, soetwas wie Stress gibt es nicht.

Das gab uns die Möglichkeit einen Gang runter zu fahren – klingt vielleicht jetzt etwas befremdlich wenn 2 Weltreisende einen Gang runter fahren müssen – doch Cartagena und die Tage davor waren hektisch. Hier hatten wir die Chance, Schach zu spielen, Drohne zu fliegen ein Buch zu lesen. Wieder mal was ganz anderes zu unserem Citytrip Alltag.

Palomino

…ein charmantes französisches Hippie Dörfchen in der Karibik. Auch hier galt es, das Leben zu genießen und die Seele baumeln zu lassen. Für mich war es ungewohnt einmal nicht bei den unzähligen Souvenir und Bade Accessoir Standln stehen zu bleiben. Es gab so kleine Momente, bei denen man merkte, dass sich die Dynamik unserer Reisegemeinschaft durch die Heimreise von Maria geändert hatte, aus Nostalgie, Wehmut oder einfach nur weil ich es mittlerweile angenommen hatte, durchforstete ich diese kleinen Boutiqen und Geschäfte.

Abends gingen wir Jungs noch was trinken und trafen auf 2 Weinviertler die in gerade eine in Berlin lebende Amerikanerin beeindrucken wollten – da kamen wir zwei gerade recht. Es war ein lustiger Abend, zu weiten Teilen jedenfalls, denn ein Detail das die beiden ansprachen, lieferte wenig zu lachen: ob wir bereits gehört hätten, dass die Guerillakämpfer der ELN dieses Wochenende einen 72 stündigen bewaffneten Streik angekündigt haben und es eine Reisewarnung vom österreichischen Außenministerium gibt. Nein, wie wir oben zitiert haben, die Karibik ist der Ort für ewige Strände, Palmen und Kokosnüsse – wir hatten bislang noch nichts gehört. Noch weniger, dass Ziel dieses Streiks die Transportwege Kolumbiens waren und die Guerilla Gruppe der Bevölkerung die Empfehlung ausgesprochen hat, dieses Wochenende nicht zu verreisen.

In Kolumbien, ist es ja wie erwähnt normalerweise ein Leichtes mit den öffentlichen Bussen zu reisen und selbst, wenn du wie wir die RezeptionistInnen im Hostel bittest dir einen Bus zu buchen, bekommst du oft einfach die Antwort: Ach das ist nicht nötig, geh einfach vor zur Straße und dich wird ein Bus mitnehmen. Doch fuhren aufgrund des erwähnten Streiks dieses Wochenende keine oder nur wenig Busse und es kam einfach kein Bus daher.

Im Nachhinein gesehen war unser Vorgehen vielleicht etwas naiv, doch hatten wir unsere Weiterreise bereits eingeplant und so stiegen wir in das nächstbeste Auto, welches für uns anhielt. Ich will nichts dramatisieren, wir kamen ohne Vorkommnisse – bis auf eine kleine Straßensperre, bei der Bewohner ein Seil über die Straße spannten, das der Fahrer aber gekonnt durchbrach – gut in Riohacha an.

Riohacha

Ist nicht unbedingt eine sehenswerte oder touristische Stadt – doch gibt es hier gute Winde und so entschloss ich mich gegen den sagenumwobenen Wandertrail zur Ciudad Perdida und für einen 3-tägigen Kite-Surf Kurs.

Am ersten Tag lernte ich, wie ich den Drachen richtig steigen lassen würde – hört sich jetzt blöd an, aber das ist später das A und O das nun mal sitzen muss, weil dann Wellen, Boardbewegungen, Körperhaltung und Winde auf den Kite gleichzeitig wirken und man mit diesem im Prinzip alles steuert, ahja und das Salzwasser, das kommt auch noch dazu. Was soll ich sagen, es macht echt Spaß! Und auch wenn die Kite Lehrer meinten ich hätte Talent, werde ich mit meinen (damals) fast 30 glaube ich trotzdem kein Profi Kitesurfer mehr.
Wem sich die Möglichkeit bietet, dem würde ich es wärmstens empfehlen mal selbst auszuprobieren. Wir waren großteils im Wasser – darum nur so wenige Fotos.

Wie ihr ja bereits wisst, ist die Welt ein Dorf. Die Chefin der Tauchschule ist eine gebürtige Traunsteinerin und die Anita, eine ehemalige Bad Leonfeldner Schulkollegin, war in den letzten Jahren auch genau in dieser Kite Schule als Guide tätig. Ich bin nichtsahnend und ohne jegliche Vorahnung oder Empfehlung dort gelandet. War eine gute Zeit.

Auch wenn die Stadt Riohacha nicht sonderlich viel zu bieten hat, unser Hostel kann ich empfehlen. Zwei Katzen im Eingangsbereich, im Innenhof ein Pool und die Stiegen rauf am Dach eine Bar und der Gemeinschaftsbereich, der zum Kennenlernen einlud. Ehe wir uns versahen, hatten uns 2 Kanadierinnen und 1 Niederländer für eine gemeinsame Tour durch die Wüste überredet.

Punta Gallinas

Mit einem Geländejeep und leichtem Gepäck sollten wir die kommenden Tage bis zu den Punta Gallinas rauffahren, wem das wie mir nichts gesagt hätte, hier die Erklärung: zum nördlichsten Punkt Südamerikas. Wir entschieden uns einen Aufpreis für einen zusätzlichen Übersetzer zu berappen, doch bereits beim einsteigen wurde uns klar, dieser konnte zwar ein paar Wörter Englisch reden, doch verstehen … naja. Er machte die Tour zum ersten Mal und ignorierte gekonnt den Großteil unserer Fragen. Im Nachhinein betrachtet war es doch vollkommen egal, wir machten uns einen Spaß daraus, genossen die Zeit und reimten uns unsere eigene Wahrheit zusammen. Die Chemie in unserer Reisegruppe stimmt richtig gut. Es waren bildhübsche, verlassene Strände die wir erkundeten und eine auf ihre Weise ebenso hübsche karge Wüstenlandschaft.


Einziger Wermutstropfen war der Kontakt zu den Einheimischen. Wir wurden bereits bei der Buchung vorgewarnt Süßigkeiten und Wasser zu kaufen, um den Kindern etwas davon abgeben zu können. Soweit nichts ungewöhnliches. Doch als dann am zweiten Tag, Kinder und Frauen stets die Straße mit Seilen und teils Ketten absperrten um die Autos zu stoppen und dann dann die Hand aufzuhalten, minderte das den Genuss dieses Trips. Alle Stunden mal so eine Absperrung hätte ich glaub ich noch verkraftet, doch waren es auf manch einem Streckenabschnitt von 200 Metern 6 Absperrungen hintereinander. Mit unserem Besuch der Punta Gallinas, bekräftigen wir durch diese Spende von Süßigkeiten, Wasser oder Kaffee das Betteln der Wüstenbevölkerung. Männer sahen wir keine – die würden hier gar nichts arbeiten meinte der Fahrer.

Doch erlebten wir genauso allerhand Schönes in dieser Wüstenlandschaft nahe der venezolanischen Grenze.

Wieder angekommen in Riohacha verbrachten wir noch eine Nacht beim Karneval der Stadt – wir mischten uns mitten ins Getümmel. Als die vielleicht einzigen Gringos erlebten wir auf eine sehr authentische Weise dieses südamerikanischen Fest. Wer mehr zu den Feierlichkeiten erfahren will, warum dieser Karneval noch beeindruckender war als der in Barranquilla, sollte sich direkt an Georg wenden, ich fiel an diesem Abend einige Stunden früher ins Bett als er.

Karneval in Barranquilla

Barranquilla ist die drittgrößte Stadt Kolumbiens und doch gibt es eigentlich keinen Grund als Tourist diese Stadt zu besuchen – außer es ist Karneval, denn dann ist die gesamte Stadt, jedes Haus und jedes Geschäft geschmückt und es herrscht Ausnahmezustand beim zweitgrößten Karneval der Welt.

Am Faschingsonntag trafen wir uns mit den Weinviertlern, am Rosenmontag mit unseren neugewonnenen Freunden von der Wüstentour. An beiden Tagen machten wir die Nacht zum Tag und tanzen & bewegten unsere Hüften wie vielleicht noch kein Österreicher seine Hüften zuvor bewegt hatte. Champeta, Cumbia und Salsa hießen die Klänge, zu denen wir nicht mehr aufhören konnten uns zu bewegen. Egal ob live oder aus der Dose – es forderten uns stets freundliche Kolumbianer und Innen zum Tanz auf. Denn auch viele der männlichen Kolumbianer fanden Gefallen daran uns neue Tanzschritte beizubringen. Das Maizenawerfen war hier unerwartet viel weniger verbreitet als noch in Riohacha und ließ uns das ganze Spektakel etwas sauberer erleben.

Und dann kam der Faschingsdienstag, von den letzten durchgefeierten Nächten gezeichnet, bereiteten wir uns auf das Grande Finale des Faschings vor.

Und dann? Bei der Parade am Nachmittag waren die Akteure schwarz gekleidet und jammerten herum. Perrito Moreno war gestorben – wenn wir die Sketches der Fußgruppen richtig deuteten und das war schon sehr eindeutig zu verstehen, hatte dieser Herr die letzten Tage einfach zu viel getrunken. Eben dies sollte auch das Ende des Faschings symbolisieren. Wir dachten Abends würde es doch trotzdem noch Parties geben oder zumindest würden noch die Bars aufgesperrt sein. Nein, wenns aus ist ists aus. Wir wurden mit dem Gegenteil überrascht und fielen erschöpft, glücklich und viel früher als die Tage davor an diesem letzten Karnevalstag ins Bett.

umso passender finde ich am Ende des Karnevals die Werbung dieser Wiskey-Marke

Also schnappten wir uns den Flieger um weiter nach Costa Rica zu reisen.

MAGEMA Reisetipps Kolumbien

  • Fahr hin, es gibt so viel zu entdecken.
  • Genieße es, probier neue Sachen aus, gehe fort – mit gesunden Hausverstand
  • Tanze auf Rooftop-Bars lasse dich von den südamerikanischen Hüftschwüngen und großen Tanzbewegungen inspirieren (nix da Step-Touch und auf den Boden schauen! 😉 )
  • Iss so viele Früchte wie möglich
  • Medellin ist eine richtig hippe Stadt um schick Essen- oder fortzugehen
  • Für uns galt: es sind wirklich alle Kolumbianerinnen und Kolumbianer freundlich und freuen sich mit dir zu unterhalten, außer die Drogendealer, die wollen nur Drogen verkaufen
  • auch wenn man diesen Tipp in jedem Land und in jeder Stadt geben kann: mache Free Walking Touren, gerade in den größeren Städten gibt es meistens verschiedene gratis Rundgänge mit Studenten oder Tourguides, die einem nicht nur das erzählen, was in Reisebüchern steht, sondern die auch tiefer in die Thematik, die Politik und die Geschichte des Landes eintauchen
  • gilt auch für fast überall, doch besonders für Kolumbien, plane genügend Zeit ein. Vor allem die Nicht-Programm Tage haben einiges zu bieten.

Zu guter letzt weil so oft gefragt, hier noch ein Absatz zum Thema

sicherheit in kolumbien

Ich will keineswegs Dinge beschönigen, übertrieben oder dramatisieren, zumindest in den folgenden Zeilen nicht nicht. Hier ein paar Vorfälle die wir mitbekommen haben, aber selbst nicht darin verwickelt waren.

Wir selbst, kamen glücklicherweise nie in eine brenzliche Situation – auch wenn wir es ein paar mal herausgefordert hätten: In Barranquilla ging ich am Faschingsdienstag ein paar Stunden vor Mitternacht alleine 20 min heim zum Hotel. Wir fuhren am Wochenende des bewaffneten Streiks nach Riohacha. Wir genossen das Nachtleben ausgiebig.
Auch wenn die aktuelle Situation in Kolumbien wahrscheinlich besser ist als ihr Ruf, sollte man etwas Vorsicht mitbringen. In Cali, erzählte uns eine Holländerin aus erster Hand, wurden jeden Abend direkt vor ihrem Hostel Backpacker mit vorgehaltener Pistole ausgeraubt; am Weg von Minca nach Santa Marta lag ein erschossener Einheimischer auf der Straße; beim Karneval in Barranquilla 2020 kamen insgesamt 9 Personen ums Leben, stand am Aschermittwoch auf der Titelseite der Morgenzeitung. Bei unserer Wüstentour wunderten wir uns, warum abends auf einmal ein Großaufgebot des Militärs bei unserer Unterkunft eincheckte, worauf unser Tourguide uns gelassen erklärte, dies wäre wahrscheinlich nicht die Staatsarmee, sondern der Sicherheitsdienst eines Drogenbosses der eben eingecheckt hat.

Wie beschrieben ist Kolumbien ein wunderschönes Land, voller süßer Früchte, toller Natur, grundsätzlich freundlichen und interessiertem Leute und wir hatten stets ein gutes Gefühl und fühlten uns sicher. Selbst während des Karnevals mit über 1 Mio Besuchern, doch sollte man den gesunden Menschenverstand bei einer Reise nach Kolumbien unbedingt mitbringen.

Argentinien

Nach Chile und dem argentinischen Teil Patagoniens flogen wir von der südlichsten Stadt der Welt nach Buenos Aires, der Welthauptstadt des Fußballs, des Tangos und der Hauptstadt dieses riesigen und facettenreichen Landes. Wer sich für El Calafate, El Chalten oder Ushuaia interessiert, der findet im Artikel Patagonien was sie oder er sucht. In diesem Artikel möchten wir uns allem, was nördlich von Patagonien liegt, widmen.

Vom kalten und windigen Ushuaia flogen wir an einem Freitag, den 13. hinauf in das hitzige Buenos Aires. Aufgrund unserer zu dieser Zeit tatsächlich noch sehr dürftigen Spanisch-Kenntnisse und der Verweigerung des Flugpersonals der Billig Airline, mit uns auf Englisch zu kommunizieren (obwohl sie es doch irgendwie gekonnt hätten), verpassten wir unseren ersten Flug an diesem denkwürdigen Tag. Der Computer am Check in war ausgefallen und uns Wartenden an der Gepäcksabgabe nichts weiter (zumindest nicht auf Englisch) gesagt worden. So waren wir umso überraschter als wir – noch immer wartend dass wir unser großes Gepäck aufgeben könnten – vom Lautsprecher aus aufgerufen wurden. Da dieser Flughafen nicht viel größer als der Hörschinger ist, fanden wir auch schon im Nu unseren Weg durch den Security Check (inkl Aufgabegepäck, Messer, Flüssigkeiten – everything!) weiter hin zum Gate. Ihr könnt euch unsere Stimmung/Gesichter vielleicht vorstellen; in einem Mix aus Verzweiflung und Verärgerung diskutierten wir hitzig – und auf wundersame Weise war Englisch nun möglich – mit dem Flugpersonal. Schließlich begleitete uns doch ein netter Mann vom Wachdienst wieder zurück zum Check-In Schalter, wo uns Hilfe versprochen wurde – der Flieger flog ohne uns. Die Hilfe bestand darin, dass wir eine 3/4 Stunde später eine Telefonnummer auf einen Zettel geschrieben bekamen, wo wir uns beschweren sollten. Egal, wir buchten eine andere Airline die an diesem Tag noch flog und kamen noch am selben Abend dieses Freitag, den 13. in Buenos Aires an.

Hat eh mehr als ein halbes Jahr des Reisens gedauert, dass wir folgendes lernten: Fliege niemals an einem Freitag, den 13. – oder meide, wenn möglich, Billig-Fluglinien….

Buenos Aires

Müsste ich für längere Zeit in einer Großstadt leben, Buenos Aires wäre diese Stadt. „B.A.“ (=Buenos Aires) empfing uns mit dem erwarteten südamerikanischem Charme, der uns in Patagonien noch irgendwie gefehlt hatte/verwehrt geblieben war. Zur Erklärung: Patagonien würde ich aufgrund der ähnlichen (atemberaubenden) Landschaft, der etwas höheren Kosten für das tägliche Leben und den ewig langen Sommertagen vielleicht als das „Norwegen Südamerikas“ beschreiben. Also doch nochmals anders als das, was man von Südamerika (Hola chicos, qué tal) im ersten Moment vielleicht im Kopf hat.

Kleine Bistros und Straßenverkäufer zieren hier die Gehsteige, Musik drängt bis spät nachts von den Dächern, Restaurants öffnen frühestens gegen 20 Uhr ihre Pforten für den Abendbetrieb (du erkennst die Touris, die bereits um 8 Uhr an den Türen warten – als echter Argentinier isst man um 22 Uhr) und auf den Straßen ist einfach immer etwas los. Und das ist gut so!

Und – es weihnachtete 🙂 Die Adventszeit fühlt sich definitiv anders als bei uns, der Grundgedanke aber bleibt. In T-Shirt und Shorts, auf der Suche nach Schatten – so hatten wir die Vorweihnachtszeit noch nie erlebt.

Buenos Aires ist nicht nur eine Metropole (in der Provinz Buenos Aires leben 15 Mio Einwohner – also ⅓ der Gesamtbevölkerung des Landes), sondern auch eine sehr lebens- und eben auch erkundenswerte Stadt. Deshalb machten wir auch gleich mal 2 Free Walking Touren – 1x in der Innenstadt und 1x im weltberühmten Recoleta Friedhof. Noch bevor wir zu unserer ersten Tour starteten, hatte ich an diesem Tag bereits 15 km zu Fuß zurück gelegt. Kurz, es gibt einfach wahrhaftig viel zu bestaunen in dieser City. ¡Miren!/Seht selbst!

Das wirklich lässige an so einer Weltstadt? Man kennt auch viele Leute und so wurden wir an einem der Abende zur Jahresabschlussveranstaltung (dem äquivalent zu unserer Waldweihnacht) einer lokalen Pfadfindergruppe von Dami und Geo eingeladen. Diese beiden hatte Maria vor mittlerweile 2 Jahren am Rovermoot, einem internationalen Pfadfinderlager, in Island kennen gelernt. Wir staunten nicht schlecht, als diese im Innenhof einer Pfarre, direkt neben der Kirche ein Lagerfeuer entzündeten und 1h lang Pfadfinder-typische Lieder, Sketche und Tänze performten. Wieder einmal der Beweis dafür, dass man trotz dessen, dass man aus so verschiedenen Winkeln dieses Planeten stammt, so viele Gemeinsamkeiten vorweist und einen schnell das Gefühl von angenehmer Vertrautheit überkommt – einfach schön mitzuerleben. Anschließend trafen wir uns noch bei einer Bowlingbahn, 23:55 perfekte Zeit in Argentinien um fort zu gehen bzw mit dem Abendessen zu starten – Papas Fritas gehen halt immer.. Ihr denkt in Argentinien geht es ums Bowlen beim Bowlen? – ja schon auch, aber natürlich wird auf der Bowlingbahn ebenso Salsa getanzt und ein Moderator oder besser gesagt ein Animateur bringt die Leute zum tanzen.

Auf einen Pfadfinderfreund von Georgs Patrulle vom Moot trafen wir am nächsten Tag, mit dem wir um die Bars in Palermo zogen. Richtig guter Abend, jedoch weniger Bilder 😉

Was geschah noch?

Wir besuchten das preisgekrönte angeblich schönste Buchgeschäft der Welt:
El Ateneo Grand Splendid, in einem alten Theater.

Wir schnappten uns Räder und cruisten von La Boca bis rauf zu den Rosengärten in Palermo.

Wir verspeisten unsere ersten Argentinischen Steaks:

Wir staunten nicht schlecht, als auf einem (noch eher) untouristischen Markt die Einheimischen ihre Tangokünste zum Besten gaben. Was vielleicht auch auf diesem Foto extrem auffällt: Argentinien hat (aufgrund der hohen Zuwanderung aus diversen europäischen Ländern, zu unterschiedlichen Zeiten) die Einwohner mit der hellsten Hautfarbe in ganz Südamerika.

Wir machten viele, viele Fotos von den imposanten Gräbern am Friedhof Recoleta, der nicht nur von mystischen Geschichten geprägt ist, sondern auch sehr viele berühmte argentinische Persönlichkeiten die letzte Ruhestätte bietet. Wie zum Beispiel Eva Peron – vielen bekannt als „Evita“ aus dem gleichnamigen Musical –, und einige ehem. Staatsoberhäupter des Landes.

Und so schnell war die Big-City-Life-Zeit auch schon wieder verflogen und wir machten uns auf den Weg zu einem kleinen ehemaligen Militärflughafen, von wo aus wir weiter nach Jujuy fliegen sollten. An eben diesem Flughafen, überkam mich dann ein erstes Mal seit fast einem Jahr auf Reisen ein wehmütiges Gefühl – Gänsehaut zog sich bei mir auf, als folgendes Erlebnis mich an die Heimat erinnerte:

Im Eingangsbereich des Flughafens trafen wir auf ein Orchestra junger Musiker, die entweder ebenso verreisten oder einfach dafür bezahlt wurden, auf dem Flughafen ein bisschen weihnachtliche Stimmung zu verbreiten… Nachdem sie ihre Aufstellung einnahmen und ihre Instrumente fertig gestimmt hatten, dürft ihr 3 Mal raten welches Lied sie anstimmten. Ein mittlerweile 201 Jahre altes Lied von Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber: Stille Nacht – wie eine angenehme Ohrfeige weckte diese Melodie mein Weihnachtsgemüt.

Aldea Luna – im Jungas nAtionalpark nahe Jujuy

Von unserer Freundin Daniela bekamen wir gleich zu Beginn unserer Zeit in Argentinien den Tipp: „Wenn ihr etwas komplett untouristisches machen möchtet, verbringt eine Zeit lang im Norden Argentiniens, im Aldea Luna.“ Und weil wir für Weihnachten und Silvester eh „etwas besonderes“ machen wollten (als ob es nicht genug wäre, die schönste Zeit im Jahr auf einem anderen Kontinent zu verbringen..;)) buchten wir zwei Wochen in den argentinischen Jungas – darauf vertrauend, dass wenn es Dani dort gefallen hat, es für uns auch sicher ganz gut werden würde. Und eines dürfen wir vorwegnehmen, es war einfach grandios! ❤

Raus aus der Stadt und rein in den Dschungel: Offline sein, endlich Spanisch lernen, vegetarisch essen – abseits jeglicher Zivilisation – so wollten wir Weihnachten und Silvester verbringen. Ich hatte von uns vielleicht die geringste Vorstellung davon, was uns erwarten würde.

Durch den Luxus des eigenen Campervans in Neuseeland waren aus unseren 7 Sachen deutlich mehr geworden und diese mussten wir erstmalig am Buckel 1 Stunde zu Fuß über Hügel, Felder und Bäche in das private Naturreservat Aldea Luna schleppen. Ein lächelnder Alejo machte jedoch jegliche Verzagtheit wett. Alejo ist ein unglaublich sympathischer, junger Argentinier aus B.A, der ein paar Wochen als Volontär im Reservat verbrachte, Er holte uns bei der Bushaltestelle ab, zu der wir 1 ½ Stunden von Jujuy hin getuckert waren und dabei eigentlich eh nur 15km zurücklegten – aber bei jeder Haltestelle wurde getratscht, gebusslt etc…– that’s South America!

Die wunderbare Idee, welche hinter dem Aldea Luna Reservat steckt, ist jene mit privaten Mitteln, einen Teil des Yungas Regenwalds vor der Abforstung zu schützen und hier interessierten Menschen Spanisch Kurse oder Dschungel Wanderungen anzubieten. Volonteers oder auch reine Übernachtungs-Gäste sind gleichauf willkommen. Die Betreiber und Initiatoren sind Elisabeth & Martin – diese werdet ihr später noch kennen lernen. Wir bezogen gleich mal unsere eigene kleine Hütte – ich glaube das war das erste Mal, dass wir so lange an einem Ort verweilten und nicht täglich unseren Rucksack packen mussten – einen Kleiderkasten lernt man auf so einer Reise richtig zu schätzen (egal ob aufgeräumt oder nicht). Die erste Woche buchten wir einen Intensivsprachkurs (d.h. Vor-und Nachmittagsunterricht zu je 2 Stunden) und die zweite Woche hatten wir Halbtagsunterricht. Neben Elisabeths Spanisch-Kurs, der für Reisen in Lateinamerika einfach unerlässlich ist, muss ich an dieser Stelle einfach auch ihre Küche erwähnen: wir haben jeden Tag, und seit laaaangem wieder mal 3x pro Tag und einfach so gut und abwechslungsreich VEGETARISCH gegessen – bäärig! Ich war während dieser Zeit sogar echt davon überzeugt ins neue Jahr als Vegetarier zu starten und das auch ernsthaft durchzuziehen. Diesen Plan durchkreuzte uns dann aber auch wieder relativ schnell das köstlich, saftig und preiswerte argentinische Rindfleisch – tja, c’est la vie (Maria und ich packten nicht selten unsere Französischkenntnisse aus, mischten diese mit spanischer Betonung und Körpersprache und hofften unser Gegenüber würde uns so etwas besser verstehen – und manchmal funktionierte das sogar!). Zurück zur Gaumen-Orgasmus-bereitenden vegetarischen Küche Elisabeths– hier findet ihr einen kleinen Auszug der Rezepte… und dann noch diese selbstgemachte Chili Sauce – und als Draufgabe waren die meisten Gemüsesorten aus eigenem Anbau. Uns ging’s wirklich gut und das Fleisch ging uns zu keiner Zeit ab.

Wer vermisst da schon Fleisch?!

Was kann man in einem Nationalpark im Nirgendwo ohne Internetempfang oder Strom tun? Naja, lange nach dem Essen sitzen bleiben, tratschen, mit oder ohne den Hunden (meistens aber mit) wandern/spazieren gehen, Risiko (natürlich auf Spanisch…) oder Schach spielen (Schach ist übrigens DAS Nationalspiel der Argentinier wie bei uns das Schnapsen oder Boccia im mediterranen Raum) – oder mal Abends die Sterne beobachten.

Oder auch: einem echten Gaucho zusehen, der seine Pferde-Herde durch den Fluss führt, einfach nix tun, eiskalt duschen oder Yoga machen mit der italienischen Volonteer,…

…oder am heilig Abend den Fluß aufstauen und darin baden und Sangria trinken – natürlich in der Gesellschaft von „unseren“ 5 Hunden die uns vor den herumstreuenden Kühen beschützten.

…oder einen gezogenen Apfelstrudel für Neujahr vorbereiten (wohl gemerkt, eine Hälfte mit und eine ohne Rosinen!).

Es war eine sehr schöne entspannte Zeit um die Seele baumeln zu lassen UND um unser Spanischlevel von „Hola, que tal…“ auf wichtige Grundkonverserationen zu heben. Und für Maria, um endlich mal richtig gut in einem Schulfach abzuschneiden und ein bisserl die Streberin in ihr zu erwecken. 😉 Aldea Luna war für uns im Nachhinein gesehen wirklich ein idealer Ort, um bei unserer Langzeitreise einmal zwei Wochen komplett abschalten zu können.

Bei unserer Abreise, begegnete uns noch eine Tarantula. Unter uns, ich kann euch nicht sagen wie froh ich bin, dass Maria die Spinne nicht gesehen hat, die bereits am zweiten Tag neben ihrem Bett war… ;p So stapften wir samt Sack und Pack wieder zurück zum Bus, der uns nach El Salvador de Jujuy brachte – wie die Stadt mit ganzem Namen heißt.

Die Tarantel fühlte sich von Martin und Georg bedroht, die ca einen halben Meter entfernt von ihr standen – deshalb sucht sie den Fluchtweg übers Wasser. Faszinierend, so ein Geschöpf in seinem ursprünglichen Lebensraum zu sehen und nicht in einem Glaskasten im Zoo.

El Salvador de Jujuy

Hier hieß es für uns erstmal wieder mit der Welt „connecten“ und unsere nächsten Schritte planen. Dabei herauskommen ist die Anmietung eines Autos um die nächsten 10 Tage mobil zu sein und das 1500 km weiter südliche Weinbaugebiet Mendoza zu erreichen.

Das wir in Jujuy wenig Schlaf abbekamen, lag erstmals nicht daran, dass wir selbst es so bunt getrieben hätten und auch nicht dass wir nun dem Fleischkonsum verfallen waren. Nein, es lag daran, dass bei unserem Hostel – oder noch genauer: direkt unter unserem Fenster bis in die frühen Morgenstunden fröhliche Trommler vorbeimarschierten – „die heiligen 3 König san do“ hallte auf Spanisch rund um die Uhr durch die Innenstadt Jujuys.

Mit dem Mietauto ging es dann erstmal noch ein Stück weiter in den Norden und so richtig hoch hinauf: bis auf Viertausendeinhundertsiebzig Meter, wo wir am Pass erstmals ein paar freilaufende Lamas aus unmittelbarer Nähe beobachten konnten. Spätestens ab dort glaubte auch Maria an die heilende Kraft der Coca-Zuckerl (der Konsum von Coca-Blättern ist ja in einigen Regionen Südamerikas legal, da diese nachweislich das Leiden der Höhenkrankheit mindern). Also machten wir einen Abstecher nach Purmamarca, eine – am besten beschreibt es wahrscheinlich – „schnuggelige“ Stadt, mit direktem Ausblick auf das Panorama der verschiedenfarbigen Felsen, im Talkessel des Städtchens. Nach einer längeren Fahrt zur Salzwüste, den Salinas Grandes, nisteten wir die von nun an etwas kränkelnde Maria für die nächsten Tage in einer sehr charmanten Pension ein. Nach knapp 10 Monaten wurde für sie zumindest ein Teil der vielen vielen Medikamente relevant, die wir von Anbeginn der Reise mitschleppten…

Hornocal & Tilcara

Sicherlich ist es dort oben eine karge Gegend – doch irgendwie auch hübsch. Wir Jungs hatten nun also die Chance über die Schotterstraßen zu bretterten und kamen so in Rekordzeit an unserem erklärten Ziel an: den Serranía de Hornocal – einer ganz markanten und farbenfrohen Farbformation in den Bergen. Das Herumhüpfen und Spazieren auf 4.700 Meter über dem Meeresspiegel machten uns dann vielleicht doch etwas zu schaffen, als wir uns später niedersetzten und entweder eine Fata Morgana sahen oder tatsächlich ein Kupfervorkommen entdeckten.

..ahja und zwischendurch machten wir (zu Fuß wohlgemerkt) noch ein kurzes Praktikum auf einem Weingut.

Unsere weitere Route führte uns dann der Ruta Nacional 40 entlang – die wir doch schon einmal gesehen hatten. Genauer gesagt waren wir der Ruta 40 in Ushuaia schon einmal entlang gefahren: diese Straße, mit insgesamt 5301 km!, ist nämlich die längste Argentiniens – da sie von ganz im Norden, quasi Bolivien, bis in den südlichsten Süden verläuft. Um sich die Dimension vorstellen zu können, das ist ungefähr so weit, wie wenn man von Lissabon bis rauf zum Nordkap fährt, oder sogar noch etwas weiter als wenn ich von Linz in die kasachische Hauptstadt Astana fahren würde. Die Landschaft der Routenführung hat tatsächlich einiges zu bieten, von kurvigen Dschungelstraßen, vorbei an einsamen Bachläufen bis hin zu den imposanten Gesteinsmassen ist echt alles dabei, was das Fotografenherz höher schlagen lässt, oder vielleicht auch das Radfahrerherz? vll müss‘ ma da nochmal hin…

Bei unserem Abstecher in den Norden, waren wir quasi nur noch einen Steinwurf von Bolivien entfernt und so mussten wir nun „wirklich Meter machen“ und es blieb uns beim nächsten Streckenabschnitt Richtung Süden hauptsächlich der Blick aus dem Fenster, mit dem wir die Landschaft gedanklich einfingen. In Salta war unser nächster Stopp – eine vibrierende Stadt, die auch touristisch einiges zu bieten hat.

Von dort ging es weiter nach Cafayate, Chilecito und San Juan. Ein lässiger Roadtrip, vorbei an ausgegrabenen Dinosaurierskeletten, kurvigen Passstraßen, imposanten Felsformationen, einer übermenschlichen CH-esus Statue und ewig weiten Weinfeldern.

Mendoza…

…oder der Ursprung des Weines in Südamerika. Warum es uns dort so gefallen hat? Weil man dort die 2 schönsten Beschäftigungen der Welt miteinander verbinden kann: das Fahrradfahren und das Weintrinken. Wir liehen uns ein paar Bikes, bekamen eine Karte in die Hand gedrückt und schon ging es los, das lustige Verkosten:

Wir genoßen das wohl schmackhafteste 800g Tomahawk Steak, das wir vielleicht je gegessen haben werden:

..und erlebten wieder einmal ein Erdbeben. Martin und ich beim durch die Stadt spazieren, da es irgendwie auf einmal einen kräftigen Ruck gab, den wir aber nicht einmal wirklich spürten, sondern nur mitbekamen, dass auf einmal viele Leute aus den Hochhäusern rundherum strömten. Georg lag bei dem Beben gerade in der Badewanne und war kurzzeitig überfordert, wie er darauf jetzt reagieren sollte.

Ein weiteres Highlight in Mendoza war unser Ritt durch die Prärie und zwar mit echten Gauchos! Eineinhalb Stunden ritten wir entlang der argentinischen Anden, um dann später bei einem typischen Assado (= Grillerei) mit Wein und Gitarrenklängen den Abend ausklingen zu lassen. Übrigens falls wir es noch nicht erwähnt haben – und falls schon auch egal: in Argentinien rechnet man für ein Assado mit einem HALBEN KILO Fleisch pro Person! und es wäre jetzt nicht so, als gäbe es kein Brot davor, oder Zuspeisen … da haben die Italiener schon einiges an Dolce Vita mitgebracht.

Einen Abstecher machten wir ausserdem noch zur Open Air Therme Termas Cacheutas. Zugegeben es ist tatsächlich etwas verrückt, wenn man sich mitten in der Wüste befindet und dann in 45 Grad heißes Wasser springt – wir fanden’s leider geil. Und was macht der Argentinier/die Argentinierin, wenn sie/er in die Therme geht? Sie nehmen sich natürlich eine Kühlbox mit, um dort auch dem Grillen nachgehen zu können – ½ Kilo Fleisch pro Kopf.

Unser Flug ging von Santiago de Chile und so fuhren wir mit einem komfortablen Bus über die Anden, vorbei am Aconcagua, dem höchsten Berg Amerikas bzw. der Südhalbkugel, ausserhalb Asiens, mit seiner stolzen Höhe von 6961 m über dem Meeresspiegel.

Das war unsere Zeit in Argentinien- hier aber noch ein paar, wie ich finde wissenswerte Punkte, die ich einfach noch loswerden wollte:

ARGENTINIES Geschichte

Ich versuche mich kurz zu halten, nur da ich zuvor noch nie davon gehört habe, beglücke ich euch nun auch mit dem Erfahrenen:

Argentinien erhielt seinen Namen, da sich die Kolonialmächte in diesem Land Silber erhofften. Sie fanden zwar relativ viele Bodenschätze, nur nicht das erhoffte Silber – oder auf Latein Argentum (AG). Anfang des 19. Jahrhunderts gelang es Argentinien seine Unabhängigkeit zu etablieren und mit Ende des Jahrhunderts erblühte die Wirtschaft, dank starker Vieh-, Landwirtschaft und des Rohstoffreichtums. Zu dieser Zeit wurden in dem weitläufigen Land auch viele Arbeitskräfte benötigt was eine Einwanderung – vor allem von Italienern – zur Folge hatte. Quellen besagen, dass heute ein Drittel der Argentinier von Italienern abstammen und diese haben natürlich auch vieles von daheim mitgenommen: Pizza, Gelati oder die Cafekultur, um nur 3 sehr offensichtliche Beispiele des alltäglichen Reiselebens zu nennen. Es gibt jedoch auch viele andere Bevölkerungen die hier eingewandert sind. Seien es Polen, Chinesen oder Deutsche nach dem zweiten Weltkrieg – in Bariloche kann man angeblich auch das Haus bewundern in dem Hitler sein Lebensende verbracht hat…

Evita

Evita: die berühmteste Präsidentenfrau Argentiniens, die eigentlich Maria Eva Duarte de Peron hieß, wird bis heute im ganzen Land verehrt. In Buenos Aires ziert ihr Gesicht beide Seiten eines Hochhauses und begraben liegt die zweite Frau des argentinischen Präsidenten Juan Peron auf dem Friedhof in Recoleta. Doch bevor Evitas Leichnam seine letzte Ruhestätte erreichte, wurde er 17 Jahre quer durch die Weltgeschichte transportiert – über Mailand und Madrid, bis er nach Perons Tod wieder nach Südamerika gebracht wurde. Evita wurde nur 33 Jahre alt und setzte sich sehr für die armen Menschen in ihrem Land ein, was ihre Beliebtheit in der argentinischen Unterschicht erklärt. Ihr Grab in Buenos Aires wird von zahlreichen Schildern von Bewunderern geziert.

Madres de Plaza de Mayo

Wer sich in Buenos Aires oder anderen großen Städten Argentiniens fortbewegt und die typisch touristischen Plätze aufsucht, wird unweigerlich über auf den Boden gemalte Kopftücher stoßen. Diese Kopftücher symbolisieren die „Madres de Plaza de Mayo“. Mütter, deren Kinder während der Militärdiktatur zwischen 1976 und 1983 grausam getötet oder gefoltert wurden oder einfach nicht mehr auftauchten, begannen auf öffentlichen Plätzen Paarweise (größere Ansammlungen waren nicht erlaubt) ihre Runden zu drehen, um auf dieses Verschwinden aufmerksam zu machen. Da diese Frauen alle weiße Kopftücher trugen, wurde dies das Zeichen dieser Bewegung. Wahrscheinlich „verschwanden“ über 30.000 junge Männer in diesen Jahren.

Geld in Argentinien

Eines der heute tatsächlich größten Probleme des Landes, ist die nicht enden wollende Inflation – welche auch wir hautnah zu spüren bekamen: Ewig lange Warteschlangen vor den Bankomaten, Barabhebungsgebühren von 10 Euro, bei 60 Euro die wir maximal beheben konnten.

Bereits in Ushuaia bekamen wir den Tipp, im Casino Geld abzuheben, das funktionierte zwar grundsätzlich kostenfrei, doch behielten sich die Groupiers am Black Jack Tisch einen Teil des abgehobenen Geldes.

Ärgerlich, jedoch viel schlimmer trifft es natürlich die Einheimischen. Deren Erspartes im Jahr 2019 um 53,9% entwertet wurde, sie verlieren einen entscheidenden Betrag bei der Umwechslung auf ausländische Währung und dürfen per Erlass nur einen beschränkten Dollarbetrag pro Tag beheben.

Ganz klar, es ist auch bei uns nur eine Momentaufnahme und wir geben das weiter was wir aufschnappten, bzw. die Leute uns aufschnappen ließen. Wir bereisten das Land für 8 Wochen und das Bild das dabei herausgekommen ist geben wir an euch weiter.

Der Guide unserer Free Walking Tour in Buenos Aires endete seine Tour mit den Worten: „Argentinien ist ein schönes Land – vielleicht das schönste Land der Welt und ich liebe es. Wir müssen lachen, weil sonst müssten wir weinen.“

Der amtierende PAPST kommt aus ARGENTINIEN

Dass der amtierende Papst aus Argentinien stammt, wurde uns spätestens wieder bewusst bzw. in Erinnerung gerufen, als wir die riesigen Ankündigungsplakate für den von Netflix produzierten Film „Die 2 Päpste“ überall in BA verteilt sahen. – Den mussten wir uns natürlich auch gleich ansehen und halten ihn für extrem sehenswert, da auch seine Geschichte in Argentinien sowie die Zeit der Militärdiktatur behandelt wird.

MAGEMA Reisetipps Argentinien

  • bestellt nur eine Portion für 2 Leute – die Portionen sind riesig
  • iss ein Steak oder noch besser viele Steaks
  • iss Empanadas – wir lieben Empanadas
  • Geh tanzen oder besuche einen Tanzkurs
  • Kauf & trinke argentinische Rotweine – so günstig und gut hast du noch nie Rotwein getrunken!
  • geh Radfahren (wobei man das aus Martins Sicht sowieso in jedem Land machen sollte…)
  • Nimm dir bei einer Reise nach Argentinien am besten US-Dollar in Bar mit – so steigst du auf jeden Fall besser aus. In allen Städten des Landes stehen Menschen, die liebend gerne argentinische Pesos gegen US-Dollar wechseln – bzw kann man in den meisten Restaurants auch in US-Dollar bezahlen.
  • Auch hier gilt wiedermal – plant genug Zeit ein, das Land ist riesig und facettenreich.
  • Wir finden, dass Argentinien als Europäer sehr einfach zu bereisen ist, da es sehr viele Überschneidungen gibt – die Art des Reisens jedoch einen Lateinamerikanischen Touch mitbringt.

Neuseeland, die Südinsel

Mit der Fähre ging es für uns (inkl unserem Campervan) nach 19 Tagen auf der Nordinsel Neuseelands weiter nach Picton, einer doch sehr kleinen Hafenstadt der Südinsel, wo ohne die Fährenverbindung sich wahrscheinlich Wolf und Hase gute Wacht sagen würden. Wenn wir im Vorhinein mit Leuten über Neuseeland und unsere Pläne und Vorstellungen gesprochen haben war die Botschaft immer die eine: plant mehr Zeit für die Südinsel ein, die ist nochmals ein ganzes Stück schöner und man kann viel mehr machen. Nachdem wir wetterbedingt den einen oder anderen Tag für unser „Wunschprogramm“ abwarten mussten, sind wir doch länger im Norden geblieben als geplant und hatten nun noch knappe vier Wochen für den vielangepriesenen Süden. Ich will nicht sagen, dass vier Wochen zu kurz sind, weil sich die wichtigsten Spots und ein paar Wanderungen auf jeden Fall ausgehen. Deshalb möchte ich es so formulieren: Ist man in einem Campervan unterwegs und irrsinnig neugierig, kann man bestimmt mehrere Monate damit verbringen, Neuseeland zu erkunden (Egal ob die Nord- oder Südinsel). 😉

Nelson

Von der Fähre fuhren wir an einer malerischen Küstenstraße entlang Richtung Nelson, wo wir die erste Nacht verbringen wollten. Bereits auf dieser kurvigen Straße merkte man, dass die Südinsel landschaftstechnisch auf jeden Fall einiges zu bieten hat – vielleicht sogar wirklich mehr als der Norden.

Nach knapp 2 Stunden kurvigem bergauf Fahrens mit unserem Campervan passierte etwas, das ich gerne als den „Binder’schen-Auto-Fluch“ bezeichne. Lasst mich das vielleicht kurz erklären: es gab eine Zeit, in der meine Familie immer das Pech hatte im Urlaub eine Auto-Panne zu erleiden. So sahen wir von Kroatien über Italien bis nach Korsika schon ein paar Autowerkstätten von innen. Als ich dann mit Martin das erste Mal Sommerurlaub in Frankreich verbrachte und wir mit dem Auto unterwegs waren ging uns die Klima-Anlage ein und von unseren Problemen in Island möchte ich garnicht erst anfangen (Anm. Martin: Egal ob Wegspülung des Nummerntaferls, Reifenplatzer oder Rückwärts-Ausparkerei, ein jedes dieser Wehwehchen war dabei). Darum glaub ich ja, dass dieser „Fluch“ auf mir lastet. Als wir also an der neuseeländischen Küsten entlang fuhren leuchtete auf einmal das Batterie-Lämpchen auf. Würde ich wiedermal eine Werkstätte in einem fremden Land aufsuchen müssen? Nachdem die Jungs einen fachmännischen Blick unter die Motorhaube geworfen hatten, diese weder einen Blick zurückwarf noch sich die Leistung des Autos änderte, beschlossen wir zu unserem Zielort weiterzufahren und dort eine Werkstätte aufzusuchen. Nun kam dazu, dass es Samstag Mittag war – und hier sind sich die Österreicher und die Neuseeländer einig: „ob Samståg Mittog is zua – do muast bis Montåg woatn“. Auch unser Campervan-Verleiher konnte nicht mehr tun und so schonten wir unser Gefährt so gut wie es ging, redeten ihm gut zu und siehe da: das Lichterl verschwand wieder und wir hatten das restliche Monat kein Problem mehr mit dem Wagen. 

Abel Tasman Nationalpark

Der Abel Tasman Track gehört zu den „Great-Walks“ Neuseelands, denen eine besonders schöne Umgebung zugeschrieben wird, vom urigen Dschungel über Schluchten mit Gletscher-farbenem Wasser bis hin zu Aussichten auf schneebedeckte Berge und auf die Weiten des Meeres. Ob eine 1-Tageswanderung oder eine 3- bis 5-Tageswanderung, Neuseeland bietet mit seinen Great Walks Wanderern in allen Fitnesslevels die Möglichkeit neue Wege zu erkunden.

Für den kompletten Abel Tasman Track soll man laut Tourismusbüro drei bis fünf Tage einplanen. Da der Wanderweg an der Küste entlang führt, gibt es immer wieder Buchten in denen Wassertaxis anhalten, man kann sich also auch nur einen bestimmten Teil des Tracks aussuchen und diesen zurücklegen, oder man geht nur zwei Tage – so wie wir – und fährt dann in der Mitte des Weges wieder retour. Das Wassertaxi muss man vorab reservieren und den Campingplatz im Nationalpark auch. Gecampt werden darf nämlich nur an bestimmten stellen und auch nur dann, wenn man eine Reservierung hat.

Damit wir vor unserer bevorstehenden 8-Tageswanderung in Patagonien/Südamerika, einmal mit Sack und Pack (also mit dem großen Rucksack, Schlafsack, Isomatte, Zelt und Verpflegung) zumindest zwei Tage hintereinander wandern waren, fassten wir die ersten 32 km des Tracks ins Auge. Mit ausgeborgtem Zelt, Schlafsäcken und Isomatten legten wir am ersten Tag die geplanten 23 Kilometer zurück. Der Weg führte zunächst durch den Wald mit leichter Steigung und schon bald ging es gemütlich und mit großartigem Ausblick der Küste entlang. Unsere Mittagspause genossen wir bei „Kleopatras Pool“, einem Fluss, mit riesigen Steinen zum verweilen und abkühlen. Der einzige der sich dann wirklich etwas abkühlte war Martin, und nachdem sich während unserer Pause schon dicke Wolken über unseren Köpfen auftaten, schauten wir, dass wir rasch weiterkamen. Keine 100 m gegangen mussten wir unsere Ausrüstung schon auf Wetterfestigkeit testen: es regnete wie aus kübeln. Mit Regenhose und -jacke ausgestattet wanderten wir weiter, der Regenguss sollte aber nicht all zu lange andauern.

Auf diesem Weg machten wir auch das erste Mal Bekanntschaft mit einem „Waka“. Das unscheue Vogeltier ist in Neuseeland gut verbreitet und nicht unbedingt beliebt: vom Aussehen her ähnelt es am ehesten einer Mischung aus einem Huhn (die zuckenden, wachsamen Augen), einer Gans (der lange Hals) und einem Dinosaurier (die geschuppten Füße). Zuerst fanden wir das Tier ja noch recht spannend, aber schon bald kamen wir uns verfolgt vor; immer wider tauchte der Waka (wir sind überzeugt, dass es immer derselbe war…) auf und stand plötzlich hinter uns, neben uns oder gaaanz nahe an unserem Rucksack. Die Lebensaufgabe der Wakas ist es nämlich so viel Futter wie möglich von uns zu klauen, man muss also ordentlich auf seine Jause und seine Snacks aufpassen, sonst sind sie auf einmal weg.

Das Wetter wurde zum Abend hin noch einmal schöner und so hatten wir eine traumhafte Abendstimmung auf unserem Campingplatz und wir wuschen uns den Schweiß des Tages im erfrischend kalten Meer ab. Bei Lagerfeuer und einer kalten Jause – um uns für diese Wanderung das mitschleppen eines Campingofens zu ersparen – saßen wir noch gemütlich beisammen und ließen Mond und Sterne über unseren Köpfen und dem Horizont des Meeres aufgehen.


Der zweite Wandertag leitete uns wieder an der Küsten entlang durch den Dschungel und schon bald über lange, hohe Hängebrücken. Nachdem wir immer mit 13 km für Tag 2 gerechnet hatten, überraschte es uns sehr, als wir nach 8 km und deutlich früher als erwartet schon an den Strand zu unserer Wassertaxi-Haltestelle gelotst wurden. Aber, es gibt Schlimmeres und die gewonnene Zeit nutzten wir, um im Strandrestaurant gleich mal eine Runde großen Cider zu bestellen, die wir schon sehr feierten, weil er geschmacklich mehr an den Most von z’Hause erinnerte. Gut genährt ging es dann am späten Nachmittag per Wassertaxi zurück ins Dorf.

Frühstücksplatzerl mit Blick auf die südlichen Alpen

Im Stockdunkeln erreichten wir unseren auserkorenen gratis Stellplatz, wo wir mit ach und krach noch einen Platz für unseren Van erhaschten und erst am morgen darauf sahen wir, wie schön es rundum den Parkplatz eigentlich war. Martin nutzte den Morgen für einen Drohnenrundflug und wir frühstückten mit Blick auf die südlichen Alpen.

Das schöne an Neuseeland ist ja, – vor allem wenn man schon eine längere Weile unterwegs ist – dass manche Plätze aussehen wie daheim in Österreich. So war es auch am Lake Rotoroa, wo wir am folgenden Tag einen Abstecher hin machten. Mit dem Blick auf die schneebedeckten Berge und dem klaren, bestimmt klirr-kalten Wasser, fühlte man sich fast wie am Altausseer See, mit Blick auf den Dachstein.

Westport

Weiter ging’s nach Westport, wo sich Martin ein Rad ausborgen sollte um am Folgetag für zwei Tage die Mountainbikestrecke der „Old Ghost Road“ zu bezwingen.

Westport liegt an Neuseelands Westküste und ist vor allem bekannt für seine wunderschönen Klippen, einen gemütlichen Weg entlang der Küste und einer Seehundkolonie die dort lebt. Wir waren natürlich wieder sehr erkundungsfreudig und so spazierten wir einen steilen Weg zum Meer hinunter, direkt am Strand – entlang bis Georg abrupt stehen blieb. Sein Gesichtsausdruck war sehr überrascht und als Martin und ich näher kamen wussten wir auch warum: keine fünf Meter vor uns lag ein ausgewachsener Seehund. Er schaute auf, öffnete seinen Mund und ließ eine Art fauchen von sich. Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht wussten: einem Seehund soll man sich max. auf 20 Meter nähern. Aufgrund dieses Nichtwissens waren wir (und vor allem ich) sehr gut gelaunt, das Tier in freier Wildbahn zu sehen, wir fotografiert und filmten und spazierten irgendwann gemütlich vorbei. Wir sahen noch zwei weitere Seehunde, die gemütlich und windgeschützt auf den riesigen Steinen neben dem rauen Meer in der Sonne chillten. Nach diesem Natur-Erlebnis war die Seehundkolonie die wir danach bei der offiziellen Seehund-Beobachter-Stelle sahen (auf einer erhöhten Plattform per Zaun abgegrenzt) nicht mehr sehr aufregend.

Am nächsten Tag fuhren wir mit unserem Van wieder eine Stunde Richtung Norden, um Martin beim Start der Old Ghostroad aussteigen zu lassen, wo er sich an den kommenden zwei Tagen mit dem Mountainbike einen Traum erfüllte.

Bussi und Baba!

Die Old Ghost Road

Ihr kennt das sicher, man bekommt von einem Kollegen eine Email geschickt, mit einem coolen Bike Video mit traumhaftem Ausblick und flowingen Abfahrten, aber halt ewig weit weg. Genau so war es bei mir auch, als unser neuseeländischer Importeur mir ein Video zeigte von der Old Ghost Road, zu dessen Gipfel sich Leute sogar mit dem Helikopter inkl Bike fliegen lassen um nur einmal in den Genuss dieser Abgeschiedenheit und Schönheit in den Bergen Neuseelands zu kommen.

Das geniale an der Old Ghost Road ist, dass sie abgeschieden von jeglicher Zivilisation durch die Berge führt und nur ein paar Selbstversorgerhütten auf der Strecke liegen. Der alte 85 km lange Goldgräberweg kann so also entweder in 5 Tagen erwandert oder in 2-3 Tagen mit dem Rad bezwungen werden – Abzweigungen, Abkürzungen gibt es quasi keine. Für den Radsportler ist dieser Trail nochmal spannender, da es sich um 100 % Single Trail handelt, also keine Forststraße, kein Asphalt, MTB Erlebnis pur. Ich wollte es unbedingt durchziehen und so musste ich auch das etwas schlechtere Wetter am ersten Tag in Kauf nehmen und die Vorhersage dass es dort oben noch schneien könnte.

Schon bald lernte ich eine Gruppe Kiwis (= Neuseeländer) kennen, mit denen ich dann bis zur Hütte fuhr und abends noch lange saß. Die Hütte war trotz der widrigen Bedingungen mit 28 Personen fast ausgebucht und einige der Männer (sorry Mountainbiker sind auch in NZ zum Großteil Männer) machten es sich zur Challenge, so groß und schmackhaft wie möglich auf der Hütte aufzukochen. Also wenn bei den Roadies oder Ultralight Hikern oft jedes Gramm gezählt wird, hier wurde Schweinskarree, Erdäpfel, Gemüse und zahlreiche weitere Gänge aufgetischt, natürlich alles mit der passenden Weinbegleitung und als Dessert Whiskey und Schokolade. Früh am nächsten Morgen begleitete mich der Nebel noch ein Stück (und angeblich soll der Sternenhimmel in der Nacht „tremendous“ gewesen sein) doch hatte ich auch etwas Zeitdruck, da ich zu meinen Mitreisenden meine Ankunftszeit am noch immer 55 km entfernten Trailende vielleicht etwas zu optimistisch eingeplant hatte. (Anm. Maria: Martin wäre nicht Martin, würde er Ankunftszeiten nicht fast immer zu optimistisch einschätzen..)

Ich könnte noch ewig über den Trail schreiben, aber das würde den Rahmen sprengen, hier lieber ein paar Bilder:

Nachdem wir unseren Super-Sportler also wieder erfolgreich bei uns hatten wurde g’scheid eingekauft: und zwar für nichts geringeres als Wienerschnitzel mit Petersilerdäpfel und Preiselbeermarmelade und als Nachspeise Kaiserschmarr’n mit Apfelmus. Schließlich war der 26.10. – Nationalfeiertag in Österreich!

Von Westport aus arbeiteten wir uns dann Highlight für Highlight an der Westküste entlang bis hinunter nach Haas, wo wir ins Landesinnere nach Wanaka einbogen.

Die Westküste

Pancake Rocks

Steinformationen, die Aussehen wie neben- und übereinander gestapelte Pfannkuchen.

Die Formationen entstanden vor etwa 30 Millionen Jahren durch übereinander geschichtete Ablagerungen. Warum diese Ablagerungen nur hier so eine spezielle Form aufweisen, kann sich die Wissenschaft bis dato nicht genau erklären. Für den Tourismus ist dieses Naturschauspiel aber ein gefundenes Fressen. Ein riesiger Campervanparkplatz, einige Busparkplätze, ein paar Infoschilder und ein fescher Rundspaziergang sind an diesem Ort entstanden. Nicht zu vergessen: das Cafè, in dem man alle möglichen Pfannkuchen genießen kann. Wir haben es ganz traditionell (amerikanisch) probiert: mit Ahornsirup und Speck. Was sich zunächst anhört wie der Gusto einer Schwangeren ist gar nicht mal so schlecht. 😉

Hokitika Gorge

Knapp 30 km von der Küste ins Landesinnere findet man eine wunderschöne Schlucht mit strahlend eiszuckerl-blauem Wasser (vor allem bei schönem Wetter). Bei uns war das Wetter zwar nicht wunderschön, aber der kurze Weg zur Schlucht, der bereits über das eisblaue Wasser führte, war sehr schön und die Szenerie überzeugte uns wieder einmal wie außerirdisch schön unser Planet sein kann.

Franz Josef

Die Stadt, die so heißt wie ein ehemaliger österreichischer Monarch beheimatet auch den gleichnamigen Gletscher. Direkt auf den Franz Josef gelangten wir aber nicht: Es gibt zwar einige geführte Touren, die einen direkt zu den Eismassen bringen, um darauf herum zu spazieren. Diese und jene, bei denen man mit einem Helikopter hinauf fliegt erschienen uns aber nicht nur zu teuer sondern vor allem etwas paradox, blickt man auf den Klimawandel und die voranschreitende Gletscherschmelze.

Wir entschieden uns dafür, einen Wanderweg zu gehen, dessen Gipfel einen schönen Ausblick auf den Gletscher liefern sollte. Gegangen sind wir aber dann den Alex-Knob-Wanderweg der uns mit seinen 17,2 km einen 8 Stunden langen Wandertag bescherte. Über 1000 hm stapften wir hinauf – großteils Schweigend und eigentlich überhaupt nicht gemeinsam. Warum? Aufgrund einer Auseinandersetzung, die ca fünf Minuten vor Start der Wanderung komplett aus dem Ruder geriet, gingen Martin und Georg erstmals in eine komplett andere Richtung und irgendwann fanden wir uns aber alle auf demselben Weg wieder – und zwar am Alex-Knob-Weg, wie uns irgendwann dämmerte.

Das Wetter glich unserer Stimmung: es war nebelig und etwas regnerisch und zum Gipfel hin wurde der Nebel immer dichter. Am höchsten Punkt angekommen sahen wir nur wenige Meter weit, wo der Franz Josef lag, konnten wir uns also nur denken. Martin, der es sich nicht nehmen ließ, sich kurz vor dem Gipfel überraschenderweise noch gach einen „Franz Josef Bart“ zu schneiden, blieb noch etwas im Nebel und hoffte doch noch ein Foto mit dem Gletscher zu bekommen: ein Franz Josef vor Franz Josef, sozusagen.

Den (für Gemüt und Körper) anstrengenden Tag ließen wir dann gemeinsam in der ortsansässigen Therme ausklingen, wo wir zwischen 36°, 38° und 40° warmen Outdoor Wasserbecken verwöhnt wurden und erschöpft vor uns hin schrumpelten.

Lake Matheson

Seht ihr wie schön sich der Himmel, die Berge und die Bäume im Lake Matheson spiegeln? Genau dafür ist dieser See touristisch sehr beliebt. Warum hier so eine perfekte Spiegelung möglich ist liegt einerseits am Dunklen Grund des Sees und andererseits an der Windstillen Lage, die den See häufig spiegelglatt werden lassen.

Es gibt einen Rundweg, den man in einer Stunde schaffen kann, wenn man nicht alle paar Minuten stehen bleibt, weil der Himmel ein bisserl mehr aufklarte und die Spiegelung immer schöner wurde – wie es bei uns der Fall war. An besonders klaren Tagen spiegelt sich sogar der berühmten Mount Cook im Lake Matheson.

Wanaka

Vom Lake Matheson düsten wir mit unserem treuen Mobil 270 km süd-östlich, um dann am späten Nachmittag in Wanaka anzukommen. Das Städtchen Wanaka ist idyllisch gelegen an einem See und hat für uns Reisende einiges zu bieten: rings herum zieren schneebedeckte Berge die Landschaft und von der Westküste kommend fährt man eine Zeit lang auf einer Straße, die zwischen den zwei Seen der Gegend gelegen ist. – So schen!

Nach vier Stunden Autofahrt, wenig Essen am Vorabend und nur einem kleinen Frühstück kippte ich zunächst einmal vor lauter Unterzucker mitten im riesigen Supermarkt fast um. Nach reichlich Snacks und Zuckersafterl ließen die weichen Knie und das Zittern wieder nach und wir machten uns auf den Weg, einen geeigneten Stellplatz für die Nacht zu finden. Und wir fanden einen: direkt am See gelegen.

Unser eigentlicher Plan war es ja, in Wanaka den berühmten Roys Peak zu erklimmen (bitte nicht zu verwechseln mit dem Fitz Roy in Patagonien, so wie ich das immer tue..). Leider wurde uns die Erklimmung auf Grund der „Lambing-Season“, die auf diesem Berg von Anfang Oktober bis 10. November herrscht, verwehrt. Wer sich jetzt (zurecht!) fragt, was denn bitte die Lambing-Season ist, der stelle sich einfach einen Almauftrieb in den österreichischen Alpen vor, nur dass in Neuseeland eben weniger Kühe auf den Almen zu Hause sind, sondern Schafe über Schafe. Und weil es im Frühling so viele Lämmer gibt, die zum ersten Mal auf die Almen kommen, werden manche Wege und Berge für Wanderer gesperrt, damit sich die Tiere einmal „einleben“ können – so, oder so ähnlich haben wir es zumindest verstanden.

Als alternative Wanderung wurde uns – und ALLEN anderen, die den Roys Peak zu dieser Zeit ins Auge gefasst hätten – der Isthmus Peak ans Herzen gelegt. Steil bergauf, Serpentine um Serpentine mit einigen anderen Wanderern stiegen wir über 1000 hm hoch hinauf um dann einen Ausblick zu genießen, der sich wirklich lohnt. Warum lohnt er sich? Man wandert auf relativ freiem Glände rauf, was bei den vorherigen Wanderungen eigentlich nie der Fall war und hat somit perfekte Aussicht auf die scheebedeckten Berge, die blauen Seen und überhaupt fühlt man sich wie ein Kaiser im Mittelpunkt dieser malerisch schönen Szenerie. Selbst bei unserem Abstieg, gegen 4 Uhr Nachmittags strömten immer noch einige Wanderer Richtung Gipfel – ob sie es bei Tageslicht wieder hinunter geschafft haben, erfuhren wir nicht.

BH-Zaun

Auf dem Weg von Wanaka nach Queenstown gibt es den berühmten „Bra-Fence“, an welchem unmengen an BHs aller Größen, Formen und Farben hängen. Da mussten wir natürlich auch wir einen kurzen Stopp einlegen.

Queenstown

Queenstown – die Stadt für Adreanlin-Junkies und Party-People, für Backpacker, Studenten und Menschen die das Leben lieben. In der Hauptsaison ist es hier glaub ich unmöglich, den Kleinstadt-Charme zu genießen, da schieben sich die Touristen durch die Gassen, ähnlich wie in der Getreidegasse in Salzburg…. Wir sind am 31. Oktober in die Stadt eingefahren, also noch in der Vorsaison, und trotzdem war schon einiges los und die Campingplätze waren teurer als überall anders. Aus diesem Anlass buchten wir uns seit langem wieder einmal eine Unterkunft mit vier festen Wänden und erkundeten dann die Halloween-Nacht in Neuseeland.

Martin hat einmal irgendwo aufgeschnappt: „Wenn du in Neuseeland nicht irgendwo hinuntergesprungen bist, dann warst du nicht wirklich da. Und dann lassen sie dich auch nicht ausreisen!“ Mit diesem Gedanken im Kopf starteten wir am nächsten Tag in eines der vielen Reisebüros und Martin ließ sich alle Optionen fürs „wo runter springen“ aufzählen, sah sich einige Sprung-Videos an und war dann schnell überzeugt einen Fallschirmsprung aus 12000 m Höhe für den kommenden Tag zu buchen. Weil wir uns so gut mit unserer Reisebüro-Lady verstanden, hatten wir sogleich genügend Programm für unsere Zeit in Queenstown gebucht:

Ritt durch Isengard

  1. Programmpunkt, Maria:Seitdem uns in der Mongolei das Pferdereiten verwehrt wurde, ließ mich der Gedanken nicht los, dass mir das auf dieser Reise irgendwie noch fehlte. So buchte ich kurzerhand einen 1,5 Stunden Ausritt, der mich (etwas außerhalb von Queenstown) durch die Landschaftskulisse und an ein paar spezifische Drehorte der Herr der Ringe Triologie führen sollte.

Gemeinsam mit einem Pärchen aus Japan, die zum allerersten Mal in ihrem Leben auf einem Pferd saßen, und unserer Tourguide ritt ich auf einem treuen, ruhigen Pferd namens Marley durch atemberaubende Landschaften und hörte einige interessante bis kuriose Geschichten über den Herr der Ringe Dreh in diesem Gebiet. Zum Beispiel wurde der Wald, in dem der Tod Boromirs im ersten Teil gedreht wurde, Peter Jackson komplett kostenlos zur Verfügung gestellt, weil er dafür sorgte, dass nach den Dreharbeiten wieder alles so aussah wie zuvor. Außerdem wurde in der gleichen Gegend auch Wolverine gedreht, u.a. eine Szene wo Hugh Jackman nackt durch die Gegend läuft. Um diesen Dreh von neugierigen Augen abzuschirmen wurden alle Straßen zum Drehort gesperrt – nur nicht die Reiterwege und so sahen (angeblich) einige verwunderte Leute bei ihrem Ausritt einen nackten Hugh Jackman. Ob’s wahr ist oder nicht – die Geschichte alleine ist schon mal gut finde ich. Hier noch die Szene aus dem Film, für alle die sie nicht kennen.

Die Nacht vor dem Reiten, verbrachten wir übrigens auf einem der kostenfreien Stellplätze für Self-Contained Vehicles – ja so schön können die aussehen! 😉

Den Abend verbrachten wir dann gemeinsam und herrlich gechillt am Ufer des Sees in Queenstownmit, einem Karton Cider. Warum das so erwähnenswert ist: unsere Mitarbeiterin des Vertrauens vom Reisebüro hat uns, auf unsere Frage hin was man an einem angebrochenen Tag in Queenstown machen sollte, folgendes empfohlen: „Kauft euch einen Karton Cider, bestellt euch Online eine Pizza um 5 NZ-Dollar und setzt euch an den See, dort ist es am schönsten.“ Und so war es auch – den Cider haben wir genossen und die Pizza gegen einen der berühmten und zurecht in höchsten Tönen gelobten Burger der Ferg-Burgerei and -Bäckerei eingetauscht. Das Feeling war dann so ähnlich wie im Sommer in Linz an der Donaulände: irgendjemand macht immer Yoga, ein anderer Akro-Yoga und wieder andere spannen eine Slackline oder Jonglieren. Müll liegen blieb auf der Wiese übrigens keiner – ALLE stellten ihre leeren Flaschen zumindest zu den Tonnen, falls kein Platz mehr drinnen war.

Milford Sounds

An den süd-westlichen Fjorden der Südinsel Neuseelands gelegen befindet sich das wunderschöne Milford Sounds. Heimat für Pinguine und Seehunde sowie für Berge, Gletscher und Wasserfälle. Meistens ist die Region wolkenverhangen, aber wir hatten Glück!

Um uns die insgesamt 600 km nach Milford Sounds und wieder zurück nach Queenstown zu ersparen stiegen wir wieder einmal in einen Tourbus ein, dessen Dach sogar verglast war, um so viel Perspektive wie möglich zu bekommen. Das hatte vor allem den folgenden Grund: bereits die Hinfahrt zu den Fjorden war wunderschön! Mit vielen Ah’s und Oh’s ging es 4 Stunden lang zu unserem Zielort und wenn man sich die Strecke auf Google Maps ansieht dann versteht man erst einmal nicht, warum es keinen direkteren Weg von Queenstown zu den Fjorden gibt. Aber die Natur ist einfach doch stärker als der Mensch und so legt man bei dieser Fahrt einen gewaltigen Umweg zurück, der sich aber sehen lassen kann. Bei dieser Unternehmung sagen wirklich Bilder viel mehr als Worte, vor allem weil wir wirklich richtig viel Glück hatten (was in dieser Gegend selten der Fall ist) und mit blauem Himmel und herrlichstem Wetter empfangen wurden – also seht am besten selbst!

und da war noch was….

Martins erster Sprungversuch im Dörfchen Glenorchy am Samstag wurde wegen des starken Windes noch abgeblasen, der Ersatztermin am Montag, hielt jedoch was er versprach. Das vom-Himmel-runter-Springen wurde hier zur Perfektion betrieben, startete ein Flugzeug mit springwilligen Kunden, landete kurz darauf schon wieder das nächste um weitere Adrenalin Junkies in die Höhe zu bringen. Warum ich mich also für das Skydiven entschieden habe? Weil man alles in einem Paket hat: einen Panoramaflug über die neuseeländischen Alpen, einen Sprung aus dem Flugzeug und dann noch Paragliden – besser geht’s doch gar nicht, oder? Es ging so rasch, ich schlupfte in den Anzug, bekam meinen Dive Buddy vorgestellt, der alles 5x Überprüfte und schon stiegen wir in die kleine Propellermaschine mit transparenter Schiebetür. Vielleicht war ich von der kleinen Maschine mit der wir auf Aitutaki flogen etwas abgehärtet, vielleicht hatte ich auch vom vielen Drohne fliegen eine Vorstellung wie die Welt, die Berge und Seen von oben aussehen, jedenfalls befand sich mein Nervositätslevel gut am Boden. Die Aussicht war beeindruckend, fast etwas beruhigend, bis dann plötzlich die Seitentüre des Flugzeugs aufging und sich das erste Sprungpärchen verabschiedete. Dann setzte auch meine Nervosität ein, doch konnte ich gar nicht so schnell schauen, befanden wir uns bereits auf der Kante, ich konnte/musste ja auch eigentlich gar nichts tun (somit auch nichts falsch machen), da sich mein Dive Buddy während des aufsteigenden Fluges seinen mit meinem Anzug verbunden hatte. auf 3-2-1 da waren wir schon draußen, wobei draußen in diesem Fall an der wirklich frischen Luft bedeutet in der Luft. Mein Mund wackelte, ansonsten dachte ich nur an Banane, Banane, Banane – die Krümmung die wir eine Stunde zuvor gelernt hatten, die wir im freien Fall einnehmen sollten. Ansonsten geht einem eigentlich in diesen 45 sec bei max. 200km/h freiem Fall nicht durch den Kopf – die Aussicht genießen kann man dafür während der Paraglide-Phase und im Nu hat man auch wieder festen Boden unter den Füßen. Mein Fazit, kann man machen muss man aber nicht, hier noch ein paar Bilder und Videomaterial zum Sprung:

Von Queenstown bis Christchurch verging die Zeit dann relativ rasch. Einerseits hatten wir nurmehr wenige Tage über, dafür aber noch einiges an Kilometern zu fahren – jetzt hieß es einfach Abstriche machen.

Clay Cliffs & Twizel

Auf dem Weg nach Tekapu folgten wir einem der vielen „Natur-Highlight“-Schildern die man in Neuseeland findet und holperten auf einmal quer über eine Schotterstraße zu ziemlich cool aussehenden Steinformationen, wo wir auch endlich wieder einmal die Drohne fliegen lassen durften.

Unsere Kaffee-Pause verbrachten wir in Twizel (schon alleine der Name des Ortes ist sehr genial, wie ich finde), wo wir über einen sehr kuriosen Shop stolperten, der von Haushaltsgeräten, Spielen, Handwerkerutensilien bis hin zu Strick- und Outdoor-Zeugs alles hatte. U.a. auch einen überdimensionalen Campingsessel, den wir beinahe mitnehmen wollten…

Lake Pukaki and Lake Tekapu

Direkt am Lake Pukaki übernachteten wir auf einem gratis Stellplatz, der uns einen kitschigen Ausblick auf den eisblauen See gab. Bei schönem Wetter kann man in der Ferne, am anderen Ende des Sees den stolzen Mount Cook bewundern – uns blieb leider nur übrig, die Wolken zu betrachten. Am Lake Tekapu, wo wir am Tag danach übernachteten, hatten wir bereits etwas mehr Glück mit dem Wetter und der Aussicht. So spazierten wir zu einer nahegelegenen Steinkirche, die von typisch neuseeländischen Blumen umgeben ist.
Vielleicht noch erwähnenswert, Tekapu zählt zu einer der besten Gegenden um Sterne zu beobachten, da sie besonders darauf achten, die Lichtverschmutzung so gering wie möglich zu halten – in einer bewölkten Nacht, hat das jedoch nur wenig Einfluss und so zogen wir weiter.

Akaroa

Bevor wir unseren Roadtrip beendeten verbrachten wir noch 2 Nächte auf der Halbinsel Akaroa, die für Christchurch’s Bewohner oft als beliebte Wochenenddestination gesehen wird. Auf der Halbinsel gibt es eine nennenswerte französische Gemeinschaft, was an so mancher Ecke eine Boulangerie mit frischen Baguettes sprießen lässt. Wir ließen den Abend bei Cocktails und passenden French Fries mit Blick auf das Meer ausklingen.

Martin und ich nahmen an diesem letzten Tag mit Campervan noch einmal eine allerletzte Wanderung in Neuseeland in Angriff, während Georg den Campervan mehr nutzte und den Tag gemütlich darin und rundherum verbrachte. 😉

Der Stony Bay Peak war unser Ziel und anscheinend wollte an diesem Tag kein anderer Mensch diesen Berg erklimmen – wir trafen bei unserem Aufstieg genau drei Personen, darunter einen der sich um die Pflanzen kümmerte und den anderen beiden seine Tätigkeit erklärte. Ansonsten trafen wir auf keine andere Menschenseele – obwohl das Wetter für eine Wanderung einfach zu herrlich war und der Ausblick über die charmante Halbinsel noch einmal richtig atemberaubend! Die gelben Blüten, die man auf jedem Foto sieht, duften übrigens so gut nach Pfirsichen, dass wir uns schon auf ein paar Pfirsich Bäume gefreut hätten, die dann aber nie auftauchten…

Christchurch

In Christchurch hieß es erstmal Abschied nehmen von unserem treuen Gefährt der vergangenen fünf Wochen. Vollgetankt und geputzt brachten wir den Van mit stolzen 4500 km mehr am Buckel und ohne Schäden zurück zum Vermieter. Und dann wurden wir mit unserem gesamten Zeug (was deutlich mehr geworden ist über die letzten Wochen) von Peter abgeholt. Peters Eltern sind Freunde der Familie Tutschek und er selbst hat sich nach einer Weltreise vor acht Jahren für seinen neuen Wohnsitz in Neuseeland entschieden. – Glück für uns, wir kamen nämlich wieder einmal in den Genuss herzlichster österreichischer Gastfreundschaft. Peter teilt sich ein Haus, 20 Minuten Gehzeit von Christchurchs Zentrum entfernt, mit einem Italiener, einem Deutschen, drei Franzosen, einem Iren und einer Neuseeländerin. Was sich erstmal anhörte wie ein sehr langer Witz stellte sich als richtig lustige, bunte Wohngemeinschaft heraus, bei der wir die erste Nacht unseres letzten Ortes in Neuseeland verbringen durften. Bei frühsommerlichen Temperaturen wurde bis spät in die Nacht gegrillt, getrunken und getratscht. 

Christchurch ist wieder ganz anders als die anderen beiden „großen Städte“ Neuseelands. Die Stadt erstreckt sich in vielen kleinen Einfamilienhäusern sehr weitläufig um den Stadtkern, es gibt einen riesengroßen Park und eine nette Innenstadt. Nach dem verheerenden Erdbeben im Februar 2011 befinden sich teile der Innenstadt immer noch (!) in den Aufbauarbeiten. Immer wieder sieht man alte Gebäude, die von Baugerüsten umrahmt sind und die uralte Kirche im Zentrum der Stadt ist komplett geschlossen und wartet auf Spenden um den Aufbau anzukurbeln.

Wir verbrachten die letzten Tage in Neuseeland noch damit, uns mit div. Ausrüstungsgegenständen einzudecken, die wir voraussichtlich in Patagonien brauchen würden und kauften für unsere Wanderung ein paar Outdoor-Mahlzeiten ein. Am 13. November ging es dann zum Flughafen in Christchurch wo wir zuerst Inlands bis Auckland flogen und dann ein 10-stündiger Flug nach Santiago de Chile anstand.

Was war noch los?
Martin war traurig weil es überall Drohnenflugverbote gibt…..

…..wir ließen uns ein traditionelles Maori-Tatoo machen und aßen auf Akaroa frische Bratwürste vom Fleischermeister vor Ort, die waren fast so gut wie z’Haus.

MaGeMa Tipps Neuseeland Südinsel:

  • Springt wo runter! Ich wurde von der Check-in Lady am Flughafen über dieses ungeschriebene Gesetz eingeweiht – man kann/darf Neuseeland nicht verlassen ohne irgendwo hinuntergesprungen zu sein – ich kann das aus dem Flugzeugspringen in Queenstown nur wärmstens empfehlen.
  • gehe einen der „Great-Walks“, sie sind wirklich „great“, mit atemberaubenden Landschaften, mitten in der Natur und sowohl Wander-Neulinge als auch leidenschaftliche Bergsteiger kommen hier auf ihre kosten.
  • Falls du überlegst, eine Drohne mit zu nehmen, weil die Natur so wahnsinnig schön ist in Neuseeland: lass es lieber! Vor wirklich jedem Nationalpark ist eines dieser gemeinen „No-Drone-Zone“-Schildern, die es ausdrücklich verbieten, dort zu fliegen…
  • Iss einen Burger/Brot/Weckerl bei Fergburger in Queenstown
  • und nochmal, plant genügend Zeit für Neuseeland ein, es ist am anderen Ende der Welt und gach durchzuhuschen, macht das Erlebnis nicht schöner.

Cook Islands

KIA ORANA!

sagt man auf Maori zur Begrüßung sowie zum Abschied und bedeutet: Mögest du lange leben!

Bevor wir die mitten im Pazifik gelegenen Trauminseln anfliegen konnten, mussten wir noch einen Zwischenstopp in Auckland machen. Dort wurden wir auch wieder mit Georg vereint, der ja direkt von Singapur anreiste, da ihm von den Australiern ein Visum für den verlängerten Zwischenstopp verwehrt wurde.

Es war kein Tag wie jeder andere: am Vorabend besorgten wir in Melbourne noch einen Geburtstagskarottenkuchen, da Maria hier in Auckland für ein paar Stunden ihren ersten 27. Geburtstag haben sollte. Wir verloren abermals aufgrund der überwundenen Zeitzonen ein paar Stunden (mit nur bedingt Schlaf) und landeten um 5 Uhr Früh Ortszeit des geschichtsträchtigen 11. Septembers. – Nach Melbourner Zeit war es jedoch noch 3 Uhr und nach Singapurer Zeit sogar 1 Uhr nachts. Wir hatten nun 7 Stunden Zeit bis zum nächsten Flug und so bekam Maria in den ersten 7 Stunden ihres Geburtstages bereits ihr erstes Geschenk. Falls ich mich zukünftig jemals in Marias Alter irren sollte, ist dies der Tatsache geschuldet, dass sie in diesem Jahr so „viele Geburtstage hatte“.

RAROTONGA

Nochmal vier Stunden quer übers Meer und schon befanden wir uns im Landeanflug auf Rarotonga. Die Hauptinsel der Cook Inseln, die auch dessen Hauptstadt inklusive Parlament & Brauerei – was man eben als souveräner Staat so alles benötigt – beheimatet. Aus der Vogelperspektive konnten wir die komplette Insel bestaunen, mitten im Pazifischen Ozean, rundherum weit und breit nur: Meer und nochmals mehr Meer. Die Datumsgrenze hatten wir bereits überflogen, das heißt es war wieder der 10. September – abends. Von der Landebahn schritten wir gemütlich in das nächstgelegene größere Gebäude, wo wir während der Immigration und des Wartens auf das Gepäck (ganz nach dem Motto „auf der Insel läuft alles locker ab“), bereits den Klängen einer Ukulele lauschen durften. Später erfuhren wir, dass genau dieser Ukulelenspieler, seit bereits 35 Jahren für fast jeden Ankommenden auf Rarotonga gespielt hat.

Den nächsten Morgen begannen wir mit einem Frühstück, das einer Frühstückskönigin, oder eben dem Geburtstagskind, Maria, würdig ist: ein großer Cappuccino, knackiges Brot mit pochiertem Ei, Salat, Avocado, Speck,… alles was sie mag.

Pünktlich nach Island Time (auf der/einer Insel gibt es keine genauen Uhrzeiten) wurden wir dann von William, dem Tourbusfahrer abgeholt, der gegen den Uhrzeigersinn alle Teilnehmer der Glassboat-BBQ-Snorkeling-Tour einsammelte. Das praktische an Rarotonga: die Insel ist kreisrund mit Bergen in der Mitte, also gibt es eigentlich nur eine Hauptstraße die entlang der Küste um die Insel geht. Noch praktischer, es gibt zwei Busse, einen der im und einen der gegen den Uhrzeigersinn fährt. Diese Tour war Marias nächstes Geschenk, bei der wir abermals mit Ukulelenklängen, Inselgesängen und rhythmischen Trommelschlägen begrüßt wurden. Dann ging’s mit Booten – deren Boden verglast war, um das kristallklare Meer und deren Bewohner unter uns bestaunen zu können – hinaus zum Korallenriff. Nach Herzenslust schnorchelten wir mit sehr großen und sehr kleinen Fischen in der Lagune mitten im Nirgendwo des Pazifischen Ozeans. Der saftig grüne Berg, das kristallklare, türkise Wasser, der strahlend blaue Himmel, die goldgelbe Sandbucht – das Farbenspiel war prächtig und wir befanden uns mittendrin!

Am frühen Nachmittag fuhren wir dann weiter zu einer winzigen, verlassenen Insel wo groß aufgegrillt wurde. Bevor es ans Essen ging, gab es noch das Tischgebet und dann durften – Ladies First – zuerst die Frauen das Buffet stürmen. Nach dem Festmahl wurde uns gezeigt wie wir auf einer verlassenen Insel überleben können, indem wir lernten, wie man Palmen hinaufklettert und Kokosnüsse knackt. Der Damenwelt wurden zudem 6 der 365 verschiedenen Varianten offenbart, wie ein Sarong gebunden werden kann und auch die Männer lernten, sich ein paar traditionelle Outfits zu binden. Als Models waren wir auch hier mitten drinnen im Geschehen.

Das war jedoch noch immer das komplette Geschenk: (Anm. Maria: jaaa ich konnte mich wirklich sehr glücklich schätzen <3) abends ging es noch hinauf ins Hochland der Insel, wo wir in die traditionellen Gepflogenheiten und Geheimnisse der Polynesier und deren Vaka (die Ur-Form der Katamarane) eingeweiht wurden. Es gab ein inseltypisches Abendmahl und im Anschluss wurden die verschiedensten Tänze der Insel und wie sie sich im Laufe der Jahrzehnte und Jahrhunderte verändert hatten, zum Besten gegeben. Wir waren in guter Gesellschaft: 3x Geburtstag, 4x Honeymoon, 3x Hochzeitstag wurde in unserer Runde gefeiert.

Laut Marias Aussagen, hat ihr dieser Geburtstag gut gefallen, auch wenn es nicht immer und überall Internet gab um die Geburtstagswünsche entgegenzunehmen. (Anm. Maria: ich habe mich über alle Glückwünsche gefreut, die mich irgendwie erreicht haben – egal nach welcher Zeitzone ;-))

Den Folgetag verbrachten wir gemütlich in unserem großartigen Hostel. Es bot eigentlich alles was man braucht: Küche, Pool, Sandstrand mit Meerzugang und dazwischen Bungalowhütten auf Stelzen, in denen wir zwar nicht untergebracht waren, man sich aber im darunter bietenden Schatten in den Hängematten, wunderbar niederlassen konnte. Klingt vielleicht übertrieben und es ist sicher ein anders Mal vielleicht ganz anders, aber das allerbeste an dem Hostel waren die Leute/die andern Gäste. Egal ob Kanada, UK, Neuseeland, Korea oder unsere Nachbarn aus Deutschland, jeder war gut gelaunt und man teilte mehr als nur die Küche (und oft auch das Essen) miteinander. Der große Tisch auf der Veranda war quasi rund um die Uhr besetzt und man plauschte dahin, tauschte sich aus und an diesem Abend machten wir auch ein Lagerfeuer am Strand miteinander. Wir steuerten Steckerlbrotteig bei (der rasch als „Bread on a Stick“ die Runde machte und von allen begeistert aufgenommen wurde), andere lieferten Marshmallows, wiederum andere Tequila und so ging es bis spät in die Nacht hinein, beleuchtet von Feuer, den Sternen und dem Mond der sich im Meer spiegelte.

Am nächsten Tag borgten wir uns Räder aus und wollten um die Insel radeln. Die Hauptstraße um die Insel kann man sich wie einen Kreis vorstellen, parallel dazu gibt es auch noch die alte Hauptstraße, einen etwas kleineren inneren Kreis. Diesen inneren Weg entlang, an dem man zwischen Ziegen, Schweinen und diversen Plantagen entlang fährt ging es dann im Uhrzeigersinn bis in den Norden der Insel – in die Hauptstadt, Avarua. Am Markt bekam Maria ihre ersehnte Blumenkrone und es gab allerhand selbst gefertigte Perlenketten, Muschelamulette und Essen. 

Als wir später nahe des Muri Beachs nach einem Badestrand suchten, stießen wir auf eine Hand voll Bauarbeiter, die uns aggrat überredeten, ihnen bei ihrem Feierabendbier/oder Samstagnachmittagsbier Gesellschaft zu leisten. Bei einem blieb, es weder bei ihnen noch bei uns, also suchten wir das nächste Wirtshaus auf um einen Snack zu uns zu nehmen. Auch hier stießen wir auf einen Koch, der es sich nicht nehmen lassen wollte, uns auf mehrerer Biere einzuladen, was damit endete, dass wir die Räder stehen ließen und uns die Besitzerin des Lokals mit dem Pickup heimkutschierte. 

Anekdote zu den Hunden und Hendln

Anfangs hatten wir noch Berührungsängste, wenig später schlossen wir sie in unser Herz: die Tiere der Insel vor allem die zahlreichen Hunde und Hendln. Weil in unserem Hostel anscheinend immer wieder hundeliebende Gäste abstiegen, hatten zahlreiche Hunde gelernt, dass es hier immer etwas zu Essen und Streicheleinheiten gab. So wichen sie dem Hostel und seinen Gästen nicht mehr von der Seite. Ein paar Dauerbewohner gaben ihnen sogar Namen. Und so begleiteten uns „Jimbo“, „George“ und „Georgina“ bei unseren Spaziergängen, am Lagerfeuer und kamen zu Martins Ukulele Open Air Konzerte am Strand. Aber nicht nur auf Hunde, auch auf Hühner trifft man in Rarotonga so gut wie hinter jedem Busch, jeder Palme, oder sogar am Gipfel des höchsten Berges.

Na, wie habt ihr’s mit der Religion?

Am darauf folgenden Sonntag fühlten wir uns ins Teenageralter bzw. 10 Jahre zurückversetzt: wir besuchten den Gottesdienst. Nicht nur, dass Rarotonga mehr Kirchen als Straßenlaternen besitzt, die Sonntagsmessen haben auch den Ruf mit besonders imposanter Gesangs/Gospel Untermalung abgehalten zu werden. So legten wir unser Sonntagsgewand an und marschierten, mit sieben weiteren Hostelbewohnern, Richtung Kirche. Die in jeder Familie bekannte Situation, dass einer immer etwas länger braucht, während die anderen schon draußen warten, spielten wir bravourös nach. Auch das energische „es is schon 10 vor!“ ließ sich Maria nicht nehmen zu sagen. In der Kirche trafen wir auf mehr Weiße als gedacht an, oftmals in Badehose und Hawaii Hemd. Die Einheimischen hingegen waren schick gekleidet in Sarong oder besticktem Kleid, trugen die typischen Blumenkronen und Hüte. Zu jedem der Gospel Lieder standen sie auf und gaben zum Besten, was ihre Stimme zu bieten hatte. Definitiv ein Erlebnis, auch für Nicht-Kirchengeher. Ein weiterer Grund (böse Zungen behaupten der Eigentliche) warum so viele unserer Hostel Mitbewohner (einige lebten hier für Monate und arbeiteten als Ärzte oder Tauchlehrer auf der Insel) die Kirche besuchten war, dass es im Anschluss an die 1,5 (!) Stunden lang dauernde Messe ein ordentliches und kostenfreies Mittagessen im Pfarrcafé gab. Nach einem Tischgebet des Pfarrers wurden abermals die Damen als erstes zum Buffet gelassen – eigentlich eine sehr nette Geste. Den weiteren Tag verbrachten wir gemütlich, mit Ukulele spielen, Lesen, ab und zu ins Meer plantschen und tratschen, also richtiges Inselleben. 

Am nächsten Tag mussten wir dann endlich unsere Leihräder abholen, die wir ja am Samstag stehen gelassen hatten. Außerdem überredete uns Veronica am Abend beim Partybus mitzufahren. Wir hatten zwar schon davon gehört, aber nicht wirklich eine Vorstellung. Es funktioniert ähnlich wie bei einem Faschingsumzug (Marias Herz schlug gleich mal höher!): es gab zwei LKWs, ausgestattet mit Musik, Beleuchtung und ein paar Stangen zum anhalten/tanzen auf der Ladefläche. Die Teilnehmer meldeten sich vorab an und wurden dann von ihren Hostels abgeholt und von Bar zu Bar chauffiert. Das Montagabend-Special war: es gab nur Musik aus den 70er, 80er und 90er Jahren – sprich zu DJ Ötzi und den Venga Boys wurde springend und tanzend um die Insel gefahren. Sowas ist auch nur möglich auf einer Insel mit nur einer Straße. 😉 

Für den kommenden Tag nahmen wir uns die Inselüberquerung vor. Diese Wanderung führte uns wieder an unzähligen Hunden, Ziegen und Schweinen vorbei ins Insel-Innere, wo wir dessen prachtvolle Landschaft in vollen Zügen genießen konnten. Als wir nach – selbst für Alpenkenner – steilen Wurzelpfaden bei der „Needle“, der Spitze der Wanderung, ankommen waren und mit Hilfe von Seilen noch ein Stück hinauf kraxelten, waren wir von der Aussicht überwältigt. Dieses Island-Crossing bietet echt alles, was man sich von der idealen Wanderung wünscht: es gibt Tiere zu sehen, Wurzel- sowie Steinkletterpassagen, Bachüberquerungen (teils mit Liane) einen tollen Ausblick – in diesem Fall sogar über die gesamte Insel und aufs Meer – und zum Schluss wird man noch mit einem Wasserfall belohnt.

Ausserdem wurde uns immer mehr bewusst, dass sich die Disney Produktion Vaiana/(auf deutsch „Moana“), Rarotonga wirklich als Vorbild genommen haben musste. Hier ein paar Indizien: Die Insel mit Berg wird durch ein Riff geschützt, die traditionellen Vakas/die Schiffe mit denen die Einwohner einst bis Neuseeland fuhren, die Hähne die auf der kompletten Insel verstreut waren (sogar am Berg) und auch einen treuen Gefährten der Protagonistin darstellt. Die „Needle“, der exponierte Häuptlingsberg im Film, und vor allem die Leute sehen 1:1 aus, wie im Film dargestellt, sowohl in ihrer Form als auch mit ihren schmucken Tattoos.

Nach dem ebenso anspruchsvollen Abstieg, jausneten wir noch beim nahegelegen Muri Night Market, einem Streetfood Markt, und fielen ins Bett.

Nach einer Woche hieß es vorerst Abschied nehmen von Rarotonga, denn wir stiegen wiedermal ins Flugzeug. Dieses Mal nach…..

Aitutaki

Der Flug auf Aitutaki gestaltete sich als weiteres Erlebnis für sich selbst. Da es ein Inlandsflug war, gab es nichtmal Sicherheitschecks und ein Mann mit Klemmbrett, hackerlte unsere Namen einfach ab und wir gingen durch die Türe aufs Flugfeld. 54 Plätze hat die kleine Propeller Maschine, die Stewardess sagte noch eigenständig die Sicherheitsanweisungen durch und schob dann 5 Minuten später ein Verpflegungs-Wagerl mit frischem (gratis) Kaffee und Wasser durch den Gang. Kurz vor der Landung drehten wir noch eine Runde um die gesamte Insel (was ja nicht viel war) und dann rollten wir auf dem kleinsten Flughafen, den wir bis jetzt gesehen haben.

Viele Besucher verbringen nur einen Tag auf Aitutaki. Es gibt von Rarotonga aus Tagesausflüge inkl Flug, Verpflegung und Lagoon-Tour für umgerechnet ca. 280 Euro. Da hat man zwar dieses „Aitutaki-Erlebnis“ mit der wunderschönen Lagune, den Inseln und dem kitschigen Meer dabei, aber kommt weder mit den Locals ins Gespräch noch ein paar wertvolle Insider-Tipps – und wenn du Pech hast, ist dein Ausflugstag verregnet (was seeeehr selten vorkommt, aber es passiert.) Aber egal. Wir haben uns gegen so einen Tagesausflug entschieden und beschlossen: wir machen die kleinere, untouristischere Insel gleich 10 Tage lang – und es war gut so!

Die ersten fünf Tage verbrachten wir am östlichen Arm der Hauptinsel, der noch einmal mehr „weg vom Schuss“ ist, da der „städtische“ Teil der Insel am westlichen Arm liegt. In Fußnähe unseres Bungalows befanden sich: ein Kaffee (welches unter der Woche bis 3 Uhr Nachmittags offen hat, Freitag & Samstag bis 23 Uhr und Sonntags gar nicht) und zwei Restaurants. Supermärkte gab’s auf der anderen Seite der Insel. So borgte sich Martin am nächsten Tag gleich mal ein Kajak aus, um die Lagune zu erkunden und Georg schnappte sich ein Moped um sich mal mit Lebensmitteln einzudecken.

Denn hier konnten wir auch wieder selber Kochen – und bei den Restaurantpreisen, die sich nur Flitterwochenpärchen (und Neuseeländer, die die Preise sowieso gewohnt sind) gönnen, war das auch dringend nötig. Einen Helm tragen braucht man hier beim Mopedfahren nicht. „That’s no must on Aitutaki.“ Und es tut auch keiner und es gibt auch keine Helme zum Ausborgen. Tja – Insel Lifestyle – Fahrt einfach Vorsichtig, dann braucht ihr auch keinen Helm.

Nach zwei Tagen im Paradies kam dann der Regen. Die Insel-Bewohner freuten sich, schließlich warteten sie seit gut einem Monat auf Regen, der ihre Wasservorräte u.a. zum Duschen und Kochen auffüllen sollte. Für uns (aus eher egoistischer Urlauber-Sicht) war das eher fad, weil recht viel bleibt einem auf einer kleinen Insel nicht zu tun übrig, wenn es den ganzen Tag regnet. Internet gibt es schließlich auch auf den gesamten Cook Islands nur gegen Vorverkaufs-Voucher und nur an bestimmten Stellen. Wir möchten uns aber nicht beschweren, schließlich hat es auch etwas Gutes, wenn man sich mal den ganzen Tag mit sich selber beschäftigen muss. Dieses „fad sein“ kennt man ja schon fast nimmer. So wurde viel geschrieben, gelesen, Ukulele gespielt, massenweise Kokosnüsse geknackt und zu Rum-Becher und Müsli-Toppings verarbeitet und und und.. es fällt einem ja eh immer was ein. Es folgt einen Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Öffnen einer Kokosnuss:

Etwas Verzweiflung schlich sich dann schon ein, als es am 5. Tag immer noch regnete und das Wetter auch nach unserem Unterkunftswechsel zur Halbzeit, auf die „belebtere“ West-Seite der Insel, nicht den gewünschten Umschwung lieferte. Schließlich hatten wir weder eine Boots-Fahrt durch die wunderschöne Lagune gemacht, die einiges an Highlights versprach, noch andere ToDo’s abgehakt, die auf unserer Aitutaki-Liste standen.

Achtung Spoiler: wir haben noch alles erledigt!

Whale watching

Gleich am ersten schönen Tag, nachdem alle Regenbehälter auf Aitutaki wieder aufgefüllt waren, bekamen wir noch drei Plätze auf einem Boot zum Wale ansehen und mit ihnen zu schwimmen. Ich finde ja, „Whale watching“ hört sich immer nach einem riesigen Boot an, welches mit vielen vielen Touris weit raus aufs Meer fährt und dort hofft auf ein paar Wale zu treffen. Nun, ich war in anderen Ländern noch nie „Whale watching“, aber auf den Cooks lief es anders ab, als in meiner unsympathischen Vorstellung.

Unser erfahrener Kapitän und ein genauso kompetenter Matrose fuhren mit uns insgesamt 9 Touristen außerhalb des Riffes, ins offene Meer hinaus. Wir mussten keineswegs recht weit hinaus aufs offene Meer raus schippern, die Wale halten sich in der High-Saison zwischen Juli und Oktober nämlich sehr gerne sehr nahe am Riff auf – zu unserem Glück. Nach ein paar mal auf und ab tuckern, entlang des Riffes ließ sich dann auch eine Walmutter mit ihrem Baby blicken – sobald wir aber ins Wasser sprangen tauchten sie tief hinab. Es dauerte ein paar Versuche bis wir endlich nahe genug dran waren, und in unserer Schnorchelausrüstung zu den zwei wunderbaren Riesen des Ozeans schwimmen konnten.

Lagoon Tour

Am Tag nach unserem Tauchgang mit den Walen stiegen wir gleich nochmal ein ein Boot. Die höchst angepriesene „Lagoon-Tour“ stand auf dem Plan. Da der Vermieter unseres Bungalows auch selbst solche Touren anbot, etwas billiger als die kommerziellen und ein bisserl früher startend, damit wir die Touristenmassen umgehen, saßen wir gemeinsam mit einem Paar aus Australien um halb 10 Uhr morgens startbereit in Byrons Boot (das Boot war jedoch noch nicht im Wasser und so fuhren wir im Boot, vom Pick-Up gezogen über die Straße bis zum Hafen).

Was dann kam, war der Blick auf das Paradies. Die Perspektive vom Boot auf die Insel Aitutaki und ihre Nebeninseln hat durchwegs Postkartenpotential. Palmen, weißer Sandstrand, alle möglichen Farbabstufungen von blau und grün offenbarten sich uns innerhalb des Riffes – türkis-blau, helltürkis, dunkelblau, grün…Farben, die man eben nur von Postkarten und unecht wirkenden Bildschirm-Hintergründen kennt. Hier war das alles echt!